Peter Brunners Buechnerblog

Kategorie: in eigener Sache (Seite 1 von 11)

… kannst du getrost nach Hause tragen

Die Museumsreise ist vorbei und wir haben noch mehr besucht als ursprünglich geplant. Was wir sehen konnten war unglaublich vielfältig, überraschend, aufschlussreich und anregend. Wir werden davon lange zehren und hoffentlich auch die geknüpften Kontakte pflegen – natürlich haben wir alle Besuchte ins Büchnerhaus eingeladen! 

 

Aus Seelow fuhren wir zu Kleist in Frankfurt an der Oder

 

In Erkner besuchten wir das Gerhart Hauptmann Haus

im Wurzener Museum die Ringelnatz-Abteilung

In Halle die Landesausstellung

und nebenan die Müntzerpräsentation in Burg UND (!) Schloss Allstedt

Wie viele andere Orte unserer Reise hätte auch Freyburg an der Unstrut sehr viel mehr als unsere paar Stunden Zeit verdient – wir widmeten die jedenfalls dem alten Turnvater. (Ja, diese Reihenfolge der vier F ist die authentische!)

Nur einen Seitenblick erntete diesmal in Weimar das Goethe- und Schiller-Archiv, wo der Großteil der Büchner-Manuskripte liegt. 

 

Was ist das republikanische Analogon zu „krönender Abschluss“? Das jedenfalls war der Besuch der Ausstellung im Haus der Weimarer Republik mit einem langen, guten, perspektivenreichen Gespräch mit den Akteuren von Orte der Demokratiegeschichte

   

 

„Was uns das alles lernt“ werden wir in den nächsten Wochen diskutieren – und sicherlich mehr als eine Schlussfolgerung wird sich in unserer Museumsarbeit wiederfinden. 

Von Peter Brunner

Reisen ohne Museumsbesuch ist möglich, aber sinnlos!


Hier also ein erster Eindruck von unserer Reise auf den Spuren literarischer und historischer Museen und Gedenkstätten. Es ist Montag, museumsfreier Tag und gleichzeitig Gelegenheit, mit ordentlichem WLAN und auf funktionablem Hotelschreibtisch zu arbeiten.

Die Schiebetafel zur deutschen Geschichte in Fallersleben

Vorweg: noch ist von Resumee keine Rede, aber tatsächlich haben wir schon fast alles erlebt, womit wir gerechnet haben: von sensationell bestückten Präsentationen über großartig architektonisch gestaltete Häuser, von seelenlos gewerblich zusammengekleisterter Ansammlung stummer Tafeln bis zu spürbar engagiertem und teils sehr privatem Zutun haben wir schon alles gesehen. 

Es ging los am Mittwoch in Kassel: Bau und Lage der „Grimmwelt“ sind alleine schon Grund genug für einen Besuch.

In Fallersleben bei Wolfsburg ist die Hoffmann von F. Ausstellung im ehemaligen Schloss. Sein Geburtshaus gegenüber ist heute Hotel und Restauant.

Zugegeben wenig wussten wir von Gleim aus Halberstadt – das hat sich nach dem Besuch im Gleimhaus deutllich geändert. Und natürlich waren wir auch nebenan im Dom.

Volles Programm am Samstag:

von der Fontaneausstellung im „Birnenschloss“ Ribbeck zum Museum im wunderschönen Neuruppin fuhren wir noch nach Rheinsberg zu Tucholsky.

Die Fahrt haben wir ein bisschen umorganisiert und in der Hauptstadt einen Blick auf die innerstädtischen Neuerungen geworfen

Sonntag haben wir das Musenhaus im Oderbruch besichtigt, wo Adalbert von Chamisso seinen „Schlemihl“ schrieb. Abends waren wir dann im „Theater am Rand“ und sahen den Prometeus des Ton und Kirschen Wandertheaters. 

Geschlossen, aber beeindruckend genug ist der Gedenkort für das schreckliche Gefecht auf den Seelower Höhen, wo zehntausende russischer Soldaten ihr Leben lassen mussten, um Europa von der Pest des deutschen Faschismus zu befreien. 

Von Peter Brunner

Mehr in Kürze

Das Büchnerhaus – ein Ort der Demokratiegeschichte

 

Das Geburtshaus von Georg Büchner liegt geographisch zwischen Hambach und Frankfurt, zwischen dem Ort des republikanischen Aufbruchs und dem Ort der ersten gewählten Volksversammlung in Deutschland. Tatsächlich beschreibt der geographische Ort auch historisch ziemlich genau die historische „Verortung“ der Republikaner um den Hessischen Landboten.   

Am Montag, dem 12. Juli, stellten 
Bürgermeister Marcus Kretschmann, der Vorsitzende des Neuen Vereins „BüchnerFindetStatt“, Werner Schmidt, und der Leiter des Museums Büchnerhaus, Peter Brunner (v.r.n.l.), die neue Plakette „Ort der Demokratiegeschichte“ am Büchnerhaus vor.

 

Die „Ar­beitsgemeinschaft Orte der Demokratiegeschichte“

hat zum Ziel, „… die Wahrnehmung der deutschen Demokratie- und Freiheitsgeschichte lokal, regional und deutschlandweit zu fördern und darüber demokratische Teilhabe und Zivilcourage an­zuregen“. Das Büchnerhaus ist ebenso wie die Paulskirche und das Hambacher Schloss Mitglied der Arbeitsgemeinschaft und erweitert damit sein Netzwerk bundesweit. Georg Büchner gehört „als einer der wirkmächtigsten politischen Schriftsteller des Vormärzzu den „Hundert Köpfen der Demokratie“, die die Arbeitsgemeinschaft zusammengestellt hat.

Bundespräsident Steinmeier hat in seinem Beitrag „Deutsch und Frei“ vom 14.3. 2019 in der ZEIT die Pflege „der Stätten, von denen Demokratie ausging“ gefordert. Das Büchnerhaus erwähnt er

In Berlin und Bonn leisten großartige Museen und der Bundestag wichtige Beiträge zur Erinnerungsarbeit. Aber es gibt weitere herausragende Orte der deutschen Frei­heits- und Demokratiegeschichte: Das Hambacher Schloss, der Friedhof der März­gefallenen und die Festung Rastatt, das Weimarer Nationaltheater, Herrenchiem­see und die Nikolaikirche in Leipzig zählen dazu. Sie alle sollten nicht nur Ereignis­orte sein, sondern wir sollten gemein­sam dafür sorgen, dass sie Lernorte der De­mokratie werden. Darüber hinaus gibt es unzäh­lige weitere Orte der Demokratiege­schichte, kleine und große, bekannte und weniger be­kannte. Ich denke etwa an das Geburtshaus von Georg Büchner in Riedstadt und das von Matthias Erzberger in Buttenhausen, das Teehaus in Trebbow, wo sich Widerständler des 20. Juli trafen, an Denkmäler wie jenes für die Unterzeichnung der Weimarer Verfassung in Schwarzburg oder für die frühen Großdemonstrationen im Herbst 1989 in Plauen.“

Der Deutsche Bundestag hat in der Folge dieser Überlegungen am 9. Juni 2021 die Er­richtung einer „Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte“ beschlossen.

Mit dem Gesetz soll eine öffentlich-rechtliche Bundesstiftung zur Förderung natio­nal be­deutsamer Orte geschaffen werden, die symbolhaft für die wechselvolle Ge­schichte der De­mokratie in Deutschland stehen. Ziel ist es, mit Projektförderungen, eigenen Veranstaltun­gen oder Kooperationen bundesweit das Bewusstsein für den Wert der freiheitlichen demo­kratischen Grundordnung zu schärfen.
Kulturstaatsministerin Monika Grütters: „Die deutsche Geschichte zeigt, wie fragil demo­kratische Gesellschaften sein können. Die Botschaft daraus ist: Freiheit und Demokratie sind keine Selbstverständlichkeiten, sondern müssen täglich gelebt, ge­staltet und auch er­kämpft werden. An den Orten der Demokratiegeschichte lässt sich konkret veranschauli­chen, wie hart errungen unsere demokratischen Freiheits­rechte sind und was es zu verteidi­gen gilt. Die neue Bundesstiftung wird durch die Auseinandersetzung mit unserer Vergan­genheit das Bewusstsein für de­mokratische Werte schärfen und die Zivilgesellschaft stärken. Die breite Unterstüt­zung des Parlaments für den Gesetzesentwurf ist daher auch ein klares Bekenntnis zu unserer Demokratie.“
Der … Gesetzentwurf ist Teil der im Koalitionsvertrag vereinbarten Konzeption zur Förderung der Orte der deutschen Demokratiegeschichte. Die neu zu errichtende Stiftung mit Sitz in Frankfurt am Main soll das Enga­gement des Bundes koordinieren und bündeln.“ (Pressemitteilung der Bundesre­gierung vom 10. Juni 2021)

Als Grundlage seiner Arbeit hat der Vorstand des Fördervereins Büchnerhaus formuliert:

Die Wahrung der Erinnerung an Georg Büchner ist hohl und unergiebig, wenn sie nicht aktuelle Bezüge hat. Kenntnis und Verständnis der Geschichte des 19. Jahr­hunderts, des Jahrhunderts der Büchners, ist eine elementare Voraussetzung für das Verständnis deut­scher, ja europäischer Geschichte bis heute, und ohne Kennt­nis der Geschichte lässt sich die Gegenwart nicht erfolgreich gestalten.

Das Büchnerhaus regt dazu an, sich Büchners Werk und Leben zu nähern. Dazu stellt es neue Erkenntnisse vor, fördert die Debatte, regt zu kritischer Auseinander­setzung an, macht auf parallele Werke und Entwicklungen anderer Länder und Kul­turen aufmerksam und stellt sich stets der Frage nach der Aktualität Büchners in Li­teratur und Politik.“

Unser neuer Verein „BüchnerFindetStatt“ – entstanden aus der Fusion von BüchnerBühne & BüchnerHaus – wird auch in Zukunft nach dieser Maxime arbeiten.

In Büchners Leben und Werk sind der Autor, der Republikaner und der Naturwissenschaft­ler nicht voneinander zu trennen. Das Büchnerhaus weist sich mit der Plakette als „Ort der Demokratiege­schichte“ aus, es ist und bleibt darüber hinaus auch und mit gleicher Bedeu­tung der Ort des Autors und des Forschers. Schon bislang war das durch die Plakette „Li­teraturland Hessen“ ausgewiesen, die das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, der Hessische Literaturrat und der Hes­sische Rundfunk dem Büchnerhaus verlie­hen haben.

Von Peter Brunner

„Für Büchners Werk gilt: es ist absolut zeitlos“

Es ist nicht (nur … ) Eitelkeit, dass ich hier auf ein Rundfunkgespräch hinweise, das Thomas Plaul vom Hessischen Rundfunk für die Reihe „Doppelkopf“ mit mir geführt hat.

Ich hatte die Gelegenheit, Büchnerhaus und BüchnerBühne mit ihrer Arbeit und Ambition vorzustellen. Die Reihe wird nach Ausstrahlung als podcast weiter zugänglich, der Büchner-Beitrag findet sich hier – to whom it may concern 

 

 

Im Beitrag zu Literaturland Hessen am Sonntag, dem 30. Mai, spricht auch der Impresario der BüchnerBühne, mein Freund Christian Suhr.

Und für Freitag, den 11. 6, einen Tag vor Luise Büchners 200. Geburtstag, ist ein „Doppelkopf“ mit der Vorsitzenden der Luise Büchner-Gesellschaft, meiner Freundin Agnes Schmidt, angekündigt,

 

 

Von Peter Brunner

144.861 Danke Schöns!

Zum Jahresbeginn wie immer ein kleiner Rückblick in Zahlen. 

Die Zahl der Besuchenden ist gegenüber 2019 zurückgegangen; 144.861 ist aber eine Zahl, mit der ich nicht unzufrieden sein kann: über 10.000 mal hat durchschnittlich jeden Monat irgendwen in insgesamt über 200.000 „Sitzungen“ und mit über 530.000 „Seitenaufrufen” interessiert, was es Neues aus dem Büchnerland gibt. Danke Ihnen allen!  

Abgesehen von geringerem Interesse oder schlechterer Qualität der Beiträge  (I do my very best … ) mag auch ein möglicher Grund für den Rückgang sein, dass ich das Benachrichtigungssystem umstellen musste und nicht mehr nach jeder Veröffentlichung „per Knopfdruck“ alle Abonnent*innen benachrichtigen kann, wenn ein neuer Beitrag erscheint. Über die enge Kooperation mit der BüchnerBühne und unserem gemeinsamen Projekt „BüchnerFindetStatt“ wird das dieses Jahr wieder besser, versprochen!

Leider hat sich Ihre Bereitschaft zum Kommentieren im Blog nicht erhöht – feedback bekomme ich immer noch entweder im direkten Austausch per Mail oder sogar im persönlichen Gespräch. Ich tröste mich darüber mit der üblichen Methode zu unterstellen, es gebe immerhin nichts zu kritisieren.  Widersprechen Sie mir, falls ich Unrecht habe!  

Vor allem anderen aber wünsche ich Ihnen herzlich ein gutes, erfolgreiches, gesundes – und den meisten von uns wohl auch ein besseres – Neues Jahr! Bleiben Sie interessiert; wir werden uns auch 2021 Mühe geben, Sie in Sachen Büchner auf dem Laufenden zu halten. 

 

 

Von Peter Brunner

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