Peter Brunners Buechnerblog

Kategorie: Veranstaltung (Seite 30 von 35)

Die Büchnerbühne und die Luise Büchner-Gesellschaft an Georg Büchners Todestag

Neben dem feierlichen Auftakt zu den Jubiläen in Hessen im Darmstädter Staatstheater mit der Vorstellung der Wanderausstellung zu Georg Büchners Leben gab es an Georgs Todestag weitere Veranstaltungen:

In Riedstadt-Leeheim hat Christian Suhrs Büchnerbühne bei einer öffentlichen Probe das neue Stück „Wenn es Rosen sind, werden sie blühen“ nach  Motiven von Kasimir Edschmid vorgestellt.

Das Stück hat die Chance, weit stärker als das sehr in seiner Entstehungszeit, den 68er Jahren des letzten Jahrhunderts, verhafteten „Büchners Tod“ von Gaston Salvatore (zur Zeit in einer szenischen Präsentation am Darmstädter Staatstheater, hier mein Bericht und links zu Presseberichten) als moderne Präsentation über Büchners letzte Lebensjahre vom Landboten bis zum Tod in Zürich angenommen zu werden. Auch hier ist eine der Kernfragen, ob Georg sich zu Lasten seiner Genossen „in Sicherheit gebracht” hat, aber die Antwort mir scheint differenzierter und daher bedenkenswerter als bei Salvatore. Nach der Premiere am Freitag wird man das genauer wissen.

Die gezeigten Szenen machen neugierig auf das ganze Stück. Weidig (Finn Hanssen)  im Gespräch mit dem Großherzog (Erich Schaffner, auch sehr gut in einer zweiten Rolle als Richter Georgi), Minna (Beate Krist) und Georg (Harald Preis) im Gespräch mit „Tante Jules“ (Mélanie Linzer) und Wilhelm Schulz (Oliver Kai Müller) mit seiner Frau Caroline (Ursula Stampfli) holen mit von Suhr sicher geführtem Spiel  das ganze Panorama von Georg Büchners gehetztem Leben auf die kleine Riedstädter Bühne.

                                            

Autor und Regisseur Christian Suhr                                                                     Weidig vor dem Großherzog

Georg Büchner und  Wilhelm Schulz

Nachmittags fand im Darmstädter Literaturhaus eine musikalisch-literarische Reminiszenz der Luise Büchner-Gesellschaft an Georgs Leben und Sterben statt.

Vor gut besuchtem Haus (bisher waren alle Büchner-Veranstaltungen, von denen wir hörten, überdurchschnittlich besucht; auch die Woyzeck-Vorstellungen im Darmstädter Staatstheater sind zu mehreren Terminen fast ausverkauft) erinnerte die Luise Büchner-Gesellschaft an Georgs Todestag. Die dem Verein eng verbundene Darmstädter Schauspielerin Sigrid Schütrumpf und der Kasseler Schauspieler Michael Kaiser trugen Caroline Schulz´ Erinnerungen an Georgs Todesstunde, den Brief der Mutter an Georg in Zürich und eine Auswahl von Briefen Georgs an die Familie vor. Eindrücklich auch die musikalischen Intermezzi von Cello und Klavier.

Am Violoncello: Raffi Geliboluoglu, am Klavier: Lynn Steiner

 

Sigrid Schütrumpf und Michael Kaiser

Luise Büchner-Gesellschaft zu Georg Büchners Todestag am 19. Februar

 

Luise Büchner-Gesellschaft e.V.

 

Der „Rigiblick“ oberhalb von Zürich, wohin Georg Büchner

nach der Friedhofsauflösung umgebettet wurde.

EINLADUNG ZUR LESUNG AM

175. T ODESTAG

von GEORG BÜCHNER (1813 – 1837)

Sonntag, 19. Februar um 16 Uhr

Literaturhaus (Kennedy-Haus), Darmstadt, Kasinostr. 3 

 

 „…ich schämte mich, ein Knecht mit Knechten zu sein, einem vermoderten Fürstengeschlecht und einem kriechenden Staatsdiener-Aristokratismus zu Gefallen“ – schrieb Georg Büchner an seine Familie im April 1834 aus Strassburg über die politischen Verhältnisse im Großherzogtum Hessen. Ähnlich unverblümt äußerte er sich auch in anderen Briefen an die Familie über die staatliche Gewalt, die nur mit Gegengewalt bekämpfen werden kann.

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Das Haus in der Züricher Spiegelgasse,

in dem Georg Büchner am 19. Februar 1837 starb

 

Michael Kaiser (Kassel) und Sigrid Schütrumpf (Darmstadt)

lesen aus den Familienbriefen der Büchners.

 

Musikalische Begleitung:

Raffi Geliboluoglu (Violoncello) und Lynn Steiner (Klavier)

 

Eintritt 6 Euro (für die Mitglieder der Luise Büchner-Gesellschaft frei)

Die Welt auf den Brettern …

Nachtrag 2 (6.2.)

Hier sind jetzt die ausführlichen Besprechungen zum Darmstädter Woyzeck im ECHO, in der FAZ und in der Giessener Allgemeinen.

NACHTRAG vom 4.2.:

Nach den beiden Premieren hat sich Johannes Breckner ausführlich und abschließend zur szenischen Lesung von Gaston Salvatores „Büchners Tod” (hier) und (zunächst?) knapp zum Woyzeck geäussert (hier).

Leider ist dem Verriss der szenischen Lesung nichts hinzuzufügen.  Mit dem Woyzeck allerdings bietet Darmstadt eine spannende, sehens- und hörenswerte Interpretation.

Wie so oft, wenn sich die Darstellung auf der Bühne von Text des Autors entfernt, stellt sich mir die zugegeben laienhafte Frage, ob das die Aufführung ist, die man einem Besucher wünscht, der noch nie einen Woyzeck auf der Bühne gesehen hat.

Interessant, dass Regisseur Malte Kreuztfeldt Simon Köslich als Woyzeck besonders die Gehetztheit betonen lässt, die auch Bernhard&Meyer als Grundthema seiner Denkmalinszenierung in den Vordergrund stellt. Das wurde bereits hier erwähnt.

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Das Darmstädter Staatstheater beginnt am 3. Februar mit der angekündigte Aufführung sämtlicher Stücke Georg Büchners, die alle von Malte Kreuztfeldt inszeniert werden sollen, mit dem Woyzeck in einer Fassung  nach Robert Wilson (der link führt zum englischsprachigen, besseren und ausführlicheren Eintrag) und Tom Waits. Ich konnte eine öffentliche Probe besuchen (im fast ausverkauften kleinen Haus!) und bin sehr gespannt auf die Darmstädter Umsetzung.

Titelblatt der Erstveröffentlichung  des Woyzeck durch K. E. Franzos (1879)

Die Oberhausener Inszenierung konnte ich beim Gastspiel in Ludwigshafen sehen, wo mich die Musik beeindruckte, aber für meinen Laiengeschmack ein bisschen wenig Büchner übrig geblieben war. Tom Waits Musik  gibt dem Ganzen auf den ersten Ton etwas Brecht´sches, und ich konnte bei den Gesangsstücken eine heftige Assoziation zur Dreigroschenoper nicht unterdrücken. Hoffentlich stellt man dem Darmstädter Publikum im Programmheft eine Übersetzung oder wenigstens den Abdruck der Songtexte zur Verfügung. Hier sind sie auf Tom Wait´s Homepage. Das schlichte Bühnenbild von Nikolaus Porz, das mich an ein Shakespeare-Theater erinnert, soll modifiziert in allen Inszenierungen eingesetzt werden.

Der Darmstädter Dramaturg Rainer Ortmann bietet für die Volkshochschule Darmstadt-Dieburg an, den Woyzeck-Besuch vor- und nachzubereiten.

Bereits einen Tag vor dem Woyzeck wird Gaston Salvatores „Büchners Tod”  als szenische Lesung aufgeführt werden – irgendwo habe ich von urheberrechtlichen Problemen, die eine Aufführung verhinderten, gelesen. Am 7. Oktober 1972 wurde das neue Gebäude der Darmstädter Theater mit der Uraufführung von Salvatores Stück eröffnet. Wikipedia berichtet:

„Neben dem Studium engagierte sich Salvatore politisch und entwarf zusammen mit Rudi Dutschke und anderen die Strukturen, die schließlich zur Studentenbewegung in der Bundesrepublik führten. 1969 wurden Salvatore und Dutschke aus diesem Grund wegen schweren Landfriedensbruchs angeklagt, wobei der Prozess gegen Dutschke aufgrund des Attentats ausgesetzt wurde. Man verurteilte lediglich Gaston Salvatore zu neun Monaten Gefängnis ohne Bewährung. Am Tag dieser Verurteilung flüchtete Gaston Salvatore nach Italien, später nach London und nach Chile. Bei der Schlüsselübergabe zur Eröffnung des Hessischen Staatstheaters in Darmstadt am 7. Oktober 1972 wurde Gaston Salvatore in den neuen Räumen der Dramaturgie verhaftet, weil die Amnestie, die der damalige Bundeskanzler Willy Brandt für die verurteilten Mitglieder der Studentenbewegung erlassen hatte, nur für deutsche Staatsbürger galt. Salvatore schlug den Polizisten vor, den Bundespräsidenten Gustav Heinemann, der den Feierlichkeiten beiwohnte, persönlich zu diesem Zwischenfall zu befragen. Daraufhin erhielt Salvatore umgehend eine unbefristete Arbeitserlaubnis in Deutschland.”

Flammentod im Grafenhaus?

