Neues aus Buechnerland Peter Brunners Buechnerblog

24.7.2009

Wilhelm Büchner

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Wilhelm Büchner (* 2. August 1816 in Stockstadt; † 14. Juli 1892 in Pfungstadt) war Apotheker, Chemiker, Fabrikant und Politiker.

Wilhelm nahm leidenschaftlich Anteil am Schicksal Georgs, der als Mitverfasser des „Hessischen Landboten“, einer aufrührerisch-frühsozialistischen Kampfschrift, das absolutistisch regierte Darmstadt durch Flucht verlassen musste. Wilhelm ließ sich am Tag der Flucht im Februar 1835 an Georgs Stelle verhaften und verhören und machte die Flucht so erst möglich.

Aus seinem Exil richtet Georg einen ausführlichen Brief an den Bruder.

Noch 1834 beendet Wilhelm die Apothekerlehre in Zwingenberg, 1836/37 studiert er in Heidelberg bei Leopold Gmelin, einem der Begründer der modernen Chemie. 1838/39 setzt er seine Studien in Gießen bei Justus von Liebig fort und legt dort sein Staatsexamen als Apotheker ab. 1841 gründet er – zunächst im Garten seines Elternhauses in der Darmstädter Grafenstraße – eine kleine chemische Fabrik. Büchner experimentiert mit der Herstellung künstlicher Farbstoffe. Er kennt die Arbeiten des Alchimisten Johann Konrad Dippel und von Christian Gottlob Gmelin. Büchner gelingt eine Vereinfachung in der Produktion künstlicher blauer Farbe, des Ultramarin. Das erste gelungene Ergebnis seiner Experimente soll er mit den Worten „da haben wir eine Million“ glühend heiß auf den Mahagonitisch seiner Mutter gelegt haben. Bereits 1845 verlegt er die Produktion auf das Gelände der ehemaligen Krappfabrik in Pfungstadt. Wilhelm Büchner hatte im Februar 1845 im holländischen Gouda seine Cousine Elisabeth Büchner geheiratet und die erhebliche Mitgift in das Unternehmen eingebracht. Die Anbahnung des Grundstücksgeschäftes übernahm der befreundete Darmstädter Heinrich Emanuel Merck.Die blaue Farbe, die als Farbstoff und zum Bleichen von Wäsche benutzt wird, hat Abnehmer in der gesamten Welt, das Unternehmen erhält für die Qualität der Produkte zahlreiche Medaillen und Auszeichnungen, unter anderem bei der Pariser Weltausstellung. Mit dem Aufstieg des Unternehmens steigt auch Büchners Wohlstand, 1863 wird der Grundstein für eine Villa nach den Plänen des Darmstädter Architekten Balthasar Harres gelegt. Nachdem die politischen Verhältnisse es zuließen (1851), errichteten die Geschwister ihrem Bruder Georg in Zürich eine angemessene Grabstätte. 1875, als der alte Friedhof in Zürich eingeebnet wurde, bettete man Georg zum „Rigiblick“ in Zürich um. Den Grabstein von 1851 platzierte Wilhelm in seinem Garten. Wilhelms Enkel Anton berichtet, das der „schließlich ganz verging“ (unveröffentlicht, zit. nach dem ms. Manuskript zu „Die Familie Büchner“, Darmstadt 1963). Der Sockel dieses Grabsteins liegt als Leihgabe der Stadt Pfungstadt im Goddelauer Büchner-Haus, dem Geburtshaus von Georg Büchner.
Von 1849 bis 1850 ist Büchner für den Wahlkreis Zwingenberg Abgeordneter im hessischen Landtag, 1852 wird er zum Mitglied der „Academie nationale agricole, manufacturière et commerciale“. 1865/66 und erneut von 1872 bis 1881 vertritt er die Wahlkreise Wald-Michelbach, später Gernsheim im hessischen Landtag. Von 1877 bis 1884 ist er Mitglied des Reichstages in Berlin. Er gehörte den Liberalen an. Bekannt ist sein Widerstand gegen Bismarck, insbesondere gegen die „Verstaatlichung“ der sozialen Fürsorge und sein Einsatz für die Volksbildung. 1878 stimmt er gegen die Sozialistengesetze. In Pfungstadt hat er viele Jahre als Gemeindevertreter gewirkt, die Gründung des ersten Kindergartens, der „zweiklassigen Kleinkinderschule“ von 1868, hat er veranlasst. 1870 richtet das Ehepaar Büchner anlässlich seiner Silberhochzeit einen „Pensionsfonds für Arbeitsinvalide“ ein, der später in eine Betriebskrankenkasse umgewandelt wird. Die Eröffnung der „Secundärbahn“ nach Eberstadt 1886, mit der ihm und seinem Freund, dem Bierbrauer Justus Hildebrand, der Export erheblich erleichtert wird, ist wesentlich seinem Einsatz zu verdanken, ebenso wie die damit verbundene Erhebung Pfungstadts zur Stadt im gleichen Jahr. 1882 übergibt Büchner die Leitung des Unternehmens seinem Sohn Ernst, 1890 gliedert Ernst den Pfungstädter Betrieb in die „Vereinigten Ultramarinfabriken“ ein. Die Gründung dieses Gemeinschaftsunternehmens war die Reaktion auf die aufkommende „Erdölchemie“, deren weiterer Aufschwung schließlich 1893 das „amtliche Erlöschen“ der Firma zur Folge hat. Wilhelm Büchner war kurz zuvor, am 14. Juli 1892, in Pfungstadt gestorben.

Dieser Artikel nutzt Material aus dem Artikel Wilhelm Büchner  in der freien Enzyklopädie Wikipedia , an dem ich selbst mitgearbeitet habe und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

1 Kommentar »

  1. […] Wilhelm Büchner […]

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