{"id":5421,"date":"2026-09-22T11:18:44","date_gmt":"2026-09-22T09:18:44","guid":{"rendered":"https:\/\/geschwisterbuechner.de\/?p=5421"},"modified":"2026-09-22T11:18:46","modified_gmt":"2026-09-22T09:18:46","slug":"teil-2-der-sogenannte-fatalismusbrief-georg-buechners-und-die-buechnerforschung-mehr-als-ein-jahrhundert-fake-news","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschwisterbuechner.de\/?p=5421","title":{"rendered":"Teil 2: Der sogenannte Fatalismusbrief\u00a0Georg B\u00fcchners und die B\u00fcchnerforschung\u00a0\u2013 mehr als ein Jahrhundert Fake-News"},"content":{"rendered":"\n<div dir=\"ltr\">\n<div>\n<div dir=\"ltr\"><a href=\"https:\/\/geschwisterbuechner.de\/?p=5394\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Der erste Teil meines Gastbeitrags<\/a> zur Datierungsgeschichte des sogenannten Fatalismusbriefs endete mit Fritz Bergemanns Abkehr von seiner fr\u00fcheren hypothetischen Datierung ins Fr\u00fchjahr 1834. Da\u00df die dritte. erweiterte und revidierte Bergemann-Ausgabe den Brief wieder &#8212; wie zuvor Ludwig B\u00fcchner und Karl Emil Franzos &#8212; in den Sp\u00e4therbst 1833 datierte, konstatiert Burghard Dedner im Aufsatz &#8222;7.2\u00a0Der \u00bbFatalismusbrief\u00ab vom Januar 1834&#8220; (<a href=\"http:\/\/buechnerportal.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" data-saferedirecturl=\"https:\/\/www.google.com\/url?q=http:\/\/buechnerportal.de&amp;source=gmail&amp;ust=1790105180327000&amp;usg=AOvVaw3Qlxn6q7OcZUy8Zw0dSz_Z\">buechnerportal.de<\/a>) irritierend schn\u00f6rkellos:<\/div>\n<div dir=\"ltr\">\u00a0<\/div>\n<div dir=\"ltr\">\u201e<i>Fritz Bergemann [\u2026] datierte den Brief [\u2026] 1922 auf \u00bbFr\u00fchjahr 34?\u00ab, in einer sp\u00e4teren\u00a0Ausgabe von 1940 auf \u00bbNovember 1833\u00ab.\u00a0Die erste Datierung erschloss er aus dem im Brief genannten\u00a0Indiz \u00bbVeilchenstrau\u00df\u00ab, die zweite aus der Annahme, dass der Briefschreiber sich deshalb so ausf\u00fchrlich und abf\u00e4llig \u00fcber die Stadt Gie\u00dfen \u00e4u\u00dfere, weil er gerade dort eingetroffen sei.\u201c\u00a0<\/i><\/div>\n<div dir=\"ltr\">\n<div>\n<div>\n<div dir=\"ltr\">\u00a0<\/div>\n<div dir=\"ltr\">Was hier wie Willk\u00fcr erscheint, halte ich f\u00fcr eine Reaktion auf eine bemerkenswerte Ver\u00e4nderung der biographischen Informationslage einige Jahre zuvor.<b><br \/><\/b><\/div>\n<\/div>\n<div dir=\"ltr\"><br \/>September 2026, Dr. Herbert Wender\u00a0<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div dir=\"ltr\">\u00a0<\/div>\n<div dir=\"ltr\">\u00a0<\/div>\n<div dir=\"ltr\">\u00a0<\/div>\n<div dir=\"ltr\">\n<div>\n<div dir=\"ltr\">\n<div>\n<div>\n<div dir=\"ltr\">\n<div>\n<div dir=\"ltr\"><b>An die Braut: <\/b><b>&#8222;Geschichte der Revolution&#8220; &#8211;<\/b><\/div>\n<div dir=\"ltr\"><b>an August Stoeber: <\/b><b>&#8222;Hanf&#8220; und &#8222;Laternen&#8220;<\/b><\/div>\n<\/div>\n<div dir=\"ltr\">\u00a0<\/div>\n1935 ver\u00f6ffentlichte der B\u00fcchnerforscher Jean Strohl, der selbst Naturwissenschaftler war und wissenschaftshistorisch Georg B\u00fcchners naturwissenschaftliche Arbeiten erforschte, in der vom Autographensammler Martin Bodmer mitbegr\u00fcndeten Literaturzeitschrift &#8222;Corona&#8220; einen unbekannten B\u00fcchnerbrief. Am 