Neues aus Buechnerland

Peter Brunners Buechnerblog

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Es ist ganz im Sinne Georg Büchners und seines Einsatzes für Gleichheit, alles dafür zu tun, dass nicht knappes Geld den Zugang ausgerechnet zu seinem Museum einschränkt.


Satzungsgemäß tagte die Jahreshauptversammlung des Fördervereins Büchnerhaus am 21. März.

Neben den vereinsrechtlichen Formalia wie der ohne Gegenstimmen erfolgten Entlastung des weiter amtierenden Vorstandes waren es insbesondere der Ausblick und zukunftsweisende Festlegungen, die das Programm des Abends dominierten.

In den vergangenen Monaten ist es endlich gelungen, den Bau der Scheune gemäß dem eingereichten Bauantrag fertigzustellen, Rück – und linke Seitenwand wurden geschlossen. Nach einer Begehung durch die zuständige Kreisbehörde ist zu erwarten, dass nun wenigstens die vorgesehene bescheidene und gelegentliche Nutzung für Veranstaltungen im Freien möglich wird. Wir hoffen, dass das mit dem Auftritt unserer Freunde von Le Cairde aus Darmstadt im Sommer losgeht.

Die „Büchnerscheune” hat nun zwei geschlossene Aussenwände

Zahlreiche Kontakte zu Presse und Politik hatten nicht nur wirtschaftliche, sondern auch publizistische Folgen. Es ist ein großer Erfolg, dass die hessische Regierungskoalition die Unterstützung für die Riedstädter „Büchnerarbeit“ ausdrücklich in den Koalitionsvertrag aufgenommen hat, und dass der Bundespräsident das Büchnerhaus in seinem Beitrag zum Jubiläum der Märzaufstände 1848 in Berlin erwähnt, ist eine wohltuende Anerkennung für die hier seit Jahrzehnten geleistete Arbeit.

In diesem Zusammenhang wird Bürgermeister Marcus Kretschmann, der gleichzeitig Vorsitzender des Fördervereins Büchnerhaus ist, den Stadtverordneten einen Beschluss darüber vorlegen, die offizielle Benennung Riedstadts als „Büchnerstadt“ durch das hessische Innenministerium zu beantragen.

Die heute schon geführte „informelle” Benennung der Stadt

Dem Förderverein ist in den letzten Monaten neben einer großzügigen Einzelspende und verschiedenen Landesfördermitteln auch, zusammen mit der BüchnerBühne, vom Kreistag des Landkreises Gross-Gerau Unterstützung zugesagt worden. Noch im Dezember 2018 haben die Parlamentarier insgesamt 60.000 € genehmigt.

 „Die Mittel sind nach gemeinsamer Absprache für Maßnahmen der Demokratiebildung im Sinne Georg Büchners und den Zielen der beiden Institutionen für die Informations- und Bildungsarbeit mit jungen Menschen einzusetzen“


lautet der Beschluss. Nach interner Absprache und einem Treffen mit Landrat Thomas Will wird das Geld 2019 den beiden Vereinen zu gleichen Teilen zukommen. Das Büchnerhaus kann damit ab dem 1. Mai 2019 ein Jahr lang seine Öffnungszeiten um zwei weitere Tage verdoppeln und auf das Erheben von Eintritt für Einzel –und Gruppenbesuche verzichten. Der Vorstand begründet seinen Beschluss so:

„Erfahrungen anderer Museen belegen eindeutig, das selbst geringe Eintrittsgebühren prohibitiv wirken: insbesondere bildungs- oder sozial benachteiligte Personen scheuen kostenpflichtige Angebote. Die Unterstützung des Landkreises macht es möglich, auf die bisherigen Einnahmen von ca. 3 T€ im Jahr zu verzichten und die zusätzliche Arbeitszeit zu honorieren. Es ist ganz im Sinne Georg Büchners und seines Einsatzes für Gleichheit, alles dafür zu tun, dass nicht knappes Geld den Zugang ausgerechnet zu seinem Museum einschränkt. Dem war schon bisher durch Erlass des Eintritts für Minderjährige entsprochen worden, mit den zusätzlichen Mittel wird es möglich, dies auf alle Besucher*innen auszudehnen.

