Peter Brunners Buechnerblog

Kategorie: Ludwig Büchner (Seite 1 von 13)

… mit den schlagendsten Gründen behauptete, dass die persönliche Hudelei nie aufhöre

Ein Zufall brachte mich auf eine Neuerscheinung in den USA: David Dixon veröffentlichte soeben „Radical Warrior. August Willich’s Journey from German Revolutionary to Union General”

Ich schrieb ihn mit der Frage an, ob der Deutsch-Amerikaner in Cincinnati Kontakt mit August Becker gehabt habe, und binnen kürzester Zeit tat sich mir ein neuer Horizont der Recherche über Georgs Freund und Vertrauten auf.

Ich habe noch nicht die geringste Ahnung, ob und wie weit diese Recherchen führen werden, aber schon eine allererste „advanced search“ in „chronicling america“ , auf die ich hingewiesen wurde, hat einen Aufsatz Beckers zu Tage gefördert, der seine Verbundenheit mit Georg Büchner und seine inhaltliche Auseinandersetzung mit dessen Haltung noch 30 Jahre nach seinem Tod belegt:

 

August Becker: „1848 in Kanne-Gießen“.

… Ehe ich indes dieselbe (eine ihm von Karl Vogt vermittelte Übersetzungsarbeit – pb) noch angefangen, hatte ich andere interessante Bekanntschaft in Gießen gemacht und erneuert. Da kamen zuerst die Brüder Louis und Alexander Büchner. Ich hatte die beiden als kleine Jungens in Darmstadt gesehen, wo sie mir ihr älterer, in Zürich verstorbener Bruder Georg, an jeder Hand einen, zugeführt und vorgestellt hatte. Jetzt waren sie groß und Studenten geworden, und kamen zu mir, mich nach ihrem Bruder auszufragen, dessen bester und einziger vertrauter Freund ich in Gießen gewesen war. Sie waren in der Politik Revolutionärs wie jener, aber mit ihrer Philosophie war es anders beschaffen. Während Georg´s großes Leidwesen darin bestand, dass er kein Materialist werden, dass er nicht glauben konnte an die Vernichtung des Individuums, während er den sterbenden Danton um sein Wort: „Ich kehre ins Nichts zurück!“ beneidet und sich über die verbohrten Schwachköpfe mokiert, welche ihn glauben machen wollten, das Ding was in ihm denke und fühle, sich freue und gräme, sei eine Combination von Phosphor, Kalk, Eiweiß, Gallerte, Sauerstoff und dergl., während er steif und fest glaubte und mit den schlagendsten Gründen behauptete, dass die persönliche Hudelei nie aufhören und dass wir nie und nimmer zu der ersehnten Ruhe und Vernichtung unseres Ichs gelangen könnten – lachte der Louis Buechner schon damals über alle diese Schrullen und Alexander vertheidigte sie wenigstens nicht.

 

(August Becker: „1848 in Kanne-Gießen“. Sonntagsblatt des Cincinnati Volksblatt. 23.6.1867. )

 

Ich habe die Hoffnung, dass die Verbindung zu David Dixon und weiteren, mit ihm verbundenen Forschern zu den „US-48ers“ zu weiteren Erkenntnissen über die US-Jahre Beckers und seine publizistische Tätigkeit führt. Alleine Beckers Verbundenheit zu Georg Büchner in Deutschland rechtfertigt jedes Interesse an seinem weiteren Ergehen; fänden sich noch weitere derart aufschlussreiche Hinweise auf seine Erinnerung an Büchners philosophische oder politische Haltung, wären echte Schätze zu heben.

 

 

Peter Brunner

von Peter Brunner

Das Programm im Büchnerland zum hessischen Tag für die Literatur „Stadt, Land, Fluss“ am Sonntag, dem 26. Mai 2019

Stadt.

Darmstadt: Literarisches Darmstadt-Frühstück

Darmstadt ist die erste Station der Stadt-Land-Fluss-Reise durch das Büchnerland: Wie sah die Stadt zur Zeit der Geschwister Büchner aus? Was hat das „Königreich Popo“ aus Georg Büchners Lustspiel „Leonce und Lena“ mit dem historischen Darmstadt zu tun? Darüber sprechen der Darmstädter Stadtarchivar Peter Engels und der Leiter des Goddelauer Büchnerhauses, Peter Brunner.

Musikalisch werden die beiden von Petra Bassus und Papa Legba’s Blues Lounge begleitet.