9. Dezember 1833 schrieb B\u00fcchner aus Darmstadt an den Stra\u00dfburger Studienfreund August Stoeber:<\/div>\n<div dir=\"ltr\">\u00a0<\/div>\n<div dir=\"ltr\">\u201e<i>Manchmal f\u00fchle ich ein wahres Heimweh nach Euren Bergen. Hier ist Alles so eng und klein. Natur und Menschen, die kleinlichsten Umgebungen, denen ich auch keinen Augenblick Interesse abgewinnen kann. Zu Ende Octobers ging ich von hier nach Gie\u00dfen. 5 Wochen brachte ich daselbst halb im Dreck und halb im Bett zu. Ich bekam einen Anfall von Hirnhautentz\u00fcndung; die Krankheit wurde im Entstehen unterdr\u00fcckt, ich wurde aber gleichwohl gezwungen nach Darmstadt zur\u00fcckzukehren um mich daselbst v\u00f6llig zu erholen.\u00a0[\u2026]<\/i><\/div>\n<div dir=\"ltr\"><i>Die politischen Verh\u00e4ltnisse k\u00f6nnten mich rasend machen.\u00a0[\u2026] Ich bete jeden Abend zum Hanf und zu d. Laternen.\u201c<\/i><\/div>\n<div dir=\"ltr\">\u00a0<\/div>\n<div dir=\"ltr\">Da\u00df B\u00fcchner bereits wenige Wochen nach Beginn des Wintersemesters krankheitsbedingt ins Elternhaus zur\u00fcckkehrte, wurde erst durch die Ver\u00f6ffentlichung dieses Briefes aus dem &#8222;Fond litt\u00e9raire Stoeber&#8220; bekannt.<\/div>\n<div dir=\"ltr\">\u00a0<\/div>\n<div dir=\"ltr\">Neben diesen Brief stellte Strohl den seit 1850 bekannten &#8222;Brief an die Braut&#8220;, der ja hinsichtlich der beklagten hessischen &#8222;Mittelm\u00e4\u00dfigkeiten&#8220; und der Erinnerungen an Stra\u00dfburg und das Elsa\u00df, aber auch hinsichtlich der Zuwendung zur Revolutionsgeschichte einige\u00a0thematische \u00c4hnlichkeiten,\u00a0aufweist. Auf der Grundlage irriger biographischer Annahmen datierte Strohl\u00a0den Brief an die Braut ins Fr\u00fchjahr 1834, was Bergemanns Vermutung von 1922 entsprach:<\/div>\n<div dir=\"ltr\">\u00a0<\/div>\n<div dir=\"ltr\">\n<div>\n<div dir=\"ltr\">\u201e<i>Da B\u00fcchner erst nach dem 10. M\u00e4rz wieder in Gie\u00dfen war, so m\u00fcssen wir den Brief in die Tage nach dieser R\u00fcckkehr verlegen, was auch mit der Erw\u00e4hnung der Veilchen gut \u00fcbereinstimmt<\/i><i>.\u201c<\/i><\/div>\n<div dir=\"ltr\">\u00a0<\/div>\n<\/div>\nDamit war nicht nur die Behauptung: &#8222;nach dem 10. M\u00e4rz&#8220; 1834 etabliert, sondern es zeichnete sich auch die m\u00f6gliche &#8218;Verlagerung&#8216; des Texts in der Reihe der von Ludwig B\u00fcchner \u00fcberlieferten Briefausz\u00fcge ab:<\/div>\n<div dir=\"ltr\">\n<div>\n<div>\n<p dir=\"ltr\">\u201eDer B\u00fcchner-Herausgeber Werner R. Lehmann folgte 1971 ebenfalls dem Indiz \u00bbVeilchenstrau\u00df\u00ab. Er datierte den Brief auf \u00bbnach dem 10. M\u00e4rz 1834\u00ab. Dieser w\u00e4re damit nicht mehr der erste, sondern der vierte in der Reihe der f\u00fcnf Briefe an Jaegl\u00e9. Vor allem: Er w\u00e4re fast gleichzeitig mit dem Hessischen Landboten entstanden.<i>\u201c\u00a0<\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div dir=\"ltr\">(Dedner im buechnerportal)<\/div>\n<div dir=\"ltr\">\u00a0<\/div>\n<div dir=\"ltr\">Fritz Bergemann dagegen zog offenbar aus den neuen Informationen zum Beginn des Studiums in Gie\u00dfen und der vor\u00fcbergehenden R\u00fcckkehr ins Elternhaus eine ganz andere Schlu\u00dffolgerung, n\u00e4mlich \u00a0da\u00df das Bild vom Veilchenstrau\u00df als unsterblichem\u00a0Lama nicht w\u00f6rtlich zu nehmen w\u00e4re und da\u00df die beiden synonym zu verstehenden \u00c4u\u00dferungen \u00fcber das Studium der Revolutionsgeschichte dichter beieinander lagen als von Strohl angenommen.