Neues aus Buechnerland Peter Brunners Buechnerblog

28.4.2017

Heraus zum 7. Mai!

Selten fiel es mir so schwer, am Tag für die Literatur in Hessen am Sonntag, dem 7. Mai,  zum Besuch einer Büchner-Veranstaltung einzuladen – weil es gleich mindestens vier unbedingt besuchenswerte geben wird.

Trösten wir uns mit dem hier schon öfter zitierten Johannes Breckner vom Darmstädter Echo, der mit „Büchner hält das aus” eine wahrlich epochale Formulierung gefunden hat. Ausserdem bietet das Programm wieder einmal die schöne Möglichkeit einer Reise quer durch das Büchnerland – und ganz wie es die Intention der Veranstalter ist, können tatsächlich mehrere Veranstaltungen am gleichen Tag besucht und dabei großartige Kulturinitiativen kennengelernt oder wieder getroffen werden.

 

Also herzlich willkommen allen Gästen an allen Orten! 

 

Maria Sibylla Merian –  Künstlerin, Forscherin, Geschäftsfrau
16 — 17.30 Uhr | 10 €
Pretlacksches Gartenhaus im Prinz-Georg-Garten
Schloßgartenstr. 6b . 64293 Darmstadt

Die in Frankfurt geborene Naturforscherin und Künstlerin
Maria Sibylla Merian (1649–1717) leistete Pionierarbeit
nicht nur in der Kunst, sondern auch in den Naturwissenschaften.
Ihre Faszination für Raupen und deren Verwandlung
in Schmetterlinge führte sie 1699 bis in den
tropischen Urwald von Südamerika. Nach ihren großen
Biografien u.a. über Hildegard von Bingen und Sophie
Scholl erzählt Barbara Beuys in ihrem neuen Buch
spannend und kenntnisreich von dem ungewöhnlichen
Leben einer Frau im 17. Jahrhundert. Musikalisch wird
die Lesung von dem Gitarristen Stefan Hladek begleitet.
Tel. 06151 599788 oder 06150 4687
www.luise-buechner-gesellschaft.de
Eine Veranstaltung der Luise Büchner-Gesellschaft e.V. Darmstadt

UND

Georg Büchner, Friedrich Lehne  und Peter Schöffer im graphischen  Werk von Mario Derra
11 — 18 Uhr | Eintritt frei
Altes E-Werk Gernsheim . Obergeschoss des Kesselhauses
Riedstr. 28 . 64579 Gernsheim

Der Künstler Mario Derra hat in Gernsheim ein aufgegebenes
Industriedenkmal, das 1905 erbaute Alte E-Werk, als
Atelier und Ausstellungsraum renoviert. Zu sehen sind dort
unter anderem historische Druckpressen und Schaustücke
zum lithographischen Bilder- und Notendruck, der von
Offenbach aus weltweite Verbreitung fand. Im Obergeschoss
zeigt Mario Derra etwa 80 Lithographien, Radierungen und
Holzschnitte zu Leben und Werk dreier für Gernsheim und
Goddelau bedeutender Persönlichkeiten: Georg Büchner,
Friedrich Lehne und Peter Schöffer.
Tel. 06258 4828 | www.mario-derra.com
Eine Veranstaltung von Mario Derra

UND

Martin Luther und der Hessische Landbote
18 Uhr | 7 € zugunsten des Büchnerhauses
Kunstgalerie am Büchnerhaus
Weidstr. 9 . 64560 Riedstadt-Goddelau
Im Luther-Jahr 2017 beleuchtet Matthias Gröbel eine
Beziehung, die bisher eher im Dunkeln lag: Natürlich war
Martin Luther kein unmittelbares Vorbild für Georg Büchner
und seine Gesellschaft der Menschenrechte. Aber von der
Sprachkraft Luthers hat auch der »Hessische Landbote«
profitiert: Ohne die biblischen Bezüge wäre die rhetorische
Wucht der Flugschrift schwächer. Und Büchners
Co-Autor, der evangelische Theologe Friedrich Ludwig
Weidig, trug sich noch kurz vor seinem Tod im Darmstädter
Arresthaus mit Plänen einer neuen Bibel-Übersetzung.
Tel. 06158 9308-41/-42 www.buechnerhaus.de
Eine Veranstaltung des Fördervereins Büchnerhaus e.V.
Kunstgalerie am Büchnerhaus
Weidstr. 9 . 64560 Riedstadt-Goddelau

