Peter Brunners Buechnerblog

Kategorie: Georg Büchner (Seite 1 von 43)

Endlich öffnet das Museum Büchnerhaus wieder!

Museumsöffnung September 2020 trotz Corona!

Das Büchnerhaus ist wieder geöffnet!

 

Leider unter Einschränkungen:

Jeder Besuch ist online unter reservix.de zu einem festen „Zeitfenster“ anzumelden. Diese Zeitabschnitte von jeweils 60 Minuten machen an den Öffnungstagen Donnerstag bis Sonntag jeweils drei Besuche möglich: von 14 bis 15, von 15:30 bis 16:30 und von 17 bis 18 Uhr. 

 

Nach Maßgabe der Verordnung und den räumlichen Verhältnissen im Museum sind Besuche möglich für einzelne Besucher*innen und für solche Gruppen, die in häuslicher Gemeinschaft leben. 

 

Eine namentliche Erfassung der Besuchenden erfolgt über die elektronische Anmeldung. Diese Daten werden analog zur Speicherung bei Restaurantbesuchen gemäß Paragraph 1,5,c der Verordnung für vier Wochen aufbewahrt und anschließend gelöscht 

 

Spontane Besuche sind zu den o.a. Zeitfenstern dann möglich, wenn diese nicht vorab gebucht wurden, die Besuchenden den Vorgaben entsprechen und ihre Daten analog zur Onlineanmeldung abgeben. 

 

Das Museumspersonal wird während des Aufenthalts von Besuchenden den mittels Spuckschutz beschränkten Kassen- und Arbeitsbereich nicht verlassen; Informationen zur Ausstellung werden ggf von dort aus gegeben.

 

Die Besucher*innen besichtigen das Museum selbständig und unbegleitet. 

Das Büchnerhaus – Museum in Georg Büchners Geburtshaus. Büchnerstadt Riedstadt-Goddelau

Peter Brunner

von Peter Brunner

Verbindung der Kunst mit dem republikanischen Volksstaat

Im neuesten „Gelurt“, Odenwälder Jahrbuch , hat Ludwig Fertig einen Aufsatz zum ersten Büchnerpreisträger Adam Karillon veröffentlicht.

Es ist fast in Vergessenheit geraten, dass der Büchnerpreis bereits seit 1923 vergeben wird, nicht zuletzt, weil er nach dem Faschismus eine andere Form und Trägerschaft bekam. Bis vor einigen Jahren hat die heute federführende Akademie für Deutsche Sprache und Dichtung auf jeden Hinweis darauf verzichtet, heute schreibt sie immerhin „Der Georg-Büchner-Preis wurde zum ersten Mal am 11. August 1923 verliehen. Er war vom damaligen Volksstaat Hessen gestiftet und in der Landeshauptstadt Darmstadt übergeben worden. Er wurde an Dichter, Künstler, Schauspieler und Sänger verliehen.“

Fertig schildert in „Politisierung der Erzählprosa“ die Geschichte der Einsetzung des Preises und des ersten Preisträgers als Kompromiss – war Karillon selbst zunächst sogar als Namensgeber des Preises vorgeschlagen, wurde er schließlich als eher konservativer Autor ein Preisträger, dem selbst der stramme Antisemit Ferdinand Werner, der für die Deutschnationalen im Hessischen Landtag saß, zustimmte.

Was die Familie Büchner angeht, so erwähnt Fertig, dass Ludwig Büchner einigen Anteil am literarische Erfolg Karillons hatte – er veröffentlichte 1897 eine Besprechung von Karillons Erstling „Eine moderne Kreuzfahrt“ und „verhalf ihm zum Durchbruch auf dem Literaturmarkt“ (Fertig).

Auch Anton Büchners Auftritt vor der ersten Aufführung des Woyzeck in Darmstadt am 24.9.1919 erwähnt er.

Ein dritter Büchnerverwandter, Sohn Ludwig Büchners und Cousin von Anton, hieß Georg wie sein bedeutender Onkel. Ihn erwähnt Fertig nicht, obwohl er zum Zeitpunkt der Einsetzung des Preises nicht nur „geschäftsführender Direktor“ in der Darmstädter Maschinenbaufabrik seines Schwiegervaters Schenk und „Vorsitzender des Verbandes der Metallindustriellen und des Bundes der Arbeitgeberverbände in Hessen und Hessen-Nassau. Auf Reichsebene war er Vorstandsmitglied des Gesamtverbandes Deutscher Metallindustrieller und des Deutschen Fördermittel- und Großwaagenverbandes“ war, sondern auch Abgeordneter der DDP im Hessischen Landtag, also der Partei, die den Antrag auf Einsetzung des Büchnerpreises stellte.

