Peter Brunners Buechnerblog

Kategorie: Geschichte (Seite 16 von 30)

Einladung zum Geburtstagsspaziergang am 12. Oktober 2014

Zu Georg Büchners diesjährigem 201. Geburtstag am 17. Oktober haben wir bereits zur Uraufführung des Aretino in Riedstadt auf der Büchnerbühne  eingeladen.

Bereits zum Sonntag vorher, dem 12. Oktober, lädt die Luise Büchner-Gesellschaft zu einem Stadtspaziergang auf den Spuren der Büchners und anschließend zu einem literarisch-musikalischen Treffen nach Darmstadt ein. Der Keller des „Pädagog” gehört zu den baulichen Überbleibseln aus Georg Büchners Darmstädter Zeit.

Die Büchnerbande – ohne Thomas Heldmann – im April 2013 vor der Erinnerungsplakette an Georg Büchners Schulzeit am Pädagog

 

 

Kinder- und Jugendzeit der Büchners in Darmstadt

Ein Spaziergang auf Schulwegen anlässlich Georg Büchners 201. Geburtstag
Sonntag, 12. Oktober 2014, 16 Uhr
Ecke Grafenstraße/Elisabethenstrasse, Darmstadt

Mit Agnes Schmidt und Peter Brunner. Mitwirkende: Sigrid Schütrumpf (Lesung), Hans-Willi Ohl und Edgar Illert (Musik)

Ende im Theaterkeller des Alten Pädagog, Pädagogstraße, gegen 19 Uhr

Teilnahmegebühr für beide Veranstaltungen 10 Euro, für Mitglieder 5 Euro

 

In Darmstadt ist nach den Zerstörungen von 1944 wenig Authentisches aus der Zeit der Büchners übrig geblieben – aber immerhin genug, um eine Vorstellung vom Tagesablauf, den Lebensumständen der Familie und ihrem gesellschaftliches Umfeld zu gewinnen. Kurz vor Georg Büchners 201. Geburtstag lädt die Luise Büchner-Gesellschaft auf die Büchner-Spuren in Darmstadt ein: es scheint, als hätte Caroline Büchner geb. Reuß jedes ihrer Kinder in einer anderen Wohnung auf die Welt gebracht – von 1813 bis 1827 ist die Familie sieben Mal umgezogen! Diesmal wollen wir uns bei einem kleinen Spaziergang besonders über die Schulen und die Schulwege unterhalten. Georg und die Brüder besuchten das einzige Darmstädter Gymnasium, das Pädagog, aber hatten sie auch eine „Grundschule“?

Die Büchnerbandee - ohneThomasHeldmann - im April 2013 vor dem Pädagog

Die Büchnerbande – ohne Thomas Heldmann – im April 2013 vor dem Pädagog

Und wo wurden die beiden Mädchen beschult? Und welche Schulen besuchten die „einfachen Leute“ in Darmstadt zu dieser Zeit?

Am wieder aufgebauten Alten Pädagog, wo Georg Büchner und seine Brüder zur Schule gingen, angekommen, hören Sie im Theaterkeller Musik von Hans-Willi Ohl und Originaltexte der Büchners über ihr Darmstadt.

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Peter Brunner

 

von Peter Brunner

Frank Wedekind – Enfant terrible auf Büchners Spuren?

Die Luise Büchner-Gesellschaft veranstaltet im diesem Herbst zwei Abende zu Frank Wedekind

zu denen hier herzlich eingeladen wird:

 

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Am Dienstag, dem 30. September um 19 Uhr, im Literaturhaus (Kennedy-Haus), Kasinostr. 3

Lulu und die anderen – Frank Wedekinds Frauen und die Bohème

mit Cornelia Bernoulli und Bruno Hetzendorfer (München)

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts provozierte Frank Wedekind den Literatur- und Bühnenbetrieb mit seinem neuen Stil. Seine drastischen und freizügigen Texte wurden oft von der Zensur verboten. Die szenisch-musikalische Lesung anlässlich des 150. Geburtstags von Frank Wedekind schlägt einen rasanten Bogen mit Szenenausschnitten, Liedern, Tagebuchnotizen und Briefen des Autors, Kabarettisten und Schauspielers. Dem gegenüber stehen Zeugnisse und Zitate verschiedener Zeitgenossen; insbesondere von Frauen aus seinem Leben.

