Neues aus Buechnerland Peter Brunners Buechnerblog

24.7.2009

Luise Büchner

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Luise Büchner (* 12. Juni 1821 in Darmstadt; † 28. November 1877[1]ebenda) war eine deutsche Frauenrechtlerin und Schriftstellerin.

Leben

„Die Führerinnen der Frauenbewegung in Deutschland“,
Illustration aus Die Gartenlaube 1894

Luise Büchner war die Tochter des Chirurgen Dr. Ernst Büchner und seiner Frau Caroline, geb. Reuß, die Schwester von Georg Büchner, Ludwig Büchner, Wilhelm Büchner und Alexander Büchner. Durch einen Unfall im Kindesalter zog sie sich eine Rückenverkrümmung zu, die sie zeitlebens behinderte. Autodidaktisch hatte sie sich umfangreiches Wissen vor allem in Literatur, Mythologie, Geschichte und Fremdsprachen angeeignet. Nach dem Tod der Eltern lebte sie zusammen mit ihrer ebenfalls ledigen Schwester Mathilde (1815–1888) im eigenen Haushalt, im gleichen Haus wie ihr Bruder, der Arzt Ludwig Büchner.

1855 erschien anonym ihr meistzitiertes Werk „Die Frauen und ihr Beruf”, in dem sie sich für bessere Mädchenbildung einsetzte. Schon 1856 erschien eine erweiterte zweite Auflage, in der ihr Name als Verfasserin genannt wurde. Ihre späteren Überarbeitungen spiegeln ihre Erfahrungen in der Frauenbewegung. Sie verfasste Romane, Reisebeschreibungen und Gedichte, zusammen mit ihrem Bruder Alexander gab sie eine umfangreiche Gedichtsammlung heraus. Ihre unvollendete Erzählung „Ein Dichter“ (erst posthum erschienen) gilt als eines der wichtigen Zeugnisse über Georg Büchners Schulzeit im Darmstädter Elternhaus.

Seit Ende 1866 gehörte Luise Büchner zu den engsten Mitarbeiterinnen von Großherzogin Alice. Daraus entstanden ab 1867 mehrere Frauenvereine im Großherzogtum Hessen-Darmstadt; darunter der Alice-Frauenverein für Krankenpflege, der es sich zur Aufgabe machte, junge Frauen zur Krankenschwester ohne konfessionelle Bindung auszubilden. Ziel dieses Vereins war, die bisher nur karitativ ausgeübte Pflege von Kranken und Verwundeten zum bezahlten Frauenberuf zu machen. Daraus ging das Alice-Hospital Darmstadt hervor. Ausserdem der Verein für Förderung weiblicher Industrie (ab 1872 Alice-Verein für Frauenbildung und -Erwerb), der neben einer Verkaufsstelle für Heimarbeiterinnen (Alice-Basar) die Alice-Schule, eine Berufsfachschule für Mädchen (heute Alice-Eleonoren-Schule) gründete. Daneben entstand unter der Leitung von Luise Büchner eine Art Volkshochschule für Frauen, das sogenannte Alicee-Lyceum.

In den 1870er Jahren vertrat sie auf überregionalen Konferenzen die Alice-Frauenvereine und berichtete in der Presse regelmäßig über ihre Arbeit. Die erste Generalversammlung der Frauenbildungsvereine, des Lette-Verbandes, fand im Oktober 1872 auf Einladung von Prinzessin Alice und Luise Büchner in Darmstadt statt. Aus Anlass einer Konferenz des preußischen Kultusministeriums wurde Büchner 1873 als erste Frau gebeten, zu den Unterrichts- und Erziehungsfragen in der Mädchenschulbildung eine Stellungnahme vorzulegen.

Luise Büchner wird heute noch neben Luise Otto oder Fanny Lewald als eine der bahnbrechenden Frauen der Frauenbewegung des 19. Jahrhunderts angesehen. Büchner verstarb in Darmstadt und wurde auf dem dortigen Alten Friedhof beigesetzt.