 

Am 14. Juni 1847 wurde in Darmstadt die Gräfin von Görlitz unter höchst mysteriösen Umständen tot aufgefunden. Ohne ausführliche Untersuchung, auch ohne Obduktion, wurde die Leiche bestattet, ein Unfall unterstellt. Vom 11. März bis zum 11. April 1850, also fast drei Jahre später, kam es zu einem aufsehenderregenden Indizienprozeß. Nach über 150 Jahren hat sich die promovierte Archäologin, Wissenschaftsjournalistin, Wissenschaftliche Dokumentarin und Autobiografikerin Aide Rehbaum der Geschichte angenommen und in einem kleinen Band dokumentiert.

Mit dem Darmstädter Giftmordprozeß kam es zu einem der ersten Indizienprozesse überhaupt, nachdem die 1848er-Revolution die mittelalterlichen Inquisitionsprozesse endlich beseitigt hatten. Eine Vielzahl von prominenten Darmstädtern wie Merck, Liebig, Kekulé und Harres traten dabei auf, und die Weltpresse berichtete.

Hier habe ich das Buch besprochen.

Der Pfungstädter Heimatverein hat Frau Rehbaum eingeladen, ihr Buch und die spannende Geschichte des Prozesses vorzustellen.
Wir freuen uns sehr, wenn Sie am 20.1. um 19 Uhr in die Villa Büchner kommen (und/oder diese Einladung verbreiten), der Eintritt ist frei!

Was ist aus unserer Revolution geworden?

Gerne zitiere ich den Einladungstext des Frankfurter Theaters

zur Uraufführung der Bearbeitung von „Landbote” und „Danton” am 21. Januar

 

 

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Friede den Hütten! Krieg den Palästen!

Ein Projekt nach Der Hessische Landbote und Dantons Tod von Georg Büchner

Uraufführung

 

Regie: Alexander Brill

 

Premiere: 21. Januar 2012, 19.30 Uhr

 

Titania, Basaltstr. 23, 60487 Frankfurt

„Friede den Hütten! Krieg den Palästenist die konsequente Fortsetzung unserer Beschäftigung mit dem Autor Georg Büchner. „Woyzeck und Marie“ zeigte die entmenschlichten Verhältnisse, in denen Woyzeck und Marie zum Überleben verdammt sind. Aber hat Büchners politisches Pamphletsein Aufruf zur Revolution – überhaupt noch Relevanz für Deutschland im Jahr 2012?

Unsere Darsteller aus Bulgarien, Iran, Libanon, Marokko, Türkei, Kurdistan entdecken in dem deutschen Text aus dem Jahre 1834 allerdings viele Parallelen zu den Verhältnissen in ihren Herkunftsländern. Könnte Büchners Aufruf: Erhebet euch! dort Abhilfe schaffen? In Tunesien, Ägypten, Libyen haben sich die Menschen erhoben. Aber was geschah nach dem Sieg der Aufständischen? Sind sie heute Willens, die gesellschaftlichen Verhältnisse tatsächlich zu ändern? Oder entbrennt nicht  in dem Machtvakuum der Kampf um Führungspositionen, um Macht und Einfluss? Und hat das nicht die Ausschaltung der ehemaligen revolutionären Weggefährten zur Folge? Dieser Frage geht die Inszenierung anhand der machtpolitischen Auseinandersetzung zwischen Danton und Robespierre in Büchners Drama: „Dantons Tod“ nach. Was ist aus unserer Revolution geworden? Was bleibt, sind Fragen!

Ensemble:
Alexander Brill, Hadi ElHarake, Evgeniya Genadieva, Cemil Günyasar, Stefan Illert, Adil Khadri, Mustafa Kutluay, Tanja Ronaghi

Team:
Regie: Alexander Brill
Bühne/Kostüm: Jana LünsmannMesserschmidt, Verena Polkowski
Dramaturgie: Jan Deck

 

Termine von Friede den Hütten! Krieg den Palästen!:

JANUAR: 21.1., 27.1.

FEBRUAR: 1.2., 15.2.

MÄRZ: 1.3., 14.3., 22.3.

Beginn: jeweils um 19.30 Uhr

 

Doppelvorstellungen:

Woyzeck und Marie + Friede den Hütten! Krieg den Palästen!

4.2., Beginn um 19.00 Uhr

11.3., Beginn um 17.00 Uhr

 

im Titania, Basaltstr.: 23, 60487 Frankfurt

 

Karten unter:

069/ 71 91 30 21

 

oder

 

info@theaterperipherie.de

 

oder

 

an der Theaterkasse Mo-Fr (außer Mi.): 10-14 Uhr

 

und vor den Vorstellungen

 

Preise:

 

16 € normal, 8 € ermäßigt, 7 € Gruppen ab 10 Personen, 1 € Kulturpass

Doppelvorstellungen am 4.2. um 19 Uhr und am 11.3. um 17 Uhr:
23 €
normal, 10 € ermäßigt, 8 € Gruppen ab 10 Personen, 1 € Kulturpass

weitere Informationen auch unter: www.theaterperipherie.de

 

 

 

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