Peter Brunners Buechnerblog

Kategorie: Büchnerhaus (Seite 1 von 11)

Zum Neuen Jahr – was war, was ist, was kommt

Selbstverständlich sind auch wir erheblich von den Einschränkungen durch die Corona Umstände betroffen: es war gerade gelungen, die Besucherzahl im Museum durch die Ausweitung unserer Öffnungszeiten auf etwa 3.000 Personen im Jahr 2019 zu erhöhen, als wir seit März letzten Jahres – wie alle anderen auch – auf Null zurückgeworfen worden.

 

Das hat viele unserer Pläne zunichte gemacht, insbesondere das Vorhaben, 2020 umfangreich an die Einführung der hessischen Verfassung von 1820 zu erinnern. Schließlich war sie einerseits der Text, für den Weidig viele Jahre lang gekämpft hatte und der immerhin formuliert „ … jeder Hesse ist vor dem Gesetz gleich“, unter dem aber gleichzeitig Buechner ins Exil und Weidig in den Tod getrieben wurde. Daher wollten wir die spannende Frage erörtern, in wieweit eine oktroyierte Verfassung von demokratischer oder republikanischer Bedeutung sein kann. Interessanterweise berührten wir damit ein Thema, das ganz unabhängig von unserer hessischen Debatte Fragen zur Demokratie neu und gegen den Strich formulierte.

 

Gad Arnsberg hat uns dabei den Weg gewiesen: mit seiner Arbeit über die württembergische Militärverschwörung stellt er die gleiche Frage und relativiert die schlichte Vorstellung, dass es stets und ausschließlich der geballte Volkswille sei, der Fortschritt ermögliche. Mit einiger öffentlichen Aufmerksamkeit diskutiert das ja inzwischen auch Hedwig Richter mit ihren Thesen zur Demokratiegeschichte. Umso bedauerlicher, dass es zu den geplanten Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen nicht kommen konnten.

 

Seit Herbst 2020 steht im Hof des Büchnerhauses eine große fahrbare Karikatur, die der Düsseldorfer Karnevalswagenbauer Jaques Tilly für uns gebaut hat.

Sie ist eine Variation auf eine der Denkmalsoptionen, die in den 1830iger Jahren in Darmstadt als Verfassungsdenkmal erwogen worden waren. Das tatsächlich gebaute Ergebnis ist das allen Darmstadtbesuchenden unübersehbare Monument auf dem Luisenplatz, der so genannte „Lange Ludwig“, der zwar noch die Verfassungsurkunde in der Hand hält, aber so weit vom Volk entfernt, dass sie kaum noch sichtbar ist. Auch die Inschriften auf dem Monument erwähnen die Verfassung nicht und feiern alleine „seine königliche Hoheit Ludewig I von Hessen“. Tilly hat mit seiner brillanten Gabe, auf den Punkt zu gestalten, diesen Ludewig majestätisch lächelnd auf dem Rücken eines geschundenen Bauern dargestellt. Wir wollten mit diesem Wagen unsere „Flashmobs“ begleiten, mit denen wir in Hessen auf Märkten und anderen Veranstaltungen an dieses Ereignis erinnern wollten. Tatsächlich ist es bisher nur zu zwei Einsätzen gekommen: Einmal hat er eine Freiluftausstellung der BüchnerBühne begleitet und kürzlich konnten wir ihn im Reigen der Festwagen auf dem Kerb (=Kirchweih)umzug Goddelaus mitführen. Wir hoffen natürlich, dass es in den nächsten Monaten zu weiteren Einsätzen kommen kann.