Die Ausdehnung der Öffnungszeiten soll es leichter machen, das Museum aufzusuchen. Insbesondere die künftige Möglichkeit, vor annähernd jeder Aufführung der BüchnerBühne das Goddelauer Museum zu besuchen, kann so angeboten werden.“

In den nächsten Monaten soll nun an der engen Kooperation von Büchnerhaus und BüchnerBühne gearbeitet werden; öffentlich werden nächste Ergebnisse wahrscheinlich am Tag der Literatur in Hessen, dem 26. Mai, wenn es heißt „Stadt, Land, Fluss – mit dem Bus durchs BüchnerLand“

Peter Brunner

von Peter Brunner

„Wir haben unsere Freiheits- und Demokratiegeschichte in unserem Denken über Zukunft zu lange vernachlässigt”

Als ich vor zwei Jahren begann, die Veranstaltungsreihe „Republikanische Jubiläen“ für das Büchnerhaus zu planen, bin ich nicht auf die Idee gekommen, um ein Grußwort aus der Politik nachzufragen (allerdings hat die Hessische Landeszentrale für Politische Bildung das Projekt freundlich und großzügig unterstützt, und das war ja noch viel wichtiger!).

Der Beitrag von Bundespräsident Steinmeier in der ZEIT vom 14.3. liest sich aber ein bisschen so:

„Ein demokratischer Patriotismus in Deutschland weiß: 1789, 1848, 1918, 1949 und 1989 sind allesamt auch hoffnungsvolle Wendemarken der europäischen Geschichte. Sie führen uns in Europa nicht auseinander, sondern zusammen.“

„Ihr werdet vergeblich eine Gattin unter uns suchen, wenn ihr nicht … die Freiheit behauptet“. In der Bergzaberner Republik wurde zum ersten Mal auf deutschem Boden von allen Männern frei und gleich gewählt.

Darüber hinaus ist es eine schöne Ermutigung, wenn er schreibt:

„In Berlin und Bonn leisten großartige Museen und der Bundestag wichtige Beiträge zur Erinnerungsarbeit. Aber es gibt weitere herausragende Orte der deutschen Freiheits- und Demokratiegeschichte: Das Hambacher Schloss, der Friedhof der Märzgefallenen und die Festung Rastatt, das Weimarer Nationaltheater, Herrenchiemsee und die Nikolaikirche in Leipzig zählen dazu. Sie alle sollten nicht nur Ereignisorte sein, sondern wir sollten gemeinsam dafür sorgen, dass sie Lernorte der Demokratie werden. Darüber hinaus gibt es unzählige weitere Orte der Demokratiegeschichte, kleine und große, bekannte und weniger bekannte. Ich denke etwa an das Geburtshaus von Georg Büchner in Riedstadt und das von Matthias Erzberger in Buttenhausen, das Teehaus in Trebbow, wo sich Widerständler des 20. Juli trafen, an Denkmäler wie jenes für die Unterzeichnung der Weimarer Verfassung in Schwarzburg oder für die frühen Großdemonstrationen im Herbst 1989 in Plauen.

Viele dieser Orte werden von Ehrenamtlichen mit großem Einsatz gepflegt. Ihr Engagement ist wichtig. Wenn die Demokratie eine Staatsform für alle ist, dann gilt das für die Pflege ihrer Geschichte ganz genauso. Denjenigen, die sich dafür schon heute engagieren, will ich ausdrücklich danken. Aber die Existenz dieser Erinnerungsorte ist oft prekär, ihre Möglichkeiten sind begrenzt, die Öffnungszeiten eingeschränkt. Viele Orte bekommen nicht die Gestaltung und die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. …. Die Demokratie ist uns Deutschen wahrlich nicht in die Wiege gelegt. Wir müssen, immer aufs Neue, für sie arbeiten, für sie streiten. Deshalb verdient unsere Demokratiegeschichte mehr als freundliches Desinteresse. Sie braucht Neugier, Herzblut und, ja, auch finanzielle Mittel.“

Dabei kann es nicht darum gehen, einen unabhängigen und widerständigen Geist wie den Georg Büchners in irgendeiner Form oder unter irgendeiner Fahne zu vereinnahmen. Es steht aber außer Frage, dass er, die Mitverschwörer des Hessischen Landboten und weitere seiner Zeitgenoss*innen zu den Riesen gehören, auf deren Schultern wir in eine gerechtere, gleichere, weiblichere und freiere Zukunft schauen dürfen.

