Peter Brunners Buechnerblog

Kategorie: Vortrag (Seite 1 von 12)

Das BüchnerLandFestival 2024

 

 

 

 

BüchnerLand-Festival 24

 

05.-07.07. Unter den Linden Leeheim

12.-14.07. BüchnerHaus Goddelau

 

 

An Erminig: Musique celtique de Bretagne

FR. 5.7.24 18 UHR UNTER DEN LINDEN LEEHEIM

AN ERMINIG, 1975 in Bonn

gegründet, lebt seit 1976 im

deutsch-französischen Grenzraum

Saarland-Lothringen und im

bretonischen Departement

Morbihan.

Das Trio (Barbara Gerdes,

Andreas Derow und Hans Martin

Derow) besteht seit der Gründung

in derselben Besetzung. AN

ERMINIG, das in der bretonischen Fahne abgebildete Hermelin, ist das

Symbol einer kulturell eigenständigen, keltischen Bretagne und so steht auch

der Name der Band seit über vier Jahrzehnten für eine eigenständige Arbeit

an der bretonischen Musik, stets offen für innovative Einflüsse, aber auch

immer geprägt vom Respekt vor den traditionellen Wurzeln.

AN ERMINIG versteht sich als Botschafter für die keltische Musik und

Sprache der Bretagne. Das Repertoire der Band ist das Ergebnis gründlicher

Recherche bei regelmäßigen Aufenthalten in der Bretagne. Dabei kommt

dem Morbihan, der Wahlheimat der Gruppe, eine besondere Bedeutung zu.

In zahlreichen Workshops bei hervorragenden bretonischen Musikerinnen

und Musikern hat die Band ihre musikalischen Kenntnisse im Laufe der

Jahrzehnte erweitert. Dabei stand das Erlernen der traditionellen Instrumente

sowie der bretonischen Tänze im Vordergrund. Im Laufe der Jahre

entwickelte sich daraus eine intensive Zusammenarbeit mit Künstlerinnen

und Künstlern sowie Verlagen, die die Gruppe bei der Produktion ihrer CDs

unterstützen. Regelmäßige Kontakte in die Folk- und Weltmusikszene und

vor allem die Eindrücke aus der umfangreichen Konzerttätigkeit auf

europäischen Bühnen verarbeitet die Band zu der ihr eigenen Mischung aus

traditionellen Elementen und Eigenkompositionen auf der Basis der

bretonischen Musik.

 

 

 

Kladderadatsch – DIe Revoluzzer-Revue

PREMIERE FR. 5.7.24 20 UHR. UNTER DEN LINDEN LEEHEIM

„Kladderadatsch“ ist ein lautmalerischer

Berliner Ausdruck, der etwas

bezeichnet, das heruntergefallen und

mit Krach in Scherben gebrochen ist.

Kladderadatsch war auch der Titel einer

politisch-satirischen Zeitschrift, die zum

Beginn der deutschen Revolution von

1848 bis 1944 regelmäßig wöchentlich

herausgegeben wurde. Dies machte

den Ausdruck so populär, dass er zum

politischen Schlagwort wurde, das

ironisch gebraucht – vor allem von

August Bebel – den Zusammenbruch der bürgerlichen Gesellschaft

charakterisierte …

Das Ensemble der BüchnerBühne lässt Ereignisse der Revolutionsjahre 1848

und `49 in einem satirischen Reigen aus Liedern, Texten & Szenen Revue

passieren, der verdeutlicht, wie sehr Freiheitsliebe und Humor sich

gegenseitig bedingen.

 

 

 

Flüchtlingsgespräche (Bertolt Brecht)