UND

Der Zwingenberger Pfarrer Büchner  träumt von Amerika
19 — 20.30 Uhr | Eintritt frei
Ev. Bergkirche . Auf dem Berg . 64673 Zwingenberg
Georg Büchner war das Genie der Familie – doch in den
letzten Jahren geraten auch seine Geschwister und andere
Verwandte zunehmend in den Blick. Friedrich Büchner, ein
Cousin des Sozialrevolutionärs und Schriftstellers Georg
Büchner, war von 1858–1869 Lehrer und Mitprediger in der
evangelischen Bergkirche Zwingenberg. Der Publizist und Leiter
des Museum im Riedstädter Büchnerhaus Peter  Brunner stellt
Friedrich Büchner und seine unbekannten
»Deutschen Märchen« vor. Eingebettet sind sie in die
abenteuerlichen Erlebnisse einer Gruppe deutscher Siedler
im Wilden Westen Amerikas.
Tel. 06251 73855 | www.kunstundkultur-zwingenberg.de
Eine Veranstaltung des Förderkreises für Kunst und Kultur Zwingenberg e.V.

 

Das Literaturfestival „Ein Tag für die Literatur“ wird im Rahmen des Netzwerkprojekts „Literaturland Hessen“ alle zwei Jahre von hr2-kultur in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Literaturrat koordiniert. Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst fördert die Veranstaltungen.

 

von Peter Brunner

Peter Brunner

Peter Brunner

;

20.4.2017

20. April 2017 – 202. Geburtstag von Mathilde Büchner

Unweit von Georg Büchners Geburtshaus in Riedstadt-Goddelau, ursprünglich wohl sogar auf einem direkt angrenzenden Grundstück, steht das schöne Fachwerkhaus in der Hospitalstraße, in das Ernst und Caroline Büchner mit ihrem Sohn umzogen, als der junge Hausstand auch nach eigenem Haushalt verlangte. In der Weidstraße lebte die Familie ja als Untermieter im ersten Stock, und es steht außer Frage, dass die junge Mutter, zum zweiten Male schwanger, mindestens nach einer eigene Wohnung verlangte. Die fand sich nebenan, und so wurde im nächsten der zahlreichen Häuser, die die Büchners bewohnten, am 20. April 1815 das zweite Kind, die Tochter Mathilde Büchner, geboren.

Hier im Blog wurde sie vielfach erwähnt, wer das nachlesen will, findet hier alle Erwähnungen.

 

Riedstadt-Goddelau, Hospitalstraße. Geburtshaus von Mathilde Büchner

 

Erinnerungsplakette am Haus

 

31.3.2017

Ein rührendes Erinnerungsstück – Kleine Sensation im Keller des Büchnerhauses gefunden

Filed under: Büchner,Büchnerhaus,Georg Büchner — Schlagwörter: , , , , — peter brunner @ 17:22

Mit einem Nachtrag vom 1.4. (s.u.)

In einer kleinen Schatulle im Keller des Goddelauer Büchnerhauses fand ich gestern Nachmittag ein zusammengefaltetes, französisch besticktes Leinentüchlein, das ohne Zweifel Georg Büchners „Schnuller“, sein Lutschbeutel, war.

Die geöffnete Kellertreppe im Boden von Georg Büchners Geburtshaus

Name und Datum lassen keinen Zweifel zu.