Das Büchnerhaus arbeitet schon lange im Arbeitskreis „Geist der Freiheit” der Kulturregion Frankfurt mit; jetzt haben wir auch Kontakt mit der Arbeitsgemeinschaft Orte der Demokratiegeschichte aufgenommen.

Peter Brunner

von Peter Brunner

„Doch was mir dort geschehen, Wirkt mutig in mir fort!”*

Als Georg Büchner am 19. Februar 1837 in Zürich in den Armen der geliebten Minna Jaeglé stirbt, ist kein Familienmitglied anwesend.

Am Tag nach der Beerdigung am 21.2.  veröffentlichen die Eltern in Darmstadt eine knappe Anzeige:

 

Unser innigst geliebter Sohn Georg, Dr. philos. und Privatdocent an der Universität Zürich, ist uns durch den Tod entrissen worden. Er starb am 19. d. Mts. an dem Orte seiner Bestimmung, nach kaum zurückgelegtem 23. Jahre seines Alters, an einem bosartigen Fieber.

Ihren lieben Verwandten und Bekannten, sowie den Freunden des Verewigten widmen diese Anzeige, mit der Bitte um stille Theilnahme, die tiefgebeugten Eltern.

Darmstadt, den 22. Februar 1837.

Dr. Büchner, Gr. Med. Rath.

Caroline Büchner, geb. Reuß.

(Großherzoglich Hessische Zeitung, Nr. 56, 25. Februar 1837)

Es gibt keine Äusserung darüber, ob und wie es ihnen möglich gewesen wäre, rechtzeitig nach Zürich zu reisen; theoretisch war allerdings auch eine Überführung des Leichnams und eine Bestattung in Darmstadt nicht ausgeschlossen.

Das unwürdige Verhalten der Darmstädter Behörden, die wenig später verhinderten, dass auf Weidigs Grab die Inschrift

„Vaterland, Dein sei mein Leben,

Dein mein Fürchten, Hoffen, Streben,

und zum Lohne gieb dafür

Grab in freier Erde mir”

gezeigt werden durfte, mag als Hinweis dafür genügen, dass es gute Gründe gab, den gesuchten Staatsverbrecher Georg Büchner jedenfalls zunächst in tatsächlich freier, schweizerischer, Erde ruhen zu lassen. Auch der Satz „an dem Orte seiner Bestimmung“ mag ein Hinweis darauf sein, dass die Eltern  in dem Eindruck lebten, Georg habe mit der Dozentenstelle in der Schweizer Republik einen besseren Ort gefunden als es Darmstadt für ihn sein konnte.

Auf den „Rigiblick” umgebettet liegt er dort noch heute, und immer wieder erreichen mich Nachrichten von Büchnerfreund*innen, die seine letzte Ruhestätte dort besucht haben.

Im Juni 2019 wird die Luise Büchner-Gesellschaft eine Reise veranstalten, deren Teilnehmer*innen bereits einen Ortstermin dort vereinbart haben.

Die Stadt Darmstadt legt zum Todestag regelmäßig einen Kranz auf sein Grab, und unser Freund DW aus Riedstadt hat ihm bei jedem seiner regelmäßigen Besuche eine Erinnerung auf’s Grab gelegt.

 

Hier eines seiner neuesten Fotos (danke dafür!), schon unter der neu gepflanzten, jungen Linde

Büchners Grab auf dem Rigiblick in Zürich, Januar 2019 (C) DW

von Peter Brunner

Peter Brunner

* aus Luise Büchners Gedicht „Am Grab des Bruders”

Der Darmstädter Blumengruß von 2019. Das Foto von Herrn K. aus Zürich hat mir freundlicherweise Herr F. aus Darmstadt überlassen, vielen Dank dafür!

„Causa Menasse“ – Inwiefern kann, was die fiktionalen Texte betrifft, Menasse mit Büchner verglichen werden?

Zur Causa Menasse hat die Autorin Petra Morsbach in der FAZ in einem Leserbrief Stellung bezogen. „Können die Inbegriffe des historischen Wissens und des öffentlichen moralischen Bewusstseins für die literarische Fiktion verbindlich sein?“ fragt sie und bezieht das auf die „herrlich erfundenen Reden“ bei Shakespeare, Brecht und – Büchner.