Der Wagen konnte finanziert werden, weil wir seit 2019 in den Genuss einer Förderung des hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst kommen, die wir der besonderen Aufmerksamkeit der neuen hessischen Landesregierung verdanken. In deren Regierungsprogramm ist Einsatz für das Gedenken an Georg Büchner ausdrücklich erwähnt. Dies hat uns die Möglichkeit eröffnet, institutionelle Förderung als Ziel für Büchnerhaus und BüchnerBühne anzustreben. Zu diesem Zweck erhalten wir für drei Jahre Projektförderung; 2022 hoffen wir mit dieser Unterstützung einen strategischen Plan vorlegen zu können, der das für uns ermöglicht. Als wichtigen Schritt zu diesem Ziel haben wir uns auf den schwierigen Weg des Zusammenschlusses unserer beiden Vereine begeben: der Förderverein Büchnerhaus e.V. und der Verein BüchnerBühne wurden zum 1. Januar 2021 der neue Verein BüchnerFindetStatt. Aktuell warten wir nur noch auf die letzten formalen Bestätigungen des Amtsgerichtes.

Auf dem Gelände des Büchnerhauses konnten wir einige bauliche Fortschritte schaffen: die BüchnerScheune ist nun entsprechend ihrer ersten Bauplanung fertig gebaut, zwei Seitenwände sind komplett geschlossen. Allerdings stellt sich mittlerweile heraus, dass wir dieses Gebäude wohl erst wirklich nutzen können, wenn es vollständig geschlossen und damit auch akustisch „eingehaust“ werden wird.

Den Eingangsbereich des Museums, der bisher sehr schlicht nur mit einem kleinen Tisch ausgestattet war, konnten wir mit einer schönen und der Museumsgestaltung angepassten Eingangs- und Arbeitslösung erheblich aufwerten.

Für die lange Zeit, in der das Museum überhaupt nicht zugänglich war, konnten wir unseren Besuchern immerhin eine Innovation bieten, die notgedrungen entwickelt wurde: zwei Wanderausstellungen, an deren Gestaltung wir beteiligt waren („Mehr als Medizin“ über dichtende Ärzte und „Was aber bleibet – Literatur im Land“ der AG literarischer Gedenkstätten) haben wir so umgestalten lassen, dass sie auf „Bauzäunen“ im Freien präsentiert werden können. Zahlreichen Besuchenden, insbesondere solchen, die spontan vorbeikamen, konnten wir so ein Angebot machen.

Das hat sich als so erfolgreich herausgestellt, dass wir das fortsetzen werden. Im Frühjahr planen wir, die für uns modifizierte Präsentation des Mainzer Instituts für Geschichtliche Landeskunde zur Mainzer Republik in dieser Form zu zeigen. Abgesehen von der attraktiven Möglichkeit, so einen Teil unseres Angebotes auch ausserhalb der Museumsöffnungszeiten zugänglich zu zeigen, bieten die Freiluftausstellungen uns erstmals die Möglichkeit, über die räumliche Beschränkung der Dauerausstellung hinaus wechselnde Präsentationen zu zeigen und so auch wiederholten Besuch bei uns interessant zu machen.

Beim hessischen Museumsverband haben wir beantragt, die Digitalisierung unserer Bibliotheksbestände zu finanzieren. Wir beabsichtigen, 2022 neben der Erfassung und Systematisierung der etwa 2.000 Titel, die bisher unvollständig und nur als Bestand in einer excel-Liste erfasst sind, aufnehmen zu lassen. Parallel wollen wir dann auch die Liste der Bestände der Forschungsstelle und den bibliothekarisch erfassten Bestand der Luise Büchner-Bibliothek in einem gemeinsamen System online verfügbar machen.


Die BüchnerBühne hat es als eine von ganz wenigen privaten Bühnen geschafft, immerhin die prekären Zahlungen an die engagierten Schauspieler*innen trotz der Coronaeinschränkungen weiter zu leisten. Dies war nur durch großes ehrenamtliches Engagement und klugen Umgang mit öffentlichen Fördermitteln möglich; solange die Vorschriften den Theaterraum auf keine 20 Zuschauer beschränken, bleibt die Lage hochproblematisch. Auch wenn es im Sommer gelungen ist, dies ein Stück weit durch Aufführungen im Freien abzufedern, hoffen wir dringend auf weitere Erleichterungen.