Charles George Buechner

XVII Octobre MDCCCXIII

Der eingestickte Text – besonders liebenswert
durch den Schreibfehler des fehlenden „s“ bei „Georges“

Ein erster Augenschein lässt bei den kleinen dunklen Überresten in den Stofffasern auf Mohn schließen, ein weiterer Beweis für die Verwendung des Stoffstückes als Schnuller: Schlafmohn, der in der Gegend angebaut wurde, war ein probates Mittel, schreiende Säuglinge zu beruhigen.

Es darf vermutet werden, dass das Tüchlein von der Großmutter Reuß für ihr erstes Enkelkind bestickt wurde, das erklärt auch die französische Form von Name und Datum. Der Enkel Alexander schildert anschaulich, dass sie noch als alte Frau in Darmstadt französisch parlierte.

Das Tüchlein wird nach einer ausführlichen Untersuchung in den Labors der Darmstädter Firma Merck, die freundlicherweise ihre Bereitschaft zur Unterstützung bei der Analyse angeboten hat, einen Platz in der Dauerausstellung des Museums finden. Merck war ein großer Abnehmer des von den Bauern der Umgebung Darmstadts angebauten Schlafmohns.

Im Büchnerhaus, das seine Ausstellung mit dem Schicksal beginnen musste, dass kein einziges Originalstück aus dem Leben Georg Büchners gezeigt werden konnte, findet sich in Zukunft neben dem mittlerweile in Pfungstadt aufgefundenen Fragment des Grabsteins aus Zürich als Memento auf den frühen Tod dieser kleine Schatz als ebenso wirksame Erinnerung an die allererste Zeit des kleinen Riedstädter Doktorkindes.

In einer dieser Vitrinen wird das Stofffragment künftig gezeigt werden

Ob und welche Schlüsse die Forschung auf mögliche Folgen des frühen Kontakts des jungen Georg mit Schlafmohn, (dessen lateinischer Name Papaver somniferum, schlafmachender Mohn, auf seine verbreitete Verwendung deutet) zieht, bleibt zunächst dahingestellt.

Nachtrag vom 1.4.2017:

Während Herr Worm im Kommentar (s.u.) die Glaubwürdigkeit der Nachricht anzweifelt, haben mich andererseits mehrere Büchnerfreunde auf durchaus bemerkenswerte Hinweise zu Büchner und Drogen aufmerksam gemacht:

Eine ganz besondere Brisanz erhält die Abbildung einer Mohnkapsel in Alexis Mustons Skizzenbuch von der Wanderung aufs Felsenmeer:

Skizzenbuch von Alexis Muston. Büchner auf dem Felsenmeer. Abbildungsnachweis: Jean Pierre Trouchaud, Fonds Muston; Leihgabe an das Freie Deutsche Hochstift Frankfurter Goethe-Museum

Und schon Dezember 1833 schreibt Georg Büchner an die Eltern (!): „Ich bete jeden Abend zum Hanf und zu d. Laternen.“, im März 1835 an Gutzkow: „Wenn es einmal ein Misjahr gibt, worin nur der Hanf geräth!“ Das könnte wörtlicher gemeint sein, als es bisher interpretiert wurde.

Von Eugene Boekel, dem Freund, wissen wir aus seinem Brief vom 11.1.1837 zwar, dass Büchner Tabakrauch mied, wenn er allerdings, was immerhin nach dem neuen Fund möglich erscheint, an die orale Aufnahme von Drogen gewöhnt war, hat ihm Minna vielleicht in Straßburg das eine oder andere Plätzchen gebacken?

 

 

von Peter Brunner

Peter Brunner

Peter Brunner

;

20.3.2017

Einladung zur Sommerexkursion

Filed under: Genealogie,Geschichte,Veranstaltung,Wilhelm Büchner,Zeitgenossen — Schlagwörter: , , — peter brunner @ 18:15

Immer mal wieder war hier schon die Rede vom holländischen Gouda, wo sich Verwandtschaft der Büchners niederließ, zuletzt hier über die Recherche nach dem Haus, in dem Wilhelm Büchner (*1780 in Reinheim, + 1855 in Gouda) mit seiner Familie wohnte und wo seine Tochter Elisabeth (*1821 in Gouda + 1908 in Pfungstadt), die später ihren Cousin Wilhelm heiratete und in Pfungstadt Hausherrin der Villa Büchner wurde, geboren wurde.