<\/div>\n<div dir=\"ltr\">\u00a0<\/div>\n<div dir=\"ltr\">Anla\u00df f\u00fcr Bergemanns R\u00fcckgang zu der im 19. Jahrhundert etablierten Datierung ins Jahr 1833 waren\u00a0jedenfalls Strohls Ver\u00f6ffentlichungen, was schon daraus zu erschlie\u00dfen ist, da\u00df 1940, als die revidierte Ausgabe im Insel-Verlag erschien, der Brief vom 9. Dezember 1833 auch im &#8222;Inselschiff&#8220; vorgestellt wurde (Untertitel: &#8222;Aus dem Zuwachs zur dritten Auflage der B\u00fcchner-Ausgabe&#8220;).<\/div>\n<div dir=\"ltr\">\u00a0<\/div>\n<div dir=\"ltr\">Obwohl in akademischen Diskussionen zur Biographie Georg B\u00fcchners nach dem 2. Weltkrieg schon bald Strohls\u00a0M\u00e4rz-Datierung die Oberhand gewann, war die November-Datierung in den erschwinglichen\u00a0Publikumsausga<wbr \/>ben wie in biographischen Darstellungen bis weit in die 1970er Jahre pr\u00e4sent.<\/div>\n<div dir=\"ltr\"><b>Fatalismus und Absurdismus<\/b><\/div>\n<div dir=\"ltr\">Ich habe f\u00fcr die hier vorgestellte Erinnerungsarbeit noch einmal das dtv-Taschenbuch Nr. 70 aufgeschlagen,das uns Unterprimanern im\u00a0Jahr 1968 als Grundlage der obligatorischen Besch\u00e4ftigung mit B\u00fcchners Revolutionsdrama diente. Nat\u00fcrlich finden sich zahlreiche Unterstreichungen von der Hand des auch auf S. 162:<\/div>\n<div dir=\"ltr\">\u00a0<\/div>\n<div dir=\"ltr\">\u201e<i>Ich f\u00fchlte mich wie zernichtet unter dem gr\u00e4\u00dflichen Fatalismus der Geschichte. Ich finde in der Menschennatur eine entsetzliche Gleichheit, in den menschlichen Verh\u00e4ltnissen eine unabwendbare Gewalt, allen und keinem verliehen. Der einzelne nur Schaum auf der Welle, die Gr\u00f6\u00dfe ein blo\u00dfer Zufall, die Herrschaft des Genies ein Puppenspiel, ein l\u00e4cherliches Ringen gegen ein ehernes Gesetz, es zu erkennen das H\u00f6chste, es zu beherrschen unm\u00f6glich.\u201c<\/i><\/div>\n<div dir=\"ltr\">\u00a0<\/div>\n<div dir=\"ltr\">Der &#8222;Fatalismus&#8220;-Brief war in dieser Ausgabe noch auf den 1. November 1833 datiert, es folgte der Brief an August Stoeber vom 9. Dezember. Nicht unterstrichen sind die f\u00fcr meine sp\u00e4teren Besch\u00e4ftigungen mit B\u00fcchners Werk und Haltung so wichtigen S\u00e4tze (S. 164):<\/div>\n<div dir=\"ltr\">\u00a0<\/div>\n<div dir=\"ltr\">\n<div>\n<div dir=\"ltr\">\u201e<i>.Die politischen Verh\u00e4ltnisse k\u00f6nnten mich rasend machen. Das arme Volk schleppt geduldig den Karren, worauf die F\u00fcrsten und Liberalen ihre Affenkom\u00f6die spielen. Ich bete jeden Abend zum Hanf und zu den Latern.\u201c<\/i><\/div>\n<div dir=\"ltr\">\u00a0<\/div>\n<div dir=\"ltr\">Wir lasen diese Briefe noch nicht politisch. Da wir in der Freizeit in einer Theaterbaracke, die nach dem 2. Weltkrieg als Notkirche gedient hatte, Ionesco und Tardieu, Beckett und Arrabal inszenierten, lasen wir auch B\u00fcchners St\u00fcck absurdistisch:<\/div>\n<div dir=\"ltr\">\u00a0<\/div>\n<\/div>\n<i>\u201eDie Welt ist das Chaos. Das Nichts ist der zu geb\u00e4rende <\/i>Weltgott.