 

„Freiluft“ fand auch ein erstes Büchnerfestival im Sommer statt, bei dem wir Christian Suhrs Neuinszenierung von „Dantons Tod“ zeigten und den Studierenden der „Angewandten Theaterwissenschaften“ in Gießen unter Leitung von Professor Gerald Siegmund ein Forum für ihre Auseinandersetzung mit Büchner bieten konnten. 2022 soll das Festival in größerem Rahmen vom 15. – 24. Juli stattfinden.

Anlässlich Georg Büchners Geburtstag 2021 hat die BüchnerBühne ihr „Programmstück“ „Wenn es Rosen sind werden sie blühen“ neu inszeniert auf die Bühne gebracht, auch Jan Hauschilds „Büchners Aretino“ steht wieder auf dem Programm.

Wie in den vergangenen Jahren haben wir auch 2021 an Büchners Geburtstag einen Gruß aus der Büchnerstadt auf sein Grab  in Zürich gelegt. Erstmals hat den Kranz unsere Nachbarin Regina Röhrig von Florales angefertigt.

Das Büchnerhaus hat sich dem Netzwerk „Orte der Demokratiegeschichte“ angeschlossen und konnte sich so sowohl historisch wie räumlich „zwischen Hambacher Schloß und Paulskirche“ positionieren. In diesem Zusammenhang werden wir uns an den Aktivitäten zum 175. Jubiläum der 1848er-Revolution im Jahr 2023 beteiligen.

Wir setzen darauf, dass 2022 in jeder Beziehung ein offeneres Jahr wird als das vergangene – allemal finden Sie hier, unter dem youtubekanal und natürlich auf der Büchnerland-Startsite unser Neuigkeiten, Öffnungszeiten und Spielpläne.  

 

Auf bald!

 

Von Peter Brunner

… kannst du getrost nach Hause tragen

Die Museumsreise ist vorbei und wir haben noch mehr besucht als ursprünglich geplant. Was wir sehen konnten war unglaublich vielfältig, überraschend, aufschlussreich und anregend. Wir werden davon lange zehren und hoffentlich auch die geknüpften Kontakte pflegen – natürlich haben wir alle Besuchte ins Büchnerhaus eingeladen! 

 

Aus Seelow fuhren wir zu Kleist in Frankfurt an der Oder

 

In Erkner besuchten wir das Gerhart Hauptmann Haus

im Wurzener Museum die Ringelnatz-Abteilung

In Halle die Landesausstellung

und nebenan die Müntzerpräsentation in Burg UND (!) Schloss Allstedt

Wie viele andere Orte unserer Reise hätte auch Freyburg an der Unstrut sehr viel mehr als unsere paar Stunden Zeit verdient – wir widmeten die jedenfalls dem alten Turnvater. (Ja, diese Reihenfolge der vier F ist die authentische!)

Nur einen Seitenblick erntete diesmal in Weimar das Goethe- und Schiller-Archiv, wo der Großteil der Büchner-Manuskripte liegt. 

 

Was ist das republikanische Analogon zu „krönender Abschluss“? Das jedenfalls war der Besuch der Ausstellung im Haus der Weimarer Republik mit einem langen, guten, perspektivenreichen Gespräch mit den Akteuren von Orte der Demokratiegeschichte

   

 

„Was uns das alles lernt“ werden wir in den nächsten Wochen diskutieren – und sicherlich mehr als eine Schlussfolgerung wird sich in unserer Museumsarbeit wiederfinden. 

Von Peter Brunner

Reisen ohne Museumsbesuch ist möglich, aber sinnlos!


Hier also ein erster Eindruck von unserer Reise auf den Spuren literarischer und historischer Museen und Gedenkstätten. Es ist Montag, museumsfreier Tag und gleichzeitig Gelegenheit, mit ordentlichem WLAN und auf funktionablem Hotelschreibtisch zu arbeiten.

