Peter Brunners Buechnerblog

Kategorie: Büchner (Seite 30 von 45)

Ausgehalten – 176 Jahre sind kein Grund für ein Genug

Heute vor 176 Jahren starb Georg Büchner, noch nicht 24 Jahre alt,  in Zürich in den Armen seiner Geliebten Minna Jaeglè.

2012 und 2013 wurden als Büchner-Biennale zur Erinnerung an die„runden” Jahrestage seines Todes und seiner Geburt begangen. Das Ende der Darmstädter Ausstellung markiert das Ende des institutionalisierten und gelegentlich auch ziemlich ritualisierten Gedenkens.

„Büchner hält das aus” sagte der Feuilleton-Chef des Darmstädter Echos, Johannes Breckner, zu Beginn der Feierlichkeiten.

 

Hoffen wir das Beste.

 

 

Grabstein_GeorgBuechner_PfungstadtGoddelau

 Der Sockel von Büchners Grabstein auf dem Friedhof Krautgarten in Zürich 

 

 

Am 4. Juli 1875 wurden die sterblichen Überreste Georg Büchners umgebettet, weil der „Krautgarten-Friedhof” aufgelassen wurde. Heute liegt Georg Büchner am „Rigiblick” oberhalb Zürichs. Nach der Feier nahm Georgs Bruder Wilhelm den alten Grabstein mit nach Pfungstadt und stellte ihn im Park seiner Villa auf. Sein Enkel Anton schreibt in seinen unveröffentlichten Memoiren:

„ … Am Fuß eines anderen (Baumes – pb) lehnte ein hoher, von Efeu umwundener, halbverwitterter Stein. Er trug eine Inschrift, aber sie war fast unleserlich geworden. (Heute ist er ganz verschwunden). Es war der erste Grabstein des Dichters Georg Büchner (1813 – 1837), den sein Bruder Wilhelm, eben mein Großvater, in seinen Garten holte und dort aufstellte, als 1875 deutsche Studenten dem in Zürich verstorbenen Dichter und Forscher auf der „Germaniahöhe” ein Ehrengrab richteten. … ”

 

An anderer Stelle ergänzt er zu dem Stein „ .. bis er schließlich ganz verging”. Der Pfungstädter Lokalhistoriker Valentin Liebig entdeckte den übriggebliebenen Sockel auf dem Gelände des ehemaligen Parks und sicherte ihn für das Pfungstädter Heimatmuseum, das ihn als Leihgabe an das Goddelauer Büchner-Haus gegeben hat.

 

von Peter Brunner

 

 

Ein Gespenst ruft als Landbote zu Revolte: Empört Euch

In den letzten Monaten sind mit unterschiedlich großem Echo mehrere Flugschriften veröffentlicht worden, die je nach Standpunkt der Beobachter als Fanal, Aufschrei, Hilfestellung, Erläuterung, manchmal aber auch als Zeichen der Hilflosigkeit angesichts gesellschaftlicher Umbrüche interpretiert werden.

Nach Stephane Hessels „Empört Euch!“ (hier in Auszügen bei der FAZ) erschien Konstantin Weckers „Aufruf zur Revolte“ (hier als pdf) und ein Titel, der für dieses Weblog besondere Bedeutung hat:

 

Der Hessische Landbote 2013

Ich bin gebeten worden, die Vorstellung dieses Textes durch drei der sieben Autoren (6 Männer, eine Frau) zu moderieren.

Titel_Landbote_2013

 

(ISBN 978-3-944137-64-3, 
Peter-Grohmann-Verlag, Stuttgart)

 

Neben der Gesprächsführung werde ich auch auf die Frage eingehen, ob und wie die gesellschaftlichen Verhältnisse der 1830er Jahre mit unseren heutigen vergleichbar sind und ob und wie sich der Rückgriff auf das große Vorbild rechtfertigt.

