Neue Forschungsnotiz: „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ bereits 1789/1790 nachgewiesen
In der Büchner-Philologie gilt die Losung des Hessischen Landboten von 1834 bislang als Produkt der Revolutionspublizistik von 1792 (u. a. zugeschrieben Nicolas Chamfort). Ein bildgeschichtlicher Fund aus der Bibliothèque nationale de France (BnF) stellt diese Datierung auf die Probe: Eine anonyme Druckgrafik zeigt die Parole bereits auf der Schärpe eines Vainqueur de la Bastille aus den Jahren 1789/1790.
Das neue Working Paper von Peter Brunner dokumentiert den Befund, differenziert quellenkritisch zwischen gesicherten Fakten und Forschungshypothesen und ordnet die Konsequenzen für die Büchner-Forschung neu ein (entstanden unter freundlicher Mitwirkung von Dr. Herbert Wender).
📄 Zum vollständigen Working Paper auf Academia.edu:
Die Luise Büchner-Gesellschaft vergibt den diesjährigen Luise-Büchner-Preis für Publizistik an die Schweizer Soziologin und Geschlechterforscherin Franziska Schutzbach . Mit ihren Büchern Die Erschöpfung der Frauen (2021) und zuletzt Revolution der Verbundenheit (2024) zählt sie zu den meistbeachteten feministischen Stimmen im deutschsprachigen Raum. Neben der weiblichen Perspektive richtet sie ihren Blick auch auf die männliche Seite: Schutzbach forscht zu Antifeminismus, Misogynie und den Kommunikationsstrategien rechtspopulistischer Bewegungen, etwa dazu, wie sich Männlichkeitsbilder radikalisieren und zum Einfallstor für rechtsnationales Denken werden.
Franziska Schutzbach, geboren 1978, promovierte an der Universität Basel und lehrt und forscht dort am Zentrum Gender Studies.
Der Preis ist mit vom Lions Club Louise Büchner bereitgestellten 3.000 Euro dotiert und erinnert seit 2012 an die Darmstädter Frauenrechtlerin und Publizistin Luise Büchner (1821–1877).
Die Preisverleihung findet am 29. November in Darmstadt statt.
Es ist zwar April, aber ich möchte heute an August erinnern – August Becker …
Hören Sie mal:
Auch wenn Ihnen die Interpretation durch Jimmy Hendrix näher ist – Sie glauben, Sie kennen den Text?
Weit gefehlt. Hier ist der originale Text des Refrains:
Unser Landgraf, der soll leben, und die Landgräfin daneben! Hesse-Darmstädter sein mir, ja, Hesse-Darmstädter sein mir!
Das hat schon 1875 Eduard Leyh in der Gartenlaube (12/1875) mitgeteilt:
„ … Mein alter Freund und Mentor, der 1871 in Cincinnati verstorbene Journalist August Becker, … meinte, eine so herrliche Melodie könne gar kein Amerikaner erfinden, dieselbe sei entschieden deutsch. Als Beweis führte er den Endreim eines hessischen Soldatenliedes an, welcher lautet:
„Unser Landgraf, der soll leben, und die Landgräfin daneben! Hesse-Darmstädter sein mir, ja Hesse-Darmstädter sein mir.“
Becker argumentirte nun, daß die damals von ihren sauberen Fürsten an die Engländer verschacherten Hessen dieses Lied auf amerikanischem Boden häufig gesungen hätten und die Melodie hier von den Amerikanern aufgegriffen worden sei. Thatsächlich herrscht zwischen dem Liede der Darmstädter Patrioten und dem Endreime unserer Nationalhymne große Aehnlichkeit und ich war immer geneigt, Herrn Becker in diesem Punkte Recht zu geben … “
Der engste Freund und Vertraute Georg Büchners war bekanntlich nach Haft, Exil, 48er-Aktivitäten und Abgeordnetentätigkeit in die Vereinigten Staaten ausgewandert. August Beckers publizistische Tätigkeit in den USA ist noch längst nicht vollständig erfasst, geschweige denn ausgewertet, aber ich kann sicher sagen, dass seine oft amüsant-polemisch geschriebenen Berichte voller wertvoller Informationen stecken. Warum sollte das bei diesem Gespräch mit jemandem, der ihn seinen Mentor nannte, anders sein?