Ich habe eine Reihe von Freund*innen gefragt, ob sie das hier kommentieren wollen, und neben Schweigen und spöttischer Ablehnung („net amol ignoriert“, „Vollmeise, alle beide“) die folgende Antwort von Herbert Wender erhalten.

Es hat ja immer wieder literarische Debatten gegeben, bei denen Büchner auf die eine oder andere Art als Zeuge herhalten musste, ich erinnere mich an die große Auseinandersetzung um Peter Schneiders „Vati“. Auch wenn Frau Morsbach unglücklich mit einem indirekten Zitat Büchners endet („Der geniale Büchner, auf den wir alle stolz sind, empfahl, Paläste anzuzünden“) meint Wender, es lohne sich, ihrer Überlegung nachzugehen. Er schreibt:

Lieber Herr Brunner,

ich danke Ihnen für den Hinweis auf die Büchner-Erwähnung(en) in einem Leserbrief der Schriftstellerin Petra Morsbach, der in der FAZ erschienen ist. Sie sucht den Kollegen Robert Menasse gegen die Kritik des Feuilletons in Schutz zu nehmen, indem sie Shakespeare, Büchner und Brecht als Parallelfälle nennt. In der öffentlichen Diskussion (soweit ich sie im Internet übersehe) wird dagegen die Causa Menasse eher mit den Fällen Relotius und Würger, zuweilen auch mit der älteren ‚Causa zu Guttenberg‘ verglichen. Offenkundig wollte Frau Morsbach den Leumund des Buchpreis-gekrönten Autors retten, indem sie Menasse den großen Text-Entleihern an die Seite stellt.

Die Befindlichkeiten der Leserbrief-Autorin interessieren mich nicht, ebensowenig ihr vielleicht doch etwas schlichtes Bild von Georg Büchner. (Es wäre allemal besser gewesen, die in den Quellen dokumentierten Gewalt-Vorstellungen Büchners zu zitieren als im Menasse-Stil ein Zitat zu phantasieren, das auf die Parole „Krieg den Palästen!“ anspielt.) Auch interessiert mich im folgenden nicht das eigentliche Skandalon, das insofern ein doppeltes ist, als es nicht nur Menasse, sondern auch das Feuilleton bloßstellt: Bereits 2013, also weit vor der Veröffentlichung seines Romans „Die Hauptstadt“, hat Menasse in einem nicht-fiktionalen Text (seinerzeit abgedruckt in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung) in Form einer Tatsachenbehauptung aus einer angeblich historischen europapolitischen Rede des CDU-Politikers Walter Hallstein zitiert, die dieser Ende der 1950er Jahre, mitten im Kalten Krieg, in Auschwitz gehalten hätte. Wer die Geschichte der Hallstein-Doktrin kennt (man vergleiche etwa die einschlägigen außenpolitischen Meldungen der 1960er Jahre im Internet-Archiv der ehemaligen SED-Zeitung „Neues Deutschland“), müßte Menasse schon für tollkühn halten, wollte er ihm eine bewußte Fälschungsabsicht unterstellen. Ich vermute, daß es ihm ging wie einst dem Herrn zu Guttenberg: Wie dieser fest daran glaubte, daß die entlehnten Sätze seinem eigenen Hirn entsprungen wären, so erlag auch Menasse der selbstverliebten Vorstellung, die starken Sätze, die er geschrieben hatte, wären tatsächlich von Hallstein in Polen gesagt worden.

Nach diesen Klarstellungen komme ich nun endlich zum eigentlichen Thema: Inwiefern kann man, was die fiktionalen Texte betrifft, Menasse mit Büchner vergleichen?

Shakespeare, Büchner, Brecht

Im Unterschied zu Martin Mosebachs schnurgerader Überblendung „Saint-Just, Büchner, Himmler“ (FAZ-Titel der Büchnerpreis-Rede von 2007), die auf ideologische Engführung historischer und fiktiver Reden zielt, scheint Petra Morsbachs Zusammenstellung dreier großer Namen nur den poetologischen Aspekt in den Blick nehmen zu wollen. Die mittlerweile zusammengebrochene Autosuggestion Menasses, der für historisch wahr hielt, was er erfunden hatte, wird im Leserbrief gar nicht angesprochen, argumentiert wird offenkundig rein handwerklich. Daß die Grenzen zwischen dem historisch Überlieferten und dem vom Autor Hinzugedichteten bei der literarischen Gestaltung historischer Stoffe fließend sind, ist in der Tat nichts Besonderes.

