Der erste Teil meines Gastbeitrags zur Datierungsgeschichte des sogenannten Fatalismusbriefs endete mit Fritz Bergemanns Abkehr von seiner früheren hypothetischen Datierung ins Frühjahr 1834. Daß die dritte. erweiterte und revidierte Bergemann-Ausgabe den Brief wieder — wie zuvor Ludwig Büchner und Karl Emil Franzos — in den Spätherbst 1833 datierte, konstatiert Burghard Dedner im Aufsatz „7.2 Der »Fatalismusbrief« vom Januar 1834“ (buechnerportal.de) irritierend schnörkellos:
„Fritz Bergemann […] datierte den Brief […] 1922 auf »Frühjahr 34?«, in einer späteren Ausgabe von 1940 auf »November 1833«. Die erste Datierung erschloss er aus dem im Brief genannten Indiz »Veilchenstrauß«, die zweite aus der Annahme, dass der Briefschreiber sich deshalb so ausführlich und abfällig über die Stadt Gießen äußere, weil er gerade dort eingetroffen sei.“
Was hier wie Willkür erscheint, halte ich für eine Reaktion auf eine bemerkenswerte Veränderung der biographischen Informationslage einige Jahre zuvor.
September 2026, Dr. Herbert Wender
An die Braut: „Geschichte der Revolution“ –
an August Stoeber: „Hanf“ und „Laternen“
1935 veröffentlichte der Büchnerforscher Jean Strohl, der selbst Naturwissenschaftler war und wissenschaftshistorisch Georg Büchners naturwissenschaftliche Arbeiten erforschte, in der vom Autographensammler Martin Bodmer mitbegründeten Literaturzeitschrift „Corona“ einen unbekannten Büchnerbrief. Am 9. Dezember 1833 schrieb Büchner aus Darmstadt an den Straßburger Studienfreund August Stoeber:
„Manchmal fühle ich ein wahres Heimweh nach Euren Bergen. Hier ist Alles so eng und klein. Natur und Menschen, die kleinlichsten Umgebungen, denen ich auch keinen Augenblick Interesse abgewinnen kann. Zu Ende Octobers ging ich von hier nach Gießen. 5 Wochen brachte ich daselbst halb im Dreck und halb im Bett zu. Ich bekam einen Anfall von Hirnhautentzündung; die Krankheit wurde im Entstehen unterdrückt, ich wurde aber gleichwohl gezwungen nach Darmstadt zurückzukehren um mich daselbst völlig zu erholen. […]
Die politischen Verhältnisse könnten mich rasend machen. […] Ich bete jeden Abend zum Hanf und zu d. Laternen.“
Daß Büchner bereits wenige Wochen nach Beginn des Wintersemesters krankheitsbedingt ins Elternhaus zurückkehrte, wurde erst durch die Veröffentlichung dieses Briefes aus dem „Fond littéraire Stoeber“ bekannt.
Neben diesen Brief stellte Strohl den seit 1850 bekannten „Brief an die Braut“, der ja hinsichtlich der beklagten hessischen „Mittelmäßigkeiten“ und der Erinnerungen an Straßburg und das Elsaß, aber auch hinsichtlich der Zuwendung zur Revolutionsgeschichte einige thematische Ähnlichkeiten, aufweist. Auf der Grundlage irriger biographischer Annahmen datierte Strohl den Brief an die Braut ins Frühjahr 1834, was Bergemanns Vermutung von 1922 entsprach:
„Da Büchner erst nach dem 10. März wieder in Gießen war, so müssen wir den Brief in die Tage nach dieser Rückkehr verlegen, was auch mit der Erwähnung der Veilchen gut übereinstimmt.“
Damit war nicht nur die Behauptung: „nach dem 10. März“ 1834 etabliert, sondern es zeichnete sich auch die mögliche ‚Verlagerung‘ des Texts in der Reihe der von Ludwig Büchner überlieferten Briefauszüge ab:
„Der Büchner-Herausgeber Werner R. Lehmann folgte 1971 ebenfalls dem Indiz »Veilchenstrauß«. Er datierte den Brief auf »nach dem 10. März 1834«. Dieser wäre damit nicht mehr der erste, sondern der vierte in der Reihe der fünf Briefe an Jaeglé. Vor allem: Er wäre fast gleichzeitig mit dem Hessischen Landboten entstanden.“
(Dedner im buechnerportal)
Fritz Bergemann dagegen zog offenbar aus den neuen Informationen zum Beginn des Studiums in Gießen und der vorübergehenden Rückkehr ins Elternhaus eine ganz andere Schlußfolgerung, nämlich daß das Bild vom Veilchenstrauß als unsterblichem Lama nicht wörtlich zu nehmen wäre und daß die beiden synonym zu verstehenden Äußerungen über das Studium der Revolutionsgeschichte dichter beieinander lagen als von Strohl angenommen.
Anlaß für Bergemanns Rückgang zu der im 19. Jahrhundert etablierten Datierung ins Jahr 1833 waren jedenfalls Strohls Veröffentlichungen, was schon daraus zu erschließen ist, daß 1940, als die revidierte Ausgabe im Insel-Verlag erschien, der Brief vom 9. Dezember 1833 auch im „Inselschiff“ vorgestellt wurde (Untertitel: „Aus dem Zuwachs zur dritten Auflage der Büchner-Ausgabe“).
Obwohl in akademischen Diskussionen zur Biographie Georg Büchners nach dem 2. Weltkrieg schon bald Strohls März-Datierung die Oberhand gewann, war die November-Datierung in den erschwinglichen Publikumsausgaben wie in biographischen Darstellungen bis weit in die 1970er Jahre präsent.
Fatalismus und Absurdismus
Ich habe für die hier vorgestellte Erinnerungsarbeit noch einmal das dtv-Taschenbuch Nr. 70 aufgeschlagen,das uns Unterprimanern im Jahr 1968 als Grundlage der obligatorischen Beschäftigung mit Büchners Revolutionsdrama diente. Natürlich finden sich zahlreiche Unterstreichungen von der Hand des auch auf S. 162:
„Ich fühlte mich wie zernichtet unter dem gräßlichen Fatalismus der Geschichte. Ich finde in der Menschennatur eine entsetzliche Gleichheit, in den menschlichen Verhältnissen eine unabwendbare Gewalt, allen und keinem verliehen. Der einzelne nur Schaum auf der Welle, die Größe ein bloßer Zufall, die Herrschaft des Genies ein Puppenspiel, ein lächerliches Ringen gegen ein ehernes Gesetz, es zu erkennen das Höchste, es zu beherrschen unmöglich.“
Der „Fatalismus“-Brief war in dieser Ausgabe noch auf den 1. November 1833 datiert, es folgte der Brief an August Stoeber vom 9. Dezember. Nicht unterstrichen sind die für meine späteren Beschäftigungen mit Büchners Werk und Haltung so wichtigen Sätze (S. 164):
„.Die politischen Verhältnisse könnten mich rasend machen. Das arme Volk schleppt geduldig den Karren, worauf die Fürsten und Liberalen ihre Affenkomödie spielen. Ich bete jeden Abend zum Hanf und zu den Latern.“
Wir lasen diese Briefe noch nicht politisch. Da wir in der Freizeit in einer Theaterbaracke, die nach dem 2. Weltkrieg als Notkirche gedient hatte, Ionesco und Tardieu, Beckett und Arrabal inszenierten, lasen wir auch Büchners Stück absurdistisch:
„Die Welt ist das Chaos. Das Nichts ist der zu gebärende Weltgott.“
Und doch ging ich 1968 zum ersten Mal zum Ostermarsch, weil am Gründonnerstag auf Rudi Dutschke geschossen worden war, und im Mai gingen dann die Schüler mit den Studenten gegen die Notstandsgeetze auf die Straße.
Ob reaktionär, ob fortschrittlich,
„1833“ war erledigt
Die akademische Beschäftigung mit Büchners Texten war schon seit Mitte der 1960er Jahre durch eine scharfe ideologische Auseinandersetzung geprägt. 1963 hatte Werner R. Lehmann, in der Festschrift für den Hamburger Verleger Christian Wegner, seine „Prolegomena zu einer historisch-kritischen Büchner-Ausgabe“ veröffentlicht. Er war überzeugt, daß in Ludwig Büchners Edition der „Briefe an die Breut, aus Gießen 1833 und 1834“ nicht nur die Jahreszahl 1833, sondern auch die Anordnung der Brieftexte auf falschen Annahmen beruhten und folglich zu korrigieren waren.