Die Schiebetafel zur deutschen Geschichte in Fallersleben

Vorweg: noch ist von Resumee keine Rede, aber tatsächlich haben wir schon fast alles erlebt, womit wir gerechnet haben: von sensationell bestückten Präsentationen über großartig architektonisch gestaltete Häuser, von seelenlos gewerblich zusammengekleisterter Ansammlung stummer Tafeln bis zu spürbar engagiertem und teils sehr privatem Zutun haben wir schon alles gesehen. 

Es ging los am Mittwoch in Kassel: Bau und Lage der „Grimmwelt“ sind alleine schon Grund genug für einen Besuch.

In Fallersleben bei Wolfsburg ist die Hoffmann von F. Ausstellung im ehemaligen Schloss. Sein Geburtshaus gegenüber ist heute Hotel und Restauant.

Zugegeben wenig wussten wir von Gleim aus Halberstadt – das hat sich nach dem Besuch im Gleimhaus deutllich geändert. Und natürlich waren wir auch nebenan im Dom.

Volles Programm am Samstag:

von der Fontaneausstellung im „Birnenschloss“ Ribbeck zum Museum im wunderschönen Neuruppin fuhren wir noch nach Rheinsberg zu Tucholsky.

Die Fahrt haben wir ein bisschen umorganisiert und in der Hauptstadt einen Blick auf die innerstädtischen Neuerungen geworfen

Sonntag haben wir das Musenhaus im Oderbruch besichtigt, wo Adalbert von Chamisso seinen „Schlemihl“ schrieb. Abends waren wir dann im „Theater am Rand“ und sahen den Prometeus des Ton und Kirschen Wandertheaters. 

Geschlossen, aber beeindruckend genug ist der Gedenkort für das schreckliche Gefecht auf den Seelower Höhen, wo zehntausende russischer Soldaten ihr Leben lassen mussten, um Europa von der Pest des deutschen Faschismus zu befreien. 

Von Peter Brunner

Mehr in Kürze

Das Büchnerhaus – ein Ort der Demokratiegeschichte

 

Das Geburtshaus von Georg Büchner liegt geographisch zwischen Hambach und Frankfurt, zwischen dem Ort des republikanischen Aufbruchs und dem Ort der ersten gewählten Volksversammlung in Deutschland. Tatsächlich beschreibt der geographische Ort auch historisch ziemlich genau die historische „Verortung“ der Republikaner um den Hessischen Landboten.   

Am Montag, dem 12. Juli, stellten 
Bürgermeister Marcus Kretschmann, der Vorsitzende des Neuen Vereins „BüchnerFindetStatt“, Werner Schmidt, und der Leiter des Museums Büchnerhaus, Peter Brunner (v.r.n.l.), die neue Plakette „Ort der Demokratiegeschichte“ am Büchnerhaus vor.

 

Die „Ar­beitsgemeinschaft Orte der Demokratiegeschichte“

hat zum Ziel, „… die Wahrnehmung der deutschen Demokratie- und Freiheitsgeschichte lokal, regional und deutschlandweit zu fördern und darüber demokratische Teilhabe und Zivilcourage an­zuregen“. Das Büchnerhaus ist ebenso wie die Paulskirche und das Hambacher Schloss Mitglied der Arbeitsgemeinschaft und erweitert damit sein Netzwerk bundesweit. Georg Büchner gehört „als einer der wirkmächtigsten politischen Schriftsteller des Vormärzzu den „Hundert Köpfen der Demokratie“, die die Arbeitsgemeinschaft zusammengestellt hat.

Bundespräsident Steinmeier hat in seinem Beitrag „Deutsch und Frei“ vom 14.3. 2019 in der ZEIT die Pflege „der Stätten, von denen Demokratie ausging“ gefordert. Das Büchnerhaus erwähnt er

In Berlin und Bonn leisten großartige Museen und der Bundestag wichtige Beiträge zur Erinnerungsarbeit. Aber es gibt weitere herausragende Orte der deutschen Frei­heits- und Demokratiegeschichte: Das Hambacher Schloss, der Friedhof der März­gefallenen und die Festung Rastatt, das Weimarer Nationaltheater, Herrenchiem­see und die Nikolaikirche in Leipzig zählen dazu. Sie alle sollten nicht nur Ereignis­orte sein, sondern wir sollten gemein­sam dafür sorgen, dass sie Lernorte der De­mokratie werden. Darüber hinaus gibt es unzäh­lige weitere Orte der Demokratiege­schichte, kleine und große, bekannte und weniger be­kannte. Ich denke etwa an das Geburtshaus von Georg Büchner in Riedstadt und das von Matthias Erzberger in Buttenhausen, das Teehaus in Trebbow, wo sich Widerständler des 20. Juli trafen, an Denkmäler wie jenes für die Unterzeichnung der Weimarer Verfassung in Schwarzburg oder für die frühen Großdemonstrationen im Herbst 1989 in Plauen.“

Der Deutsche Bundestag hat in der Folge dieser Überlegungen am 9. Juni 2021 die Er­richtung einer „Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte“ beschlossen.

Mit dem Gesetz soll eine öffentlich-rechtliche Bundesstiftung zur Förderung natio­nal be­deutsamer Orte geschaffen werden, die symbolhaft für die wechselvolle Ge­schichte der De­mokratie in Deutschland stehen. Ziel ist es, mit Projektförderungen, eigenen Veranstaltun­gen oder Kooperationen bundesweit das Bewusstsein für den Wert der freiheitlichen demo­kratischen Grundordnung zu schärfen.
Kulturstaatsministerin Monika Grütters: „Die deutsche Geschichte zeigt, wie fragil demo­kratische Gesellschaften sein können. Die Botschaft daraus ist: Freiheit und Demokratie sind keine Selbstverständlichkeiten, sondern müssen täglich gelebt, ge­staltet und auch er­kämpft werden. An den Orten der Demokratiegeschichte lässt sich konkret veranschauli­chen, wie hart errungen unsere demokratischen Freiheits­rechte sind und was es zu verteidi­gen gilt. Die neue Bundesstiftung wird durch die Auseinandersetzung mit unserer Vergan­genheit das Bewusstsein für de­mokratische Werte schärfen und die Zivilgesellschaft stärken. Die breite Unterstüt­zung des Parlaments für den Gesetzesentwurf ist daher auch ein klares Bekenntnis zu unserer Demokratie.“
Der … Gesetzentwurf ist Teil der im Koalitionsvertrag vereinbarten Konzeption zur Förderung der Orte der deutschen Demokratiegeschichte. Die neu zu errichtende Stiftung mit Sitz in Frankfurt am Main soll das Enga­gement des Bundes koordinieren und bündeln.“ (Pressemitteilung der Bundesre­gierung vom 10. Juni 2021)

Als Grundlage seiner Arbeit hat der Vorstand des Fördervereins Büchnerhaus formuliert:

Die Wahrung der Erinnerung an Georg Büchner ist hohl und unergiebig, wenn sie nicht aktuelle Bezüge hat. Kenntnis und Verständnis der Geschichte des 19. Jahr­hunderts, des Jahrhunderts der Büchners, ist eine elementare Voraussetzung für das Verständnis deut­scher, ja europäischer Geschichte bis heute, und ohne Kennt­nis der Geschichte lässt sich die Gegenwart nicht erfolgreich gestalten.

Das Büchnerhaus regt dazu an, sich Büchners Werk und Leben zu nähern. Dazu stellt es neue Erkenntnisse vor, fördert die Debatte, regt zu kritischer Auseinander­setzung an, macht auf parallele Werke und Entwicklungen anderer Länder und Kul­turen aufmerksam und stellt sich stets der Frage nach der Aktualität Büchners in Li­teratur und Politik.“

Unser neuer Verein „BüchnerFindetStatt“ – entstanden aus der Fusion von BüchnerBühne & BüchnerHaus – wird auch in Zukunft nach dieser Maxime arbeiten.