Becker war im Bürgerkrieg unter deutschen Freiwilligen, die allerdings wahrscheinlich nicht mehr einem Landgrafen huldigten. Dass zu später Stunde in rührseliger Heimatsehnsucht trotzdem alte deutsche Soldatenlieder gesungen wurden ist allerdings trotzdem so unwahrscheinlich nicht. Und wer sich ein Bild des „roten Becker“ macht,
(nach einer historischen Abbildung mit KI – Gemini – erstellt)
wird keine Sekunde lang daran zweifeln, dass zu seinen vielen Qualitäten ganz bestimmt auch der Vortrag zahlreicher deutscher Lieder gehörte.
Und so freuen wir uns in Zukunft beim Hören der US-Hymne, dass wir den richtigen Text darauf kennen, auch wenn der auch nicht besser ist als „O! say does that star-spangled banner yet wave, O’er the land of the free and the home of the brave?“.
Nach 21 Folgen im letzten Jahr, die ich hier zum direkten download angeboten habe, stehen die Beiträge inzwischen so zahlreich zur Verfügung, dass ich künftig hier nur noch die Zugänge ankündige, sie aber nicht mehr direkt zum Anhören anbiete. Stattdessen finden sie sich – wie bisher schon – auf den bekannten Portalen:
Der Hessische Landbote: Krieg den Palästen?| Büchners Welt
Notgedrungen diesmal eine Wiederholung – aber immerhin mit aktueller Einleitung:
“Wir fangen heute mal ohne Jingle an, das ist ganz ungewöhnlich
Schrecklich, einfach so rabums, hallo Papa.
Warum haben wir uns denn das jetzt überlegt, lieber Papa?
Liebe Tochter, wir waren sozusagen notgedrungen, genötigt eine Lösung zu finden, dafür, dass wir keine neue Aufnahme machen können.
Asche über unser Haupt. Genau, wir schaffen es leider nicht, eine ganze Folge noch aufzunehmen, für den 28. Mai.
Und deshalb haben wir entschieden, unsere Lieblingsfolge, darf man das sagen, eine unserer Lieblingsfolgen, als Wiederholung zu senden. Und zwar die Folge Nummer 8 zum hessischen Landboten. Und wir haben es uns aber nicht nehmen lassen, euch wenigstens ein paar Minuten vorher etwas Neues aufzunehmen.
Wenn schon Büchner, denn schon Landbote.
Genau. Ja, und ich finde es eigentlich ganz nett, auch in die älteren Folgen noch mal reinzuhören. Die achte Folge ist jetzt ziemlich genau ein Jahr alt, noch nicht ganz, ich glaube so zehn Monate.
Und man hört doch einen Unterschied. Wir haben uns schon ein bisschen entwickelt, auch, findest du nicht auch?
Ja, das würde ich schon wie oft in solchen Fragen dem PP-Publikum überlassen. Aber anders ist es tatsächlich, ja, das ist wahr.”
“Ja, also, hört rein, Urteil selbst. Und vielleicht vorher noch ein, zwei Anmerkungen zu unserer letzten Folge zu August Becker. Wir haben ja am Anfang von der letzten Folge ein bisschen gerätselt, wann denn jetzt tatsächlich sein Geburtstag war, also wann er tatsächlich geboren ist.
Und wir haben jetzt nicht nur Rückmeldungen von den KI’s, die wir befragt haben, sondern, Papa, du hast auch Antwort bekommen. Erzähl doch mal.
Die Situation ist so, dass die Wahrscheinlichkeit auch in meinem Kopf war schon relativ hoch, dass ich das selber hätte verifizieren können. Es gibt verschiedene gedruckte Quellen, aber wir saßen ja im Studio, als wir dieses Problem bemerkt haben. Und das Einzige, was ich hatte, darauf konnte ich online zugreifen, war die Kopie aus dem Kirchenbuch, also das Originaldokument in Kurent geschrieben, nicht ganz deutlich zu lesen.
Und ich war einfach unsicher. Ich bin kein besonders erfahrener Kurrent-Leser. Und habe deshalb online in der Zeit, während wir aufgezeichnet haben, zwei Freunde angeschrieben, von denen einer, Reinhard Papst, nämlich der Literaturdetektiv, wer, wenn nicht der Literaturdetektiv, prompt geantwortet hat, und zwar insgesamt mit vier Mails, in denen er mir sämtliche Quellen genannt hat, wie gesagt, die ich alle zu Hause vielleicht auch gefunden hätte, aber eben im Studio nicht zur Verfügung hatte.
Aber schließlich und darum war es gegangen, er hat bestätigt, 1812 ist das richtige Geburtsjahr.
Was machst du eigentlich? Wollen wir dem Büchnerportal eigentlich schreiben, dass es nicht richtig ist, oder?
Wir können ja mal abwarten, ob das Büchnerportal unseren Podcast-Hürden darauf reagiert.
Das wäre eigentlich auch ganz witzig. Und sonst können wir irgendwann im Juni oder im Juli mal eine E-Mail verfassen.”
„ …ich weiß nicht, durch was meine Persönlichkeit die Aufmerksamkeit von Menschen erregt hat“ verteidigt sich Ludwig Büchner gegen Vorwürfe, ein 1848er-Aufrührer zu sein. Heute wissen wir, dass es Ausreden waren – die Rebellion wurde ihm wie seinen Geschwistern in die Wiege gelegt.
Wie wurde der kleine Bruder Georgs zu dem berühmten Büchner im 19. Jahrhundert, der zentralen Figur des Materialismus in Deutschland, dem vielleicht ersten deutschen Sachbuchautor und Mitbegründer der Kommunistischen Internationale?
Er trifft Georgs Freund August Becker und begründet eine lebenslange Verbindung zum Mitbegründer der Sozialdemokratie, Wilhelm Liebknecht. Wir berichten von seiner Schul- und Studienzeit, von liebevoller Familie, Heimweh und Gießener Studienjahren. Wo tritt er in die Fußstapfen des Bruders und wo erkennen wir seinen eigenen Weg?
Als Arzt und Dozent in Tübingen begibt sich „das Haupt“, wie Ludwig Büchner genannt wurde, auf die Spur des Übersinnlichen und setzt zusammen mit Bruder Alexander Versuchspersonen in die Dunkelkammer: Was erkennen sie im Unsichtbaren? Im Jahr darauf erscheint sein Lebenswerk: das Welterklärungs-Sachbuch „Kraft und Stoff“. Das kostet ihn die Anstellung in Württemberg, macht ihn aber buchstäblich über Nacht berühmt. Die Widersprüchlichkeit zwischen der Ablehnung und Anziehung spiritueller Erklärungsansätze begleitet ihn sein Leben lang. Was bewegt diesen „Wanderprediger des Materialismus“, wie ihn Marx später abschätzig nennen wird?
Für diese wichtige Publikation fehlt bisher eine gemeinsame Erschließung, Recherchen sind auf die Durchsicht der einzelnen Inhaltsverzeichnisse angewiesen, was nicht nur mühselig und fehlerbehaftet ist, sondern auch den Zugriff auf alle Bände voraussetzt.
Den Fortschritt der Technik habe ich genutzt, diesem Desiderat abzuhelfen – mit Hilfe „künstlicher Intelligenz“ habe ich für die Bände 1 – 15, also den Erscheinungszeitraum 1983 – 2023, ein gemeinsames Verzeichnisse für Autorschaft, Titel und Inhalt erstellt.
Mit dem ausdrücklichen Hinweis auf keinerlei Haftung für Präzision und Vollständigkeit stelle ich es hier zum Download zur Verfügung. Aus gutem Grund trägt die Datei u.a. den Namen „Gemini“ – mit dessen (deren?) Hilfe ist sie entstanden.
Ich freue mich sehr über Reaktionen hierauf – insbesondere, wie immer, auf Hinweise zu Fehlern und Ergänzungen. Dank und Lob geht auch.