Neues aus Buechnerland

Peter Brunners Buechnerblog

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Es gibt noch viel zu erfahren – Herzliche Einladungen für das zweite Halbjahr

 

Veranstaltungskalender 2/2011

 

 

Luise Büchner-Gesellschaft e.V.

 

&

 

Luise Büchner-Bibliothek

des Deut­schen Frauenrings e.V.

 

 

 

Kasinostr. 3, 64293 Darmstadt

Tel.: 06151/599 788 (Mo. + Do. 16-18 Uhr)

Email: LuiseBuechner@aol.com

 

Sonntag, 21. August, 17 Uhr

Pretlacksches Gartenhaus,

Prinz Georg-Garten, Darmstadt

Lesung mit Musik zum 250. Geburtstag

von Charlot­te von Kalb

„Bin ich denn ein Chamäleon, den (sic!) jeden in einer ande­ren Gestalt sieht.“

Vortrag: Annette Seemann (Weimar)

Harfe: Gabriele Emde-Hauffe (Darmstadt)

 

Selten gab es eine Frau der klassischen Epoche, die diese Fall­höhe besaß: Von der reichen, schönen Erbin eines al­ten Na­mens und großen Vermögens wurde sie früh zur Waisen, ab­hängig von der Gunst Verwandter. Auf dem Heiratsmarkt an den Bru­der eines Spekulanten des 18. Jahrhunderts „verscha­chert“, lebte die Idealistin ab so­fort nur noch Seelenfreund­schaften aus, ge­mäß ihrer geistigen Potenzen nur mit den Größten der damali­gen Zeit: Schiller, Goethe, Hölderlin, Jean Paul und Sophie von LaRoche. Ihre Versuche, diese meist im Brief enthu­siastisch vollzogenen Beziehungen ins Leben zu führen, scheiterten, ihr Vermögen verspielte ihr Schwager. Blind und verarmt überlebte sie jedoch alle ihre „Lieben“ und diktierte, weise geworden, ihre Lebensgeschichte(n).

 

Eintritt: 8 Euro, für Mitglieder der Luise Büchner-Gesell­schaft frei

 

 

 

Mittwoch, 7. September, 17 Uhr

In der Reihe Alternative Stadtrundgänge

(zusam­men mit der VHS Darmstadt):

Unterwegs auf Frauenspuren –

Vom Markt­brunnen zum Großen Woog

Treffpunkt: Marktbrunnen

 

Vor dem industriellen Zeitalter war die Wasserversor­gung im Haushalt Frauenarbeit. Frauen mussten mehr­mals täglich Was­ser zum Waschen und Kochen, zum Entbinden und zur Pflege von Kranken und Ver­wundeten besorgen. Wo haben sie das Wasser geholt und wie haben sie ihre Wäsche gewa­schen? Wie wurde früher gebadet und gekocht?

Nicht nur bei der Arbeit gab es eine strenge Geschlechtertren­nung, sondern in modernen Zeiten auch in den öffentlichen Ba­deanstalten. Wie badeten Frauen und Männer im 19. und frühen 20. Jahrhundert im alten Hal­lenbad auf dem Merck­platz und im Großen Woog? Sol­che und ähnliche Fragen wer­den während des Spazier­gangs beantwortet.

 

Teilnahmegebühr 5 Euro, ermäßigt 3 Euro

 

 

 

Donnerstag, 6. Oktober, 19:30 Uhr

Literaturhaus Kasinostr. 3

Darmstadt zur Zeit der Büchners

Vortrag von Peter Engels

Leiter des Stadtar­chivs Darmstadt

 

Die Familie Büchner war mit Darmstadt eng verbunden: Hier praktizierte der Arzt Ernst Büchner, hier erzog Ka­roline Büch­ner ihre begabten Kinder, hier besuchten die Söhne das Gymna­sium und von hier aus flüchtete Georg Büchner nach Frank­reich. In Darmstadt schrieb Luise Büchner ihre Bücher über Mädchen- und Frauenbildung und wirkte Mathilde Büch­ner im Hausfrauenverein mit.

Peter Engels schildert in seinem Vortrag das politische und ge­sellschaftliche Leben in Darmstadt zur Zeit der Familie Büch­ner.

 

Eintritt frei

 

 

Freitag, 21. Oktober 19:30 Uhr

Literaturhaus, Kasinostr. 3

Ludwig van Beethoven und die

ungarische Grä­fin, Therese Brunszvik

Ein literarisch-musikalischer Abend

mit Car­men Pi­azzini (Klavier)

Rezitation: Sigrid Schütrumpf

Moderation: Agnes Schmidt

 

Die vielfach begabte Therese Brunszvik (1775-1861) galt für lan­ge Zeit als Adressatin des berühmten Briefes „An die uns­terblichen Geliebte“ von Beethoven. Der Brief galt jedoch nicht ihr, sondern vermutlich ihrer jüngeren verheirateten Schwester Jose­phine. Beethoven war mit der Familie Brunsz­vik eng befreundet und widmete den Familienmitgliedern mehrere Kompositionen.

Teresia Brunszvik ist nicht nur im Zusammenhang mit Beetho­ven eine bedeutende Persönlichkeit: Sie zählt zu den Wegberei­terinnen der Kleinkinderziehung und der Mädchen­bildung. Be­geistert von Pestalozzis Ideen, den sie persönlich kannte, grün­dete sie zahlreiche Kindergär­ten in Ungarn, Ös­terreich und Deutschland.

Gemeinsame Veranstaltung mit der

Deutsch-Ungarischen-Ges­ellschaft

 

Eintritt: 10 Euro, für die Mitglieder der Veran­stalterinnen frei

 

 

 

Sonntag, 6. November 18 Uhr

Büchner-Haus Riedstadt-Goddelau

 

Büchner-Haus Riedstadt-Goddelau

Luise Büchners Erzählung

„Der kleine Va­gabund“

 Die Geschichte eines Fotografen aus Zwingenberg ist das The­ma von Luise Büchners letzter Veröffentlichung zu Leb­zeiten. Sigrid Schütrumpf und Agnes Schmidt stellen die Er­zählung vor.

Benefizveranstaltung zugunsten des Büchnerhauses.

Eintritt: 7 Euro

 

 

 

Mittwoch, 9. November 19:30 Uhr

Literaturhaus, Kasinostr. 3

Die Frauen und ihr Beruf:

Von der Gastwir­tin zur Politikerin

Buchvorstellung mit Powerpoint-Präsentation

 1872 veröffentlichte Luise Büchner einen Berufsratgeber für Mädchen. Während ihr berühmtes Buch „Die Frauen und ihr Beruf“ aus dem Jahre 1855 vor allem ein Plädoy­er für eine bes­sere Mädchenerziehung war, gab die Darmstädter Frauen­rechtlerin in diesem Ratgeber prakti­sche Tipps für die Berufs­wahl. Welche Berufe haben Frauen im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts erlernt und ausgeübt?

Im vierten Band der Reihe „Darmstadt aus Frauensicht“ stel­len die Autorinnen Agnes Schmidt und Elke Hausberg die ersten Kindergärtnerinnen, Kranken­schwestern, Politikerinnen und andere berufstä­tigen Frauen in Darm­stadt vor.

 Eintritt frei

 

 

Freitag 18. November, 19:30 Uhr

Literaturhaus, Kasinostr. 3

Solveig zu Erbach-Schönberg liest

Marie zu Erbach-Schönbergs

Reisebericht über Bulgarien

 1884 besuchte Marie zu Erbach-Schönberg, geborene Prinzes­sin von Battenberg in Bulgarien ihren jüngeren Bruder, Alex­ander von Battenberg (1857-1893), der von 1879 bis 1886 Fürst von Bulgarien war. Über ihre Reise führte sie Tagebuch, das sie mehrmals veröffentlichte. Die lebendige Darstellung ihrer Reise­eindrücke, gelesen von ihrer Ur- Urschwiegertoch­ter, macht diesen Bericht heute noch zu einer spannenden Lektüre.

 Eintritt 6 Euro, für Mitglieder

der Luise Büch­ner-Gesellschaft frei

 

 

 Sonntag, 4. Dezember, 16 Uhr

Villa Büchner, Pfungstadt

Adventskaffee

Die Büchners und der liebe Gott

 „… und dann legen wir uns in den Schatten und bitten Gott um Mak­karoni, Melonen und Feigen, mu­sikalische Kehlen, klassi­sche Leiber und eine kommode Religion!“ (Valerio in Leonce und Lena).

Zu einem Erzähl- und Vortragsnachmittag über die Büchner­schen Bestrebungen, Kirche und Staat zu tren­nen und Religi­on alleine als Privatsache zu dulden, laden wir herzlich zu ei­nem et­was anderen Adventsnachmittag in Wilhelm Büchners Pfungs­tädter Villa ein.

 

Kostenbeitrag: 7,50 Euro

 

Hier ein Veranstaltungsprogarmm-Flyer als pdf für alle, die´s getrost nach Hause tragen wollen

Auf einen Kaffee in die Villa Büchner!

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Lesser Ury: Mädchen im Romanischen Café (Berlin), 1911. (Alte Nationalgalerie Berlin) 

Im „Spiegelsaal“ der festlichen Beletage der Pfungstädter Villa Büchner finden im Herbst insgesamt vier musikalisch-literarische Veranstaltungen statt, zu denen die Stadt Pfungstadt in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirchengemeinde herzlich einlädt. Christian Lorenz, der Kantor der Kirchengemeinde und Leiter des Pfungstädter Vokalensembles, hat dafür ein vielfältiges musikalisches Programm aus dem Umfeld der großen Kaffeehaustraditionen in Wien und Berlin zusammengestellt.

 Zu jeweils zwei Terminen an einem Wochenende, Freitags Abends und Sonntags Nachmittags, werden die kabarettistisch-erotischen Seiten am Abend, die gesellschaftlich-vergnüglichen Aspekte am Nachmittag präsentiert.

 Begleitet von Artur Geisel am Klavier trägt der Chor im ersten Teil der Konzertreihe, der dem Berliner Kaffeehaus gewidmet ist, Lieder von Benatzky, Reutter, Holländer, Mackeben und Stolz vor.

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Der Festsaal in der Villa Büchner, Pfungstadt

Peter Brunner hat aus dem riesigen Fundus der Berliner Literaten, die im Umfeld des Kaffeehaus des Westen und später des Romanische Kaffees verkehrten, den Wedekinds, Mühsams, Tucholskys und unzähligen anderen, eine Auswahl von Texten über Berlin, über das ewige Hin und Her zwischen Männern und Frauen, über Politik, Kultur und Gesellschaft zusammengestellt, die er, meist vergnüglich und ab und an auch nachdenklich, im Wechsel mit der Musik vortragen wird.

 Damit die Gäste das richtige Kaffeehausgefühl verspüren, bereitet Georg Nawrowskis Team von der Gaststube in der Villa passende Spezialitäten als Imbiss zum Kaffee, zum Glas Wein oder zur Limonade vor.

 Am 21. und 23. Oktober findet die Fortsetzung der Konzerte mit Musik und Geschichten aus Wien statt.

 Die literarischen Konzerte in der Villa Büchner, Uhlandstraße, beginnen am Freitag, dem 19. August, um 20:30 Uhr, am Sonntag, dem 21. August, um 16 Uhr. Für Getränke und Imbiss wird im Vorverkauf und an der Abendkasse ein pauschaler Beitrag von 10 € erhoben. Karten sind ab sofort beim Ticketservice in der Eberstädter Straße 58 und in der Gaststube der Villa Büchner zu erhalten.  

 Hier findet sich das Plakat mit dem schönen Motiv. 

Zu Tisch mit Kraft und Stoff, Deutschland, August 1882

Wie versprochen und ermutigt durch freundliche Antworten und Nachfragen (z.B. liebe Monika G.: wieder einiges Schöpsenfleisch, aber immerhin nicht Hammel, was ich erwartet hatte; liebe Christa W.: mich wundert auch, dass es so gar keine Zuordnung der Gerichte zu Wochentagen gibt,  es ist durchaus nicht jedes siebte Essen ein besonders reichhaltiges Sonntags- oder ein fleischfreies Freitagsessen) pünktlich zum Monatsbeginn ein weiteres Dokument zur Ernährung im bürgerlichen Haushalt des neunzehnten Jahrhunderts

 

 (Details und die Erläuterung, was das hier soll, finden sich hier)

 

Charlotte Böttchers „Speisezettel für alle Tage in Jahre“ aus ihrem Kochbuch „Kraft und Stoff“.

 

Hamburg. J. F. Richter. 1882. 6. Aufl.

 

 

Unbekanntes Personal in der Küche im Souterrain der Villa Büchner.

Foto von Ernst Büchner. Datiert 1915 

 

Monat August

 

  1. Fadennudeln mit Petersilie. Rindfleisch mit Blumenkohl.

  1. Reissuppe. Grüne Bohnen mit Schöpsenkoteletts und Hering.

  2. Eiergraupensuppe. Weißes Kraut mit Fleischfüllsel.

  3. Suppe mit Sago und Kräutern. Grüne Bohnen mit Rindspökelzunge. Gebratene Hühner mit Blumenkohlsalat.

  4. Gebrannte Mehlsuppe. Puffbohnen mit Bratwurst.

  5. Graupen Suppe. Ragout von Rindspökelzunge und neuen Kartoffeln.

  6. Suppe mit Kräutern, Hühnermagen und Leber und geröstetem Weißbrot. Blumenkohl mit jungem Huhn. Wildbraten mit Apfel-Kompott.

  7. Griessupe. Grüne Bohnen mit Schöpsenfleisch und Hering.

  8. Fadennudelsuppe. Rindfleisch mit Kartoffeln.

  9. Suppe von frischen Kirschen. Gefülltes Kraut mit gebackenen Kalbsnierenschnitten.

  10. Reissuppe mit abgequirltem Ei. Ragout von Wildbraten. Entenbraten mit Bohnensalat.

  11. Sagogrießsuppe. Möhren mit Bratwurst.

  12. Kartoffelsuppe mit Petersilie. Kohlrabi mit Schöpsenfleisch.

  13. Suppe mit Sago und Morcheln. Gefüllter Wirsing mit Rindspökelzunge. Gebackener Hecht mit warmem Kartoffelsalat.

  14. Grieß Suppe. Rindfleisch mit Champignonsauce.

  15. Taubensuppe mit Eiernudeln. Grüne Bohnen mit Rindspökelzunge.

  16. Gebrannte Mehlsuppe, Blumenkohl mit Bratwurst.

  17. Reissuppe. Weiße Rüben mit Schöpsenkoteletts. Rebhühnerbraten mit Krautsalat.

  18. Graupensuppe. Weißkraut mit Fleischklösschen.

  19. Grimpelsuppe. Rindfleisch mit Kohlrabi.

  20. Suppe mit Markklösschen und Kräutern. Wirsing mit Schinken. Gänsebraten mit Krautsalat.

  21. Fadennudelsuppe. Möhren mit frischem Schweinefleisch.

  22. Suppe mit Sago und Kräutern. Rindfleisch mit weißer Heringssauce und Salzkartoffeln.

  23. Graupensuppe mit Zitrone. Gänseschwarz mit Kartoffelbrei.

  24. Braune Suppe mit Fleischfüllsel. Grüne Bohnen mit Schinken. Entenbraten mit Birnenkompott.

  25. Grieß Suppe. Weiße Rüben mit Schöpsenfleisch.

  26. Wassersuppe mit Petersilie. Saure Kartoffeln mit gesalzenem Schweinefleisch.

  27. Suppe mit Sagogrieß und Rotwein. Wirsing mit gebackenen Hühnern. Hasenbraten mit Äpfel-Kompott.

  28. Suppe mit abgequirltem Ei und Klösschen. Rindfleisch mit Blumenkohl.

  29. Hirsensuppe. Grüne Bohnen mit Schöpsenfleisch und Hering.

  30. Hasensuppe. Hasenklein mit warmem Krautsalat (Schmorkraut).

 

Sowie

 

„Was bringt jeder Monat auf den Markt?“

 

Monat August

 

Kraut-und Grüne Gemüse.