Gemeinsame Veranstaltung mit der Wedekind-Gesellschaft und der Leitung des Literaturhauses.

Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 4 Euro

und

am Freitag , dem 7. November um 19.30 Uhr, Literaturhaus (Kennedyhaus), Kasinostr. 3

Frank Wedekind und Georg Büchner

Vortrag von Dr. Ariane Martin (Universität Mainz)

Wie kommt es, dass wie selbstverständlich gesagt wird, Wedekind stehe in der Nachfolge Büchners? Der Vortrag sichtet die wenigen Rezeptionszeugnisse, die von Wedekind selbst stammen, sowie die Zuschreibungen einer angeblich ausgeprägten Büchner-Rezeption aus seinem unmittelbaren Umfeld, auf die das verbreitete Bild von Büchner als Vorläufer Wedekinds zurückzuführen sein dürfte.

Gemeinsame Veranstaltung mit der Wedekind-Gesellschaft

Eintritt frei

Die Abfolge der beiden Veranstaltungen bietet auch derjenigen, die mit Wedekinds Leben und Werk weniger vertraut ist, die gute Gelegenheit, den Vortrag am 30. 9. als Einführung zu verstehen und dann am 7. 11. Frau Professor Dr. Ariane Martin, die gerade einen wichtigen Band zur frühen Rezeptionsgeschichte Georg Büchners* vorgelegt hat, zu hören.

* Ariane Martin (Hg.): Georg Büchner 1835 bis 1845. Dokumente zur frühen Wirkungsgeschichte. Vormärz-Studien Band XXXIV. 2014, Bielefeld, Aisthesis, ISBN 978-3-8498-1027-6, 386 Seiten, geb. EUR 39,80

 

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von Peter Brunner

Das Museum der Büchners ist wieder da!

Das Hessische Landesmuseum in Darmstadt hat gestern nach jahrelanger Umbauzeit endlich wieder geöffnet.

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Und der wunderbare Bau mit seiner aussergewöhnlichen Präsentation als Universalmuseum bestätigt in jedem Raum, in jedem Ausstellungsstück die Nähe zum Kanon der Geschwister Büchner: die Welt verstehen, indem sie angeschaut wird.

Die Ursprünge des Museums, die großherzogliche Sammlung in Darmstadt, die seit 1820 öffentliches Museum war, hat Georg Büchner 1833 zusammen mit seinem französischen Freund Georges Muston besucht. Auf der seiner website hat das Museum die eigene Frühgeschichte so zusammengefasst:

 

Ende des 18. Jahrhunderts vererbte Landgräfin Karoline ihrem Sohn Ludwig X. (1753–1830, ab 1806 Großherzog Ludewig I.) ihre Sammlung von Naturalien und physikalischen Instrumenten, die den Grundstock für die naturwissenschaftlichen Sammlungen des heutigen HLMD bildete. Während seiner Regierungszeit (1790–1830) fügte Ludewig I. wichtige Bestände hinzu: Glasgemälde, altdeutsche Altäre, niederländische Gemälde des 17. Jahrhunderts, Kupferstiche und naturgeschichtliche Objekte wie den Nachlass Johann Heinrich Mercks, der viele Säugetierfossilien beinhaltet. 1802 erwarb Ludewig I. das gesamte druckgraphische Werk Albrecht Dürers und Rembrandts. 1805 vererbte ihm der Kölner Sammler Baron von Hüpsch seine hochbedeutende Kunst- und Naturaliensammlung, darunter Elfenbeinarbeiten und Gemälde des Mittelalters sowie wertvolle Mineralien und Fossilien. 52 Gemälde des 17. und 18. Jahrhunderts wurden im Jahr 1808 von dem Baseler Kaufmann Nikolaus Reber angekauft, etwas später kam die 81 Gemälde umfassende Sammlung des Grafen Truchseß von Waldburg hinzu sowie 1450 Handzeichnungen aller bedeutenden europäischen Schulen aus der Sammlung E. F. J. von Dalberg.