Mit der Datierung „nach dem 10. März“ rückt der „Fatalismus“-Brief in den Kontext von Mißstimmungen im Frühjahr 1834 und nahe heran an Büchners Arbeit am Entwurf für die revolutionäre Flugschrift. In Lehmanns Edition sollte der „Fatalismus“-Brief also in einem anderen biographischen Kontext erscheinen. Vorausgegangen wäre die seelische Krise, die in einem anderen Brief an Wilhelmine Jaeglé zum Ausdruck kommt:
„Der erste helle Augenblick seit acht Tagen. Unaufhörliches Kopfweh und Fieber, die Nacht kaum einige Stunden dürftiger Ruhe. Vor zwei Uhr komme ich in kein Bett, und dann ein beständiges Auffahren aus dem Schlaf und ein Meer von Gedanken, in denen mir die Sinne vergehen. Mein Schweigen quält dich wie mich, doch vermochte ich nichts über mich. Liebe, liebe Seele, vergibst du? […]
Die Ferien fangen morgen in vierzehn Tagen an; verweigert man die Erlaubniß, so gehe ich heimlich, ich bin mir selbst schuldig, einem unerträglichen Zustande ein Ende zu machen. Meine geistigen Kräfte sind gänzlich zerrüttet. Arbeiten ist mir unmöglich, ein dumpfes Brüten hat sich meiner bemeistert, in dem mir kaum ein Gedanke noch hell wird. Alles verzehrt sich in mir selbst; hätte ich einen Weg für mein Inneres, aber ich habe keinen Schrei für den Schmerz, kein Jauchzen für die Freude, keine Harmonie für die Seligkeit. Dies Stummsein ist meine Verdammniß. Ich habe dir’s schon tausendmal gesagt: Lies meine Briefe nicht, – kalte, träge Worte! Könnte ich nur über dich einen vollen Ton ausgießen; – so schleppe ich dich in meine wüsten Irrgänge. Du sitzest jetzt im dunkeln Zimmer in deinen Thränen allein, bald trete ich zu dir. Seit vierzehn Tagen steht dein Bild beständig vor mir, ich sehe dich in jedem Traum. […]“
Lehmann benutzte die angeblich zwingende philologische Operation, die Neuordnung der Briefauszüge nach Maßgabe der Stichwörter „Frühling“ und „Veilchenstrauß“, um die These zu etablieren, der etwa zeitgleich niedergeschriebene Landboten-Entwurf hätte zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr Büchners ernüchterter Beurteilung revolutionären Handelns entsprochen.
Dieser These vom ‚gebrochenen Bewußtsein‘, von einem revolutionären Experiment trotz besseren Wissens widersprach wenig später Hans Magnus Enzensberger mit großer Entschiedenheit. In seiner Ausgabe des „Hessischen Landboten“ (1965) wurde auch die hessische Verschwörung des Jahres 1834 ausführlich dokumentiert. Besonders hervorgehoben wurde dabei die Aktualität von Büchners revolutionärer Haltung im Kontext der lateinamerikanische, afrikanischen und asiatischen Befreiungsbewegungen, womit bereits die ‚linksradiakle‘ Büchner-Rezeption in den Jahren nach 1968 vorgezeichnet war.
Aber unabhängig davon, wie in der Folge Büchners Haltung in den politischen Kämpfen seiner Zeit bestimmt wurde: Übereinstimmend hielt man „Frühling“ und „Veilchenstrauß“ für die maßgeblichen „Indizien“ im Kontext historisch-kritischer Berichtigung von Ludwig Büchners Editionsfehlern.
Lehmanns März-Datierung wurde erst wieder diskutiert, als
Auch Thomas Michael Mayer, der für seine Doktorarbeit die reiche aktenmäßige Überlieferung zur Verschwörung von 1834 aufgearbeitet hatte und im übrigen durch akribische Nachforschungen den Abbruch von Lehmanns Projekt einer historisch-kritischen Ausgabe verursachte, blieb beim ‚Fatalismusbrief‘ nahe an der von Strohl etablierten März-Datierung. Mit einem Blick auf Mayers Projekt einer ‚wirklich‘ historisch-kritischen Ausgabe, seinem neuen Büchnerbild und der damit einhergehenden Lektüre des sogenannten Fatalismusbriefs als Liebesbrief will ich den nächsten Teil meines Gastbeitrags im Geschwister-Büchner-Blog beginnen.
Nachdem in der Georg Büchner-Gesellschaft textkritische Fragen nicht mehr erörtert werden, weil nach Abschluß der Marburger Büchner-Ausgabe dieses Vereinsziel erreicht ist (oder sei – pb) und man sich nun ganz dem Inhalt der Schriften widmet, fehlt ein Forum des Austauschs für diejenigen, die nicht alles für abschließend geklärt halten. Daß bislang einige wichtige Fragen, der Überlieferung wie der Textkonstitution, offen geblieben sind, ist meine These seit dem Erscheinen des ersten MBA-Bandes (vgl. Wender 2001). Das Angebot von Peter Brunner, im Blog einmal allgemeinverständlich darzulegen, was hinter dem oft beklagten Hickhack der Textkritiker in der Zeit zwischen 1980 und 2015 steckt, habe ich deshalb gerne angenommen. Als Paradebeispiel wähle ich den sogenannten Fatalismusbrief. Diesen Text, der 1850 vom jüngeren Bruder Ludwig Büchner auf der Grundlage eines Hefts mit undatierten Briefauszügen,(Abschreiberin: die Adressatin Wilhelmine Jaeglé) als Teil der „Nachgelassenen Schriften“ erstmals gedruckt wurde, muß jede/r berücksichtigen, der bzw. die sich über Georg Büchner als politisch handelnden Menschen eine Meinung bilden will.
Eine zentrale Frage: Wann wurde der Text geschrieben?
„Ich studirte die Geschichte der Revolution. Ich fühlte mich wie zernichtet unter dem gräßlichen Fatalismus der Geschichte. […] Ich gewöhnte mein Auge ans Blut. Aber ich bin kein Guillotinenmesser.“
Diese Kernpassage hat zu den heftigsten Auseinandersetzungen darüber geführt, wann genau sie geschrieben wurde:
aus Gießen 1833
Ludwig Büchner 1850
November 1833
Karl Emil Franzos 1879
Frühjahr 1834 ?
Fritz Bergeman 1922
November 1833
ders. ab 1940
1. November 1833
ders. ab 1949
nach dem 10. März 1834
Werner R. Lehmann 1967
mglw. zwischen 9. – 12. März 1834
Thomas Michael Mayer 1979
zwischen 10. und 20. Januar 1834
Jan-Christoph Hauschild 1989
gegen Ende Januar 1834
Thomas Michael Mayer/Reinhard Pabst 1994
Mitte/Ende Januar 1834
Henri Poschmann 1999
nach Mitte Jan. 1834
Burghard Dedner (im Briefwechsel-Band der MBA 10)
teils Ende Nov., teils Anf. Dez.1833
Herbert Wender
(in die Tabelle hatten sich Übermittlungsfehler eingeschlichen, korrigiert am 7.9.26 -pb)
Den Grund für die bisweilen äußerst scharf geführten Debatten hat Dedner im >buechnerportal< bündig zusammengefaßt:
„Wilhelmine Jaeglé hatte zu keinem der Briefe das Datum mitgeteilt. Deshalb ist die Antwort auf die Datierungsfrage dem Scharfsinn der Herausgeber überlassen. Immerhin ist das Datum nicht unwichtig, denn zur Debatte steht häufig das zeitliche Verhältnis dieses Briefes zur Niederschrift des Hessischen Landboten.“
Ist der fragliche „Brief“ ein editorisches Konstrukt?
Schon in den frühen 1990er Jahren hatte ich in einem unveröffentlichten Arbeitspapier die Vermutung geäußert, daß es sich bei dem vieldiskutierten „Brief“ um ein editorisches Konstrukt, eine Kontamination von Auszügen aus verschiedenen Briefen handelt und daß folglich mehr als nur ein Darum zu bestimmen ist. Unter dieser Hypothese ist der erste Absatz getrennt zu betrachten. Er beginnt mit einer Beschreibung von Gießen und Umgebung, wo sich Büchner, nach vier Auslandssemestern, zur Fortsetzung des Studiums (Wintersemester 1833/34) seit Ende Oktober 1833 aufhielt, und zwar erst einmal nur bis Ende November, weil er krankheitsbedingt vorübergehend zur Familie nach Darmstadt zurückkehren mußte. Nach meiner These gilt für diesen Absatz die Datierung, die von Ludwig Büchner für das ganze Textstück nahegelegt hattee: Gießen, zu Beginn des Wintersemesters 1833/34:
„Hier ist kein Berg, wo die Aussicht frei sei. Hügel hinter Hügel und breite Thäler, eine hohle Mittelmäßigkeit in Allem; ich kann mich nicht an diese Natur gewöhnen, und die Stadt ist abscheulich. Bei uns ist Frühling, ich kann deinen Veilchenstrauß immer ersetzen, er ist unsterblich wie der Lama. […] Je bai[s]e les petites mains, en goûtant les souvenirs doux de Strasbourg.“
Aber “ Frühling“ ? „Veilchenstrauß“ ? Zu Beginn des Wintersemesters?
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts regten sich erste Zweifel (Zobel von Zabeltitz), so daß sich der erste wissenschaftliche Heraussgeber, der junge Fritz Bergemann, zu einer Konjektur veranlaßt sah (s. oben in der Aufzählung). Es dauerte indessen keine zwei Jahrzehnte, bis er davon abrückte; das >buechnerportal< stellt lapidar fest:
„Fritz Bergemann, der erste wissenschaftliche Herausgeber des Briefes, datierte den Brief in seiner Ausgabe von 1922 auf »Frühjahr 34?«, in einer späteren Ausgabe von 1940 auf »November 1833«.“
Über Bergemans Gründe kann man wohl nur spekulieren, doch hat es für mich den Anschein, daß er scharfsinniger war als die spätere Forschung. Diese Auffassung werde ich in der nächsten Folge meines Gastbeitrags zu erläutern versuchen.
Nachbemerkung
Es wäre mir sehr lieb, wenn Nachfragen zu oder Kritik an diesem ersten Teil ‚zeitnah‘ hier als Kommentar(oben unter „Kommentar“) eingegeben würde, damit ich darauf in einer der nächsten Folgen anwenden kann. Wenn das jemand nicht-öffentlich tun will, kann sie bzw. er mich über folgende Email-Adresse erreichen: drwender@aol.com
Manchmal beginnt historische Detektivarbeit an ganz unerwarteter Stelle. Diesmal war es ein digitaler Streifzug durch die Bildarchive der Revolutionszeit.
Bernard Umbrecht hatte im Januar 2022 bemerkenswerte Grafiken aus der Collection de Vinck der Bibliothèque nationale de France aufgespürt. Im Zentrum stand der revolutionäre Held Jean-Baptiste Poupart de Beaubourg. Auf seinem Trikolore-Gürtel prangte die Parole:
„Paix aux chaumières, Guerre aux Châteaux“ – Friede den Hütten, Krieg den Palästen.
Für mich war das wie ein Funke im Heuhaufen. Denn auf dem Bild stand zugleich unübersehbar das Datum „14 juillet 1789“. Wenn die Parole tatsächlich schon auf einer mit dem Bastillesturm verbundenen Darstellung auftauchte, dann musste man sich fragen, ob sie womöglich deutlich älter war als die bisher in der Büchner-Forschung herangezogenen Nachweise aus dem Jahr 1792.
Doch: eine interessante Spur ist noch kein Beweis. Und ohne den kritischen Blick vorzugsweise besserer Kenner kommt man meist nicht weit.
Einspruch
Mit Bernard Umbrecht und Herbert Wender verbindet mich nicht nur eine jahrzehntelange Bekanntschaft, sondern auch ein regelmäßiger und bisweilen streitbarer Austausch .
Es dauerte deshalb nicht lange, bis Herbert Wenders E-Mails in meinem Posteingang landeten – und kurz danach gleich im Dutzend. Akribisch recherchiert, mit immer neuen Quellen und einer erstaunlichen Funddichte.
Wenders Kritik traf meine schöne Juli-1789-Hypothese an einer empfindlichen Stelle.
In seiner ersten Nachricht vom 10. August verwies er auf M.-J. Dusaulxs De l’insurrection parisienne, et de la prise de la Bastille von 1790. Auf den Seiten 258–261 wird dort ein Dekret vom 19. Juni 1790 dokumentiert. Es regelte anlässlich des ersten Jahrestags des Bastillesturms die offizielle Ehrung der Vainqueurs de la Bastille. Sie sollten unter anderem Waffen und Bekleidung auf Kosten des Staatsschatzes erhalten, ein brevet honorable bekommen und das Recht führen, sich „Vainqueur de la Bastille“ zu nennen.
Damit wurde die Sache komplizierter.
Denn wenn eine Darstellung den offiziell anerkannten Ehrentitel Vainqueur de la Bastille verwendet, kann man sie nicht ohne Weiteres als Bildzeugnis vom 14. Juli 1789 behandeln.
Das Datum „14 juillet 1789“ auf einem Bild ist eben nicht automatisch das Herstellungsdatum des Bildes.
Ein Datum auf einem Bild ist noch keine Datierung.
Ein Bild und seine Verwandlungen
Bei genauerem Hinsehen wird die Sache noch interessanter. In der von François-Louis Bruel bearbeiteten Collection de Vinck finden sich mehrere einschlägige Blätter.
Die Darstellungen De Vinck 1653/1654 zeigen Poupart de Beaubourg in Verbindung mit dem 14. Juli 1789. Auf dem Trikolore-Gürtel steht:
„Paix aux chaumières / Guerre aux Châteaux“.
Auf einer Lanze finden sich außerdem die Worte „Les tyrans sont Murs“ und das Datum „14 juillet 1789“.
Ein weiteres Blatt, De Vinck 1655, trägt die Bezeichnung Vainqueur de la Bastille. Hier kommt auf dem Helm die Devise „Vaincre ou mourir“ hinzu. Dieses Blatt wird von Rolf Reichardt als kolorierter Bonneville-Druck von 1792 beschrieben.
Die Blätter gehören damit offenbar zu einer kleinen ikonographischen Entwicklung. Das 1792 datierte Bonneville-Blatt kann nicht als Beleg dafür dienen, dass die Parole bereits 1789 entstanden ist. Zugleich zeigt die Poupart-Darstellung, dass die Formel in einer Bildwelt erscheint, die ausdrücklich mit dem 14. Juli 1789 verbunden wurde.
Das ist ein kleiner, aber entscheidender Unterschied.
Das Bildmaterial beweist also nicht, dass „Paix aux chaumières, Guerre aux Châteaux“ am 14. Juli 1789 entstanden ist. Es zeigt aber, dass die Formel früh in der revolutionären Bildwelt präsent war und mit der Erinnerung an den Bastillesturm verbunden wurde.
Und damit war meine ursprüngliche Frage keineswegs erledigt. Sie hatte sich nur verändert.
Vom Bild zur Sprache
Wenders Spurensuche führte nämlich weiter aus dem Bilderbestand hinaus in die revolutionäre Publizistik.
Dabei tauchen unterschiedliche, offenbar miteinander verwandte Formulierungen auf: „Paix aux chaumières, Guerre aux Châteaux“, aber auch „paix aux cabanes“ und „Guerre aux châteaux, paix aux chaumières“.
Allerdings: eine verwandte politische Metapher ist noch nicht dieselbe Formel. Und eine spätere Rückschau auf die Revolution ist noch kein Beleg dafür, dass die entsprechende Formulierung bereits 1789 verwendet wurde.
Klar ist jetzt: Die Formel selbst gehört tatsächlich in die revolutionäre Sprachwelt der 1790er Jahre. Ein besonders deutlicher Beleg findet sich 1794 in einem Text der Sektion Maison Commune: Dort lautet die Devise ausdrücklich „Mort aux tyrans, guerre aux châteaux, paix aux chaumières.“ Auch in einer Adresse aus Bayonne vom März 1794 erscheint die Formel „guerre aux châteaux, paix aux chaumières“. (Persée)
Damit verschiebt sich die Frage erneut.
Nicht mehr: Ist die Formel erst 1792 entstanden?
Sondern: Wie weit lässt sich ihre Vorgeschichte zurückverfolgen – und wann wird aus einem politischen Motiv eine feste, zirkulierende Formel?
Paläste und Hütten – ein älteres revolutionäres Bildfeld?
Auch Thomas Paine gehört in dieses Umfeld – allerdings nicht als Beleg für die konkrete Parole.
In Common Sense von 1776 findet sich die bemerkenswerte Formulierung:
„the palaces of kings are built upon the ruins of the bowers of paradise.“
Paine stellt hier die Paläste der Könige einer ursprünglichen, paradiesischen Lebenswelt gegenüber. Von „Paix aux chaumières, Guerre aux Châteaux“ ist das sprachlich scheinbar weit entfernt. Semantisch berührt sich beides allerdings in der politischen Vorstellung, dass Herrschaft und Luxus auf Kosten einer einfachen und ursprünglichen Lebenswelt bestehen.
Die Frage wäre also nicht: Hat Paine die spätere Parole „erfunden“?
Dafür gibt es keinen Beleg.
Viel interessanter ist die Frage, ob solche Vorstellungen Teil eines größeren politischen Sprach- und Bildfeldes waren, aus dem sich später konkrete revolutionäre Formeln herausbildeten.
Vielleicht ist gerade diese Unterscheidung wichtig: Nicht jede frühe verwandte Formulierung ist ein Vorläufer der konkreten Parole – aber die konkrete Parole fällt auch nicht aus einem sprachlichen Nichts vom Himmel.
Eine Parole wird zur Chiffre
Noch aufschlussreicher wird die Spur, wenn man in die spätere Revolutionsgeschichtsschreibung blickt.
Walter Scotts Leben Napoleon Bonapartes, Kaiser der Franzosen von 1828 formuliert rückblickend:
„Die französische Revolution hatte Krieg den Palästen, Friede den Hütten verkündet.“
Scott belässt es nicht bei dieser Formel. Unmittelbar anschließend beschreibt er die politischen Folgen der Revolution als Kampf gegen die „bevorrechteten Stände“, die als „Tyrannen und Unterdrücker der Armen“ dargestellt werden. Die Formel erscheint damit bereits als zusammenfassende Chiffre für das politische Programm, das Scott der Französischen Revolution zuschreibt.
Für unsere Büchner-Frage ist dieser Nachweis besonders interessant, weil es Anhaltspunkte dafür gibt, dass Scotts Werk im Umfeld der Familie Büchner zugänglich gewesen sein könnte. Ob Georg Büchner oder ein anderes Familienmitglied den betreffenden Band tatsächlich gelesen hat, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Das ist also kein Nachweis einer Büchner-Lektüre. Aber es ist ein möglicher Baustein in der Frage nach dem kulturellen und sprachlichen Umfeld, in dem die Formel vor Büchners eigener Verwendung zirkulierte. Wir müssen auch nicht darüber schweigen, dass Büchners Großmutter aus dem damals noch hessen-darmstädtischen Pirmasens floh – vor der französischen Revolutionsarmee unter eben dieser Parole!
Noch bemerkenswerter ist die französische Revolutionsgeschichte von Jules Ferrand und J. de Lamarque aus dem Jahr 1853.
Im Zusammenhang mit den Ereignissen des Jahres 1789 heißt es dort:
„Guerre aux châteaux, paix aux chaumières !“
Die Formel steht unmittelbar im Zusammenhang mit den Unruhen auf dem Land, den Forderungen nach der Abschaffung der Privilegien und der Diskussion über die Beschlüsse der Nacht des 4. August.
Aber auch hier ist die quellenkritische Unterscheidung wichtig: Ferrand liefert keinen Beleg dafür, dass dieser Wortlaut 1789 tatsächlich gerufen wurde. Er zeigt vielmehr, wie ein Autor des Jahres 1853 die Ereignisse von 1789 rückblickend mit dieser Formel zusammenfasst.
Auch die Eclectic Review von 1833 verwendet „paix aux cabanes“ als inzwischen verständliche revolutionäre Chiffre.
Damit lässt sich zumindest eine Entwicklung beobachten:
Aus einem revolutionären politischen Gegensatz wird eine Formel; aus der Formel wird eine Chiffre; und diese Chiffre kann schließlich rückblickend ganze Phasen der Revolution charakterisieren.
Und was bedeutet das für Büchner?
Damit kommen wir wieder zum Hessischen Landboten.
Die Marburger Büchner-Ausgabe verweist in ihrer Kommentierung auf eine französische Zeitschrift vom Januar 1792 und auf die Minerva vom Februar 1792. Diese Nachweise bleiben wichtig. Sie markieren den bislang herangezogenen textlichen Befund.
Die neuen Bild- und Rezeptionsspuren widerlegen diesen Befund nicht. Sie erweitern ihn.
Denn inzwischen stellt sich eine andere Frage: Geht es bei der Parole überhaupt nur um ihren ersten nachweisbaren Abdruck?
Oder hat sie schon vorher einen Weg durch die revolutionäre Öffentlichkeit genommen – durch Bilder, Zeitungen, politische Reden, Revolutionsgeschichten und später durch die Erinnerung an die Revolution?
Die inzwischen nachgewiesene Verwendung der Formel in der revolutionären Publizistik der 1790er Jahre macht jedenfalls deutlich, dass wir es nicht lediglich mit einer späteren Erfindung der Büchnerzeit zu tun haben. Zugleich bleibt die Frage nach der frühesten konkreten Verwendung der Formel offen.
Und genau diese offene Stelle ist interessant.
Denn wenn Georg Büchner die Formel im Hessischen Landboten verwendet, könnte es zu kurz greifen, nur nach einer einzigen und französischen Vorlage zu suchen.
Vielleicht greift Büchner auf einen politischen Sprachbestand zurück, der bereits verschiedene historische Stationen, Varianten und Bedeutungsverschiebungen durchlaufen hat.
Nicht zu vergessen das Schicksal seiner Großeltern, die ja unmittelbar „vor dieser Parole“ als hessische Staatsbeamte aus Pirmasens vor den Truppen Custines nach Darmstadt flohen. Kaum zu glauben, dass Frau Hofrätin Reuß, die „Rokkoko-Großmutter“, sich daran nicht erinnert hätte.
Vom Forschungsstreit zur neuen Frage
Was bleibt?
Zunächst einmal eine spannende Recherchegeschichte: Bernard Umbrecht entdeckt die Bilder. Ich sehe darin zunächst einen möglichen Beleg für eine ältere Datierung. Herbert Wender beginnt nachzufragen – und bringt eine Quelle nach der anderen auf den Tisch. Aus einer scheinbar einfachen Entdeckung wird ein ganzer kleiner Quellenkosmos.
Die ursprüngliche Hypothese ist dadurch nicht einfach bestätigt worden. Aber vielleicht hat sie sich wenigstens als produktiv erwiesen.
Liegt der interessanteste Punkt inzwischen gar nicht mehr bei der Suche nach einem einzigen „Ursprung“ der Formel?
Peter Rühmkorff hat für überlieferte, von Generation zu Generation verfügbare sprachliche Bestände den schönen Begriff des „Volksvermögens“ geprägt.
Mir scheint, „Friede den Hütten, Krieg den Palästen“ ist in diesem Sinne ein Stück politisches Volksvermögen.
Eine Formel, die nicht mehr einem einzelnen Autor gehört, sondern in unterschiedlichen historischen Situationen aufgegriffen, verändert, übersetzt und neu aufgeladen werden kann?
Dann wäre die Frage nach dem „Ursprung“ vielleicht nur ein Teil der Geschichte. Ebenso interessant wäre die Frage nach dem Gebrauch: Wer nimmt die Formel wann auf? Welche Bedeutung gibt man ihr? Wird aus einem revolutionären Ruf eine historische Chiffre – und schließlich ein Teil des politischen Sprachbesitzes?
Und wenn das so ist: Was macht Georg Büchner mit diesem Volksvermögen?
Das wäre dann die nächste Spur, der wir nachgehen sollten.
Die Recherche ist also noch lange nicht abgeschlossen. Aber vielleicht ist genau das ihr schönstes Ergebnis: Du findest einen Beleg – und bekommst dafür eine bessere Frage.
Inzwischen halte ich es für die stärkere Variante, diese Ursprungsfrage als offen zu behandeln, statt eine unsichere Zuschreibung als geklärt auszugeben – gerade für das weitere Nachdenken über das politische ‚Volksvermögen‘.
Quellen- und Literaturverzeichnis
1. Archivalische Quellen & Bildzeugnisse:
Bibliothèque nationale de France, Cabinet des estampes: Collection de Vinck. Un siècle d’histoire de France par l’estampe (1770-1827). Inventaire analytique par François-Louis Bruel, Paris 1914 (Nachdruck Paris 1970), darin speziell Nrn. 1653–1656 (Darstellungen des J. B. Poupart de Beaubourg sowie der kolorierte Kupferstich von François Bonneville, Paris 1792).
Rolf Reichardt: L’imagerie révolutionnaire de la Bastille: collections du Musée Carnavalet, Paris 2009, S. 27.
M.-J. Dusaulx: De l’insurrection parisienne, et de la prise de la Bastille; discours historique, prononcé par extrait dans l’assemblée nationale, Paris 1790, S. 258–261 (Dokumentation des Dekrets vom 19. Juni 1790 zur Verleihung des Ehrentitels und der Ausrüstung für die Vainqueurs de la Bastille).
Thomas Paine: Rights of Mansowie französische Gesetzessammlungen und Schriften (1816–1852) zur sozioökonomischen Kritik an Palästen und Luxus.
The Eclectic Review, Bd. 9/57, hg. von Samuel Greatheed u. a., London 1833, S. 57 (zeitgenössische/rückblickende Erwähnung des Motivs „paix aux cabanes“).
Anonymes Revolutionsgeschichtswerk (Paris 1828), S. 209f. (Nachweis der Formulierung „Die französische Revolution hatte Krieg den Palästen, Friede den Hütten verkündet“ unter Verwendung von „paix aux cabanes“).
Illustrierte Revolutionsgeschichte (Paris 1853), Einordnung der Parole im Kontext der Aufhebung der Feudalrechte in der Nacht des 4. August 1789.
3. Moderne Forschungsliteratur & Arbeitsmanuskripte:
Peter Brunner: Hat die Landboten-Parole ältere Ursprünge?, Work in Progress auf Academia.edu, August 2026.
Historisch-Kritische Werkausgabe (MBA): Kommentierung zum Hessischen Landboten(mit Verweisen auf die französische Zeitschrift vom Januar 1792 sowie die Minervavom Februar 1792).
Brieflicher und E-Mail-Diskurs zwischen Dr. Herbert Wender, Bernard Umbrecht und Peter Brunner
Neue Forschungsnotiz: „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ bereits 1789/1790 nachgewiesen
In der Büchner-Philologie gilt die Losung des Hessischen Landboten von 1834 bislang als Produkt der Revolutionspublizistik von 1792 (u. a. zugeschrieben Nicolas Chamfort). Ein bildgeschichtlicher Fund aus der Bibliothèque nationale de France (BnF) stellt diese Datierung auf die Probe: Eine anonyme Druckgrafik zeigt die Parole bereits auf der Schärpe eines Vainqueur de la Bastille aus den Jahren 1789/1790.
Das neue Working Paper von Peter Brunner dokumentiert den Befund, differenziert quellenkritisch zwischen gesicherten Fakten und Forschungshypothesen und ordnet die Konsequenzen für die Büchner-Forschung neu ein (entstanden unter freundlicher Mitwirkung von Dr. Herbert Wender).
📄 Zum vollständigen Working Paper auf Academia.edu:
Die Luise Büchner-Gesellschaft vergibt den diesjährigen Luise-Büchner-Preis für Publizistik an die Schweizer Soziologin und Geschlechterforscherin Franziska Schutzbach . Mit ihren Büchern Die Erschöpfung der Frauen (2021) und zuletzt Revolution der Verbundenheit (2024) zählt sie zu den meistbeachteten feministischen Stimmen im deutschsprachigen Raum. Neben der weiblichen Perspektive richtet sie ihren Blick auch auf die männliche Seite: Schutzbach forscht zu Antifeminismus, Misogynie und den Kommunikationsstrategien rechtspopulistischer Bewegungen, etwa dazu, wie sich Männlichkeitsbilder radikalisieren und zum Einfallstor für rechtsnationales Denken werden.
Franziska Schutzbach, geboren 1978, promovierte an der Universität Basel und lehrt und forscht dort am Zentrum Gender Studies.
Der Preis ist mit vom Lions Club Louise Büchner bereitgestellten 3.000 Euro dotiert und erinnert seit 2012 an die Darmstädter Frauenrechtlerin und Publizistin Luise Büchner (1821–1877).
Die Preisverleihung findet am 29. November in Darmstadt statt.