Spinat. Sauerampfer. Frische Schnittbohnen. Blumenkohl (sehr billig). Savoyer Kohl. Roter Kohl. Kopfsalat.

 

Wurzelarten.

Mairüben. Junge Wurzeln. Karotten. Neue Kartoffeln. Petersilienwurzeln. Sellerie. Frische Gurken. Radieschen. Rettig. Junge Zwiebeln (billig). Silber Zwiebeln. Frische Champignons (noch teuer).

 

Hülsenfrüchte.

Pahl-Erbsen.

 

Fruchtsorten.

Erdbeeren. Johannisbeeren, rote und weiße. Himbeeren. Stachelbeeren. Bickbeeren (billig). Krons-oder Preisselbeeren (noch teuer). Brombeeren. Kirschen. Aprikosen. Eßbirnen. Weintrauben (noch selten). Melonen (billig). Kochäpfel. Kochbirnen (billig). Zitronen (teuer).

 

Zahmes Geflügel.

Küken. Suppenhühner. Tauben. Junge Poularden. Junge Gänse. Junge Kalkuten (teuer).

 

Wild-Geflügel.

Junge wilde Enten (billig). Junge Rebhühner (selten).

 

Wild.

Rehkeulen. Rehrücken.

 

Süßwasser-und See-Fische.

Schleien. Karpfen. Hecht. Lachsforellen. Frische Aale (teuer). Geräucherte Aale (teuer). Elblachs. Seeschollen. Krebse. Hummer.

 

 

Die Büchners zum Mitschreiben …

Für die Volkshochschule Darmstadt-Dieburg biete ich in diesem Herbst einen Kurs über die berühmten südhessischen Geschwister an. Besonders schön finde ich dabei, dass das in den Räumen der Villa Büchner stattfinden kann, so dass sich die Teilnehmer/innen auch atmosphärisch am richtigen Ort fühlen können.

Ich freue mich über Ihre Anmeldung (begrenzte Teilnehmerzahl…) direkt bei der VHS;

Fragen dazu beantworte ich gerne (Post@EntwicklungUndKultur.De)

VHS Flyer S. 2

Der VHS-Flyer Aussenseite (hier als pdf)

Ankündigungsflyer Innenseite als pdf

Der geplante Ablauf

(Ankündigungstext der VHS):

„Die Büchners oder Der Wunsch, die Welt zu verändern“*)
Die Familie Büchner in Südhessen

Alle Büchner-Geschwister hatten eine aufklärerische Geisteshaltung, ihr großes gemeinsames Anliegen war die Veränderung der Gesellschaft, Gleichberechtigung ohne Ansehen von Geschlecht oder Herkunft, und ihr Weg dorthin war die Volksbildung. An sechs Abenden werden sie in passendem Ambiente auf kurzweilige Art vorgestellt.

 

Der große Georg
Von den sechs Kindern von Ernst und Caroline Büchner ist uns vor allem der Dichter Georg Büchner (1812 – 1837) bekannt.  Die Überlieferung seines Werkes ist auch dem unermüdlichen Einsatz seiner Geschwister zu verdanken.

 

Arzt, Philosoph, Volksaufklärer – „der Rangar Yogeshwar des 19. Jahrhunderts”: Ludwig
Vor 100 Jahren aber war ein anderer Büchner weltberühmt: der Bruder Ludwig Büchner, „1848er“, Arzt, Philosoph, Publizist, Verfasser des ersten erfolgreichen Sachbuches in deutscher Sprache. Ludwig Büchner war der wichtigste Verbreiter der Thesen von Charles Darwin in Deutschland. In der Frühzeit der Deutschen Arbeiterbewegung war er 1866 „Ehrenkorrespondent“ beim Kongress der Internationalen Arbeiterassoziation in Genf.