SA. 6.7.24 17:00 UHR UNTER DEN LINDEN LEEHEIM

Szenische Lesung mit Oliver Kai Müller & Christian Suhr

Diese in den frühen vierziger Jahren

geschriebenen Dialoge handeln vom

Alltag der aus Deutschland Vertriebenen,

vertreten durch den Intellektuellen Ziffel

und den Arbeiter Kalle, die sich im

Restaurant des Hauptbahnhofs von

Helsinki über die internationale Lage

(deutsche Truppen haben Dänemark und

Norwegen besetzt und rücken in

Frankreich vor) und die eigene Situation

unterhalten: »Der Pass ist der edelste Teil

von einem Menschen.«

„Die beste Schule für die Dialektik ist die Emigration. Die schärfsten

Dialektiker sind die Flüchtlinge. Sie sind Flüchtlinge infolge von

Veränderungen und sie studieren nichts als Veränderungen. Aus den

kleinsten Anzeichen schließen sie auf die größten Vorkommnisse, d.h. wenn

sie Verstand haben. Wenn ihre Gegner siegen, rechnen sie aus, wieviel der

Sieg gekostet hat, und für die Widersprüche haben sie ein feines Auge. Die

Dialektik, sie lebe hoch!“

Nicht erst seit dem Ukraine-Krieg ist die Zahl der Menschen, die vor Krieg

und Verfolgung fliehen, heutzutage höher denn je. 2016 verzeichnete man

weltweit 65,3 Millionen Menschen, die auf der Flucht waren. Davon kamen

damals 745.545 Personen nach Deutschland. Diese Zahl war die Höchste,

die seit dem Bestehen des Bundesamtes für Flüchtlinge verzeichnet wurde

und die Höchste seit dem Zweiten Weltkrieg. Was uns allen bevorsteht, wird

diese Erfahrungen wohl bei Weitem übertreffen …

 

 

 

Sind wir noch zu retten?

Demokratie-Werkstatt mit Thomas Freitag

SA. 6.7.24. 20 UHR UNTER DEN LINDEN LEEHEIM

Seit 1976 ist Thomas Freitag mit

bislang 18 Soloprogrammen in ganz

Deutschland unterwegs. Kritiker

charakterisieren ihn als den

„Komödianten unter den

Spitzenkabarettisten“. Ganz bewusst

abseits des Mainstreams präsentiert er

bis heute Programme, in denen er mit

hoher schauspielerischer Präsenz

unter einem Teppich zeitkritischer

Betrachtungen pointiert seine

kabarettistischen Tretminen zündet.

Für ein breiteres Publikum wurde er seither vor allem als glänzender Parodist

bekannt. Seine Strauss / Wehner / Brandt / Kohl / Lueg und Reich-Ranicki-

Parodien sind Legende.

Thomas Freitag ist einer der wenigen Kabarettisten, der neben der großen

Kunst der politisch-satirischen Unterhaltung mit schauspielerischem Können

brilliert. Trittsicher balanciert er auf dem schmalen Grat zwischen

intelligentem Humor und bitterem Ernst, bringt das Publikum zum Lachen und

zum Denken!

In einer einmaligen, extra für das BüchnerLand-Festival zusammengestellten

„Demokratie-Werkstatt“ sichtet er mit dem Publikum 50 Jahre

Republikgeschichte und fragt aus aktuellem Anlass: „Sind wir noch zu

retten?“

 

 

 

Erzähl mir was! Erzählmärchen mit Oliver Kai Müller

SO. 7.7.24 11 UHR UNTER DEN LINDEN LEEHEIM

Erzähl-Märchen für klein & groß

„Es war einmal,

Es wird einmal …

Es gibt kein Wenn und kein Vielleicht …

die Märchentür, sie öffnet sich … „

Oliver Kai Müller, Ensemble-Mitglied der BüchnerBühne, erzählt und spielt

Geschichten,

von Hier und Da und fremden Welten,

von Mäusen und Menschen und mutigen Helden.

 

 

 

Musikalischer Frühschoppen mit Sir Andrew:

onevoiceoneguitarpubmusic

SO. 7.7. 12:30 UNTER DEN

LINDEN LEEHEIM

Im Anschluss an die

Märchenstunde mit Oliver Kai

Müller laden wir am gleichen

Ort zu einem musikalischen

Frühschoppen ein:

Pubmusic mit „Sir Andrew“

unter freiem Himmel zum

Ausklang des ersten Festival-

Wochenendes Unter den

Linden in Leeheim.

Mit seinem Repertoire bedient

Sir Andrew alle Freunde

handgemachter und ehrlicher

Pubmusik. Ob irische und

schottische Traditionals oder

zeitgenössisches Liedgut, von

Klassikern, wie „Whiskey in the

jar“ oder dem „Wild Rover“

über Songs von Oasis, U2 und

Neil Young bis Johnny Cash, es ist für jeden etwas dabei!

 

 

Edith & Mina: Geschichte einer Freundschaft

FR. 12. JULI 2024 18:00 UHR BÜCHNERHAUS GODDELAU

Jürgen Flügge, Regisseur, Dramaturg und

Gründer des Hof-Theaters Tromm in

Grasellenbach im Odenwald, kommt zu einer

szenischen Lesung über einen Teil seiner eigenen

Familiengeschichte zum BüchnerLand-Festival.

Er findet eines Tages einen alten Koffer auf dem

Speicher, voller Briefe und Postkarten seiner

Mutter Mina aus der Zeit von 1934 bis in die 50er Jahre. Auch Postkarten in

alten Briefumschlägen sind dabei, auf den Briefmarken die Konterfeis von

Hitler und Heuss. Briefe und Karten aus den USA sind darunter, geschrieben

von jüdischen Freunden, die vor den Nazis fliehen mussten.

Erinnerungen werden wach an die Mutter und ihre Jugend in unserem

Nachbarort Stockstadt, das auch seine Jugend prägte, an die Freundschaft

zu Edith und ihrer Familie, bei der Mina als Dienstmädchen arbeitete sowie

an den brutalen Alltag der jüdischen Familie, als die Nazis an die Macht

kommen, aber auch an die Freundschaft zwischen Edith und Mina.

All das zeigen und belegen die original Dokumente aus Minas Koffer.

Geschichten und Anekdoten verweben sich zu einem Stück über eine

Freundschaft, die dem nationalsozialistischen Alltag versucht zu entfliehen.

An Edith Westerfeld wird seit 2014 mit einem Stolperstein in Stockstadt

erinnert.

 

 

 

Büchner, Weidig und die Demokratie

SA. 13. JULI 2024 15:00 UHR BÜCHNERHAUS GODDELAU

Unser Netzwerk mit der Weidigstadt Butzbach

Bürgermeistergespräch und Projektvorstellungen

Das BüchnerLandFestival möchte mit seinen Kooperationspartnern deutlich

machen, wo überall Georg Büchner und seine Familie Spuren hinterlassen

haben.

Insbesondere mit der Stadt Butzbach gibt es bereits Erfahrungen einer

fruchtbaren Zusammenarbeit. In Butzbach wirkte Friedrich Ludwig Weidig als

Lehrer und Theologe. Er hatte gemeinsam mit Büchner die berühmte

Flugschrift „Der Hessische Landbote“ verfasst. Die Zusammenarbeit soll mit

einem Gespräch der beiden Bürgermeister Michael Merle (Butzbach) und

Marcus Kretschmann (Riedstadt) vorgestellt und vertieft werden. Das

Gespräch wird die Pressesprecherin der Büchnerstadt, Anke Mosch,

moderieren.

Im Anschluss stellt die Weidigstadt Butzbach die Ziele und Aufgaben ihres

„Demokratikum“ vor. Riedstadt wiederum wird das Projekt Museumslauscher

präsentieren, wo Schülerinnen und Schüler der Martin-Niemöller-Schule mit

Unterstützung des Hessischen Rundfunks einen Audioguide für den

Rundgang durch das Büchnerhaus entworfen und realisiert haben.

 

 

 

Die Grenzgänger: Lieder von 1848 – Einigkeit und Recht

und Freiheit

SA. 13. JULI 2024 19:00 UHR BÜCHNERHAUS GODDELAU

Das Bremer Quartett um den Bremer

Liedermacher und Liedersammler Michael

Zachcial mag nach fünf Schallplattenpreisen,

mehreren Nummer-Eins-Titeln in der

Liederbestenliste und zahlreichen Radiokonzerten

für viele noch ein Geheimtipp sein. Doch

inzwischen füllen sie auch größere Säle und

hinterlassen landauf landab ein begeistertes

Publikum. Grenzgänger-Konzerte sind geprägt

von unbändiger Spielfreude und gleichermaßen unterhaltsam wie intelligent

gestrickt.

Die Grenzgänger zeigen, wie Geschichte entsteht: in Konzerten zwischen

den Genres, den Generationen und den Zeiten: Mittels verschollener und in

Vergessenheit geratener Lieder, die sie unnachahmlich arrangieren und

interpretieren, singen und erzählen sie aus der Perspektive der so genannten

„kleinen Leute“, aus Fabrik, Straße und Alltag.

In der aktuellen Besetzung klingen die Grenzgänger so druckvoll und virtuos

wie selten, Frederic Drobnjak spielt an der Gitarre im Stile eines Django

Reinhardt groß auf, Felix Kroll zaubert am Akkordeon ein ganzes Orchester

auf die Bühne, Annette Rettich berührt am Cello und verschmilzt mit der

Stimme von Michael Zachcial, der auf unverwechselbare Art unsere

Geschichte und die alten Lieder mit dem Hier und Jetzt verbindet.

Beim Konzert am Büchnerhaus werden Lieder aus der deutschen Revolution

von 1848/49 im Mittelpunkt stehen. Zu hören sind Lieder von Herwegh bis

Heine, von Fallersleben bis Marx und Freiligrath

 

 

 

Das Republikanische Café: Bürgergespräch mit Barbara

Sichtermann und Heribert Prantl

SO. 14. JULI 2024 15:00 UHR (EINLASS 14:00 UHR) BÜCHNERHAUS

GODDELAU

BüchnerFindetStatt e.V. lädt zum Abschluss des diesjährigen BüchnerLand-

Festivals erneut ein zu einer sommerlichen Kaffee- und Kuchenrunde im Hof

des Goddelauer Büchnerhauses. Das Republikanische Café nimmt dabei

Bezug auf eine über 200 Jahre alte Tradition. Damals waren solche

Zusammenkünfte ein bewährtes Mittel, Versammlungsverbote zu umgehen.

Aufrührerische Reden, die verhindert werden sollten, fanden ihr Publikum bei

scheinbar harmlosen gesellschaftlichen Treffen. Solche „gesellige

Veranstaltungen“ gab es schon im Vorfeld der französischen Revolution, und

auch vor der Paulskirchenversammlung 1848 dienten Bankette überall in den

vielen deutschen Staaten in Wirklichkeit der politischen Debatte.

Bei unserem ersten Republikanischen Café 2023 waren Bascha Mika und

Gregor Gysi unsere Gäste. Unter dem Titel „Ungleich frei?“ ging es damals

im Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern um die Frage „Lässt es sich

vielleicht besser, ja freier, leben, wenn die Zwänge der Demokratie zu

Konsens, Mehrheit und nicht zuletzt Minderheitenschutz weniger wichtig

genommen werden?“

© 24 BFS Seite von

11 12BüchnerLand-Festival 24

In diesem Jahr haben wir Barbara Sichtermann und Heribert Prantl zum Café

eingeladen. Ihr Thema: „Demokratie verteidigen! Über Verbündete und

Brandmauern, Gemeinsamkeiten und Abgrenzungen.”

Dahinter steckt nicht nur die Frage danach, wie groß die Not sein muss, um

manche Kooperation zu begründen, sondern auch, ob nicht gerade eine

solche Gemeinsamkeit die Schwäche birgt, die Verschwörungsparolen der

Rechtsradikalen zu bestätigen. Können der bayerische Ministerpräsident und

die Sprecherin von Fridays for future glaubwürdig und erfolgreich für eine, die

gleiche(?), Demokratie aktiv sein, wenn sie einander doch gleichzeitig

demokratische Haltung absprechen? Ist es nicht Wasser auf die Mühlen der

Querdenkenden, wenn sich sozusagen „alle“ gegen sie „verschwören“?

Nach einführenden Beiträgen der beiden prominenten Gäste wird Johannes

Breckner die Moderation des Gesprächs mit dem Publikum zum Thema

übernehmen. Mit einem abschließenden Statement von Frau Sichtermann

und Herrn Prantl endet die Veranstaltung.

Sitzplätze stehen nur beschränkt zur Verfügung!

 

Die nächsten Veranstaltungen im Büchnerhaus

„Kleidung, Freiheit, Identität“ heißt die Überschrift zu Veranstaltungen des Zusammenschlusses „Geist der Freiheit“ in der Kulturregion Frankfurt[BP1] , bei dem das Büchnerhaus mitarbeitet.

Zum Thema spricht am

Donnerstag, dem 5. März 2020 um 19 Uhr in der Kunstgalerie am Büchnerhaus

Elsbeth Wallnöfer (Wien):

Elsbeth Wallnöfer
(c) privat

„Geziert mit rother Jakobiner-Mütze, Im Polen-Rock, schritt stolz er durch die Strassen“

Kleidung als Programm – von Georg Büchner bis Carola Rackete

Kleidung ist viel mehr als nur den klimatischen Gegebenheiten angepasste Körperbedeckung. Vom Hermelin des Herrschers bis zur Parka der „68er“, vom „Polenrock“ als Ausdruck der Sympathie mit den polnischen Aufständischen von 1833 bis zum „Pali-Tuch“ der rebellischen europäischen Jugend hat sie stets Haltung vermittelt. Elsbeth Wallnöfer begibt sich auf die Spuren unserer Kostümierung und bietet Orientierung im Kleiderschrank der Widerspenstigen.

Elsbeth Wallnöfer (Jahrgang 1963) ist Volkskundlerin und Philosophin. Sie beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Heimat und forscht zum Phänomen der Tracht. Daraus ergaben sich zahlreiche Veröffentlichungen, zuletzt erschien „Heimat – Ein Vorschlag zur Güte“ (Haymon-Verlag).