Grab von Luise Büchner auf dem Alten Friedhof in Darmstadt

Nach ihr ist die Darmstädter Luise Büchner-Bibliothek benannt. Diese ist auch die Anlaufstelle für Interessenten an der neu gegründeten Luise Büchner-Gesellschaft e.V. Die Gesellschaft vergibt in der Tradition des kritischen Journalismus den Luise Büchner-Preis für Publizistik. Preisträgerinnen waren 2012 Bascha Mika, 2013 Julia Voss.

Werke

  • Dichterstimmen aus Heimath und Fremde. Für Frauen und Jungfrauen ausgewählt, G. Grote’sche Buchhandlung : Hamm 1959.
  • Aus dem Leben. Erzählungen aus Heimath und Fremde, Verlag Theodor Thomas : Leipzig 1861 (Digitalisat).
    • Neuausgabe: Aus dem Leben. Erzählungen aus Heimath und Fremde, Edition Hamouda : Leipzig 2007, ISBN 978-3-940075-05-5.
  • Die Frauen und ihr Beruf, Meidinger : Frankfurt a. M. 1855. Insgeamt 5 Auflagen, teils stark überarbeitet (1856, 1860, 1872 und, posthum, 1884)
  • Weihnachtsmärchen, …
  • Ein Dichter, …
    • Neuausgabe: Justus-von-Liebig-Verlag 1965.
  • Gebildet, ohne gelehrt zu sein, … (Sammlung von Essays, Berichten u. a.).
  • Frauenherz, Berlin 1862
  • Das Schloß zu Wimmis (Roman), Verlag Theodor Thomas : Leipzig 1864

Literatur

  • Matthias Gröbel, Manfred H. W. Köhler, Thomas Lange, Cordelia Scharpf: „Fortschritt der Menschheit in der Entwicklung des Menschen“. Georg Büchners Geschwister in ihrem Jahrhundert. Darmstadt 2013. ISBN 978-3-88443-322-5. (Darin ein ausführlicher Aufsatz von Cordelia Scharpf über Luise Büchners Leben und Werk.)
  • Cordelia Scharpf: Luise Büchner. A Nineteenth-Century Evolutionary Feminist. Oxford, Bern, Berlin, Bruxelles, Frankfurt am Main, New York, Wien, 2008. 391 pp., 2 ill. Women in German Literature. Vol. 9, ISBN 978-3-03910-325-6 (Dt. Ausgabe in Vorbereitung)
  • Cordelia Scharpf: Luise Büchner : eine evolutionäre Frauenrechtlerin des 19. Jahrhunderts, Oxford ; Bern ; Berlin ; Frankfurt am Main ; Wien [u.a.] : Lang, 2013, ISBN 978-3-0343-0704-8
  • Heiner Boehncke, Peter Brunner, Hans Sarkowicz: Die Büchners oder der Wunsch, die Welt zu verändern. Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-7973-1045-3.
  • Wolfgang Rasch: Freundschaftsdienst und Auftragswerk. Luise Büchners Gutzkow-Essay im Lichte ihrer ungedruckten Briefe an Eduard Hallberger. In: Internationales Jahrbuch der Bettina-von-Arnim-Gesellschaft. Bd. 17. Berlin, 2005. S. 13-23.
  • Gerhard K. Friesen (Hrsg.): „Wir können alle gar nicht genug Respect vor Ihnen haben.“ Der Briefwechsel zwischen Karl Gutzkow und Luise Büchner 1859-1876. In: Internationales Jahrbuch der Bettina-von-Arnim-Gesellschaft. Bd. 8/9. Berlin, 1997. S. 75-138.

 

Dieser Artikel nutzt Material aus dem Artikel Luise Büchner in der freien Enzyklopädie Wikipedia , an dem ich selbst mitgearbeitet habe und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation  und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported. In Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

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