Im Jahr 1820 übergab Ludewig I. seine Kunst- und Naturaliensammlung in Form einer Stiftung in das Eigentum des Staates. Damit machte er die Sammlung, die seit dem 17. Jahrhundert von den Landgrafen Hessen-Darmstadts kontinuierlich aufgebaut worden war, der Öffentlichkeit zugänglich. … 1817 wurde die Sammlung vom alten Residenzschloss in das neue Schloss verlegt. …

 

Und noch heute sind sie da – der „Christus in Emmaus“ von Carl von Savoy, der Dinotherium-Kinnbacken und auch die protzigen Kirchenschätze.

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C. v. Savoy, Christis in Emmaus (Ausschnitt)

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Die Sammlung von Kirchenschätzen

 

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Die Funde aus den rheinhessischen „Dinotheriumssanden“

 

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Die Sammlung historischer Korkmodelle antiker Stätten

 

Susanne Lehmann hat in „Georg Büchners Schulzeit. Ausgewählte Schülerschriften und ihre Quellen”, ausführlich aufgezählt, dass Georg Büchner sicher bereits als Schüler in den Sammlungen war und wie viele der Stücke bis heute dort gezeigt werden.

 

Die wunderschön gestaltete naturkundliche Sammlung ist eine Darstellung der Evolution, wie sie sich Ludwig Büchner in kühnsten Träumen nicht erhofft hätte,

 

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Skelettparade

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Heckels „Stammbaum des Menschen“

 

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Ein kleiner Teil der Funde aus dem Messeler Urschiefer

 

Luise Büchner wäre über den Anschauuungsunterricht der bildenden Kunst von Rembrandt bis Beuys begeistert gewesen

 

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Andy Warhol: Joseph Beuys

 

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Kleiner Einblick in die Mittelalter-Sammlung

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Die Holländer

und Alexander kann ich mir sehr gut in van de Veldes Büro vorstellen:

 

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 H. van de Velde: Büro für die Chefredaktion der „Revue Blanche”

 

Kurz: Für künftige Darmstadt-Besucher, seien sie auf den Spuren der Geschwister Büchner oder „einfach nur so da”, ist jedenfalls der Besuch des Landesmuseums in Zukunft Pflicht!

 

 

„ … ein Mädchen zum Küssen – für jüngere Leute als mich.”

Am 31. August 1899 heiratete in Caen in der Normandie die 24-jährige Martha Bahlsen Alexander Büchner. Büchner war 72 Jahre alt und sich der Besonderheit des Altersunterschiedes durchaus bewusst. Die beiden führten, nach allem war wir wissen, eine glückliche Ehe und verlebten ein paar schöne Jahre zusammen. Sie reisten häufig, unter anderem für längere Zeit nach Nordafrika, und zogen schließlich in Marthas Geburtsstadt, nach Hannover, wo Alexander am 3. Juli 1904 starb. Das Grab, in dem auch die viele Jahre später, am 26. 2. 1949,  in Goslar gestorbene Martha lag, gibt es leider nicht mehr. Alexanders jüngerem Freund Elissen, dem dieser mit der Nachricht von der Hochzeit im Spaß angeboten hatte, er könne Martha ja nach seinem Tode heiraten, hat Martha deutlich zu verstehen gegeben, dass sie daran kein Interesse hatte. Sie hat nicht wieder geheiratet. Offenbar pflegten die Nachfahren in Darmstadt und Pfungstadt den Kontakt mit Martha, aus Pfungstadt ist überliefert, dass sie nie ohne Kisten mit Plätzchen  anreiste.