Karten gibt’s im Vorverkauf über unseren Partner Reservix

Und auch 2020 kommt der vorjährige Büchnerpreisträger ins Büchnerhaus –

Lukas Bärfuss liest

vorerst nicht

auf der BüchnerBühne in Riedstadt-Leeheim –

wegen der Virusprophylxe mussten wir alle Veranstaltungen und die Museumsöffnung bis vorerst zum 30. April einstellen.

Lukas Bärfuss
(c) Stefano di Marchi

Es ist zur guten Übung geworden, dass die Büchnerpreisträger*innen des Vorjahres auf Einladung der Büchnerstadt Riedstadt Georg Büchners Geburtshaus besuchen und dort eine Lesung abhalten.

2020 gibt es gleich zwei gute Gründe dafür, dass die Lesung nicht in der Kunstgalerie am Büchnerhaus, sondern auf der BüchnerBühne stattfindet: Haus und Bühne kooperieren künftig eng miteinander und koordinieren daher ihre Veranstaltungen systematisch. Daher wird Lukas Bärfuss am Nachmittag vor der Lesung das Büchnerhaus zu besuchen und die spätere Lesung dann in Leeheim zu halten. Darüber hinaus ist Lukas Bärfuss ein wichtiger Theaterautor, und wo sollte der auftreten, wenn nicht auf den Brettern, die die Welt bedeuten?

In seiner Rede zum Büchnerpreis hat Bärfuss Büchner an einem zentralen Punkt getroffen und abgeholt. Er sagte: „Und es ist diese Frage, die mich mit Georg Büchner verbindet. Was das denn sei, was in uns lügt, stiehlt, hurt und mordet, fragt der Revolutionär Georges Danton, …Aber nein, so weit sollten wir seither gekommen sein seit Büchner, dieses »das« in jener Frage, es ist nicht in uns, es ist zwischen uns, vor uns, es ist da, man kann es lesen, man kann es hören, es ist in den Beschlüssen, den Anordnungen, den Dienstvorschriften, den Funktionszusammenhängen, den Einreiseformalitäten, den Fahrplänen, den Beförderungsbestimmungen.“

Kaum eine Stelle in Büchners Werk drückt so sicher auch seine eigene Haltung aus und führt uns so nahe in seine Werkstatt: bevor Danton die Frage stellt, stellt sie Büchner selbst, seine Lebensfrage, im Brief an die Geliebte. Er zitiert sich selbst, wenn er Danton das fragen lässt, und die Frage hat weder den Dichter noch den Naturwissenschaftler je losgelassen.

Lukas Bärfuss, 1971 in Thun in der Schweiz geboren, ist Autor von 25 Stücken, drei Romanen und einigen Essays und Erzählungen. Der Büchner-Preis-Juror Ernst Osterkamp sagte über ihn: „Er ist jemand, der mit äußerster Sensibilität insbesondere die politischen Entwicklungen und das sind vor allen Dingen auch mediale Entwicklungen in seinem Heimatland, in der Schweiz, beobachtet und sie mit einer gewissen Fähigkeit zur stilistischen Rücksichtslosigkeit zu kommentieren in der Lage ist.“

Hier gibt’s (noch) Eintrittskarten


 [BP1]

Peter Brunner

von Peter Brunner

Büchner findet statt!

Nach all den Weihnachtswünschen und Rückblicken auf das vergangene Jahr hier stattdessen zum Jahresbeginn ein kleiner Ausblick von mir in Sachen Büchner – unvermeidlich beeinflusst vom Vergangenen.

Zum ersten Januar 2020 liegt ein gemeinsames Veranstaltungsprogramm von BüchnerHaus und BüchnerBühne vor – dieser scheinbar kleine Schritt für die Gestaltung ist in Wirklichkeit ein großer Schritt vorwärts zu intensiver Kooperation. Tatsächlich listet das Leporello auf, wann wo welche Veranstaltungen von uns angeboten werden, Kooperation im wörtlichen Sinn ist (noch) kaum wahrzunehmen. Immerhin ist „Die Welt so alt“ (am 23.2. und am 14.3. auf der BüchnerBühne) in Zusammenarbeit von Christian Suhr mit mir entstanden, und wenn es die Termine zulassen, werde ich da auch wieder die Texte zur Biographie Georg Büchners als Moderation sprechen wie zur Erstaufführung an Georg Büchners Geburtstag im Oktober.

Auf Einladung der Büchnerstadt Riedstadt liest der Büchnerpreisträger von 2019, Lukas Bärfuß, am Samstag, dem 21. März, aus seinem Werk. Wir haben ihn eingeladen, am Nachmittag das Büchnerhaus zu besichtigen und dabei unsere Vereinsmitglieder zu treffen, bevor wir dann gemeinsam zur BücherBühne fahren, wo die Lesung stattfinden wird. Das soll auch den Dramatiker Bärfuß würdigen – wo, wenn nicht auf der Bühne …

Ins Büchnerhaus kommt zum ersten Vortrag am 23. Januar 2020 der Frankfurter Germanistikprofessor Roland Borgards, der zugleich designierter Leiter der Forschungsstelle Georg Büchner und der neue Vorsitzende der Georg Büchner Gesellschaft ist. Er wird über einen seiner Forschungsschwerpukte sprechen: „Von Fledermäusen, Grasmücken und Nachtigallen. Büchners Bestiarium und die Tiere der Romantik“, und natürlich wird er vorher das BücherHaus besuchen. Wir setzen darauf, dass das die von Anfang an bestehende enge Verbindung der Büchnerstadt mit den beiden akademischen Einrichtungen weiter festigt und verstärkt.

Die Kunstgalerie am Büchnerhaus, unser Vortragsraum im ehemaligen Kuhstall des Anwesens, zeigt in den nächsten Monaten zwei ganz unterschiedliche Werke: ab dem 19. Januar Skizzen, Vorzeichnungen und Originale des Gießener Künstlers Andreas Eikenroth zu dessen Woyzeck-Comic, der ganz zu Recht mit besten Kritiken besprochen wurde und den er bei einer sehr schönen Veranstaltung am 14.11. präsentiert hat. Er hat mir kürzlich mitgeteilt, dass er an einem weiteren Büchner-Werk arbeitet; mit einigem Glück dürfen wir auf einen Lenz-Comic von ihm hoffen!

Zu Ende März hat dann unser Freund Mario Derra, der Graphiker, Typograph und Bewahrer der Lithographie, zugesagt, seine neuen Lithographien zu Leonce und Lena zusammen mit neuen Bronzearbeiten zu präsentieren. Das wird unter anderem für diejenigen spannend, denen die wunderbaren Holzschnitte von Leo Leonhardt zu Leonce und Lena noch präsent sind, die wir bis zum Winter gezeigt haben.

Das Büchnerhaus ist schon lange in enger Kooperation mit „Geist der Freiheit“ , dem Zusammenschluss von Orten unserer Demokratiegeschichte in der „Kulturregion Frankfurt“. Es war leicht, zum diesjährigen Thema „Kleidung“ einen Anknüpfungspunkt zu finden: weil es immerhin ein paar Hinweise über Georg Büchners gelegentlich provokante Kleidung gibt, und weil wir schon lange gut mit einer Forscherin bekannt sind, die zu diesem Thema arbeitet: Elsbeth Wallnöfer aus Wien hat vor einiger Zeit vor der Darmstädter Luise Büchner-Gesellschaft über ihre Forschung zum „Dirndl“ gesprochen und kommt nun zum Thema „Kleidung als Programm“ am 5. März ins Büchnerhaus: „Geziert mit rother Jakobiner-Mütze im Polen-Rock, schritt stolz er durch die Strassen“ heißt ihr Vortrag, den sie so ankündigt: „Kleidung ist vielmehr als nur den klimatischen Gegebenheiten angepasste Körperbedeckung. Vom Hermelin des Herrschers bis zur Parka der „68er“, vom„Polenrock“ als Ausdruck der Sympathie mit den polnischen Aufständischen von 1833 bis zum „Pali-Tuch“ der rebellischen europäischen Jugend hat sie stets Haltung vermittelt.“ Wir warten gespannt auf den Vortrag (und hätten nichts dagegen, wenn an dem Abend unsere Gäste „programmatisch gekleidet“ kämen … ).

Elsbeth Wallnöfer wird auf unsere Vermittlung hin bereits am Vortag für die Volkshochschule ihr neuestes Buch „Heimat. Ein Vorschlag zur Güte“ vorstellen.

