Peter Brunners Buechnerblog

Kategorie: Büchner (Seite 30 von 45)

Friede den Hütten … * :-)

Zu den besonderen Präsentationen der „Büchner-Biennale“ gehörte ganz bestimmt die große Ausstellung „Da geht Büchner” der Darmstädter Galerie Netuschil. Hier findet sich mein Bericht von der Finissage.

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Bruno Feger mit Claus Netuschil vor seiner Büchner-Skulptur 

Das Werk ist ein „Lichtwort aus Stahl”, wie Bruno Feger seine Serie von metallenen Worten nennt. Einige davon zeigt er hier auf seiner Website. Das großformatige Werk, dessen Aufhängung von der Galerie eher handgreifliche Fertigkeiten erforderte, bildete einen starken Blickpunkt der Ausstellung, und viele Besucherinnen wünschten, dass es dauerhaft in Darmstadt bleiben könne.

Dem hat sich jetzt die Darmstädter Bundestagsabgeordnete und Staatssekretärin Brigitte Zypries angenommen. Mit einem ausführlichen Schreiben, das ich hier mit ihrer freundlichen Erlaubnis zeigen darf, bittet sie um Unterstützung für den Ankauf, damit das meistzitierte Büchner-Wort an der Darmstädter Georg-Büchner-Schule angebracht werden kann. (Ich habe mich übrigens über die persönliche Anrede und das verschmitzte Sternchen bei „wie Sie vielleicht wissen…“ sehr gefreut!)

 

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Es geht um Georg Büchner – wir müssen also gewärtigen, dass der Text weder von ihm „erfunden” wurde (er zitiert mit dieser großartigen Überschrift des Hessischen Landboten eine französische Parole) noch etwa seine Handschrift abbildet – es gibt keine handschriftliche Überlieferung des Hessischen Landboten, und eine Büchner-Handschrift zu reproduzieren würde ohnehin wohl sogar Bruno Feger überfordern – ganz zu schweigen von der Schwierigkeit, sie zu entziffern.

Die Geschichte der Stadt Darmstadt und ihrer Klimmzüge, zu einem anständigen Georg-Büchner-Denkmal zu kommen, ist übrigens Legende – und niemand kennt sie so gut und kann sie so ausführlich schildern wie Claus Netuschil! Ich persönlich konnte mich mit der nachträglichen Benennung von Arnaldo Pomodoros „Grande Disco“ auf dem Büchner-Platz vor dem Darmstädter Theater jedenfalls nie anfreunden. Mit Fegers Stahlwort käme eine Büchnerzitat – ganz wörtlich in ehernen Lettern – in seine Heimatstadt!

Ich möchte das sehr gerne unterstützen und beginne damit, hier dafür zu werben – spenden Sie großzügig:

 

Förderverein der Georg-Büchner-Schule Darmstadt, betreff „Büchner-Plastik”, Konto 9696601, BLZ 508 900 00 

… und reden Sie sich nicht damit heraus, dass Ihre Bank auf der neuen IBAN besteht:

IBAN DE60 5089 0000 0009 6966 01

 

Herrenclub Moderne – Warum die Kunstgeschichte umgeschrieben werden muss

Auf die schöne, von der Luise Büchner-Gesellschaft mitveranstaltete

Ausstellung „Der weibliche Blick“

habe ich hier ja mehrfach hingewiesen.

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Hier findet sich ein Flyer mit ausführlichen Hinweisen. 

Kurz vor dem Ende ist es gelungen, die letztjährige Trägerin des Luise Büchner-Preises für Publizistik,

Frau Dr. Julia Voss 

zu einem Vortrag dorthin einzuladen. Unter dem Titel

Herrenclub Moderne – Warum die Kunstgeschichte umgeschrieben werden muss

 

wird Sie erläutern, was aus den vielen malenden, zeichnenden und bildhauernden Frauen der Moderne geworden ist. Warum spielen sie bis heute in der Kunstgeschichte und im Kunstbetrieb eine so geringe Rolle?

Der Vortrag beginnt mit den Veränderungen im 19. Jahrhundert, die einer Vielzahl von Frauen den Zugang zur Kunst ermöglichten, und verhandelt dann die Ereignisse des 20. Jahrhundert, die dazu führten, dass Künstlerinnen wieder aus der Kunstgeschichte gestrichen wurden.

 

 Donnerstag, 6. Februar, 19:30 Uhr

Kunstarchiv im Literaturhaus Darmstadt, 1. Stock, Kasinostr. 3

Eintritt 6 €, für Mitglieder der veranstaltenden Vereine frei

von wegen Odenwaldhölle …

edit: Mitschnitt einer Zugabe mit Georg Büchners Bemerkungen über „sein“ Darmstadt, als illustrierender Beitrag zur Haltung Jugendlicher zur Stätte ihres Erwachsenwerdens.

edit: so war’s am Samstag in Klein-Umstadt:

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Die ganze Bande auf der Bühne.
Beim Anklicken wechseln die handelnden Personen – wie im richtigen Leben! 

Über den witzigen Beitrag von Antonia Baum in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über ihre Erfahrungen als Heranwachsende im Odenwald ist in den letzten Wochen ja viel geschrieben und geredet worden. Zuletzt hat das Darmstädter Echo berichtet, dass der clevere Erbacher Unternehmer Koziol das wahrscheinlich einzig Richtige mit dieser Heimatbeschimpfung gemacht hat: er hat sie aufgegriffen und ihr öffentlich Referenz erwiesen: „Ich liebe die Odenwaldhölle“ könnte ein selbstironischer Slogan werden, der näher an den täglichen Erfahrungen der Einwohner ist als all der bemühte Tourismusslang mit Schäfchen und grünen Wiesen.

 

Am Rand der „Hölle“ trägt jedenfalls am Samstag, dem 25.1., um 20 Uhr im Alten Rathaus Klein-Umstadt, die fabelhafte Büchner-Bande schon mal zur kulturellen Vielfalt bei. 

 

Plakat_Buechnerbande

Ein Anatom des tierischen Gehirns, und gleichzeitig ein Anatom des menschlichen Geistes

„Er hat sich gewundert, dass die Leute bereit sind, ihr Elend zu tragen, und wollte die Bevölkerung mit seinem Hessischen Landboten aufrütteln … Er wollte, wie er selber gesagt hat, die Leute beim Geldsack packen. … (Der Landbote) ist im Grunde sein erster literarischer Versuch“ (Hauschild) 

Nach der Wiederholung gestern Abend auf ZDF-Kultur steht die umfangreiche und höchst informative  Dokumentation

 

Büchner-Protokoll

 

u.a. mit Reinhard Pabst und Jan-Christoph Hauschild, Buch und Regie Dag Freyer,  hier in der „Mediathek“ zum Ansehen zur Verfügung – nicht verpassen!

Freyer führt zu zahlreichen Orten Georg Büchners, darunter zum Reuss’schen Landhaus bei Straßburg, auf das Pabst aufmerksam machte. Er wirft einen Blick in Malte Kreutzfeldts Darmstädter Inszenierungen, geht einen Weg durch Waldersbach mit Caroline Fellrath vom Oberlinmuseum  und bietet gegen Ende eine höchst informative Schilderung der Untersuchungen Büchners am Hirn der Barbe von Professor Werner Kloas vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie („ … ist eigentlich nach wie vor aktuell,  … ”); dabei werden wir Augenzeuge der Untersuchung!

Sezierung_Barbe

Es folgt  eine Würdigung Büchners wissenschaftlicher Arbeit durch den Züricher Wissenschaftshistoriker Michael Hagner („der wohl beste Kenner seines wissenschaftlichen Werkes …“ – hier habe ich über seine Beteiligung am Gespräch im Senckenberg-Museum am 28. 9. 2012 berichtet): „Würden Sie sagen, dass die literarische Modernität Büchners … zum Teil auch seiner wissenschaftlichen Arbeit geschuldet ist?“ „ Das is‘ ’ne große These, aber ich glaube, die kann man vertreten … (weil er) ein Anatom des tierischen Gehirns war, und gleichzeitig aber auch ein Anatom des menschlichen Geistes

 

Heiliger Büchmann, steh‘ unsrer Regierung bei!

„Kräfte lassen sich nicht mitteilen, sondern nur wecken“

 

Mit dieser etwas kryptischen Bemerkung hat der hessische Ministerpräsident sein staunendes Volk in das neue Jahr entlassen – das muss klug und wichtig sein, denn es sei von Georg Büchner.

Isses aber nich! 

Mal wieder ist wer dem Blick des 19. Jahrhunderts erlegen: da gab es einen anderen berühmten Büchner, und der hat gerne immer mal kryptische Bemerkungen ohne große Aussage gemacht.  Der Satz steht in Ludwig Büchners „Kraft und Stoff“! 

Ludwig_oval

 

 

LudwigBuechner_KraftUndStoff_Ausschnitt_MulderKraefte

 

L. Büchner: Kraft und Stoff. 4. Aufl., 1856. Frankfurt. Meidinger.
In der zu Recht häufig zitierten (21.) Ausgabe von 1904 findet sich das Zitat nicht mehr. 

 

Zur Entschuldigung der Redenschreiber kann ich mitteilen, dass ich den Satz bei oberflächlicher Suche im Netz in der Tat etwa zu 30 % Georg Büchner zugeschrieben fand – unter anderem beim Darmstädter Echo. Außerdem ist es – aber auch das ist ja sehr büchnerisch – „nur“ ein Zitat des niederländischen Biochemikers Gerardus Johannes Mulder.

Schön, dass sich dieser Hinweis darauf, dass auch die „anderen Büchers“ einen zweiten Blick, Recherche und Aufmerksamkeit verdienen, ausgerechnet in der Neujahrsansprache  findet – noch schöner wäre es, wenn das als Ansporn dazu verstanden würde.

 edit: Inzwischen hat mich der fleißige „Literaturdetektiv“ Reinhard Pabst darauf aufmerksam gemacht, dass sich das Zitat bereits in einer Veröffentlichung von 1853 findet, nämlich in einer ausführlichen Abhandlung Julius Frauenstädt s in den „Blätter für literarische Unterhaltung” vom Januar 1853 (S. 30) unter „Naturwissenschaftliches. Streit der chemisch-physikalischen und der teleologischen Schule“. Seine Ansicht, Ludwig Büchner habe Mulder nicht gelesen, sondern nur diesen Artikel, teile ich (noch) nicht.

 

 

 

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