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Schlecht abfotografiertes Foto (mit kleinem Selbstportrait…)
des Bahlsen-Kiosks auf der Darmstädter Jugendstilausstellung von 1914 

 

In seinen hier schon öfter zitierten Memoiren hat Alexander Büchner mit dem Bericht über seine zweite Ehe ein besonders schönes Beispiel für seine große Fähigkeit zur feuilletonistischen Formulierung abgeliefert. Neben der Schilderung seiner Beziehung zu Martha findet sich hier übrigens auch wieder einer der häufigen Büchnertexte, in dem Geschwister liebevoll beschrieben werden.

 

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„ … ich bin zum Hädoniker geworden, das heißt ich gewann die Überzeugung, das diesseitige Leben sei sich Selbstzweck und bestehe aus einer ungleichen Mischung von Annehmlichkeiten und deren Gegenteil. Diese Mischung hängt von den persönlichen Anlagen und Verhältnissen eines jeden ab, und zwar erhält mit zunehmendem Alter das Unangenehme das Übergewicht. Von dem Augenblicke an, wo Letzteres eintritt, ist der Mensch bankerott und tut am besten die Bude selbst zuzumachen. So war die Lebensanschauungen im klassischen Altertum. Brutus stürzte sich in sein Schwert, um seinen Feinden nicht in die Hände zu fallen. Unsere grimmen germanischen Vorfahren, sobald sie fühlten, dass sie zu nichts mehr nütze seien, schnitten sich als bouches inutiles tödliche Runen in die Brust. In der christlichen Welt dagegen pflegt man diese Art von Bankerott mit dem hässlichen Namen des Selbstmordes zu bezeichnen und als schwere Sünde zu verbieten. Dennoch fängt dieselbe mehr und mehr an wieder in die Mode zu kommen und nicht als etwas ästhetisch Widerwärtiges angesehen zu werden. Unsere seitherige Bekanntschaft mit den Religionen des Orients und namentlich dem Buddhismus hat in gleicher Weise gewirkt, und so gelangte auch ich mit zunehmendem Alter zu der Überzeugung von dem schließlichen Sieg des Bösen über das Gute, des Ahriman über Ormuzd, desTyphon über Osiris, der Schwäche über die Kraft, des Hässlichen über das Schöne, des Doit über das Avoir, welcher mit dem Alter hereinbricht. Wenn ich mich umsehe, gewahre ich nur die Lücken, welche das Todesgeschick in die Reihen der Mitlebenden gerissen hat.

So sind zunächst meine Geschwister dahingegangenen, vor mir, dem jetzt 72-jährigen Nesthäkchen, erst der apolloartige Denker und Dichter Georg, dessen ich mich nur noch aus dem Dunkel meiner frühesten Kindheit erinnere; dann die intuitive Luise, mit dem idealschönen Gesicht, aber ihrem durch einen Unfall verkrümmten Körper; ferner der fidele, freizügige Wilhelm, der Krösus der Familie als Erfinder des künstlichen Ultramarins, der eines Tages unserer Mutter ein Stück blauen gebrannten Ton auf ihren Arbeitstisch legte mit den Worten: „Hier habe ich eine Million!“ Endlich die edle aufopfernde Mathilde, mit dem Felsencharakter, welche, wenn die Mutter bettlägerig war, an uns jüngeren und zumal an mir Mutterstelle vertrat, und schließlich der „Kraft und Stoff,“ (Ludwig – pb) fast mein Altersgenoss mit dem weichen Gemüt und dem spekulativen Kopf, der ideologische Materialist, in welchem christliche Menschenliebe und sprödeste Hinnahme der nacktesten Tatsachen so wunderlich zusammenflossen.