Für die kommenden Monate arbeiten wir intensiv an einer Veranstaltungsreihe zu einem Ereignis, das als Jubiläum bisher kaum Wellen schlug: 2020 jährt sich die Inkraftsetzung der ersten hessischen Verfassung zum zweihundertsten Male. Die Ambivalenz dieses Gesetzes wollen wir beleuchten. Es wurde einerseits vom Fürsten oktroyiert, bot aber andererseits so bemerkenswerte Garantien wie „Jeder Hesse ist vor dem Gesetz gleich“, es war sowohl die Verfassung, die Friedrich Weidig seinen Schülern zum Auswendiglernen aufgab, andererseits aber auch die, unter der er im Gefängnis ums Leben kam und die Büchner ins Exil zwang. Das wird überraschend aktuell, wenn Parallelen zu heutigen Volksbeglückern hergestellt werden. In China und in den USA, in Polen und in Ungarn stellt sich plötzlich wieder die Frage, ob nicht „ein guter König“ viel besser und effektiver Glück und Wohlstand fürs Volk schaffen kann als mühselige republikanische Anstrengungen um Konsens und Mehrheit. Wir wollen diese Frage Historiker*innen und Verfassungsrechtler*innen stellen und den Versuch unternehmen, ihre Erkenntnisse mit Schauspieler*innen, Autor*innen und bildenden Künstler*innen in künstlerische Ausdrucksformen zu vermitteln. Ganz getreu Georg Büchners Anspruch:
“  … der dramatische Dichter ist in meinen Augen nichts, als ein Geschichtschreiber, steht aber über Letzterem dadurch, daß er uns die Geschichte zum zweiten Mal erschafft und uns gleich unmittelbar, statt eine trockne Erzählung zu geben, in das Leben einer Zeit hinein versetzt, uns statt Charakteristiken Charaktere, und statt Beschreibungen Gestalten gibt. Seine höchste Aufgabe ist, der Geschichte, wie sie sich wirklich begeben, so nahe als möglich zu kommen.“ (Brief an die Eltern vom 28. 7. 1835)

Peter Brunner

 

von Peter Brunner

Auf ein Neues!

Der Förderverein Büchnerhaus e.V. hat wie schon im vergangenen Halbjahr sein Veranstaltungsprogramm vorgelegt; diesmal erstmals und als sichtbares Zeichen vom Zusammenwachsen im Büchnerland gemeinsam mit der Luise Büchner-Gesellschaft in Darmstadt. Mit unseren engen Freunden von der BüchnerBühne ist das diesmal nur deshalb nicht gelungen, weil dort einerseits zwangsläufig längerfristig voraus geplant (und dann eben auch veröffentlich) wird, und weil wir noch nicht wissen, ob und wie Sie, unser geschätztes Zielpublikum, die Termine und Angebote auf eine mindestens ähnlich gute Weise wie bisher präsentiert bekommen können. Letztlich ist das also also sowohl eine Koordinations- wie eine Gestaltungsfrage. Bleiben Sie gespannt – bis zum zweiten Halbjahr wollen wir das geschafft haben.

Hier finden Sie also das gemeinsame Veranstaltungsprogramm zum Download; lassen Sie sich nicht irritieren: das ist eigentlich zum Ausdruck auf einen DIN A 3 großen Bogen gestaltet, der dann zweimal gefaltet wird. So macht es Sinn, dass ein Teil des Textes der ersten Seite scheinbar verkehrtherum gesetzt wurde.

Wir bemühen uns, das Programm an möglichst vielen Stellen „analog” zur Verfügung, also zur Auslage für Sie, zu bringen. Selbstverständlich finden Sie es zum Mitnehmen bei all unseren Veranstaltungen.

So gesehen ist die einfachste Variante, wenn Sie einfach gleich am 24.1. ins Büchnerhaus zur ersten Veranstaltung des Jahres kommen.

Das kurze, aufregende Leben Georg Büchners hinterließ zahlreiche Fragen, die uns bis heute bewegen. Was wohl aus dem jungen Züricher Privatdozenten geworden wäre, wird immer wieder gefragt. 2018 hat das Büchnerhaus zusammen mit der Kreisvolkshochschule Antworten darauf gesucht, indem die Lebensläufe von Georg Büchners Geschwistern, der Familie, „die die Welt verändern wollte“, vorgestellt wurden.
Es wurde gefragt, wie weit sich seine Schwestern, Brüder und Nachfahren dem großen Vorbild verpflichtet sahen und ob und wie sie ihr eigenes Leben und Wirken als Fortsetzung oder Weiterentwicklung seiner Ideale und Vorstellungen verstanden. Gleichzeitig haben wir mit Unterstützung der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung verfolgt, wie sich die Ideen der Republikaner an den Wendungen unserer Geschichte finden: anlässlich der Jubiläen im Jahr 2018 untersuchten wir 1793, 1848, 1918, 1948 und 1968. In diesen Jahren wurden politische Weichen gestellt, die die „langen Linien“ der republikanischen Ideen in unsere Gegenwart führen.