\u201c<\/div>\n<div dir=\"ltr\">\n<div>\n<div dir=\"ltr\">\n<div>\u00a0<\/div>\n<\/div>\n<div dir=\"ltr\">\n<div dir=\"ltr\">\n<div dir=\"ltr\">\n<div>\n<div dir=\"ltr\">\n<div>\n<div>\n<div dir=\"ltr\">\n<div>\n<div>\n<div dir=\"ltr\">\n<div>\n<div>\n<div dir=\"ltr\">\u00a0<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div dir=\"ltr\">Und doch ging ich 1968 zum ersten Mal zum Ostermarsch, weil am Gr\u00fcndonnerstag auf Rudi Dutschke geschossen worden war, und im Mai gingen dann die Sch\u00fcler mit den Studenten gegen die Notstandsgeetze auf die Stra\u00dfe.<\/div>\n<div dir=\"ltr\">\u00a0<\/div>\n<div dir=\"ltr\">Ob reaktion\u00e4r, ob fortschrittlich,<\/div>\n<p>&#8222;1833&#8220; war erledigt<\/p>\n<div dir=\"ltr\">\u00a0<\/div>\n<div dir=\"ltr\">Die akademische Besch\u00e4ftigung mit B\u00fcchners Texten war schon seit Mitte der 1960er Jahre durch eine scharfe ideologische Auseinandersetzung gepr\u00e4gt. 1963 hatte Werner R. Lehmann, in der Festschrift f\u00fcr den Hamburger Verleger Christian Wegner, seine &#8222;Prolegomena zu einer historisch-kritischen B\u00fcchner-Ausgabe&#8220; ver\u00f6ffentlicht. Er war \u00fcberzeugt, da\u00df\u00a0in Ludwig B\u00fcchners Edition der &#8222;Briefe an die Breut, aus Gie\u00dfen 1833 und 1834&#8220; nicht nur die Jahreszahl 1833, sondern\u00a0auch die Anordnung der Brieftexte auf falschen Annahmen beruhten und folglich zu korrigieren waren.\u00a0<\/div>\n<div dir=\"ltr\">\u00a0<\/div>\n<div dir=\"ltr\">Mit der Datierung &#8222;nach dem 10. M\u00e4rz&#8220; r\u00fcckt der &#8222;Fatalismus&#8220;-Brief in den Kontext von Mi\u00dfstimmungen im Fr\u00fchjahr 1834 und nahe heran an B\u00fcchners Arbeit am Entwurf f\u00fcr die revolution\u00e4re Flugschrift. In Lehmanns Edition sollte der &#8222;Fatalismus&#8220;-Brief\u00a0 also in einem anderen biographischen Kontext erscheinen. Vorausgegangen w\u00e4re die seelische Krise, die in einem anderen Brief an Wilhelmine Jaegl\u00e9 zum Ausdruck kommt:<\/div>\n<div dir=\"ltr\">\u00a0<\/div>\n<div dir=\"ltr\">\n<div>\n<div><i>\u201eDer erste helle Augenblick seit acht Tagen. Unaufh\u00f6rliches Kopfweh und Fieber, die Nacht kaum einige Stunden d\u00fcrftiger Ruhe. Vor zwei Uhr komme ich in kein Bett, und dann ein best\u00e4ndiges Auffahren aus dem Schlaf und ein Meer von Gedanken, in denen mir die Sinne vergehen. Mein Schweigen qu\u00e4lt dich wie mich, doch vermochte ich nichts \u00fcber mich. Liebe, liebe Seele, vergibst du? [\u2026]<\/i><\/div>\n<div><i>Die Ferien fangen morgen in vierzehn Tagen an; verweigert man die Erlaubni\u00df, so gehe ich heimlich, ich bin mir selbst schuldig, einem unertr\u00e4glichen Zustande ein Ende zu machen. Meine geistigen Kr\u00e4fte sind g\u00e4nzlich zerr\u00fcttet. Arbeiten ist mir unm\u00f6glich, ein dumpfes Br\u00fcten hat sich meiner bemeistert, in dem mir kaum ein Gedanke noch hell wird. Alles verzehrt sich in mir selbst; h\u00e4tte ich einen Weg f\u00fcr mein Inneres, aber ich habe keinen Schrei f\u00fcr den Schmerz, kein Jauchzen f\u00fcr die Freude, keine Harmonie f\u00fcr die Seligkeit. Dies Stummsein ist meine Verdammni\u00df. Ich habe dir\u2019s schon tausendmal gesagt: Lies meine Briefe nicht, \u2013 kalte, tr\u00e4ge Worte! K\u00f6nnte ich nur \u00fcber dich einen vollen Ton ausgie\u00dfen; \u2013 so schleppe