Neues aus Buechnerland

Peter Brunners Buechnerblog

„ … ich war immer geneigt, Herrn Becker in diesem Punkte Recht zu geben“

 

Es ist zwar April, aber ich möchte heute an August erinnern – August Becker …

Hören Sie mal: 

Auch wenn Ihnen die Interpretation durch Jimmy Hendrix näher ist – Sie glauben, Sie kennen den Text?

Weit gefehlt. Hier ist der originale Text
des Refrains:

Unser Landgraf, der soll leben, 
und die Landgräfin daneben! 
Hesse-Darmstädter sein mir, 
ja, Hesse-Darmstädter sein mir!


Das hat schon 1875 Eduard Leyh in der Gartenlaube (12/1875) mitgeteilt:


„ … Mein alter Freund und Mentor, der 1871 in Cincinnati verstorbene Journalist August Becker, … meinte, eine so herrliche Melodie könne gar kein Amerikaner erfinden, dieselbe sei entschieden deutsch. Als Beweis führte er den Endreim eines hessischen Soldatenliedes an, welcher lautet:

Unser Landgraf, der soll leben, und die Landgräfin daneben!
Hesse-Darmstädter sein mir, ja Hesse-Darmstädter sein mir.“

Becker argumentirte nun, daß die damals von ihren sauberen Fürsten an die Engländer verschacherten Hessen dieses Lied auf amerikanischem Boden häufig gesungen hätten und die Melodie hier von den Amerikanern aufgegriffen worden sei. Thatsächlich herrscht zwischen dem Liede der Darmstädter Patrioten und dem Endreime unserer Nationalhymne große Aehnlichkeit und ich war immer geneigt, Herrn Becker in diesem Punkte Recht zu geben … “

Der engste Freund und Vertraute Georg Büchners war bekanntlich nach Haft, Exil, 48er-Aktivitäten und Abgeordnetentätigkeit in die Vereinigten Staaten ausgewandert. August Beckers publizistische Tätigkeit in den USA ist noch längst nicht vollständig erfasst, geschweige denn ausgewertet, aber ich kann sicher sagen, dass seine oft amüsant-polemisch geschriebenen Berichte voller wertvoller Informationen stecken. Warum sollte das bei diesem Gespräch mit jemandem, der ihn seinen Mentor nannte, anders sein?

Becker war im Bürgerkrieg unter deutschen Freiwilligen, die allerdings wahrscheinlich nicht mehr einem Landgrafen huldigten. Dass zu später Stunde in rührseliger Heimatsehnsucht trotzdem alte deutsche Soldatenlieder gesungen wurden ist allerdings trotzdem so unwahrscheinlich nicht. Und wer sich ein Bild des „roten Becker“ macht,


(nach einer historischen Abbildung mit KI – Gemini – erstellt)

wird keine Sekunde lang daran zweifeln, dass zu seinen vielen Qualitäten ganz bestimmt auch der Vortrag zahlreicher deutscher Lieder gehörte.

Und so freuen wir uns in Zukunft beim Hören der US-Hymne, dass wir den richtigen Text darauf kennen, auch wenn der auch nicht besser ist als „O! say does that star-spangled banner yet wave, O’er the land of the free and the home of the brave?“.

 



Der podcast BüchnersWelt 2026

Nach 21 Folgen im letzten Jahr, die ich hier zum direkten download angeboten habe, stehen die Beiträge inzwischen so zahlreich zur Verfügung, dass ich künftig hier nur noch die Zugänge ankündige, sie aber nicht mehr  direkt zum Anhören anbiete. Stattdessen finden sie sich  – wie bisher schon – auf den bekannten Portalen:

Büchners Welt bei spotify

Büchners Welt bei Apple podcasts 

Büchners Welt bei Deezer 

Und hier unten durchgehend nummeriert, mit Sendedatum und „Teaser“, jeweils verlinkt direkt zu bei Radio Darmstadt:

Folge 22 (8. 1. 2026)

Wilhelm II

 

Folge 23 (22.1. 2026)

Leonce & Lena I

 

Folge 24 (12. 2. 2026)

Leonce & Lena II

 

Folge 25 (26.2. 2026)

Weidig: „Da mir der Feind jede Verteidigung versagt“

Folge 26 (12.3. 2026)

Demokratie Tag für Tag

 

Folge 27 (26.3. 2026)

Barrikaden, Bibel, Tannenbaum 

FOLGE 28 (9.4.2026) 

ALEXANDER I 

FOLGE 29 (23.4.2026) 

Weidig II mit Dieter Wolf

 

 

 

 

 

FOLGE 30 (14. 5. 2026) 

August Becker: „Leider trieb es´s dort zu bunt…“

 

FOLGE 31 (28. 5. 2026) 

Der Hessische Landbote: Krieg den Palästen?Büchners Welt

Notgedrungen diesmal eine Wiederholung – aber immerhin mit aktuelklker Einleitung:

“Wir fangen heute mal ohne Jingle an, das ist ganz ungewöhnlich

Schrecklich, einfach so rabums, hallo Papa.

Warum haben wir uns denn das jetzt überlegt, lieber Papa?

Liebe Tochter, wir waren sozusagen notgedrungen, genötigt eine Lösung zu finden, dafür, dass wir keine neue Aufnahme machen können.

Arschl über unser Haupt. Genau, wir schaffen es leider nicht, eine ganze Folge noch aufzunehmen, für den 28. Mai.

Und deshalb haben wir entschieden, unsere Lieblingsfolge, darf man das sagen, eine unserer Lieblingsfolgen, als Wiederholung zu senden. Und zwar die Folge Nummer 8 zum hessischen Landboten. Und wir haben es uns aber nicht nehmen lassen, euch wenigstens ein paar Minuten vorher etwas Neues aufzunehmen.

Wenn schon Büchner, denn schon Landbote.

Genau. Ja, und ich finde es eigentlich ganz nett, auch in die älteren Folgen noch mal reinzuhören. Die achte Folge ist jetzt ziemlich genau ein Jahr alt, noch nicht ganz, ich glaube so zehn Monate.

Und man hört doch einen Unterschied. Wir haben uns schon ein bisschen entwickelt, auch, findest du nicht auch?

Ja, das würde ich schon wie oft in solchen Fragen dem PP-Publikum überlassen. Aber anders ist es tatsächlich, ja, das ist wahr.”

“Ja, also, hört rein, Urteil selbst. Und vielleicht vorher noch ein, zwei Anmerkungen zu unserer letzten Folge zu August Becker. Wir haben ja am Anfang von der letzten Folge ein bisschen gerätselt, wann denn jetzt tatsächlich sein Geburtstag war, also wann er tatsächlich geboren ist.

Und wir haben jetzt nicht nur Rückmeldungen von den KI’s, die wir befragt haben, sondern, Papa, du hast auch Antwort bekommen. Erzähl doch mal.

Die Situation ist so, dass die Wahrscheinlichkeit auch in meinem Kopf war schon relativ hoch, dass ich das selber hätte verifizieren können. Es gibt verschiedene gedruckte Quellen, aber wir saßen ja im Studio, als wir dieses Problem bemerkt haben. Und das Einzige, was ich hatte, darauf konnte ich online zugreifen, war die Kopie aus dem Kirchenbuch, also das Originaldokument in Kurent geschrieben, nicht ganz deutlich zu lesen.

Und ich war einfach unsicher. Ich bin kein besonders erfahrener Kurrent-Leser. Und habe deshalb online in der Zeit, während wir aufgezeichnet haben, zwei Freunde angeschrieben, von denen einer, Reinhard Papst, nämlich der Literaturdetektiv, wer, wenn nicht der Literaturdetektiv, prompt geantwortet hat, und zwar insgesamt mit vier Mails, in denen er mir sämtliche Quellen genannt hat, wie gesagt, die ich alle zu Hause vielleicht auch gefunden hätte, aber eben im Studio nicht zur Verfügung hatte.

Aber schließlich und darum war es gegangen, er hat bestätigt, 1812 ist das richtige Geburtsjahr.

Was machst du eigentlich? Wollen wir dem Büchnerportal eigentlich schreiben, dass es nicht richtig ist, oder?

Wir können ja mal abwarten, ob das Büchnerportal unseren Podcast-Hürden darauf reagiert.

Das wäre eigentlich auch ganz witzig. Und sonst können wir irgendwann im Juni oder im Juli mal eine E-Mail verfassen.”

 

Dieselben sind als eine kleine Bibliothek zu betrachten und werden dir vielen Nutzen gewähren*

Das seit 1981 erscheinende Büchner-Jahrbuch hat seitdem in zahlreichen Fragen der Forschung, Erkenntnis und Debatte wichtige Beiträge geliefert. 

 

Für diese wichtige Publikation fehlt bisher eine gemeinsame Erschließung, Recherchen sind auf die Durchsicht der einzelnen Inhaltsverzeichnisse angewiesen, was nicht nur mühselig und fehlerbehaftet ist, sondern auch den Zugriff auf alle Bände voraussetzt. 

 

 

Den Fortschritt der Technik habe ich genutzt, diesem Desiderat  abzuhelfen – mit Hilfe „künstlicher Intelligenz“ habe ich für die Bände 1 – 15, also den Erscheinungszeitraum 1983 – 2023,  ein gemeinsames Verzeichnisse für Autorschaft, Titel und Inhalt erstellt. 

Mit dem ausdrücklichen Hinweis auf keinerlei Haftung für Präzision und Vollständigkeit stelle ich es hier zum Download zur Verfügung. Aus gutem Grund trägt die Datei u.a. den Namen  „Gemini“ – mit dessen (deren?) Hilfe ist sie entstanden.

Ich freue mich sehr über Reaktionen hierauf – insbesondere, wie immer, auf  Hinweise zu Fehlern und Ergänzungen. Dank und Lob geht auch. 

 

2602_BuechnerJahrbuecher_1-15_Inhalt_Gemini 

 

 

 

 

 

 

*Georg Büchners Vater Ernst in seinem Brief an ihn vom 18.12.1836 

Ruth Wagner ist gestorben

Ruth Wagner: Eine leidenschaftliche Brückenbauerin zwischen bürgerlicher Freiheit und Büchnerscher Radikalität

Mit dem Tod von Ruth Wagner verliert Hessen eine Politikerin, deren Leben und Wirken auf einzigartige Weise mit der Region Ried und dem Erbe Georg Büchners verknüpft war. Ihr Nachlass ist ebenso beeindruckend wie ihre politische Biographie komplex war – geprägt von Heimatliebe, kultureller Weitsicht und einer Loyalität, die weit über Parteigrenzen hinweg polarisierte.

Die frühen Wurzeln: Ein Weg, der niemals endete

Ruth Wagners Verbundenheit mit Büchner war keine spätere politische Entscheidung, sondern eine biographische Konstante. Als Jugendliche führte sie ihr täglicher Schulweg von Wolfskehlen nach Gernsheim am Geburtshaus Büchners in Goddelau vorbei. Zu einer Zeit, als das Haus noch kein Museum war, festigte sich dort ihr Bewusstsein für die historische Last und Chance ihrer Heimat. Dass sie als Abiturientin einen großen Aufsatz über Büchner verfasste, den sie lebenslang wie einen Schatz hütete und aus dem sie bis ins hohe Alter zitierte, zeugt von einer intellektuellen Durchdringung, die weit über das übliche Maß politischer Sonntagsreden hinausging.

Das Spannungsfeld: FDP-Realpolitik und der „Hessische Landbote“

Für viele Büchner-Freundinnen und -Freunde blieb Ruth Wagners politische Heimat in der FDP ein Paradoxon. In den Augen mancher Bewunderer des „Revolutionärs“ Büchner wirkte ihre liberale, oft als erstaunlich konservativ wahrgenommene Haltung befremdlich. Doch Wagner sah darin keinen Widerspruch: Für sie war Büchner kein Vordenker des Sozialismus, sondern ein radikaler Kämpfer für die Würde des Individuums und die Freiheit des Geistes – Werte, die sie im Kern des Liberalismus verankert sah.

Diese Unbeirrbarkeit zeigte sich auch in ihrer Rolle während der Ära von Ministerpräsident Roland Koch. Ihre unerschütterliche Loyalität in Zeiten politischer Skandale und heftiger öffentlicher Proteste blieb bis zuletzt umstritten. Während ihre Anhänger darin verlässliche „Nibelungentreue“ sahen, empfanden Kritiker dies als belastend für ihre Glaubwürdigkeit als Liberale, besonders als Kulturpolitikerin.

Visionen und verpasste Chancen

Ihr kulturelles Erbe ist geprägt von großen Erfolgen, aber auch von schmerzhaften Kompromissen:

  • Deutsch-deutsche Brücken: Mit Nachdruck trieb sie die Übertragung der ersten großen Büchner-Ausstellung in die DDR voran.

  • Das Geschwister-Konzept: Ihr leidenschaftliches Petitium, die zweite große Landesausstellung konsequent auf die gesamte Familie Büchner (u.a. Luise und Ludwig) auszurichten, scheiterte am Widerstand anderer Gremien. Für Ruth Wagner war dies eine vertane Chance, Büchner als Teil eines hessischen „Laboratoriums der Moderne“ dauerhaft und international neu zu verankern.

Verleihung der Urkunde „Büchnerstadt“ an die Stadt Riedstadt am 13.8.2019

vlnr: Bgm. Marcus Kretschmann, Museumsleiter Peter Brunner, FDP-Ehrenvorsitzende Ex-HMWK Ruth Wagner, Büchner-Enkel Christian Steinmetz, Innenminister Peter Beuth, CDU_Fraktionsvorsitzende Ines Claus 

© Peter Brunner 

 

  • Weltkulturerbe: Mit der Ernennung Riedstadts zur „Büchnerstadt“ (2007) war sie noch nicht am Ziel. Ihr Satz: „Nach diesem schon lange fälligen Schritt ist der nächste, das Büchnerhaus zum Weltkulturerbe zu machen“, bleibt ihr politisches Vermächtnis und Auftrag an die Nachwelt.

Bleibende Zeichen: Kunst und Aufklärung

Im Museum Büchnerhaus hängen heute die „Büchner-Metamorphosen“ – vier Original-Ölgemälde von Ariel Ausländer, die sie dem Haus schenkte. Sie sind ein Sinnbild für ihr Verständnis von Kultur: Ein ständiger Prozess der Wandlung und Auseinandersetzung.

Areil Auslender: Büchner-Metamorphosen. 2013. Öl auf Papier. 

 

Ruth Wagner war eine Frau der klaren Kante und der tiefen Verwurzelung. Sie hat Büchner nicht nur verwaltet, sie hat ihn gelebt – in all seinen Widersprüchen. Man kann ihre Politik kritisieren, doch ihr Verdienst um die Sichtbarkeit der Familie Büchner in Hessen bleibt ein monumentaler Beitrag zur Identität unserer Region.

Der erste Podcast im Neuen Jahr

Wilhelm Büchner II

„Die Handmühle ergibt eine Gesellschaft mit Feudalherren, die Dampfmühle eine Gesellschaft mit industriellen Kapitalisten.“

Hat Karl Marx dabei an Georg Büchners Bruder Wilhelm gedacht? Auf dem Gelände der alten Frankensteiner Mühle, erst Getreidemühle, dann Krappmühle für rote Farbe, später Zuckerfabrik, entsteht 1845 eine Blaufabrik. Schornsteine und Dampfmaschinen prägen das Bild, Pfungstadt wird zum „südhessischen Manchester“, und erstmals exportiert ein hessen-darmstädtisches Unternehmen Industrieprodukte ins Ausland. Wir besprechen, wie aus dem Bauerndorf Pfungstadt eine Industriestadt geworden ist. Und wie verhielt sich eigentlich der kleine Bruder des revolutionären Georgs als Industrieller?

online u.a. hier: 

Radio Darmstadt – buechners-welt 

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