 

Zwei Frauen im Umbruch des 19. Jahrhunderts: Luise und Mathilde.
Luise Büchner, der der Zugang zu höherer Schulbildung verwehrt wurde und die sich mit äußerster Kraft erarbeitete, was ihre Brüder lernen durften, veröffentlicht 1855 eines der ersten Sachbücher einer weiblichen Autorin in deutscher Sprache: sie fordert ein eigenes, weibliches Berufsleben und damit wirtschaftliche Unabhängigkeit.
Mathilde Büchner schien bis vor kurzem ein vergleichsweise bescheidenes Leben gelebt zu haben, erst 2008 fand sich ein Bild von ihr. Inzwischen wissen wir, dass sie sich in Darmstadt auch aktiv an der öffentlichen Diskussion beteiligte, den „Hausfrauenverein“, eine Art Konsumgesellschaft, hat sie mitgegründet.

 

Le pont sur le rhin: Alexander, Jurist und Sprachwissenschaftler
Der jüngste Bruder Alexander wurde „Doktor beider Rechte“, erhielt Berufsverbot, machte eine zweite Karriere als Sprachwissenschaftler, wanderte nach Frankreich aus und erarbeitete wesentliche Grundlagen der vergleichenden Sprachwissenschaft. Wegen seiner Verdienste um die Kenntnis Deutscher und Franzosen voneinander nannte man ihn „die Brücke über den Rhein“.

 

Unternehmer, Politiker, Erfinder: Wilhelm Büchner, der Blaufabrikant aus Pfungstadt.
Wilhelm Büchner scheiterte an der Schule, nach der sich seine Schwester Luise so sehnte, wurde Apotheker, studierte Chemie in Heidelberg und Gießen und erfand in seiner ersten kleinen Fabrik in Darmstadt eine Methode, künstlich blaue Farbe herzustellen (Ultramarin). Er wurde mit dieser Erfindung in Pfungstadt ein reicher und einflussreicher Unternehmer. Er war Gemeindevertreter und hat wesentlich zum Werden Pfungstadts beigetragen, im hessischen Landtag und im Berliner Reichstag arbeitete er als linksliberaler Abgeordneter. Seine Pfungstädter „Villa Büchner“ ist eines der ganz wenigen erhaltenen baulichen Denkmäler der Familie Büchner.

*) Heiner Boehncke, Peter Brunner, Hans Sarkowicz: „Die Büchners oder der Wunsch, die Welt zu verändern“. Societäts Verlag, Frankfurt am Main 2008. EAN 978-3-7973-1045-3. 168 Seiten, 24,90 €

 

Mi 19:00-21:00 Uhr, ab 21.09.2011

 

VILLA BÜCHNER

Pfungstadt, Uhlandstraße 

 

immer mittwochs um 19 Uhr, und zwar: 

21.9., 5.10., 2.11., 16.11., 30.11., 14.12. 2011

32 €

 

 

Über „Naturheilkunde”: Jeder Berufsarzt ist zugleich Naturarzt

Ludwig Büchner, der unermüdliche Volksaufklärer, hat sich häufig und deutlich zum Thema „Naturheilkunde” geäußert. Wir dürfen nicht vergessen, dass er seit 1855 ständig und regelmäßig als Arzt praktizierte, also sicher häufig Patientengespräche über „moderne” Heilmethoden geführt hat. Befreundete Ärzte haben mir versichert, dass die Verlockung scheinbar „natürlicher” Heilmethoden bis heute ungebrochen ist – vielleicht kann Ihnen ja Büchners Argumentation heute noch hilfreich sein.

In dem hier folgenden Gartenlaube-Aufsatz ist seine Haltung im letzten Lebensjahrzehnt gut zusammengefasst, in Erwägung der Ungeduld unserer Leser auch diesmal wieder deutlich gekürzt. Hier findet sich aber auch der vollständige Text.

 

Der Sinnspruch auf Ludwig Büchners Grab auf dem Darmstädter Alten Friedhof

 

Natur und Kunst beim Arzte.

Von Professor Dr. L. Büchner.

(Veröffentlicht in „Die Gartenlaube“ 1893, S. 686/687)

 

… Wenn es nach den Lobreden … ginge, so müsste alles, was die medizinische Wissenschaft seit Jahrtausenden unter Mühen und Opfern aller Art zu Tage gebracht hat, gestrichen und die ganze Kunst des Heilens der Krankheiten von vorne an neu gelernt werden. … Was kann aber derjenige von der Natur wissen, der sie nicht gründlich studiert hat? … Die Naturheilkünstler hoffen alles von der Allmacht des kalten Wassers, weil sie dasselbe für ein Naturprodukt handeln, sie denken aber nicht daran, dass die Arzneien, welche sie mit so grimmigen Hass verfolgen, ebenfalls entweder selbst Naturprodukte oder aus solchen hergestellt sind.

…

Haben ja doch wir Menschen selbst uns nach und nach im Laufe langer Zeiten und zahlloser Geschlechter aus rohen, schmutzigen Wilden langsam und mühselig zu der Stufe des zivilisierten Menschen emporgearbeitet und sind auf diese Weise zu ganz anderen und anders gearteten Wesen geworden, als diejenigen waren, welche ursprünglich aus den Händen der Natur hervorgegangen sind! Daher haben wir auch unsere Lebensgewohnheiten und Lebensbedürfnisse ganz anders einzurichten als der rohe Naturmensch.

…

Wir sind nicht rückwärts, sondern vorwärts geschritten und müssen auf diesem Wege immer weiter schreiten, wenn wir nicht unserer eigentlichen Bestimmung auf Erden untreu werden wollen. Wenn daher die so genannte „Naturheilkunde“ behauptet, dass sie den eigentlichen Fortschritt bedeute, während die wissenschaftliche Medizin konservativ und reaktionär sei, so liegt darin ebenso viele Falschheit wie ungerechtfertigte Überhebung. Ihre Anhänger berauben sich willkürlich und ohne jeden vernünftigen Grund einer großen Menge von erprobten Hilfsmitteln der medizinischen Kunst, während sie selbst mit der Dürftigkeit und Einförmigkeit ihres Heilapparates in den Augen des gebildeten Arztes ein therapeutisches Jammerbild darbietet.

…

Der traditionelle Arzt sucht die Natur nicht zu übermeistern oder zu zwingen, weil er weiß, dass sie sich nicht zwingen lässt, sondern er sucht sie einfach in ihren Heilbestrebungen zu stützen, zu lenken und zu leiten oder da, wo er dieses nicht vermag, den Kranken sein Leiden möglichst zu erleichtern. Ein wirklicher Gegensatz zwischen Naturarzt und Berufsarzt, oder, um es ganz allgemein auszudrücken, zwischen Natur und Kunst in ärztlicher Beziehung besteht daher gar nicht. Jeder Berufsarzt ist zugleich Naturarzt, und jeder Naturarzt sollte zugleich wissenschaftlich gebildeter Berufsarzt sein. Wer einem wissenschaftlich nicht gebildeten Laien oder Pfuscher, wie es deren leider jetzt so viele gibt, das kostbare Gut seiner Gesundheit anvertraut, wird es in der Regel nur zu seinem eigenen Schaden tun. Und wer mit nackten Füßen im nassen Gras oder in Schnee und Eis umherläuft, wird von Glück sagen können, wenn er ohne Erkältung oder sonstigen Schaden davonkommt. Die Natur hat die Tiere mit Pelz und Federn versehen, um sie gegen die Unbilden des Klimas und der Witterung zu schützen. Dem Menschen hat sie seinen Verstand gegeben, welcher ihn lehrt, Nützliches und Schädliches zu unterscheiden und mithilfe der Kunst in Klimaten und unter Verhältnissen auszudauern, welche ihm sonst durch die Ungunst der Natur verschlossen bleiben müssten. Wer sich nicht fügen und lieber wie ein Wilder leben will, begebe sich nach jenen tropischen Gegenden, in denen einstmals die Wiege des Menschengeschlechts gestanden haben mag, und lasse dort seinen natürlichen oder urgeschichtlichen Neigungen die Zügel schießen. Ob er sich dabei glücklicher oder wohler fühlen wird als im Schoße der Zivilisation und künstlich geregelter Lebensumstände, mag er an sich selbst erfahren!

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