Nun komme ich selbst an die Reihe, und die schimmernde Salzflut hebt mir ihre durchsichtigen Wellen entgegen, indem sie zu sagen scheint „was tust du noch da oben auf dem Sand? Wie deine Geschwister, so sind auch deine teuersten Freunde verschwunden, der edle Franz Wirth, der redegewandte Rudolf Fendt, der spöttische Wilhelm Franck, der tiefsinnige Ästhetiker Leon Dumont, der fuchsrote August Becker vom jüngsten Tag, der unglückselige Karl Ohly, der wackere Dr. Wilhelm Zimmermann. Du hast lange genug gelebt, geliebt und genossen und fängst an, nur noch zu leiden. Deine erste Frau ist seit 20 Jahren tot, Dein Sohn mit 35 Jahren versorgt, Du selbst hast die Altersschmerzen von Kopf bis zu den Füßen bei dir im Hause; schlag´ den Schmerz ein Schnippchen und komm!“

Unter solchen Gedanken stand ich eines Morgens elf Uhr in der Sonne, Rue Bicoquet zu Caen vor meinem Hause und sah zu, wie der übliche Kohlenvorrat abgeladen wurde; und wie ich mich herumdrehe, steht vor mir, vom Sonnengold umflossen, ein schlankes Mädchen, im einfachen hellen Kattunkleidchen, ein Strohhütchen auf den goldbraunen Wellen des Haares über einer glatten Denkerstirn, Nixenaugen und einer geraden Nase über einem etwas breiten schwellenden Mund und fragt mich, in etwas mangelhaftem Französisch, ob ich der Professor so und so wäre. Es war keine idealschöne aber über alle Begriffe anmutige und anziehende Erscheinung.

„Leicht und frei wie aus dem Nichts gesprungen“, kräftig und zierlich zugleich, mit einem Wort, ein Mädchen zum Küssen – für jüngere Leute als mich.

„Der Professor, den Sie suchen, bin ich – leider,“ antwortete ich auf Deutsch; „womit kann ich Ihnen dienen?“

„Ich möchte gern gut Französisch lernen, und wie ich dies von einigen deutschen Damen höhre, kann man das an ihrer Fakultät.“

„Je nachdem man sich danach anstellt,“ versetzte ich, „und sie scheinen mir richtig dazu angelegt.“ Ein Wort gab das andere, und ich erklärte der Dame, dass ich schon mehreren anderen deutschen und englischen Studentinnen als onkelhafte Professor gedient und denselben zu vollgiltigen Diplomen verholfen habe.

Ich gewann das herzige Kind schnell sehr lieb, und da ich keck genug war zu denken, dass sie diese Gefühle im stande sei zu teilen, so heirateten wir uns bald darauf, da ich gerade in Ruhestand versetzt worden war. Wir zogen ans Meer, und ich kann immer noch ins Wasser springen, welches jeden Tag, bald morgens, bald abends mit der Flut seine Aufwartung macht und, bald sanft lispelnd, bald mit Donnerstimme fragt: „Ist´s immer noch nicht gefällig?“ Ich aber stehe mit Martha ruhig auf dem Balkon unserer Villa Bijou, drehe meine Zigarette und meinen Schnurrbart und versetzte: „Abwarten! Nirwana!“

Alexander Büchner: Das tolle Jahr. von einem, der nicht mehr toll ist. Giessen. Emil Roth. 1900. SS 373 – 375

 

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von Peter Brunner

L’étrange Mr „L”

Das schöne Waldersbacher Musee Oberlin lädt zu einem Vortrag der geschätzten Marie-Thérèse Fischer ein:

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Frau Fischer hat uns kürzlich hochkompetent und beeindruckend engagiert durch ein Stück „Ihres“ Elsaß geführt.

 

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M-T. Fischer in der Waldersbacher Kirche, vor der Kanzel von der Lenz predigte 

 

Es freut mich sehr, dass der Aufenthalt von Jakob Michael Lenz bei Oberlin, der durch Georg Büchners Novelle verewigt ist, auf diese Art und Weise auch ein Teil der Erinnerung in Waldersbach bleibt.

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von Peter Brunner

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