Wer sich in solchem Zusammenhang auf Georg Büchner beruft, hat recht: In den drei Büchner-Texten, die einen historischen Stoff verarbeiten, also im Revolutionsdrama, in der Künstlernovelle und im Sozialdrama, fingiert Büchner Reden von Figuren, die historische Namen tragen, und verzichtet gleichzeitig nicht darauf, auch historisch bezeugten Wortlaut in seine Texte zu integrieren. Im „Woyzeck“ zum Beispiel sind die tragenden Säulen einer Argumentation, die den Täter als Opfer sehen, frei erfunden; der historische Woyzeck hatte zum Zeitpunkt der Tat weder eine militärische Beschäftigung noch den Nebenjob im medizinischen Experiment. Und der historische Täter war von der ermordeten Witwe ausgehalten worden, während die literarische Figur rührend bemüht ist, für Frau und Kind zu sorgen. Man müßte Büchner für tollkühn halten, wollte man ihm unterstellen, er hätte mit offensichtlichen Fakes zu einem realen Geschichtsverfahren kritisch Stellung nehmen wollen.

Hinzu kommt ein weiteres Problem, wenn wir die literarischen Handwerker vergleichen wollen, nämlich daß wir das Verhältnis der Dichter zu den ermittelten Quellen in der Regel nur indirekt erschließen können, aus dem Ergebnis ihrer Arbeit, aus dem Werk. Man kann sich durchaus fragen, warum Büchner die Titelfigur des Revolutionsdramas und zwei weitere Dantonisten im Bordell auftreten läßt. Glaubte er einfach entsprechenden historischen Quellen oder wollte er uns die ‚Liederlichkeit‘ dieser historischen Akteure nur glauben machen, um den dramatischen Konflikt zu steigern?

Ich verweise an dieser Stelle auf meine Dissertation (Wender 1988, insbesondere das Kapitel “ ‚Huren‘ oder ‚Hoden‘ ?“). Ohnehin würde es zu weit führen, die verschiedenen Techniken der Quellenverarbeitung in Büchner-Texten näher zu erläutern. Ich schließe also etwas abrupt, will aber nicht ausschließen, die Diskussion fortzusetzen. Anregungen dazu sind immer willkommen!

Herzliche Grüße,
Ihr Herbert Wender

Ich stelle das hier zur Diskussion und freue mich zusammen mit Herbert Wender über jeden Kommentar.

Peter Brunner

Peter Brunner

Wie so oft wird die Debatte lieber in privaten Mails als hier geführt; ich darf das aber mit „anonym” zitieren:


„Die Causa Menasse ist – für mich – aus einem anderen Grunde bemerkenswert: Was man so hört und liest, ist es ein Roman von eher mittelmäßiger Qualität. Gleichwohl hat er gegen bessere Werke den Buchpreis bekommen. Also merke: Du mußt mit dem „Narrativ“  der Mächtigen denken, um zu reüssieren. Da schaden auch Fakes nicht. Und schon  das macht M. mit Büchner unvergleichbar. Ihn  mit Shakespeare und Büchner in einem Atemzug zu nennen, heißt alle im eigentlichen Sinne literarischen Maßstäbe hintanstellen.”

Auf ein Neues!

Der Förderverein Büchnerhaus e.V. hat wie schon im vergangenen Halbjahr sein Veranstaltungsprogramm vorgelegt; diesmal erstmals und als sichtbares Zeichen vom Zusammenwachsen im Büchnerland gemeinsam mit der Luise Büchner-Gesellschaft in Darmstadt. Mit unseren engen Freunden von der BüchnerBühne ist das diesmal nur deshalb nicht gelungen, weil dort einerseits zwangsläufig längerfristig voraus geplant (und dann eben auch veröffentlich) wird, und weil wir noch nicht wissen, ob und wie Sie, unser geschätztes Zielpublikum, die Termine und Angebote auf eine mindestens ähnlich gute Weise wie bisher präsentiert bekommen können. Letztlich ist das also also sowohl eine Koordinations- wie eine Gestaltungsfrage. Bleiben Sie gespannt – bis zum zweiten Halbjahr wollen wir das geschafft haben.

Hier finden Sie also das gemeinsame Veranstaltungsprogramm zum Download; lassen Sie sich nicht irritieren: das ist eigentlich zum Ausdruck auf einen DIN A 3 großen Bogen gestaltet, der dann zweimal gefaltet wird. So macht es Sinn, dass ein Teil des Textes der ersten Seite scheinbar verkehrtherum gesetzt wurde.

Wir bemühen uns, das Programm an möglichst vielen Stellen „analog” zur Verfügung, also zur Auslage für Sie, zu bringen. Selbstverständlich finden Sie es zum Mitnehmen bei all unseren Veranstaltungen.

So gesehen ist die einfachste Variante, wenn Sie einfach gleich am 24.1. ins Büchnerhaus zur ersten Veranstaltung des Jahres kommen.

Das kurze, aufregende Leben Georg Büchners hinterließ zahlreiche Fragen, die uns bis heute bewegen. Was wohl aus dem jungen Züricher Privatdozenten geworden wäre, wird immer wieder gefragt. 2018 hat das Büchnerhaus zusammen mit der Kreisvolkshochschule Antworten darauf gesucht, indem die Lebensläufe von Georg Büchners Geschwistern, der Familie, „die die Welt verändern wollte“, vorgestellt wurden.
Es wurde gefragt, wie weit sich seine Schwestern, Brüder und Nachfahren dem großen Vorbild verpflichtet sahen und ob und wie sie ihr eigenes Leben und Wirken als Fortsetzung oder Weiterentwicklung seiner Ideale und Vorstellungen verstanden. Gleichzeitig haben wir mit Unterstützung der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung verfolgt, wie sich die Ideen der Republikaner an den Wendungen unserer Geschichte finden: anlässlich der Jubiläen im Jahr 2018 untersuchten wir 1793, 1848, 1918, 1948 und 1968. In diesen Jahren wurden politische Weichen gestellt, die die „langen Linien“ der republikanischen Ideen in unsere Gegenwart führen.


Die Beschäftigung mit historischen Ereignissen und mit dem Leben historischer Persönlichkeiten, insbesondere aus unserem eigenen lokalen Umfeld, vertieft die Erkenntnis darüber, „wie wir wurden, was wir sind“. Unsere Gegenwart ist vielfältig von ihren Persönlichkeiten und ihrem Einsatz für eine bessere Welt bestimmt.

2019 soll die Überlegung daher mit dem Blick auf einige von Büchners Freunden fortgesetzt werden.

Manche von Büchners Freunden haben viel länger als er gelebt und sind einflußreiche und bekannte Persönlichkeiten geworden, von anderen wissen wir kaum mehr als dass sie ihm begegnet sind. Im Büchnerhaus soll ihnen 2019 besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden: zum Beispiel
den klugen und einflußreichen Frauen wie Caroline Schulz und Minna Jaeglé, Wilhelm Schulz, dem „Mann, der Marx Ideen gab”, August Becker, der auch mit Alexander und Ludwig Büchner befreundet war und schließlich in die USA ging, den Darmstädter Schulfreunden wie Karl Minnigerode, den Elsässern um die Brüder Stoeber oder den Butzbachern um Fritz Weidig.

Die Referent*innen sind mit der Materie bestens vertraut und seit vielen Jahren in der Forschung um Georg Büchner tätig.



Donnerstag, 24. Januar 2019 |

VERANSTALTUNGSREIHE ZEITGENOSSEN: Georg Büchner

Peter Brunner, Leiter des Museums Büchnerhaus, erläutert das Konzept der Reihe.

Welchen Einfluss nehmen welthistorische Ereignisse auf die kleine Welt des Darmstädter Gymnasiasten? Was liest er? Was bedeutet ihm Freundschaft, was Liebe? Woher kommt die ungeheure Sprachgewalt, mit der er in kürzester Zeit ein Schauspiel über die Französische Revolution schreibt? Büchners kurzes, wildes, außergewöhnliches Leben bewegt uns bis heute. Diesmal nähern wir uns ihm und seiner Gedankenwelt über die Menschen, die ihn umgaben.

Die Veranstaltung bietet sich auch für diejenigen an, die im VHS-Kurs 2018 einen eigenen Abend für Georg Büchner vermisst haben.

| Kunstgalerie am Büchnerhaus | 18:30 Uhr | 8 €

von Peter Brunner

Peter Brunner

Peter Brunner

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