Die Beschäftigung mit historischen Ereignissen und mit dem Leben historischer Persönlichkeiten, insbesondere aus unserem eigenen lokalen Umfeld, vertieft die Erkenntnis darüber, „wie wir wurden, was wir sind“. Unsere Gegenwart ist vielfältig von ihren Persönlichkeiten und ihrem Einsatz für eine bessere Welt bestimmt.

2019 soll die Überlegung daher mit dem Blick auf einige von Büchners Freunden fortgesetzt werden.

Manche von Büchners Freunden haben viel länger als er gelebt und sind einflußreiche und bekannte Persönlichkeiten geworden, von anderen wissen wir kaum mehr als dass sie ihm begegnet sind. Im Büchnerhaus soll ihnen 2019 besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden: zum Beispiel
den klugen und einflußreichen Frauen wie Caroline Schulz und Minna Jaeglé, Wilhelm Schulz, dem „Mann, der Marx Ideen gab”, August Becker, der auch mit Alexander und Ludwig Büchner befreundet war und schließlich in die USA ging, den Darmstädter Schulfreunden wie Karl Minnigerode, den Elsässern um die Brüder Stoeber oder den Butzbachern um Fritz Weidig.

Die Referent*innen sind mit der Materie bestens vertraut und seit vielen Jahren in der Forschung um Georg Büchner tätig.



Donnerstag, 24. Januar 2019 |

VERANSTALTUNGSREIHE ZEITGENOSSEN: Georg Büchner

Peter Brunner, Leiter des Museums Büchnerhaus, erläutert das Konzept der Reihe.

Welchen Einfluss nehmen welthistorische Ereignisse auf die kleine Welt des Darmstädter Gymnasiasten? Was liest er? Was bedeutet ihm Freundschaft, was Liebe? Woher kommt die ungeheure Sprachgewalt, mit der er in kürzester Zeit ein Schauspiel über die Französische Revolution schreibt? Büchners kurzes, wildes, außergewöhnliches Leben bewegt uns bis heute. Diesmal nähern wir uns ihm und seiner Gedankenwelt über die Menschen, die ihn umgaben.

Die Veranstaltung bietet sich auch für diejenigen an, die im VHS-Kurs 2018 einen eigenen Abend für Georg Büchner vermisst haben.

| Kunstgalerie am Büchnerhaus | 18:30 Uhr | 8 €

von Peter Brunner

Peter Brunner

Peter Brunner

Mahdi Ehsaei am 8. 12. 2018 im Büchnerhaus

Mahdi Ehsaei, geboren 1989 in Münster, NRW, ist ein deutsch-iranischer Fotograf, Künstler und Designer. Ehsaei ist graduierter Designer der Hochschule für Gestaltung, Darmstadt.

 

(C) M. Ehsaei (http://www.mahdi-ehsaei.com/about/)

An der „Büchner-Biennale“ 2013/14 in Darmstadt beteiligte er sich mit zwei aufsehenerregenden Beiträgen:

rund um das große Zierbeet vor dem Darmstädter Hauptbahnhof platzierte er zahlreiche Metallschilder – „quote signs“ – , die auf den ersten Blick wie botanische Erläuterungen wirkten, tatsächlich aber die Blütenpracht der Beete um die Pracht zahlreicher Büchnerzitate erweiterten.

                    

 

Im „Königreich Popo“ dem kleinen, versteckten Gärtchen am Hauptbahnhof stellte er „listening stations“ auf – Betonwürfel mit eingebauten mp3-playern, die über ein Dosentelefon wie aus Kinderspielen Büchnerzitate, gesprochen von Stefan Schuster, wiedergaben. Aus dieser Arbeit ist eine Internetinstallation geblieben, die unter http://pretaparsi.com/buechner/# bis heute auf Mausklick Büchnerzitate liefert.

 


Bluespapa Reiner Lenz an der Hörstation

 

Mit der freundlichen Unterstützung des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst ist es gelungen, Mahdi Ehsaei zu einem Vortrag ins Büchnerhaus einzuladen.

Am Samstag, dem 8. Dezember, wird er um 19 Uhr während des gleichzeitigen Weihnachtsmarktes im Büchnerhaus über seine Arbeit sprechen. Neben einem Rückblick auf die Darmstädter Arbeiten, die künftig am Büchnerhaus gezeigt werden, wird er im Gespräch mit dem Museumsleiter Peter Brunner schildern, was ihn an Georg Büchners Leben und Werk interessiert und was die Interaktion von Geschichte und Literatur des 19. Jahrhunderts mit der bildenden Kunst des 21. Jahrhunderts erreichen kann.

von Peter Brunner

 

Peter Brunner Peter Brunner

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