Um 12 Uhr fährt ein Sonderbus auf der Linie 40 (Büchnerlinie) nach Riedstadt ab, zu „Land“ und „Fluss“. Unterwegs gibt es Informationen zum Büchnerland und Musik.

Die Klause am Hauptbahnhof, 2013 als „Königreich Popo”

Eine Veranstaltung der Luise Büchner-Gesellschaft e.V. in Kooperation mit dem Büchnerhaus Riedstadt-Goddelau, dem Stadtarchiv Darmstadt, der BüchnerBühne Leeheim e.V., Papa Legba’s Blues Lounge und KLAUSE – Bier- und Wein-Garten und Zentrum der Initiative Essbares Darmstadt

10 – 12 Uhr | Eintritt frei| Klause am Hauptbahnhof Darmstadt | Am Fürstenbahnhof | 64293 Darmstadt

Land.
Riedstadt-Leeheim: Büchner-Matinee im Theater

Die BüchnerBühne ist die zweite Station der Stadt-Land-Fluss-Reise durch’s Büchnerland. Christian Suhr und Ensemble-Mitglieder präsentieren Büchners Bild vom Land: In Briefen und Dramentexten, die von der Verehrung der Elsässer Berge bis zur Verachtung der Gießener Niederungen reichen.

Petra Bassus und Papa Legbas Blues Lounge machen Musik.

Der Sonder-Bus der Linie 40 (Büchnerlinie) fährt um 14 Uhr weiter zum Büchnerhaus. Unterwegs gibt es Informationen zum Büchnerland und Musik von Papa Legba’s Blues Lounge.

Die Büchnerbühne als „Marktrufer” (Christian Suhr und Alexander Valerius)

Eine Veranstaltung der BüchnerBühne Leeheim e.V. in Kooperation mit dem Büchnerhaus Riedstadt-Goddelau, der Luise Büchner-Gesellschaft e.V. und Papa Legba’s Blues Lounge

12.30 – 14 Uhr | 7 € VVK |9 € TK | BüchnerBühne | Kirchstraße 16 | 64560 Riedstadt-Leeheim

Fluss.
Riedstadt-Goddelau: Vortrag, Musik, Bewirtung

Das hessische Ried zur Zeit der Büchners. Georg Büchners Geburtshaus am Altrhein bildet den Abschluss der Stadt-Land-Fluss-Reise von Darmstadt nach Riedstadt. Peter Brunner, Leiter des Büchnerhauses, spricht über die Lebensumstände am Ufer des Flusses am Anfang des 19. Jahrhunderts und über die Gestalt der Flusslandschaft vor der Rheinbegradigung am Kühkopf.

Die Fabelhafte Büchnerbande mit Petra Bassus, Heiner Dieckmann, Peter Brunner und Papa Legbas Blues Lounge tritt auf.

Dazu gibt es Kaffee und Kuchen.

Der Sonderbus der Büchnerlinie (Linie 40) fährt danach in 30 Minuten zurück zum Darmstädter Hauptbahnhof.

Museum Büchnerhaus. Georg Büchners Geburtshaus in Riedstadt-Goddelau

Eine Veranstaltung des Büchnerhauses Riedstadt-Goddelau und des Fördervereins Büchnerhaus e.V. in Kooperation mit: BüchnerBühne Leeheim e.V., Luise Büchner-Gesellschaft e.V. und Papa Legba’s Blues Lounge

14.30 – 17 Uhr | Eintritt frei | Büchnerhaus | Weidstraße 9 | 64560 Riedstadt-Goddelau

Peter Brunner

von Peter Brunner

„ …ich mit dir über dein ferneres Gedeihen der Zukunft beruhigt entgegen sehen darf”*

Für die Kreisvolkshochschule Gross-Gerau biete ich in den nächsten Monaten, beginnend am 5. Februar,  eine Reihe von Abendveranstatungen an, bei denen sich Interessierte in kommunikativer Runde mit Leben und Werk von Georg Büchner und seinen Geschwistern – der „fabelhaften Büchnerbande” … – vertraut machen können.

 

Im Büchnerhaus

„Gemeinsam an einem Tisch” heißt die Installation im ersten Raum des Goddelauer Büchnerhauses, wo sinnbildlich auf den ungewöhnlich engen Zusammenhalt der Büchner-Geschwister hingewiesen wird. Der oft als streng beschriebene Vater Ernst Büchner war in Wahrheit ein ungewöhnlich interessierter und seinen Kindern zugewandter Vater, von dem überliefert ist, dass er den täglichen Austausch mit ihnen suchte und forderte.

Mit jedem einzelen der Kinder hatte er Sorgen und Mühen, die andere schon bei einem Kind weit überfordert hätten: nach Georgs dramatischer Verwicklung in die Landbotenverschwörung, Flucht, Exil und frühem Tod scheiterte der nächste Sohn, Wilhelm, am Gymnasium und wurde später auch noch der Gießener Universität verwiesen. Die beiden Töchter Mathilde und Luise blieben, eine Katastrophe für einen bürgerlichen Vater des 19. Jahrhunderts, unverheiratet. Ob Luises Einsatz für Frauenrechte und Mädchenbildung, ihre Pubikationen und Vorträge ihn später dafür entschädigt haben, wissen wir nicht. Die jüngeren Söhne trieben 1848 Revolution in Gießen (der Vater erklärt öffentlich, entsprechende Gerüchte seien falsch und er werde Verleumder zum Duell fordern!), in die Auseinandersetzungen um das Ende der Paulskirchendemokratie an der Bergstraße machte Alexander 1849 mit der Schwester Mathilde einen „Pfingstausflug”, bei dem er verhaftet wird, Ludwig wurde für sein erstes Buch in Tübingen die Lehrerlaubnis entzogen, Alexander verlor als Verschwörer den „Access” als Jurist, er erhielt Berufsverbot. Ob und wie der Vater die spätere Prominenz seiner anstrengenden Kinder geschätzt hat, ob er stolz auf sie war – wir wissen es nicht. Häufig gedeutet und meist als Zeichen von kühler Distanz (miß)verstanden ist der einzige * Brief an eines seiner Kinder, den wir kennen: der vom 18.12.1836 an Georg in Zürich. 

Ein neues Licht auf Leben und Persönlichkeit der Mutter Caroline (geb. Reuss) wirft ein Fund, über den hier bei Gelegenheit (und natürlich bei den angekündigten Treffen) ausführlicher zu berichten sein wird: der Sohn ihres Cousins Johann Bechtold, Carl, hat ein bisher völlig unbekanntes, ausführliches Tagebuch hinterlassen, das eine Nachfahrin sorgfältig transkribiert und ediert hat. Carl war offenbar heilfroh, dass er, was wohl überlegt worden war, die von ihm als hypochondrisch beschriebene Verwandte an Ernst Büchner los wurde …

 

Die Galerie am Büchnerhaus, der frühere Kuhstall des Anwesens. Heute Veranstaltungsraum. Im ersten Stock Museums- und städtisches Kulturbüro.

 

Ohne Frage sind die Büchners im 19. Jahrhundert ebenso außergewöhnlich wie exemplarisch gewesen: außergewöhnlich als berühmte Geschwister, exemplarisch für die Themen, mit denen sie sich beschäftigten. Kommunismus, Sozialismus und Materialismus, Frauenrechte und Industrie, soziales Engagement und liberale Politik, Literatur und Geschichte, Kommunal-, Landes- und Staatspolitik haben sie betrieben und beeinflusst. Karl Gutzkow nennt sie „ … von demselben göttlichen Feuer ergriffen”. Bei den Treffen bietet sich daher neben der Bekanntschaft mit außergewöhnlichen Hessen und ihrer persönlichen Geschichte auch ein besonderer Blick auf die Geschichte von Land und Leuten im 19. Jahrhundert.

Die Treffen finden in der Galerie am Büchnerhaus statt und bieten neben Information und Austausch auf Wunsch stets auch den Besuch des Museums als Ergänzung. Die Volkshochschule bittet um Anmeldung, am einfachsten hier via Internet.

Im „Flyer” finden sich alle erforderlichen Informationen:

 

 

 

 

 

 

von Peter Brunner

 

Peter Brunner

Peter Brunner

Karl Marx hat Charles Darwin nie getroffen

In der zweiten Auflage von Ludwig Büchners „Fremdes und Eigenes aus dem geistigen Leben der Gegenwart” (übrigens ein Titel, der Ludwig Büchners Leben und Arbeit prägnant auf den Punkt bringt…), findet sich als Anhang ein Text von knapp zwanzig Seiten unter der Überschrift „Ein Besuch bei Darwin”.

 

Ich stelle ihn hier als pdf zur Verfügung. 

Charles Darwin war für Ludwig Büchner „der Wiederbeleber der Entwicklungstheorie”. Mit einigem Selbstbewusstsein, an dem es ihm überhaupt nicht mangelte, stellt er auch sich selbst in die Reihe derjenigen, welche „die Ursachen der Umwandlung und Verwandlung der Lebewelt” erforscht und beschrieben haben.

