Die Wetten stehen hoch, ob und in welchen Zusammenhang ich es schaffen werde, eine Verbindung zu den Büchners zu schildern …
Der österreichisches Außenminister soll auf die Nachricht von der russischen Revolution gesagt haben“ Woas – in Russland revoltiern´s? Am End´ der Herr Bronstein aus `m Cafe Central? Leo Trotzki, der in Wien unter seinem bürgerlichen Namen lebte, war gerade in St. Petersburg angekommen …
Die Herren Uljanow (Lenin) und Bronstein (Trotzki) 1917 in St. Petersburg
Auf die Spur dieser Geschichte, der Unverschämtheiten von Karl Kraus, der Aperçus von Peter Altenberg, der Lebensweisheit von Anton Kuh und noch ein paar anderer Wiener Kaffehausliteraten machen wir uns Ende Oktober.
Nach der höchst erfolgreichen literarisch-musikalischen Revue aus dem Berlin zwischen 1880 und 1933 bietet der Salon der Villa Büchner die wunderbare Kulisse für Musik und Texte aus Wien.
Kurt Drawerts Darmstädter Lesebühne hatte gestern Abend zu einem Büchner-Abend eingeladen, und an die fünfzig höchst interessierte und aufmerksame Gäste kamen.
Im Vordergrund stand Christian Wirmers Interpretation von Büchners Lenz. Ganz frei, wie erzählt, wie gerade erlebt trug er den großartigen Text vor. Das bewies erneut, wie aus der Zeit Büchners Texte, die ja eigentlich inhaltlich ganz konkret angesiedelt und zuordenbar sind, dennoch wirken. In allen Wendungen der Novelle verzichtet Wirmer darauf, dem Affen Zucker zu geben. Weder er als Interpret noch der Text selbst haben es nötig, dass wir mit der Nase auf die richtige Stelle gestoßen werden. Lenz´ Sprung in den Brunnen, die Beschwörung am Bett des toten Kindes, der erste und der letzte Satz, alles bleibt im Duktus der Erzählung, und Wirmer füllt den Begriff Erzählung auf, wie es dem Publikum noch nie begegnet war. Da steht ein Mann und spricht, e r z ä h l t , und wir hören einen altbekannten Text plötzlich wie zum ersten Mal.
(Christian Wirmer)
Büchners Lenz ist wirklich zum Erzählen geschrieben (neben dem Landboten ist es ja auch sein einziger Prosatext), und das führt Christian Wirmer unpathetisch vor. Es gibt ja in der Büchner-Familie die belegte Tradition des Erzählens, Luise Büchner schildert das im Dichter, Georg spielt gerne mit erzählenden Figuren, Luise Büchner selbst hat ihre Märchen zuerst Ludwig Büchners Kindern vorgelesen. Vielleicht müssen wir uns ab jetzt den Lenz als eine (wörtlich) E r z ä h l u n g Georg Büchners denken, als einen Text, von einem Dramatiker als Sprechtext geschrieben.
Der Verdienst, diesen wichtigen Gedanken angeregt zu haben, gehört Christian Wirmer. Nach über einer Stunde konzentriertester Aufmerksamkeit lobte das Publikum mit anhaltendem Beifall.
(Drawert, Breckner, Apelt, Benz)
Drawert hatte den ehemaligen Darmstädter OB Peter Benz, den Darmstädter Schauspieldirektor Martin Apelt und den Feuilletonchef des Darmstädter ECHO, Johannes Breckner, gebeten, im zweiten Teil der überlangen Veranstaltung Anmerkungen zur Aktualität Büchners zu machen. Dies geschah in der erwartbaren Art und Weise. Am bemerkenswertesten daraus vielleicht Breckners Bemerkung, vor den bevorstehenden Büchneriana der beiden Jubiläumsjahre müsse man keine Bange haben – Büchner hält das aus.
Indem man mehr und mehr einsieht, wie sehr die Erziehung der Frau, im Gegensatz zu der des Mannes, seit Jahrhunderten vernachlässigt ist, lässt man ihren natürlichen Anlagen mehr Gerechtigkeit widerfahren.
Was uns von frühester Kindheit am meisten mangelt, das ist die Gewöhnung an folgerichtiges Denken und folgerichtiges Handeln. Unter tausend Mädchen lernen neunhundert das, was sie später leisten sollen, nur zufällig, im Absehen, im Hin-und Her-Rennen, unter Gescholten werden, und indem man ihnen gleichzeitig den Sinn durch eine Menge anderer Dinge zerstreut. Aber systematisch, nach Plan und Regeln werden nur wenige Glückskinder unter uns, ebenso wohl im Praktischen wie Geistigen, ausgebildet. Da gibt es gescheite Leute, welche, wenn sie sehen, wie sich ein Mädchen recht skeptisch und linkisch in praktischen Dingen benimmt, voll heißer Ungeduld ausgerufen: wie kann man sich für ein Mädchen so einfältig anstellen! Als ob ein Mädchen als praktisches Genie vom Himmel fiele, als ob es nicht erst durch verständige Anleitung und Übung praktisch gemacht werden müsse.
Das Universalmittel, welches für das Kochen, das Scheuern, das Waschen ebenso notwendig ist, wie für das Dichten, Französisch-Sprechen und Klavier-Spielen, ganz unerlässlich aber diejenige, welche den kleinen, höchst komplizierten Start, genannt Haushaltung, regieren soll heißt: denken! Wer nicht denkt, macht alles verkehrt, und wenn man’s auch nicht besonders gelernt hat, so kann man es sich doch mit gutem Willen immer noch aneignen, sobald man einmal die Kinderschule ausgetreten hat. …
Luise Büchner: die Frau.
Hinterlassenen Aufsätze, Abhandlungen und Berichte zur Frauenfrage
Halle. Hermann Gesenius. 1878.
Eine häusliche Betrachtung (S. 353 – 357, Auszug)
Hier wie versprochen (und nicht nur für die Frau….) aus Charlotte Böttchers
Kraft und Stoff. Deutsches Universalkochbuch … von 1882
Ganz im Sinne Büchners öffnen wir das Theater für die vielfältigen Geschichten der Menschen vor Ort und tragen es hinaus auf die Straßen und Plätze der Stadt.
Im Mai/Juni und im August/September 2012 werden die Arbeitsergebnisse im öffentlichen Raum aufgeführt.
theatermacher e.V. lädt Jugendliche und Erwachsene aus allgemeinbildenden und beruflichen Schulen, Musikschulen und Vereinen ein, sich mit Dantons Tod zu beschäftigen. Die Teilnehmer entwickeln ihre eigene inhaltliche und künstlerische Perspektive zu den Themen des Stücks: theatral, tänzerisch, musikalisch, grafisch etc.. In diesem Prozess werden sie durch professionelle Künstler begleitet.
Illustration von Paul Hübner aus der obigen Ausgabe
Zum Auftakt und zur Diskussion über das Projekt sollen regelmässige politische Salons stattfinden, die so angekündigt werden:
Der Politische Salon
Reden. Zuhören. Streiten. Diskutieren.
Philosophieren. Phantasieren. Visionieren.
Versteht Ihr die Welt?
Was passiert gerade mit uns ?
Sind wir Gestalter unserer Welt, oder machen das andere für uns?
Was können wir tun?
Wo können wir uns einmischen?
Wie können wir unsere Gedanken sortieren und unsere Ideen bündeln?
Wir wollen wissen wie ihr denkt, was Euch bewegt und wohin uns unsere Gedanken tragen …
Redet mit uns
einmal im Monat, jeweils Freitags um drei nach neun,
26. August
23. September
28. Oktober
25. November
Wo?
Bei Menschenskinder e.V.
Landwehrstr. 31 64293 Darmstadt
im Hinterhof
Freitag Abend ausverkauft – Restkarten für Sonntag Nachmittag (21.8.) gibts ab 15:30 an der Tageskasse
(Beginn 16 Uhr; Kuchen ist gebacken, Berliner Weiße kalt gestellt)
Die Wetten standen etwa 50:50, ob es mir gelingen würde, ohne allzu große Klimmzüge beim Thema Berliner Kaffeehaus einen Büchnerbezug hinzukriegen. Das war gar kein Problem – Kurt Tucholsky hat 1920 Max Reinhardts Woyzeck-Inszenierung gesehen und kommentiert: