{"id":393,"date":"2012-03-08T10:59:57","date_gmt":"2012-03-08T08:59:57","guid":{"rendered":"http:\/\/geschwisterbuechner.de\/2012\/03\/08\/zum-8-marz-clara-zetkin-%e2%80%9efur-die-befreiung-der-frau%e2%80%9d\/"},"modified":"2012-03-08T13:13:04","modified_gmt":"2012-03-08T11:13:04","slug":"zum-8-marz-clara-zetkin-%e2%80%9efur-die-befreiung-der-frau%e2%80%9d","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/geschwisterbuechner.de\/?p=393","title":{"rendered":"Zum 8. M\u00e4rz: Clara Zetkin \u0084F\u00fcr die Befreiung der Frau!\u201d"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"background-image: initial; background-attachment: initial; background-origin: initial; background-clip: initial; color: #330000; line-height: 34px; text-align: center; font-family: 'Century Schoolbook', 'Hoefler Text', 'Times New Roman', serif; font-size: 22pt; margin-left: 6%; margin-right: 6%\"><\/h2>\n<p>Die Frauenbewegung konnte sich den Wirren, Spaltungen und Verirrungen der politischen Entwicklung im 19. Jahrhundert nicht entziehen. \u00a0Luise B\u00fcchners h\u00e4ufig als kleinb\u00fcrgerlich und den alten Verh\u00e4ltnissen verhaftet kritisierte Herangehensweise, in enger Zusammenarbeit, fast Freundschaft mit einer regierenden F\u00fcrstin, \u00a0ist nicht nur f\u00fcnfzig Jahre, sondern auch inhaltlich weit von den Ansichten und Forderungen der \u0084proletarischen\u0094 Frauen entfernt.<\/p>\n<p><em>Agnes Schmidt macht mich gerade darauf aufmerksam, dass sich Luise B\u00fcchner b<span style=\"background-color: rgba(255, 255, 255, 0.917969); font-family: 'Times New Roman'; font-size: medium; line-height: normal\">ereits 1869 vehement gegen die Absicht einiger f\u00fchrender Mitglieder der\u00a0Arbeiterpartei \u00a0wandte, die auf\u00a0dem Parteitag in Eisenach August 1869 f\u00fcr die Abschaffung oder Einschr\u00e4nkung der Frauenarbeit pl\u00e4dierten. (<\/span><span style=\"background-color: rgba(255, 255, 255, 0.917969); font-family: 'Times New Roman'; font-size: medium; line-height: normal\">Zeitschrift des Allgemeinen Frauenvereins Neue Bahnen, Heft: 1869\/21<\/span><span style=\"background-color: rgba(255, 255, 255, 0.917969); font-family: 'Times New Roman'; font-size: medium; line-height: normal\">\u00a0\u00a0<\/span><span style=\"background-color: rgba(255, 255, 255, 0.917969); font-family: 'Times New Roman'; font-size: medium; line-height: normal\">\u00a0<\/span><span style=\"background-color: rgba(255, 255, 255, 0.917969); font-family: 'Times New Roman'; font-size: medium; line-height: normal\">S. 161-163:\u00a0<\/span><span style=\"background-color: rgba(255, 255, 255, 0.917969); font-family: 'Times New Roman'; font-size: medium; line-height: normal\">Luise B\u00fcchners Leitartikel: Der Arbeiterkongre\u00df zu Eisenach und die Frauenfrage)\u00a0<\/span>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Dennoch scheint es mir angemessen, zum Internationalen Tag der Frau einen Originaltext von\u00a0<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Clara_Zetkin\" title=\"wikipedia: Clara Zetkin\" target=\"_blank\">Clara Zetkin<\/a>\u00a0(1857 &#8211; 1933) vorzustellen. Sie ist nicht nur die Begr\u00fcnderin der Tradition dieses internationalen Feiertages, sondern war auch als Abgeordnete der KPD die Alterspr\u00e4sidentin des Deutschen Reichstages am 30. August 1932, wo sie mutig und hellsichtig vor der Gefahr des Nationalsozialismus warnte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/geschwisterbuechner.de\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/clara_zetkin.jpg\" onmouseout=\"undefined\" onmouseover=\"undefined\" width=\"233\" height=\"350\" title=\"undefined\" \/><\/p>\n<p>Clara Zetkin, \u00a01897<\/p>\n<h4 class=\"cr\" style=\"margin-right: 6%; margin-left: 6%; font-size: 14pt; font-family: 'Century Schoolbook', 'Hoefler Text', 'Times New Roman', serif; text-align: center; color: #ff0000; background-image: initial; background-attachment: initial; background-origin: initial; background-clip: initial; line-height: normal\">Rede auf dem Internationalen Arbeiterkongre\u00df zu Paris<\/h4>\n<h3 style=\"background-image: initial; background-attachment: initial; background-origin: initial; background-clip: initial; color: #330000; line-height: 28px; text-align: center; font-family: 'Century Schoolbook', 'Hoefler Text', 'Times New Roman', serif; font-size: 18pt; margin-left: 6%; margin-right: 6%\">(19. Juli 1889)<\/h3>\n<p class=\"info\" style=\"font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif; font-size: 10pt; text-align: justify; line-height: 16px; margin-left: 6%; margin-right: 6%; margin-top: 0.3em; margin-bottom: 0.3em\"><strong><br \/>\n<\/strong>\n<\/p>\n<p class=\"fst\" style=\"font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif; font-size: medium; text-align: justify; line-height: 23px; margin-left: 6%; margin-right: 6%\">B\u00fcrgerin Zetkin, Abgeordnete der Arbeiterinnen von Berlin, ergreift unter lebhaftem Beifall das Wort \u00fcber die Frage der Frauenarbeit. Sie erkl\u00e4rt, sie wolle keinen Bericht erstatten \u00fcber die Lage der Arbeiterinnen, da diese die gleiche ist wie die der m\u00e4nnlichen Arbeiter. Aber im Einverst\u00e4ndnis mit ihren Auftraggeberinnen werde sie die Frage der Frauenarbeit vom prinzipiellen Standpunkt beleuchten. Da \u00fcber diese Frage keine Klarheit herrsche, sei es durchaus notwendig, da\u00df ein internationaler Arbeiterkongre\u00df sich klipp und klar \u00fcber diesen Gegenstand ausspreche, indem er die Prinzipienfrage behandelt.<\/p>\n<p style=\"text-indent: 1em; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif; font-size: medium; text-align: justify; line-height: 23px; margin-left: 6%; margin-right: 6%\">Es ist \u0096 f\u00fchrt die Rednerin aus \u0096 nicht zu verwundern, da\u00df die reaktion\u00e4ren Elemente eine reaktion\u00e4re Auffassung haben \u00fcber die Frauenarbeit. Im h\u00f6chsten Grade \u00fcberraschend aber ist es, da\u00df man auch im sozialistischen Lager einer irrt\u00fcmlichen Auffassung begegnet, indem man die Abschaffung der Frauenarbeit verlangt. Die Frage der Frauenemanzipation, das hei\u00dft in letzter Instanz die Frage der Frauenarbeit, ist eine wirtschaftliche, und mit Recht erwartet man bei den Sozialisten ein h\u00f6heres Verst\u00e4ndnis f\u00fcr wirtschaftliche Fragen als das, welches sich in der eben angef\u00fchrten Forderung kundgibt.<\/p>\n<p style=\"text-indent: 1em; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif; font-size: medium; text-align: justify; line-height: 23px; margin-left: 6%; margin-right: 6%\">Die Sozialisten m\u00fcssen wissen, da\u00df bei der gegenw\u00e4rtigen wirtschaftlichen Entwicklung die Frauenarbeit eine Notwendigkeit ist; da\u00df die nat\u00fcrliche Tendenz der Frauenarbeit entweder darauf hinausgeht, da\u00df die Arbeitszeit, welche jedes Individuum der Gesellschaft widmen mu\u00df, vermindert wird oder da\u00df die Reicht\u00fcmer der Gesellschaft wachsen; da\u00df es nicht die Frauenarbeit an sich ist, welche durch Konkurrenz mit den m\u00e4nnlichen Arbeitskr\u00e4ften die L\u00f6hne herabdr\u00fcckt, sondern die Ausbeutung der Frauenarbeit durch den Kapitalisten, der sich dieselbe aneignet.<\/p>\n<p style=\"text-indent: 1em; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif; font-size: medium; text-align: justify; line-height: 23px; margin-left: 6%; margin-right: 6%\">Die Sozialisten m\u00fcssen vor allem wissen, da\u00df auf der \u00f6konomischen Abh\u00e4ngigkeit oder Unabh\u00e4ngigkeit die soziale Sklaverei oder Freiheit beruht.<\/p>\n<p style=\"text-indent: 1em; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif; font-size: medium; text-align: justify; line-height: 23px; margin-left: 6%; margin-right: 6%\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/geschwisterbuechner.de\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/zetkin_luxemburg1910.jpg\" onmouseout=\"undefined\" onmouseover=\"undefined\" title=\"undefined\" height=\"616\" width=\"435\" \/><\/p>\n<p style=\"text-indent: 1em; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif; font-size: medium; text-align: justify; line-height: 23px; margin-left: 6%; margin-right: 6%\"><em>Clara Zetkin und Rosa Luxemburg, 1910 \u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-indent: 1em; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif; font-size: medium; text-align: justify; line-height: 23px; margin-left: 6%; margin-right: 6%\">Diejenigen, welche auf ihr Banner die Befreiung alles dessen, was Menschenantlitz tr\u00e4gt, geschrieben haben, d\u00fcrfen nicht eine ganze H\u00e4lfte des Menschengeschlechtes durch wirtschaftliche Abh\u00e4ngigkeit zu politischer und sozialer Sklaverei verurteilen. Wie der Arbeiter vom Kapitalisten unterjocht wird, so die Frau vom Manne; und sie wird unterjocht bleiben, solange sie nicht wirtschaftlich unabh\u00e4ngig dasteht. Die unerl\u00e4\u00dfliche Bedingung f\u00fcr diese ihre wirtschaftliche Unabh\u00e4ngigkeit ist die Arbeit. Will man die Frauen zu freien menschlichen Wesen, zu gleichberechtigten Mitgliedern der Gesellschaft machen wie die M\u00e4nner, nun, so braucht man die Frauenarbeit weder abzuschaffen noch zu beschr\u00e4nken, au\u00dfer in gewissen, ganz vereinzelten Ausnahmef\u00e4llen.<\/p>\n<p style=\"text-indent: 1em; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif; font-size: medium; text-align: justify; line-height: 23px; margin-left: 6%; margin-right: 6%\">Die Arbeiterinnen, welche nach sozialer Gleichheit streben, erwarten f\u00fcr ihre Emanzipation nichts von der Frauenbewegung der Bourgeoisie, welche angeblich f\u00fcr die Frauenrechte k\u00e4mpft. Dieses Geb\u00e4ude ist auf Sand gebaut und hat keine reelle Grundlage. Die Arbeiterinnen sind durchaus davon \u00fcberzeugt, da\u00df die Frage der Frauenemanzipation keine isoliert f\u00fcr sich bestehende ist, sondern ein Teil der gro\u00dfen sozialen Frage. Sie gehen sich vollkommen klare Rechenschaft dar\u00fcber, da\u00df diese Frage in der heutigen Gesellschaft nun und nimmermehr gelost werden wird, sondern erst nach einer gr\u00fcndlichen Umgestaltung der Gesellschaft. Die Frauenemanzipationsfrage ist ein Kind der Neuzeit, und die Maschine hat dieselbe geboren.<\/p>\n<p style=\"text-indent: 1em; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif; font-size: medium; text-align: justify; line-height: 23px; margin-left: 6%; margin-right: 6%\">Emanzipation der Frau hei\u00dft die vollst\u00e4ndige Ver\u00e4nderung ihrer sozialen Stellung von Grund aus, eine Revolution ihrer Rolle im Wirtschaftsleben. Die alte Form der Produktion mit ihren unvollkommenen Arbeitsmitteln fesselte die Frau an die Familie und beschr\u00e4nkte ihren Wirkungskreis auf das Innere ihres Hauses. Im Scho\u00df der Familie stellte die Frau eine au\u00dferordentlich produktive Arbeitskraft dar. Sie erzeugte fast alle Gebrauchsgegenst\u00e4nde der Familie. Beim Stande der Produktion und des Handels von ehedem w\u00e4re es sehr schwer, wenn nicht unm\u00f6glich gewesen, diese Artikel au\u00dferhalb der Familie zu produzieren. Solange diese \u00e4lteren Produktionsverh\u00e4ltnisse in Kraft waren, solange war die Frau wirtschaftlich produktiv &#8230;<\/p>\n<p style=\"text-indent: 1em; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif; font-size: medium; text-align: justify; line-height: 23px; margin-left: 6%; margin-right: 6%\">Die maschinelle Produktion hat die wirtschaftliche T\u00e4tigkeit der Frau in der Familie get\u00f6tet. Die Gro\u00dfindustrie erzeugt alle Artikel billiger, schneller und massenhafter, als dies bei der Einzelindustrie m\u00f6glich war, die nur mit den unvollkommenen Werkzeugen einer Zwergproduktion arbeitete. Die Frau mu\u00dfte oft den Rohstoff, den sie im ldeinen einkaufte, teurer bezahlen als das fertige Produkt der maschinellen Gro\u00dfindustrie. Sie mu\u00dfte au\u00dfer dem Kaufpreis (des Rohstoffes) noch ihre Zeit und ihre Arbeit dreingeben. Infolgedessen wurde die produktive T\u00e4tigkeit innerhalb der Familie ein \u00f6konomischer Unsinn, eine Vergeudung an Kraft und Zeit. Obgleich ja einzelnen Individuen die im Scho\u00df der Familie produzierende Frau von Nutzen sein mag, bedeutet diese Art der T\u00e4tigkeit nichtsdestoweniger f\u00fcr die Gesellschaft einen Verlust.<\/p>\n<p style=\"text-indent: 1em; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif; font-size: medium; text-align: justify; line-height: 23px; margin-left: 6%; margin-right: 6%\">Das ist der Grund, warum die gute Wirtschafterin aus der guten alten Zeit fast g\u00e4nzlich verschwunden ist. Die Gro\u00dfindustrie hat die Warenerzeugung im Hause und f\u00fcr die Familie unn\u00fctz gemacht, sie hat der h\u00e4uslichen T\u00e4tigkeit der Frau den Boden entzogen. Zugleich hat sie eben auch den Boden f\u00fcr die T\u00e4tigkeit der Frau in der Gesellschaft geschaffen. Die mechanische Produktion, welche der Muskelkraft und qualifizierten Arbeit entraten kann, machte es m\u00f6glich, auf einem gro\u00dfen Arbeitsgebiete Frauen einzustellen. Die Frau trat in die Industrie ein mit dem Wunsche, die Eink\u00fcnfte in der Familie zu vermehren. Die Frauenarbeit in der Industrie wurde mit der Entwicklung der modernen Industrie eine Notwendigkeit. Und mit jeder Verbesserung der Neuzeit ward M\u00e4nnerarbeit auf diese Weise \u00fcberfl\u00fcssig, Tausende von Arbeitern wurden aufs Pflaster geworfen, eine Reservearmee der Armen wurde geschaffen, und die L\u00f6hne sanken fortw\u00e4hrend immer tiefer.<\/p>\n<p style=\"text-indent: 1em; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif; font-size: medium; text-align: justify; line-height: 23px; margin-left: 6%; margin-right: 6%\">Ehemals hatte der Verdienst des Mannes unter gleichzeitiger produktiver T\u00e4tigkeit der Frau im Hause ausgereicht, um die Existenz der Familie zu sichern; jetzt reicht er kaum hin, um den unverheirateten Arbeiter durchzubringen. Der verheiratete Arbeiter mu\u00df notwendigerweise mit auf die bezahlte Arbeit der Frau rechnen.<\/p>\n<p style=\"text-indent: 1em; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif; font-size: medium; text-align: justify; line-height: 23px; margin-left: 6%; margin-right: 6%\">Durch diese Tatsache wurde die Frau von der \u00f6konomischen Abh\u00e4ngigkeit vorn Manne befreit. Die in der Industrie t\u00e4tige Frau, die unm\u00f6glicherweise ausschlie\u00dflich in der Familie sein kann als ein blo\u00dfes wirtschaftliches Anh\u00e4ngsel des Mannes \u0096 sie lernte als \u00f6konomische Kraft, die vom Manne unabh\u00e4ngig ist, sich selbst gen\u00fcgen. Wenn aber die Frau wirtschaftlich nicht mehr vom Manne abh\u00e4ngt, so gibt es keinen vern\u00fcnftigen Grund f\u00fcr ihre soziale Abh\u00e4ngigkeit von ihm. Gleichwohl kommt diese wirtschaftliche Unabh\u00e4ngigkeit allerdings im Augenblick nicht der Frau selbst zugute, sondern dem Kapitalisten. Kraft seines Monopols der Produktionsmittel bem\u00e4chtigte sich der Kapitalist des neuen \u00f6konomischen Faktors und lie\u00df ihn zu seinem ausschlie\u00dflichen Vorteil in T\u00e4tigkeit treten. Die von ihrer \u00f6konomischen Abh\u00e4ngigkeit dem Manne gegen\u00fcber befreite Frau ward der \u00f6konomischen Herrschaft des Kapitalisten unterworfen; aus einer Sklavin des Mannes ward sie die des Arbeitgebers: Sie hatte nur den Herrn gewechselt. Immerhin gewann sie bei diesem Wechsel; sie ist nicht l\u00e4nger mehr dem Mann gegen\u00fcber wirtschaftlich minderwertig und ihm untergeordnet, sondern seinesgleichen. Der Kapitalist aber begn\u00fcgt sich nicht damit, die Frau selbst auszubeuten, er macht sich dieselbe au\u00dferdem noch dadurch nutzbar, da\u00df er die m\u00e4nnlichen Arbeiter mit ihrer Hilfe noch gr\u00fcndlicher ausbeutet.<\/p>\n<p style=\"text-indent: 1em; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif; font-size: medium; text-align: justify; line-height: 23px; margin-left: 6%; margin-right: 6%\">Die Frauenarbeit war von vornherein billiger als die m\u00e4nnliche Arbeit. Der Lohn des Mannes war urspr\u00fcnglich darauf berechnet, den Unterhalt einer ganzen Familie zu decken; der Lohn der Frau stellte von Anfang an nur die Kosten f\u00fcr den Unterhalt einer einzigen Person dar, und selbst diese nur zum Teil, weil man darauf rechnete, da\u00df die Frau auch zu Hause weiterarbeitet au\u00dfer ihrer Arbeit in der Fabrik. Ferner entsprachen die von der Frau im Hause mit primitiven Arbeitsinstrumenten hergestellten Produkte, verglichen mit den Produkten der Gro\u00dfindustrie, nur einem kleinen Quantum mittlerer gesellschaftlicher Arbeit. Man ward also darauf gef\u00fchrt, eine geringere Arbeitsf\u00e4higkeit bei der Frau zu folgern, und diese Erw\u00e4gung lie\u00df der Frau eine geringere Bezahlung zuteil werden f\u00fcr ihre Arbeitskraft. Zu diesen Gr\u00fcnden f\u00fcr billige Bezahlung kam noch der Umstand, da\u00df im ganzen die Frau weniger Bed\u00fcrfnisse hat als der Mann.<\/p>\n<p style=\"text-indent: 1em; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif; font-size: medium; text-align: justify; line-height: 23px; margin-left: 6%; margin-right: 6%\">Was aber dem Kapitalisten die weibliche Arbeitskraft ganz besonders wertvoll machte, das war nicht nur der geringe Preis, sondern auch die gr\u00f6\u00dfere Unterw\u00fcrfigkeit der Frau. Der Kapitalist spekulierte auf diese beiden Momente: die Arbeiterin so schlecht wie m\u00f6glich zu entlohnen und den Lohn der M\u00e4nner durch diese Konkurrenz so stark wie m\u00f6glich herabzudr\u00fccken. In gleicher Weise machte er sich die Kinderarbeit zunutze, um die L\u00f6hne der Frauen herabzudr\u00fccken; und die Arbeit der Maschinen, um die menschliche Arbeitskraft \u00fcberhaupt herabzudr\u00fccken. Das kapitalistische System allein ist die Ursache, da\u00df die Frauenarbeit die ihrer nat\u00fcrlichen Tendenz gerade entgegengesetzten Resultate hat; da\u00df sie zu einer l\u00e4ngeren Dauer des Arbeitstages f\u00fchrt, anstatt eine wesentliche Verk\u00fcrzung zu bewirken; da\u00df sie nicht gleichbedeutend ist mit einer Vermehrung der Reicht\u00fcmer der Gesellschaft, das hei\u00dft mit einem gr\u00f6\u00dferen Wohlstand jedes einzelnen Mitgliedes der Gesellschaft, sondern nur mit einer Erh\u00f6hung des Profites einer Handvoll Kapitalisten und zugleich mit einer immer gr\u00f6\u00dferen Massenverarmung. Die unheilvollen Folgen der Frauenarbeit, die sich heute so schmerzlich bemerkbar machen, werden erst mit dem kapitalistischen Produktionssystem verschwinden.<\/p>\n<p style=\"text-indent: 1em; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif; font-size: medium; text-align: justify; line-height: 23px; margin-left: 6%; margin-right: 6%\">Der Kapitalist mu\u00df, um der Konkurrenz nicht zu unterliegen, sich bem\u00fchen, die Differenz zwischen Einkaufs-(Herstellungs-)preis und Verkaufspreis seiner Waren so gro\u00df wie m\u00f6glich zu machen; et sucht also so billig wie m\u00f6glich zu produzieren und so teuer wie m\u00f6glich zu verkaufen. Der Kapitalist hat folglich alles Interesse daran, den Arbeitstag ins Endlose zu verl\u00e4ngern und die Arbeiter mit so l\u00e4cherlich geringf\u00fcgigem Lohn abzuspeisen wie nur irgend m\u00f6glich. Dieses Bestreben steht in geradem Gegensatz zu den Interessen der Arbeiterinnen, ebenso wie zu denen der m\u00e4nnlichen Arbeiter. Es gibt also einen wirklichen Gegensatz zwischen den Interessen der Arbeitet und der Arbeiterinnen nicht; sehr wohl aber existiert ein unvers\u00f6hnlicher Gegensatz zwischen den Interessen des Kapitals und denen der Arbeit.<\/p>\n<p style=\"text-indent: 1em; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif; font-size: medium; text-align: justify; line-height: 23px; margin-left: 6%; margin-right: 6%\">Wirtschaftliche Gr\u00fcnde sprechen dagegen, das Verbot der Frauenarbeit zu fordern. Die gegenw\u00e4rtige wirtschaftliche Lage ist so, da\u00df weder der Kapitalist noch der Mann auf die Frauenarbeit verzichten k\u00f6nnen. Der Kapitalist mu\u00df sie aufrechterhalten, um konkurrenzf\u00e4hig zu bleiben, und der Mann mu\u00df auf sie rechnen, wenn er eine Familie gr\u00fcnden will. Wollten wir selbst den Fall setzen, da\u00df die Frauenarbeit auf gesetzgeberischem Wege beseitigt werde, so w\u00fcrden dadurch die L\u00f6hne der M\u00e4nner nicht verbessert werden. Der Kapitalist w\u00fcrde den Ausfall an billigen weiblichen Arbeitskr\u00e4ften sehr bald durch Verwendung vervollkommneter Maschinen in umfangreicherem Ma\u00dfe decken \u0096 und in kurzer Zeit w\u00fcrde alles wieder sein wie vorher.<\/p>\n<p style=\"text-indent: 1em; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif; font-size: medium; text-align: justify; line-height: 23px; margin-left: 6%; margin-right: 6%\">Nach gro\u00dfen Arbeitseinstellungen, deren Ausgang f\u00fcr die Arbeitet g\u00fcnstig war, hat man gesehen, da\u00df die Kapitalisten mit Hilfe vervollkommneter Maschinen die errungenen Erfolge der Arbeiter zunichte gemacht haben.<\/p>\n<p style=\"text-indent: 1em; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif; font-size: medium; text-align: justify; line-height: 23px; margin-left: 6%; margin-right: 6%\">Wenn man Verbot oder Beschr\u00e4nkung der Frauenarbeit auf Grund der aus ihr erwachsenden Konkurrenz fordert, dann ist es ebenso logisch begr\u00fcndet, Abschaffung der Maschinen und Wiederherstellung des mittelalterlichen Zunftrechts zu fordern, welches die Zahl der in jedem Gewerbebetriebe zu besch\u00e4ftigenden Arbeiter festsetzte.<\/p>\n<p style=\"text-indent: 1em; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif; font-size: medium; text-align: justify; line-height: 23px; margin-left: 6%; margin-right: 6%\">Allein, abgesehen von den \u00f6konomischen Gr\u00fcnden sind es vor allem prinzipielle Gr\u00fcnde, welche gegen ein Verbot der Frauenarbeit sprechen. Eben auf Grund der prinzipiellen Seite der Frage m\u00fcssen die Frauen darauf bedacht sein, mit aller Kraft zu protestieren gegen jeden derartigen Versuch; sie m\u00fcssen ihm den lebhaftesten und zugleich berechtigtsten Widerstand entgegensetzen, weil sie wissen, da\u00df ihre soziale und politische Gleichstellung mit den M\u00e4nnern einzig und allein von ihrer \u00f6konomischen Selbst\u00e4ndigkeit abh\u00e4ngt, welche ihnen ihre Arbeit au\u00dferhalb der Familie in der Gesellschaft erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p style=\"text-indent: 1em; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif; font-size: medium; text-align: justify; line-height: 23px; margin-left: 6%; margin-right: 6%\">Vom Standpunkt des Prinzips aus protestieren wir Frauen nachdr\u00fccklichst gegen eine Beschr\u00e4nkung der Frauenarbeit. Da wir unsere Sache durchaus nicht von der Arbeitersache im allgemeinen trennen wollen, werden wir also keine besonderen Forderungen formulieren; wir verlangen keinen anderen Schutz als den, welchen die Arbeit im allgemeinen gegen das Kapital fordert.<\/p>\n<p style=\"text-indent: 1em; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif; font-size: medium; text-align: justify; line-height: 23px; margin-left: 6%; margin-right: 6%\">Nur eine einzige Ausnahme lassen wir zugunsten schwangerer Frauen zu, deren Zustand besondere Schutzma\u00dfregeln im Interesse der Frau selbst und der Nachkommenschaft erheischt. Wir erkennen gar keine besondere Frauenfrage an \u0096 wir erkennen keine besondere Arbeiterinnenfrage an! Wir erwarten unsere volle Emanzipation weder von der Zulassung der Frau zu dem, was man freie Gewerbe nennt, und von einem dem m\u00e4nnlichen gleichen Unterricht \u0096 obgleich die Forderung dieser beiden Rechte nur nat\u00fcrlich und gerecht ist \u0096 noch von der Gew\u00e4hrung politischer Rechte. Die L\u00e4nder, in denen das angeblich allgemeine, freie und direkte Wahlrecht existiert, zeigen uns, wie gering der wirkliche Wert desselben ist. Das Stimmrecht ohne \u00f6konomische Freiheit ist nicht mehr und nicht weniger als ein Wechsel, der keinen Kurs hat. Wenn die soziale Emanzipation von den politischen Rechten abhinge, w\u00fcrde in den L\u00e4ndern mit allgemeinem Stimmrecht keine soziale Frage existieren. Die Emanzipation der Frau wie die des ganzen Menschengeschlechtes wird ausschlie\u00dflich das Werk der Emanzipation der Arbeit vom Kapital sein. Nur in der sozialistischen Gesellschaft werden die Frauen wie die Arbeiter in den Vollbesitz ihrer Rechte gelangen.<\/p>\n<p style=\"text-indent: 1em; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif; font-size: medium; text-align: justify; line-height: 23px; margin-left: 6%; margin-right: 6%\">\u00a0<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/geschwisterbuechner.de\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/c_zetkin_2.jpg\" onmouseout=\"undefined\" onmouseover=\"undefined\" title=\"undefined\" height=\"238\" width=\"236\" \/><\/p>\n<p style=\"text-indent: 1em; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif; font-size: medium; text-align: justify; line-height: 23px; margin-left: 6%; margin-right: 6%\">\u00a0Clara Zetkin, 1930<\/p>\n<p style=\"text-indent: 1em; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif; font-size: medium; text-align: justify; line-height: 23px; margin-left: 6%; margin-right: 6%\"><span style=\"font-size: 15px; text-indent: 14px\">In Erw\u00e4gung dieser Tatsachen bleibt den Frauen, denen es mit dem Wunsche ihrer Befreiung ernst ist, nichts anderes \u00fcbrig, als sich der sozialistischen Arbeiterpartei anzuschlie\u00dfen, der einzigen, welche die Emanzipation der Arbeiter anstrebt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-indent: 1em; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif; font-size: medium; text-align: justify; line-height: 23px; margin-left: 6%; margin-right: 6%\">Ohne Beihilfe der M\u00e4nner, ja, oft sogar gegen den Willen der M\u00e4nner, sind die Frauen unter das sozialistische Banner getreten; man mu\u00df sogar zugestehen, da\u00df sie in gewissen Fallen selbst gegen ihre eigene Absicht unwiderstehlich dahin getrieben worden sind, einfach durch eine klare Erfassung der \u00f6konomischen Lage.<\/p>\n<p style=\"text-indent: 1em; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif; font-size: medium; text-align: justify; line-height: 23px; margin-left: 6%; margin-right: 6%\">Aber sie stehen nun unter diesem Banner, und sie werden unter ihm bleiben! Sie werden unter ihm k\u00e4mpfen f\u00fcr ihre Emanzipation, f\u00fcr ihre Anerkennung als gleichberechtigte Menschen.<\/p>\n<p style=\"text-indent: 1em; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif; font-size: medium; text-align: justify; line-height: 23px; margin-left: 6%; margin-right: 6%\">Indern sie Hand in Hand gehen mit der sozialistischen Arbeiterpartei, sind sie bereit, an allen M\u00fchen und Opfern des Kampfes teilzunehmen, aber sie sind auch fest entschlossen, mit gutem Fug und Recht nach dem Siege alle ihnen zukommenden Rechte zu fordern. In bezug auf Opfer und Pflichten sowohl wie auf Rechte wollen sie nicht mehr und nicht weniger sein als Waffengenossen, die unter gleichen Bedingungen in die Reihen der K\u00e4mpfer aufgenommen worden sind.<\/p>\n<p class=\"c\" style=\"font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif; font-size: medium; text-align: center; line-height: 23px; margin-left: 6%; margin-right: 6%\">(<em>Lebhafter Beifall, der sich wiederholt, nachdem B\u00fcrgerin Aveling diese Auseinandersetzung ins Englische und Franz\u00f6sische \u00fcbersetzt hat.<\/em>)<\/p>\n<p class=\"c\" style=\"font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif; font-size: medium; text-align: center; line-height: 23px; margin-left: 6%; margin-right: 6%\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><em><span style=\"font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif; font-size: 14px; line-height: 16px; text-align: justify\">Protokoll des Internationalen Arbeiter-Congresses zu Paris. Abgehalten vom 14. bis 20. Juli 1889<\/span><span style=\"font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif; font-size: 14px; line-height: 16px; text-align: justify\">, N\u00fcrnberg 1890, S.80-85.\u00a0<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Die rechtefreien Bilder fand ich dankenswerterweise bei wikipedia<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Frauenbewegung konnte sich den Wirren, Spaltungen und Verirrungen der politischen Entwicklung im 19. 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