{"id":97,"date":"2010-07-27T17:35:38","date_gmt":"2010-07-27T15:35:38","guid":{"rendered":"http:\/\/geschwisterbuechner.de\/2010\/07\/27\/neues-uber-wilhelm-buchner\/"},"modified":"2011-01-24T11:48:41","modified_gmt":"2011-01-24T09:48:41","slug":"neues-uber-wilhelm-buchner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschwisterbuechner.de\/?p=97","title":{"rendered":"Auch Wilhelm B\u00fcchner hie\u00df Ludwig"},"content":{"rendered":"<p><meta http-equiv=\"CONTENT-TYPE\" content=\"text\/html; charset=utf-8\" \/><title><\/title><meta name=\"GENERATOR\" content=\"OpenOffice.org 3.2  (Win32)\" \/><\/p>\n<style type=\"text\/css\"> \t<!-- \t\t@page { margin: 2cm } \t\tP { margin-bottom: 0.21cm } \t--> \t<\/style>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\"><font size=\"4\"><strong>In den letzten Monaten sind zwei Publikationen erschienen, die sich mit Wilhelm B\u00fcchners Zeit vor 1845, dem Beginn seiner Arbeit in Pfungstadt, besch\u00e4ftigen.<\/strong> <\/font><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm; font-style: normal\"><font face=\"Garamond, serif\"><strong><br \/>\n<\/strong><\/font>\n<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm; font-style: normal\">\u00a0<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/geschwisterbuechner.de\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/wilhelm_zeichnung_farbe.JPG\" onmouseout=\"undefined\" onmouseover=\"undefined\" title=\"undefined\" alt=\"Wilhelm Buechner als Student\" height=\"417\" width=\"325\" \/><\/p>\n<p><meta http-equiv=\"CONTENT-TYPE\" content=\"text\/html; charset=utf-8\" \/><meta name=\"GENERATOR\" content=\"OpenOffice.org 3.2  (Win32)\" \/><\/p>\n<style type=\"text\/css\"> \t<!-- \t\t@page { margin: 2cm } \t\tP { margin-bottom: 0.21cm } \t--> \t<\/style>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm; font-style: normal\"><font size=\"4\"><em>Wilhelm B\u00fcchner als Student<\/em> <\/font><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\"><font size=\"4\"><em>Aus Familienbesitz. Repro: Peter Brunner \u00a0<\/em><\/font><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">\u00a0<font size=\"4\"><em>Ludwig Fertig hat im 42. Band der \u0084Geschichtsbl\u00e4tter Kreis Bergstra\u00dfe\u0093 (2009, SS. 70 \u0096 80) \u00fcber den \u0084Bildungsgang des Zwingenberger Apothekerlehrlings Wilhelm B\u00fcchner\u0093 geschrieben, und der Mainzer Manfred Penning schreibt in \u0084Mainz \u0096 Vierteljahresheft f\u00fcr Kultur, Politik, Wirtschaft, Geschichte\u0093 (Heft 1\/2010, SS. 33 \u0096 42) \u00fcber \u0084Schellack in Mainz\u0093.<\/em><\/font><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">\u00a0<font size=\"4\">Fertig stellt zun\u00e4chst andere Gr\u00f6\u00dfen vor, die sich \u0084<em>mit den studia humaniora schwer taten und die man nicht zu einem Handwerker geben wollte\u0093:<\/em> Theodor Fontane geh\u00f6rt zu ihnen und Justus Liebig, der am \u0084P\u00e4dagog\u0093 in Darmstadt ebenso scheiterte wie Wilhelm B\u00fcchner (Liebig war allerdings nicht nur ein schlechter Sch\u00fcler, sondern hatte auch noch ein illegales Feuerwerk abgebrannt). Sein Vater, selbst Drogist und Farbenh\u00e4ndler, f\u00f6rderte dann seine Ausbildung zum Apotheker in Heppenheim, wo er aber wieder keinen Abschluss erwerben konnte, weil ein privates Experiment mit \u0084Knallsilber\u0093 das Apothekengeb\u00e4ude in Mitleidenschaft zog und seine Lehrzeit beendete. Bekanntlich kam er dann durch die besondere Gunst des Gro\u00dfherzogs, der auf ihn aufmerksam geworden war, zum Chemiestudium, zun\u00e4chst in Bonn.<\/font><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">\u00a0<font size=\"4\">Von Wilhelm B\u00fcchner, der sechzehnj\u00e4hrig das P\u00e4dagog verlie\u00df, wissen wir aus einem sch\u00f6nen Brief an den Bruder Georg, dass er, nachdem er die Schule verlie\u00df, an Vorlesungen teilnahm, die eine Gruppe von Darmst\u00e4dter Wissenschaftlern auf dem Hofgut Kranichstein abhielt. Fertig verweist zu Recht auf diese bemerkenswerte Einrichtung \u0084nicht institutionalisierter Weiterbildung\u0093, die sp\u00e4ter eine der Grundlagen f\u00fcr die \u0084h\u00f6here Gewerbeschule\u0093 war, wo dann auch der Bruder Ludwig B\u00fcchner 1842 zwischen Schule und Universit\u00e4t seine berufliche und wissenschaftliche Orientierung fand. Wilhelm war offenbar auf der Suche nach dem richtigen Weg &#8211; \u0084morgens gehe ich noch in die Apotheke\u0093 schreibt er im erw\u00e4hnten Brief. Wilhelms Enkel Anton und der Verfasser haben in ihren Arbeiten \u00fcber Wilhelm diese T\u00e4tigkeit in einer Darmst\u00e4dter Apotheke zu Unrecht eine \u0084Lehre\u0093 genannt \u0096 der vielleicht passendere Ausdruck \u0084Praktikum\u0093 verbietet sich allerdings f\u00fcr das Jahr 1831. Unbestritten ist Wilhelms Ausbildung bei dem bedeutenden Pharmazeuten Winckler in der Zwingenberger Hofapotheke am Marktplatz (dem heutigen Caf\u00e9 \u0084Schoko und Wein\u0093), die er im November 1834 abschloss. Bis auf den Besuch des Bruders Georg zusammen mit dem Hugenottenforscher Alexis Muston, die im Oktober 1833 auf einer Odenwaldwanderung vorbeikommen, haben wir keine Berichte \u00fcber Wilhelms Leben in der Lehre. 1835 ist er dann in der Butzbacher Apotheke Georg Seyfrieds angestellt, bis er sich im Wintersemester 1836\/37 in Heidelberg zum Studium der Pharmazie immatrikuliert, 1837 kann er schlie\u00dflich nach einem Briefwechsel seines Vaters mit Justus Liebig bei diesem in Gie\u00dfen sein Studium fortsetzen. Am 23. M\u00e4rz 1838 bescheinigt Liebig dann, Wilhelm habe sich \u0084<em>&#8230; stets durch unausgesetzten Flei\u00df und regen Eifer ausgezeichnet\u0093<\/em>.<\/font><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">\u00a0<font size=\"4\">Ludwig Fertig hat im Koblenzer Bundesarchiv Unterlagen gefunden, die seinen Aufsatz zu einer kleinen Sensation machen: dort liegt der Nachlass des Gie\u00dfener Universit\u00e4tskanzlers von Linde, und darin ein Steckbrief f\u00fcr einen \u0084<em>Louis B\u00fcchner\u0093: \u0084.. sechs Fu\u00df f\u00fcnf Zoll gro\u00df, blond mit blauen Augen, gro\u00dfer Nase und `gew\u00f6hnlichem\u00b4 Mund, guten Z\u00e4hnen, frischen Lippen und frischer Gesichtsfarbe, mit spitzem Kinn und l\u00e4nglichem Gesichtsumriss, von kleiner Statur, mit Schnurr- und Knebelbart\u0093.<\/em> Ohne Zweifel ist dieser \u0084Louis\u0093 unser Wilhelm, der ja wie seine beiden Br\u00fcder Ludwig und Alexander auch auf den f\u00fcrstlichen Darmst\u00e4dter Vornamen getauft war. Das sch\u00f6ne Bild des jugendlichen Wilhelm in der Pelerine, das bis heute bei seiner Familie aufbewahrt wird und uns erst seit kurzem in Farbe bekannt wurde, zeigt ihn ja (bis auf den &#8222;Knebelbart&#8220;&#8230;) genau so.<\/font><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">\u00a0<font size=\"4\">Und dann findet Fertig in der Gie\u00dfener \u0084Zusammenstellung der \u0085 erkannten Strafen\u0093 von 1838 auch noch eine immerhin sechst\u00e4gige Karzerstrafe f\u00fcr diesen \u0084Louis\u0093, der dann auch noch am 23. M\u00e4rz f\u00fcr \u0084th\u00e4tliche Beleidigung eines Polizeisoldaten\u0093 mit dem \u0084Consilium abeundi\u0093, dem Universit\u00e4tsverweis, f\u00fcr ein ganzes Jahr bestraft wurde. Zu Recht fragt sich der Autor, ob dies das unfreiwillige Ende einer Forscherkarriere war, die uns bisher doch als strikt auf das Leben eines Unternehmers und Politikers ausgerichtet schien. Immerhin findet sich noch in der Liebig-Biographie Adolph Kohuts von 1904 im illustren Kreis der bedeutenden Liebig-Sch\u00fcler (unter ihnen Fresenius, Kekul\u00e9, Erlenmeyer, Pettenkofer, Muspratt und Sokoloff) auch unser Wilhelm B\u00fcchner. Wilhelm B\u00fcchner hat sich jedenfalls nach seiner Gie\u00dfener Zeit \u0096 und jetzt m\u00fcssen wir sagen: vielleicht notgedrungen \u0096 zun\u00e4chst in der Waschk\u00fcche des elterlichen Hauses in der Darmst\u00e4dter Grafenstra\u00dfe als Fabrikant f\u00fcr \u0084gebleichten Schellack\u0093 niedergelassen.<\/font><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">\u00a0<font size=\"4\">Auf die folgende Lebenszeit B\u00fcchners als Darmst\u00e4dter Unternehmer wirft der zweite hier besprochene Aufsatz ein neues Licht, und auch hier finden sich wieder \u00fcberraschende Ankn\u00fcpfungspunkte. Das erste gef\u00e4hrliche Experiment Justus Liebigs n\u00e4mlich, von dem wir wissen, war der Eingriff in die Schellack-Bereitung seines Vaters: Liebig \u00f6ffnete eine verschlossene \u0084Blase\u0093, in der der Lack \u00fcber Spiritus erhitzt wurde, und \u0084<em>.. spr\u00fchend fliegt die hei\u00dfe Masse aufw\u00e4rts und auseinander, Haare, Kleider sind vom Schellack \u00fcberzogen, zum Gl\u00fcck f\u00e4ngt der Spiritus nirgends Feuer, und der Knabe kommt mit einigen Brandwunden davon, w\u00e4hrend er unrettbar verloren gewesen w\u00e4re, wenn der Schellack sich entz\u00fcndet h\u00e4tte\u0093<\/em>.<\/font><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">\u00a0<font size=\"4\">Ausf\u00fchrlich erl\u00e4utert Penning dieses nat\u00fcrliche Harz (\u0084&#8230; das harzartige Sekret des winzigen parasitischen Insekts Kerria Lacca, das auf verschiedenen B\u00e4umen und Str\u00e4uchern in Indien \u0085 heimisch ist\u0093) und seine Verwendung als Lack. Durch die in den drei\u00dfiger Jahren des 19. Jahrhunderts entwickelte Technik, ihm durch Bleichen die gelbliche bis orangerote Farbe auszutreiben, wurden zahlreiche neue Verwendungen m\u00f6glich. Wilhelms unternehmerische T\u00e4tigkeit beginnt ja nun gerade mit dem Verkauf von \u0084gebleichtem Schellack\u0093, den die kleine Firma B\u00fcchner und Wilkens in Darmstadt \u0084wohl als der erste Produzent \u0085 in Deutschland\u0093 anbot, und offenbar war er damit so erfolgreich, dass er 1842 auf der ersten Allgemeinen Deutschen Industrieausstellung des Gewerbevereins f\u00fcr das Gro\u00dfherzogtum Hessen im Mainzer \u0084Deutschhaus\u0093 ausstellte.<\/font><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">\u00a0<font size=\"4\">Dort traf er auf den Mainzer Carl Ludwig Marx, der seit 1834 in einer kleine Fabrik im R\u00f6merthal bei Zahlbach (einer fr\u00fcher selbst\u00e4ndigen Gemeinde zwischen Mainz und Bretzenheim) Lacke produzierte. Marx geh\u00f6rte zur Ausstellungskommission. Leider hat Manfred Penning nicht im einzelnen ausgef\u00fchrt, <em>welche<\/em> Kontakte zwischen Marx und B\u00fcchner \u0084zu einer technischen Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Bleichens von Schellack&#8230;\u0093 f\u00fchrten, aber offenbar begann Marx \u0084&#8230;mit den von B\u00fcchner \u00fcbernommenen Kenntnissen\u0093 um 1845 mit dem Bleichen von Schellack im industriellen Ma\u00dfstab, w\u00e4hrend B\u00fcchner dies mit der Gr\u00fcndung der Pfungst\u00e4dter Blaufabrik um gleichen Jahr beendete.<\/font><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">\u00a0<font size=\"4\">Die sp\u00e4ter sehr bedeutende Lackproduktion in Mainz, die Penning ausf\u00fchrlich vorstellt, hatte also einen uns wohlbekannten Paten: Wilhelm B\u00fcchner.<\/font><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">\u00a0<font size=\"4\">Mittlerweile hat Penning seine Arbeit um einen zweiten Teil zur Lackproduktion erweitert (\u0084Mainz\u0093 2\/2010), ein dritter Teil mit Schwerpunkt auf Verwendung von Schellack f\u00fcr Schallplatten ist f\u00fcr den Herbst angek\u00fcndigt.<\/font><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Monaten sind zwei Publikationen erschienen, die sich mit Wilhelm B\u00fcchners Zeit vor 1845, dem Beginn seiner Arbeit in Pfungstadt, besch\u00e4ftigen. \u00a0 &nbsp; Wilhelm B\u00fcchner als Student Aus Familienbesitz. 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