W. F. Büchner

Es hat sich nun ergeben, dass die Luise Büchner-Gesellschaft entschieden hat, ihre diesjährige Exkursion nach Gouda zu machen, und dafür ist ein spannendes Programm entstanden, das zu wichtigen Teilen zwei Niederländern zu verdanken ist. Paul Abels und Jan Gielkens  haben wunderbare Hinweise gegeben und Unterstützung angeboten, beide werden sich mit der Reisegruppe treffen und ihr Wissen weitergeben.

Hier ein Einblick in den vorläufiger Reiseplan (Änderungen vorbehalten)
für die Exkursion der Luise Büchner-Gesellschaft nach Gouda vom 14. bis 18. Juni 2017

Fahrt mit einem komfortablen Reisebus der Firma Brückmann, Darmstadt,
Unterbringung in Einzel- oder Doppelzimmern (incl. Frühstück) im Hotel Best Western Plus City Hotel Gouda. Stadtführungen, Moderation und Begleitung.

Mittwoch, 14. 6.
Anreise

Donnerstag, 15. 6.
vormittags Gouda. Besuch des Käsemarktes und Bummel durch die Innenstadt
mittags Altstadtführung in Gouda
anschl. Besuch des Hauses, in dem Dr. Wilhelm Büchner lebte
Jan Gielkens und Paul Abels über die Büchners in Gouda
Besuch des Museums Gouda
Vortrag von Hans Trapman über Erasmus von Rotterdam

Freitag, 16. 6.
Fahrt nach Rotterdam
Führung durch die Innenstadt
nachmittags Besuch des Museums Boymans van Beuningen
Begegnung mit der deutsch-niederländischen Autorin Britta Böhler

Samstag, 17. 6.
Fahrt nach Den Haag
Führung durch die Innenstadt
nachmittags Besuch des Museums Mauritshuis
Über Anna Barbara van Meerten-Schilperoort, Goudaer Frauenrechtlerin (1778 – 1853). Aktivistin für Bildung, Armenfürsorge und Gefangenenbetreuung

Sonntag, 18. 6.
Fahrt nach Doorn, Besichtigung von Schloss Doorn, dem Aufenthaltsort des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II
Heimreise
Ankunft in Darmstadt gegen 20 Uhr

 

Den Vereinsmitgliedern ist das vorläufige Reiseprogramm inzwischen zugegangen, die meisten der maximal 30 Plätze sind auch schon vergeben. Auf die wenigen Restplätze können sich Interessentinnen zum Preis von 754 € (Nicht-Mitglieder im im Einzelzimmer) bis 490 € (Mitglieder im Doppelzimmer) unter ilse.kuchemueller@t-online.de bewerben.
von Peter Brunner

Peter Brunner

Peter Brunner

;

4.3.2017

Was ist neu im Büchnerhaus, Peter Brunner?

Filed under: Ausstellungen,Büchnerhaus,Georg Büchner,in eigener Sache,Publizistik — Schlagwörter: , , , — peter brunner @ 12:57

ist der Titel, den sich der Hessische Rundfunk für ein Gespräch mit mir im „Kulturfrühstück“ von hr 2 ausgedacht hat.

Ria Raphael erzähle ich am Sonntag, dem 5. März, frühmorgens um 9:05 Uhr, auch, warum es mir gar nicht um „Neues” geht und was es in Georg Büchners Geburtshaus zu besichtigen und zu erfahren gibt.

Nach der Ausstrahlung gibt es das Gespräch auch unter dem o.a. link zum Anhören.

Auf bald im Büchnerhaus! 

von Peter Brunner

Peter Brunner

Peter Brunner

;

« Newer PostsOlder Posts »

Powered by WordPress