Grabstein Georg Büchners, seiner Frau und Tochter auf dem Grab seines Vaters Ludwig.
Die drei starben bei der Zerstörung Darmstadts

Die Rede im Landtag zur Einsetzung des Preises hielt am 8. August 1922 der DDP-Abgeordnete Julius Reiber. Er schloß „Die Bezeichnung des Preises als Georg-Büchner-Preis bedarf keiner weiteren Begründung“. Für Reiber ging es um „eine Verbindung der Kunst mit dem republikanischen Volksstaat“ .

Karillons Kunst und Bedeutung sind von den Zeiten überholt – dass ihn der Nazi Werner zum achtzigsten Geburtstag ehrte und Gratulationen einiger weiterer NS-Größen eingingen, stellt Fertig zu Recht in den Zusammenhang seiner geschwundenen literarischen Anerkennung: „Das Lesepublikum war andere Literatur als Heimatkunst gewohnt: … 1929 erschien z. B. Brechts Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny und Döblins Berlin Alexanderplatz. Karillon war Geschichte“. Karillon starb 1938 in Wiesbaden.

Bedeutendere als er erhielten den hessischen Kulturpreis – so 1929 Carl Zuckmayer oder, nach der Befreiung noch einmal als Landespreis, 1947 Anna Seghers und 1950 Elisabeth Langgässer.

In Kürze wird die Bekanntgabe der diesjährigen Preisträgerin des Büchnerpreises erfolgen – die Verbindung der Kunst mit dem Republikanischen ist auch dem neuen Büchnerpreis nach 1950 mit einigen Verleihungen gelungen. Ich wünsche mir das auch für 2020.

Peter Brunner

von Peter Brunner

Die quote signs von Mahdi Ehsaei sind da!

2013 hat Mahdi Ehsaei als Student der Hochschule für Gestaltung in Darmstadt zwei eindrucksvolle und vielschichtige Beiträge zum Festival Büchner 200 erarbeitet:

„Quote signs“

und

„Listening station“

(die links führen zu seinem Webauftritt mit Bildern und Erläuterungen)

Ich habe hier in meinem kritischen Rückblick auf die Büchner 200-Aktivitäten davon berichtet.

Im Dezember 2018 konnte er dann mit der freundlichen Unterstützung des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst in einem Vortrag im Büchnerhaus über seine Arbeit berichten. Dabei hat er versprochen, uns seine beiden Werke zu überlassen, und heute brachte er die eigens für das Büchnerhaus angefertigten „quote signs“ vorbei

Meine Wenigkeit mit Büchnerscher Klarheit

In den nächsten Wochen werden wir die Schilder rund ums Büchnerhaus aufstellen – und bald auch die listening station!

Ich sage oft, Büchners Worte sind wie mit Hammer und Meissel geschrieben – hier sind sie eingebrannt!
Hof und Garten am Büchnerhaus

Peter Brunner

von Peter Brunner

„ … es ist nicht so arg, als es die Leute machen, es sind zwar schon viele Menschen daran gestorben.”

„Wenn Du hörst daß hier das Nervenfieber grasierte, so ängstige Dich nicht, es ist nicht so arg, als es die Leute machen, es sind zwar schon viele Menschen daran gestorben. Kürzlich starben aus einer Familie drei jungen Leute. Zwei Söhne und eine Tochter, sie wurden an einem Tage begraben, und gestern soll auch die Mutter gestorben sein.“ (Caroline Büchner an ihren Sohn Georg, Darmstadt, 30. Oktober 1836)


Es ist der erste April, und ich bin bereits mehrfach darauf angesprochen worden, wo denn, nach meinen stets freundlich aufgenommenen Aprilscherzen der vergangenen Jahre, zuletzt zum angeblichen Fund des Druckstocks des Hesssichen Landboten, der diesjährige Beitrag bleibe.

Er bleibt einer besseren Zeit vorbehalten – geplant war, dies sei angekündigt, der Fund des „Dolchmessers“, das Alexander Büchner Pfingsten 1849 bei sich trug und das seine „stets besonnene” Schwester Mathilde „ins tiefe Gestrüpp” geschleudert hat.

Stattdessen heute nur ein Bild von den wunderschönen Kopfweiden, die in der Büchnerstadt erhalten und gepflegt werden. Sie stehen auf der Halbinsel Kühkopf, zu Georg Büchners Goddelauer Zeit noch auf der linken Rheinseite, heute, nach der Rheinbegradigung von 1829, Teil der Gemarkung des Riedstädter Stadtteils Erfelden.


Walter Renneisen hat einmal darauf hingewiesen, dass genau so der Ort „Freies Feld. Die Stadt in der Ferne“ aussieht, an dem Andres und Woyzeck Stöcke im Gebüsch schneiden. Jetzt, im frühlingshaften Licht und mit frischem grünen Laub eine wahre Idylle, aber in einem feuchten, nebligen und kalten Herbst kann der gleiche Blick Erschreckendes offenbaren. Dann ist es „Still, Alles still, als wär die Welt todt.”

Peter Brunner

von Peter Brunner

Die nächsten Veranstaltungen im Büchnerhaus

„Kleidung, Freiheit, Identität“ heißt die Überschrift zu Veranstaltungen des Zusammenschlusses „Geist der Freiheit“ in der Kulturregion Frankfurt[BP1] , bei dem das Büchnerhaus mitarbeitet.

Zum Thema spricht am

Donnerstag, dem 5. März 2020 um 19 Uhr in der Kunstgalerie am Büchnerhaus

Elsbeth Wallnöfer (Wien):

Elsbeth Wallnöfer
(c) privat

„Geziert mit rother Jakobiner-Mütze, Im Polen-Rock, schritt stolz er durch die Strassen“

Kleidung als Programm – von Georg Büchner bis Carola Rackete

Kleidung ist viel mehr als nur den klimatischen Gegebenheiten angepasste Körperbedeckung. Vom Hermelin des Herrschers bis zur Parka der „68er“, vom „Polenrock“ als Ausdruck der Sympathie mit den polnischen Aufständischen von 1833 bis zum „Pali-Tuch“ der rebellischen europäischen Jugend hat sie stets Haltung vermittelt. Elsbeth Wallnöfer begibt sich auf die Spuren unserer Kostümierung und bietet Orientierung im Kleiderschrank der Widerspenstigen.

Elsbeth Wallnöfer (Jahrgang 1963) ist Volkskundlerin und Philosophin. Sie beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Heimat und forscht zum Phänomen der Tracht. Daraus ergaben sich zahlreiche Veröffentlichungen, zuletzt erschien „Heimat – Ein Vorschlag zur Güte“ (Haymon-Verlag).

Karten gibt’s im Vorverkauf über unseren Partner Reservix

Und auch 2020 kommt der vorjährige Büchnerpreisträger ins Büchnerhaus –

Lukas Bärfuss liest

vorerst nicht

auf der BüchnerBühne in Riedstadt-Leeheim –

wegen der Virusprophylxe mussten wir alle Veranstaltungen und die Museumsöffnung bis vorerst zum 30. April einstellen.

Lukas Bärfuss
(c) Stefano di Marchi

Es ist zur guten Übung geworden, dass die Büchnerpreisträger*innen des Vorjahres auf Einladung der Büchnerstadt Riedstadt Georg Büchners Geburtshaus besuchen und dort eine Lesung abhalten.

2020 gibt es gleich zwei gute Gründe dafür, dass die Lesung nicht in der Kunstgalerie am Büchnerhaus, sondern auf der BüchnerBühne stattfindet: Haus und Bühne kooperieren künftig eng miteinander und koordinieren daher ihre Veranstaltungen systematisch. Daher wird Lukas Bärfuss am Nachmittag vor der Lesung das Büchnerhaus zu besuchen und die spätere Lesung dann in Leeheim zu halten. Darüber hinaus ist Lukas Bärfuss ein wichtiger Theaterautor, und wo sollte der auftreten, wenn nicht auf den Brettern, die die Welt bedeuten?

In seiner Rede zum Büchnerpreis hat Bärfuss Büchner an einem zentralen Punkt getroffen und abgeholt. Er sagte: „Und es ist diese Frage, die mich mit Georg Büchner verbindet. Was das denn sei, was in uns lügt, stiehlt, hurt und mordet, fragt der Revolutionär Georges Danton, …Aber nein, so weit sollten wir seither gekommen sein seit Büchner, dieses »das« in jener Frage, es ist nicht in uns, es ist zwischen uns, vor uns, es ist da, man kann es lesen, man kann es hören, es ist in den Beschlüssen, den Anordnungen, den Dienstvorschriften, den Funktionszusammenhängen, den Einreiseformalitäten, den Fahrplänen, den Beförderungsbestimmungen.“

Kaum eine Stelle in Büchners Werk drückt so sicher auch seine eigene Haltung aus und führt uns so nahe in seine Werkstatt: bevor Danton die Frage stellt, stellt sie Büchner selbst, seine Lebensfrage, im Brief an die Geliebte. Er zitiert sich selbst, wenn er Danton das fragen lässt, und die Frage hat weder den Dichter noch den Naturwissenschaftler je losgelassen.

Lukas Bärfuss, 1971 in Thun in der Schweiz geboren, ist Autor von 25 Stücken, drei Romanen und einigen Essays und Erzählungen. Der Büchner-Preis-Juror Ernst Osterkamp sagte über ihn: „Er ist jemand, der mit äußerster Sensibilität insbesondere die politischen Entwicklungen und das sind vor allen Dingen auch mediale Entwicklungen in seinem Heimatland, in der Schweiz, beobachtet und sie mit einer gewissen Fähigkeit zur stilistischen Rücksichtslosigkeit zu kommentieren in der Lage ist.“

Hier gibt’s (noch) Eintrittskarten


 [BP1]

Peter Brunner

von Peter Brunner

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