In Büchners Leben und Werk sind der Autor, der Republikaner und der Naturwissenschaft­ler nicht voneinander zu trennen. Das Büchnerhaus weist sich mit der Plakette als „Ort der Demokratiege­schichte“ aus, es ist und bleibt darüber hinaus auch und mit gleicher Bedeu­tung der Ort des Autors und des Forschers. Schon bislang war das durch die Plakette „Li­teraturland Hessen“ ausgewiesen, die das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, der Hessische Literaturrat und der Hes­sische Rundfunk dem Büchnerhaus verlie­hen haben.

Von Peter Brunner

Festival in den Zeiten von Corona

Die Neuinszenierung von Georg Büchners „Dantons Tod“ der BüchnerBühne feiert am

 

Samstag, 26. Juni, um 19:00 Uhr Premiere

„Unter den Linden Leeheim“ in der Kirchstraße 1.

 

Die Premiere ist der Auftakt zum 1. BüchnerLand Festival, das ursprünglich in viel größerem Maßstab geplant war und wie so viele Kulturveranstaltungen der Corona-Pandemie zum Opfer fiel. Erstmals sollten bei dem großen Festival zu Ehren Georg Büchners unter Federführung von BüchnerHaus, -Bühne und –Stadt in genreübergreifenden Veranstaltungen die verschiedenen Büchner-Orte im Land miteinander verbunden werden. Doch so ganz wollen wir nicht lassen von der Idee eines BüchnerLand Festivals und so wird es vom 26. Juni bis 15. Juli im „Corona-Exil“ der BüchnerBühne, dem idyllischen evangelischen Kirchengelände mit seiner beeindruckenden Lindenallee, verschiedene Aufführungen geben.

Zwischen „Dantons Tod“ und dem

Festival-Abschluss am Donnerstag, 15. Juli, um 19:00 Uhr mit Thomas Freitag

wird es an den Wochenenden verschiedenste Veranstaltungen geben. So werden aus Gießen, wo Georg Büchner studiert hatte, Studierende des Instituts für angewandte Theaterwissenschaft erwartet, die verschiedene Projekte ihrer Beschäftigung mit Büchner vorstellen. Das genaue Programm wird jeweils am Montag bekannt gegeben.

 

 

Zum Auftakt also die Neuinszenierung von „Dantons Tod“, die auf dem vielfach beachteten Europa-Projekt der BüchnerBühne „Freiheit! Gleichheit! Brüderlichkeit!“ aus den Jahren 2013 bis 2015 basiert. Büchner Geschichtsdrama zeichnet einen zweiwöchigen Ausschnitt aus der entfremdeten Spätphase der Französischen Revolution nach. Die politischen Ziele sind erreicht, im Mittelpunkt steht nun die Verwirklichung der sozialen Revolution. Neben dem auch in späteren Folgerevolutionen gescheiterten Spagat, die Errungenschaften der Emanzipation zu bewahren und in eine demokratische Ordnung zu integrieren, interessiert sich die Inszenierung von Christian Suhr vor allem für den machtpolitisch motivierten Einsatz von Angst. Das einfache Volk wird systematisch in Angst gehalten, um seine hilflose Wut gegen innenpolitische Gegner steuern zu können.

Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. Das Gelände öffnet bereits für maximal 100 Personen eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn, um Schlangen am Eingang zu verhindern. Beim Eintritt werden die Kontaktdaten der Besucher erfasst. Bei schlechtem Wetter gibt es die Möglichkeit für bis zu 50 Personen, in die evangelische Kirche umzuziehen. Sie müssen allerdings nachweisen können, dass sie vollständig geimpft, genesen oder aktuell getestet wurden. Die entsprechenden Abstands- und Hygieneregeln müssen eingehalten werden.

 

Von Christian Suhr
« Ältere Beiträge