ich dich in meine w\u00fcsten Irrg\u00e4nge. Du sitzest jetzt im dunkeln Zimmer in deinen Thr\u00e4nen allein, bald trete ich zu dir. Seit vierzehn Tagen steht dein Bild best\u00e4ndig vor mir, ich sehe dich in jedem Traum. [\u2026]\u201c<\/i><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div dir=\"ltr\">\u00a0<\/div>\n<div dir=\"ltr\">Lehmann benutzte die angeblich zwingende philologische Operation, die Neuordnung der Briefausz\u00fcge nach Ma\u00dfgabe der Stichw\u00f6rter &#8222;Fr\u00fchling&#8220; und &#8222;Veilchenstrau\u00df&#8220;, um die These zu etablieren, der etwa zeitgleich niedergeschriebene Landboten-Entwurf h\u00e4tte zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr B\u00fcchners ern\u00fcchterter Beurteilung revolution\u00e4ren Handelns entsprochen.<\/div>\n<div dir=\"ltr\">\u00a0<\/div>\n<div dir=\"ltr\">Dieser These vom &#8218;gebrochenen Bewu\u00dftsein&#8216;, von einem revolution\u00e4ren Experiment trotz besseren Wissens widersprach wenig sp\u00e4ter Hans Magnus Enzensberger mit gro\u00dfer Entschiedenheit. In seiner Ausgabe des &#8222;Hessischen Landboten&#8220; (1965) wurde auch\u00a0die hessische Verschw\u00f6rung des Jahres 1834 ausf\u00fchrlich dokumentiert. Besonders hervorgehoben wurde dabei\u00a0die Aktualit\u00e4t von B\u00fcchners revolution\u00e4rer Haltung im Kontext der lateinamerikanische, afrikanischen und asiatischen Befreiungsbewegungen, womit bereits die &#8218;linksradiakle&#8216; B\u00fcchner-Rezeption in den Jahren nach 1968 vorgezeichnet war.<\/div>\n<div dir=\"ltr\">\u00a0<\/div>\n<div dir=\"ltr\">Aber unabh\u00e4ngig davon, wie in der Folge B\u00fcchners Haltung in den politischen K\u00e4mpfen seiner Zeit bestimmt wurde: \u00dcbereinstimmend hielt man &#8222;Fr\u00fchling&#8220; und &#8222;Veilchenstrau\u00df&#8220; f\u00fcr die ma\u00dfgeblichen &#8222;Indizien&#8220; im Kontext historisch-kritischer Berichtigung von Ludwig B\u00fcchners Editionsfehlern.\u00a0<\/div>\n<div dir=\"ltr\">\u00a0Lehmanns M\u00e4rz-Datierung wurde erst wieder diskutiert, als\u00a0<\/div>\n<div dir=\"ltr\">Auch Thomas Michael Mayer, der f\u00fcr seine Doktorarbeit die reiche aktenm\u00e4\u00dfige \u00dcberlieferung zur Verschw\u00f6rung von 1834 aufgearbeitet hatte und im \u00fcbrigen durch akribische Nachforschungen den Abbruch von Lehmanns Projekt einer historisch-kritischen Ausgabe verursachte, blieb beim &#8218;Fatalismusbrief&#8216; nahe an der von Strohl etablierten M\u00e4rz-Datierung. Mit einem Blick auf Mayers Projekt einer &#8218;wirklich&#8216; historisch-kritischen Ausgabe, seinem\u00a0neuen B\u00fcchnerbild und der damit einhergehenden Lekt\u00fcre des sogenannten Fatalismusbriefs als Liebesbrief will ich den n\u00e4chsten Teil meines Gastbeitrags im Geschwister-B\u00fcchner-Blog beginnen.<\/div>\n<div dir=\"ltr\">\u00a0<\/div>\n<div dir=\"ltr\">September 2026, Dr. Herbert Wender\u00a0<\/div>\n<div class=\"yj6qo\">\u00a0<\/div>\n<div class=\"adL\" dir=\"ltr\">\u00a0<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der erste Teil meines Gastbeitrags zur Datierungsgeschichte des sogenannten Fatalismusbriefs endete mit Fritz Bergemanns Abkehr von seiner fr\u00fcheren hypothetischen Datierung ins Fr\u00fchjahr 1834. 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