1881 nutzte Büchner seine Teilnahme am Freidenkerkongreß in London dazu, dem großen Denker seine Aufwartung zu machen. Er bediente sich dazu einer Person als Vermittler und Übersetzer, die mit „umstritten” noch sehr freundlich beschrieben wird – Edward Aveling, dem Schwiegersohn von Karl Marx, der dessen Tochter Eleanor in Verzweiflung und Selbstmord trieb.

In der wunderbar erschlossenen Korrespondenz Charles Darwins findet sich ein Briefwechsel Büchners von 1862, in dem Darwin für die Zusendung seines Buches „Aus Natur und Wissenschaft“ dankt.

1864 veröffentlichte Büchner seine Übersetzung des bahnbrechenden Werks „Das Alter des Menschengeschlechts auf der Erde und der Ursprung der Arten durch Abänderung, nebst einer Beschreibung der Eis-Zeit in Europa und Amerika” von Charles Lyell. Das Buch des engen Freundes von Charles Darwin hatte in England schon beim Erscheinen Furore gemacht.

In zahlreichen Vorträgen und Aufsätzen hat Ludwig Büchner immer wieder auf die weltbewegenden Erkenntnisse Darwins hingewiesen; heute wird ihm gerne vorgeworfen, er habe dabei zu Unrecht Darwins Theorien auch auf die Entwicklung der Menschheit bezogen und so einem unwissenschaftlichen „Sozialdarwinismus” Vorschub geleistet.

Die deutsche Autorin Ilona Jerger schrieb mir, dass sie Büchners Aufsatz nicht kannte, als sie ihren Roman über ein fiktives Treffen Darwins mit Karl Marx geschrieben hat, und Büchner, dessentwegen ich das Buch gelesen habe, kommt auch tatsächlich nur auf wenigen Seiten und eher blass in der Geschichte vor.

Wer aber auf eine angemessene Würdigung des Darmstädter Professors verzichten kann, kann „Und Marx stand still in Darwins Garten” als schönes Beispiel „kontrafaktischer Geschichtsschreibung” lesen. Davon hatten wir es hier ja schon einmal am Beispiel der politischen Optionen für ein Deutschland zwischen Preussen und Österreich. Es ist wirklich spannend, sich vorzustellen, was sich die beiden großen Denker zu sagen gehabt hätten, und dass sie eine ganze Weile räumlich nahe beieinander lebten, macht das Spiel noch realistischer.

Das Speisezimmer in Down House – eingedeckt mit Wedgewood, of course

Ilona Jerger gelingt es gut, die Atmosphäre in Down House lebendig werden zu lassen, sicher hat sie bei Ihren Vorarbeiten das schöne Museum in Darwins Haus besucht. (Über meinen Besuch dort habe ich hier 2009 berichtet.) Es schadet auch nicht, dass sie selbst deutlich Partei bezieht – der nachdenkliche und zögernde Darwin ist ihr als Person und mit seinem Forschungsgegenstand deutlich näher als der polternde Marx, und dass Darwin Marx‘ Kapital auf deutsch nur auf den ersten Seiten aufgeschnitten, also fast ungelesen, hinterlassen hat, kann sie offenbar gut verstehen. Tatsächlich fiel es Darwin schwer, deutsche Texte zu lesen, er erwähnt das ja auch in der oben zitierten Antwort an Ludwig Büchner. *1  Mit Vergnügen hat sie dagegen offenbar Darwins Texte gelesen, und ganz zu Recht beschreibt sie geradezu liebevoll seinen berühmten Beitrag über Regenwürmer (hier digitalisiert auf deutsch).

 

288 Seiten ISBN-13 9783550081897 Ullstein 2017. 20 €

Wer also Lust hat, ein gut geschriebenes Buch mit einer gut erfundenen Story aus dem England des 19. Jahrhunderts zu lesen, wird mit „Und Marx stand still in Darwins Garten” bestens bedient. Für mich sind zahlreiche biografische und „pseudobiografische” Romane der Anlass gewesen, mehr über Leben und Werk der handelnden Personen erfahren zu wollen, und das kann ja neben reinem Lesevergnügen auch nicht schaden.

 

 

*1  Offensichtlich kam niemand auf die Idee, Charles Darwin (und wohl auch der Autorin nicht …) vorzuschlagen, als Einstieg in Marx‘ Denken und Schreiben das Kapital – in seinem Fall auf englisch – mittendrin aufzuschlagen und mit dem lesenswerten 24. Kapitel über die „sogenannte ursprüngliche Akkumulation”  (für die geneigten Leser*innen hier auf deutsch …) zu beginnen. Wie Marx dort den „historischen Scheidungsprozess von Produzent und Produktionsmittel”  als „die Vorgeschichte des Kapitals” schildert, ist jedenfalls die vielleicht beste Einführung in sein Denken und eine ausgezeichnete Heranführung an seine Art des Argumentierens.

von Peter Brunner

 

Peter Brunner

Peter Brunner

ist friede in den hütten ist friede in den palästen amen

1982 hat das Franz Hodjak als „Variation auf ein Thema von Büchner” gedichtet, und dieser vielleicht knappstmögliche Kommentar zu Büchners Landbote, den ich zu Beginn des Gesprächs mit den Nachfahren der Landboten-Protagonisten zitierte, war, scheint mir, in der munteren und aufschlussreichen Runde konsensfähig.

 

Das „Panel” – vlnr: Ludwig Steinmetz, Manfred Büchner, Thomas Will, Magda Pillawa, Peter Brunner, Brita Flinner, Rainer von Hessen, Peter Soeder

 

Alle hatten nachgedacht und vorbereitet, ob und wie sie biographisch, politisch, gesellschaftlich auf besondere Weise mit den frühen hessischen Republikanern und/oder ihren Widersachern verbunden sind. Sei es, das Magda Pillawa kein Spur des Jähzorns bei sich findet, für den Ludwig Büchner bekannt war (es gibt da eine Geschichte von einem voller Wut aus dem Fenster geworfenen Schweinebraten …), sei es, dass Manfred Büchner über Wilhelm Büchners Neugier auf die Naturwissenschaften reflektierte. Beeindruckend, wie Rainer von Hessen schilderte, dass für ihn in der Auseinandersetzung mit den unsäglichen Verstrickungen seiner Vorfahren in die Verbrechen des Nationalsozialismus klar wurde, dass Herkunft und Geburt kein Privileg verschaffen darf und schon gar keine Garantie für überlegenes Verhalten verschaffen kann. Und berührend, wie Peter Soeder, Oberkirchenrat a.D.,  auf die Frage, wie er es mit der Religionskritik seines Urgroßvater Ludwig Büchner halte, diesen ganz direkt ansprach: „Hallo Urgroßvater …“.  Ganz zu Recht habe er sich von der Amtskirche und ihren Verstrickungen mit der Macht, den Palästen, abgewandt. Und sein Engagement für gerechtere Erbschaftsbesteuerung, Reform der Grundbesitzverhältnisse und Versicherungsschutz sei bis heute gerade für Christen vorbildlich.  Landrat Will, der als Repräsentant der  aktuellen Macht eingeladen war, fand deutliche Worte zur Ungleichheit. Es dürfe nicht sein, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich weiter aufspreize. Glücklicherweise seien die Verhältnisse, gegen die sich die Landboten-Verschwörer empörten, überwunden, aber es bedürfe aktiven politischen Einflusses für Chancengleichheit, insbesondere in Bildungsfragen. Auch zur Meinungsfreiheit gab er ein klares Bekenntnis ab: nicht ihre Einschränkung, sondern ihr Schutz sei  gegen „Fake-News“ und Desinformation erforderlich, und auch hier spiele Bildung die zentrale Rolle. Brita Flinner hat mit ihren Erfahrungen aus Namibia, wo sie einen Teil ihres Lebens verbrachte, den wichtigen Hinweis darauf gemacht, dass die Hütten des 21. Jahrhunderts für uns im Ausland stehen und wie eng das Leben in unseren „Palästen” mit ihnen verbunden ist.

Schön, dass ich zum Schluss in das Exemplar von Edschmids Büchner-Roman „Wenn es Rosen sind … ” für Rainer von Hessen aufrichtig schreiben konnte: „Von Citoyen zu Citoyen“.

Und gut, dass sich das Büchnerhaus mit diesem „Familientreffen” wieder als „Ort der Freiheit” positionieren konnte.

Der Hessische Rundfunk hat das Gespräch aufgezeichnet
und wird es in  „Kulturszene Hessen”
am Samstag, dem 25. November, von 18:04 bis 19 Uhr auf HR 2 senden.

 

Mehr Fotos von der Veranstaltung hat Werner Höfler vom Vorstand des Vereins Büchnerhaus hier eingestellt. 

von Peter Brunner

 

 

 

 

 

 

Peter Brunner

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