 

Lesung und Diskussion am 13. Februar 2014
im Stadtmuseum Groß-Gerau

Am Marktplatz 3, 64521 Groß-Gerau, 19:30 Uhr, Eintritt frei

 

 

Den 200. Geburtstag von Georg Büchner am 17. Oktober 2013 hat eine Autorengruppe mit Gewerkschaftern aus dem Kreis Groß-Gerau zum Anlass genommen, eine Broschüre unter dem Titel „Der Hessische Landbote 2013“ zu veröffentlichen: als „Ermutigung zum Denken und Handeln“. Die Autoren beschreiben darin ihre Sicht auf aktuelle gesellschaftliche und soziale Missstände und deren Ursachen. Die Schrift macht auf kritikwürdige Zustände und Verhältnisse aufmerksam und ist damit, wie es im Untertitel heißt, „ein Aufruf, der anstiften will zur Auflehnung“. In acht Kapiteln behandelt die Autorengruppe unter anderem Themen wie Armut und Reichtum, Arbeit, Bildung, Migration, Krankheit und Gesundheit. Der Initiatiator des Projekts, Edgar Weick, und die Mitverfasser Bernd Heyl und Martin van de Rakt werden in der Lesung am 13. Februar, die Veranstaltung ist in das Stadtmuseum verlegt worden, Passagen lesen, erläutern und zur Diskussion stellen. Moderation: Peter Brunner, Betreiber des Blogs „Neues aus Büchnerland“.

Kooperationspartner der KVHS sind: DGB Ortsverband Groß-Gerau im Rahmen der AG „Arbeit und Leben“ (DGB/VHS) Südhessen.
Der Eintritt ist frei.

von Peter Brunner

Friede den Hütten … * :-)

Zu den besonderen Präsentationen der „Büchner-Biennale“ gehörte ganz bestimmt die große Ausstellung „Da geht Büchner” der Darmstädter Galerie Netuschil. Hier findet sich mein Bericht von der Finissage.

11315_FinissageNetuschilBuechner_PBrunner_012

 

Bruno Feger mit Claus Netuschil vor seiner Büchner-Skulptur 

Das Werk ist ein „Lichtwort aus Stahl”, wie Bruno Feger seine Serie von metallenen Worten nennt. Einige davon zeigt er hier auf seiner Website. Das großformatige Werk, dessen Aufhängung von der Galerie eher handgreifliche Fertigkeiten erforderte, bildete einen starken Blickpunkt der Ausstellung, und viele Besucherinnen wünschten, dass es dauerhaft in Darmstadt bleiben könne.

Dem hat sich jetzt die Darmstädter Bundestagsabgeordnete und Staatssekretärin Brigitte Zypries angenommen. Mit einem ausführlichen Schreiben, das ich hier mit ihrer freundlichen Erlaubnis zeigen darf, bittet sie um Unterstützung für den Ankauf, damit das meistzitierte Büchner-Wort an der Darmstädter Georg-Büchner-Schule angebracht werden kann. (Ich habe mich übrigens über die persönliche Anrede und das verschmitzte Sternchen bei „wie Sie vielleicht wissen…“ sehr gefreut!)

 

Zypries_Stahlwort_01          Zypries_Stahlwort_02

Es geht um Georg Büchner – wir müssen also gewärtigen, dass der Text weder von ihm „erfunden” wurde (er zitiert mit dieser großartigen Überschrift des Hessischen Landboten eine französische Parole) noch etwa seine Handschrift abbildet – es gibt keine handschriftliche Überlieferung des Hessischen Landboten, und eine Büchner-Handschrift zu reproduzieren würde ohnehin wohl sogar Bruno Feger überfordern – ganz zu schweigen von der Schwierigkeit, sie zu entziffern.

Die Geschichte der Stadt Darmstadt und ihrer Klimmzüge, zu einem anständigen Georg-Büchner-Denkmal zu kommen, ist übrigens Legende – und niemand kennt sie so gut und kann sie so ausführlich schildern wie Claus Netuschil! Ich persönlich konnte mich mit der nachträglichen Benennung von Arnaldo Pomodoros „Grande Disco“ auf dem Büchner-Platz vor dem Darmstädter Theater jedenfalls nie anfreunden. Mit Fegers Stahlwort käme eine Büchnerzitat – ganz wörtlich in ehernen Lettern – in seine Heimatstadt!

Ich möchte das sehr gerne unterstützen und beginne damit, hier dafür zu werben – spenden Sie großzügig:

 

Förderverein der Georg-Büchner-Schule Darmstadt, betreff „Büchner-Plastik”, Konto 9696601, BLZ 508 900 00 

… und reden Sie sich nicht damit heraus, dass Ihre Bank auf der neuen IBAN besteht:

IBAN DE60 5089 0000 0009 6966 01

 

Herrenclub Moderne – Warum die Kunstgeschichte umgeschrieben werden muss

Auf die schöne, von der Luise Büchner-Gesellschaft mitveranstaltete

Ausstellung „Der weibliche Blick“

habe ich hier ja mehrfach hingewiesen.

130623_Vernissage_WeiblBlick_PBrunner_023

 

Hier findet sich ein Flyer mit ausführlichen Hinweisen. 

Kurz vor dem Ende ist es gelungen, die letztjährige Trägerin des Luise Büchner-Preises für Publizistik,

Frau Dr. Julia Voss 

zu einem Vortrag dorthin einzuladen. Unter dem Titel

Herrenclub Moderne – Warum die Kunstgeschichte umgeschrieben werden muss

 

wird Sie erläutern, was aus den vielen malenden, zeichnenden und bildhauernden Frauen der Moderne geworden ist. Warum spielen sie bis heute in der Kunstgeschichte und im Kunstbetrieb eine so geringe Rolle?

Der Vortrag beginnt mit den Veränderungen im 19. Jahrhundert, die einer Vielzahl von Frauen den Zugang zur Kunst ermöglichten, und verhandelt dann die Ereignisse des 20. Jahrhundert, die dazu führten, dass Künstlerinnen wieder aus der Kunstgeschichte gestrichen wurden.

 

 Donnerstag, 6. Februar, 19:30 Uhr

Kunstarchiv im Literaturhaus Darmstadt, 1. Stock, Kasinostr. 3

Eintritt 6 €, für Mitglieder der veranstaltenden Vereine frei

von wegen Odenwaldhölle …

edit: Mitschnitt einer Zugabe mit Georg Büchners Bemerkungen über „sein“ Darmstadt, als illustrierender Beitrag zur Haltung Jugendlicher zur Stätte ihres Erwachsenwerdens.

edit: so war’s am Samstag in Klein-Umstadt:

140125_BandeUmstadt

 

Die ganze Bande auf der Bühne.
Beim Anklicken wechseln die handelnden Personen – wie im richtigen Leben! 

Über den witzigen Beitrag von Antonia Baum in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über ihre Erfahrungen als Heranwachsende im Odenwald ist in den letzten Wochen ja viel geschrieben und geredet worden. Zuletzt hat das Darmstädter Echo berichtet, dass der clevere Erbacher Unternehmer Koziol das wahrscheinlich einzig Richtige mit dieser Heimatbeschimpfung gemacht hat: er hat sie aufgegriffen und ihr öffentlich Referenz erwiesen: „Ich liebe die Odenwaldhölle“ könnte ein selbstironischer Slogan werden, der näher an den täglichen Erfahrungen der Einwohner ist als all der bemühte Tourismusslang mit Schäfchen und grünen Wiesen.

 

Am Rand der „Hölle“ trägt jedenfalls am Samstag, dem 25.1., um 20 Uhr im Alten Rathaus Klein-Umstadt, die fabelhafte Büchner-Bande schon mal zur kulturellen Vielfalt bei. 

 

Plakat_Buechnerbande

« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »