Peter Brunners Buechnerblog

Kategorie: Luise Büchner (Seite 21 von 24)

Luise Büchner: „Der Verwünschte Kaffee!“

 

 

 

Den schönen Text Luise Büchners über weibliche Pflicht und weibliches Vergnügen widme ich anlässlich der Übernahme des Restaurants Strud´l Stub´n in der Villa Büchner der neuen Inhaberin, Frau Sabine Gündisch, mit den besten Wünschen auf viele Kaffegäste weiblichen und männlichen Geschlechts!

 

Der Damenkaffee.

 

„Ist denn dieses viel geschmähte, unschuldige Vergnügen der geplagten deutschen Frauenwelt so überaus wichtig, dass man ihm auch noch gar ein besonderes Kapitel widmet?“ So wird vielleicht manche empfindliche Leserin entrüstet fragen und dabei alleine der frohen, gemütlichen Stunden gedenken, die sie im Kreise von lieben Freundinnen bei den duftenden Schälchen Mokka verbracht hat. – Sie hat nicht ganz unrecht mit ihrer Entrüstung, den sie merkt schon im Voraus, dass das Kapitel schwerlich dem besonderen Lobe und der Verherrlichung der „Urgemütlichen, deutschen Kaffeevisite“ dienen soll.

 

Wir antworten ihr aber schnell gefasst, dass wir gar nicht daran denken, dass „Kaffeestündchen“ angreifen zu wollen. Es hatte seine volle, ja sogar seine historische Berechtigung, es ist von den größten Dichtern unserer Nation besungen und gepriesen worden, es vereinigt die Kreise so behaglich an der Tafelrunde; und wo zwei Freundinnen sich ihre tiefsten Herzensergießungen einander mitzuteilen haben, wo ein paar Hausfrauen einmal in stiller Stunde die Freuden und Leiden ihres Haus-und Familienstandes gegenseitig austauschen möchten, oder wo ein paar alte Damen, die des Abends nicht mehr ausgehen, ihr Spielchen zusammen machen, da gibt es gewiss keine angenehmere Zutat, als den dunklen Zaubertrank, der die Zungen löst und die Fantasie beflügelt.

 

Wir haben es hier mit einem anderen Feind des weiblichen Geschlechts zu tun, den man durchaus nicht mit dem „Kaffeestündchen“ verwechseln muss, wir meinen den wohl konditioniert, regelrechten Damenkaffee. Ihn näher zu beschreiben und die Vorwürfe zu wiederholen, die man schon so oft gegen ihn geschleudert, wodurch er sich indessen gar nicht in seiner Existenz beirren lässt, ist keineswegs unsere Absicht – wer gerne klatscht, findet dazu immer Gelegenheit, auch ohne „Damenkaffee“, – wir möchten nur einmal recht nachdrücklich hervorheben, wie viele schöne, gute Zeit, wie die besten Tagesstunden damit vergeudet werden.

 

Die mittelalterliche Sitte des Ausgehens, des geselligen Verkehrs zwischen dem Mittag-und Abendläuten hat sich nirgends so beständig erhalten, als in Deutschland und vorzugsweise unter den Frauen der besseren Stände; denn die arbeitende Frau hat keine Zeit, sich in diesen Stunden, außer am Sonntag, zu vergnügen. Wie so vieles in unserem Leben, ist auch dieses Sitte mannigfach zur Unsitte geworden. Es scheint uns wenigstens eine Art von Unsitte zu sein, wenn jugendliche Frauen und Mädchen, noch in der Vollkraft des Lebens, sich zur besten Tags – und Arbeitszeit in eine entsprechende Toilette werfen, den Strickstrumpf eine andere noch leichtere Arbeit in die Tasche stecken, um sich in einem „Damenkaffee“ zu begeben und dort drei bis vier Stunden lang in der unfruchtbarsten und oft unerquicklichsten Weise ihre Gedanken und Neuigkeiten auszutauschen, während Berge von Kuchen und Süßigkeiten vor ihnen aufgehäuft stehen.

 

Was hat nun diese Art von Geselligkeit für einen Zweck, und wer amüsiert sich dabei? Eigentlich niemand, aber man ist einmal an diesen Schlendrian gewöhnt, und so geht es mit Grazie weiter in das Endlose; die jungen Mädchen fangen damit an, die jungen Frauen setzen es fort, und der „Damenkaffee“ wird zu einer nicht mehr abzuschütteln den Gewohnheit bis ins hohe Alter hinein, nur alsdann langweiliger, schaler und abgestandner.

 

Aber hoffen wir, dass auch seine Tage gezählt sind! Je mehr die Frauen sich ernster, gediegener Arbeit zuwenden, umso weniger Zeit werden sie für solche nutzlose Zeitverschwendung haben. Heute schon ist es solchen Frauen, die sich ernstlich beschäftigen, nicht möglich, einige Male in der Woche um vier Uhr des Nachmittags auszugehen und drei bis vier Stunden lang bei Kaffee, Kuchen und Konversation zuzubringen. Kommt man dann in der Hälfte des Abends nach Hause, so ist dieser ganz ebenso verloren, wie der Nachmittag; man ist müde, abgespannt, unlustig noch etwas Ernstes anzufangen, und geht gähnend und unzufrieden zu Bett, mit dem Vorsatz, sobald nicht wieder, was auch die anderen sagen mögen, „mit den Wölfen zu heulen“.

 

Wie können aber Mütter, deren Kinder gerade in der Stunde aus der Schule kommen, wo die Mama in die „Kaffeevisite“ geht, ihre Pflicht erfüllen? Gerade jetzt wäre sie ihnen am notwendigsten, um die Aufgaben zu überwachen, mit ihnen zu spielen, einen Spaziergang mit ihnenzu machen – sie sieht es auch sehr wohl ein, sie fühlt, was ihre Abwesenheit alles nach sich ziehen kann. „Der Verwünschte Kaffee!“ Aber man hat schon so oft abgesagt, man sehnt sich auch einmal wieder etwas anderes zu sehen und zu hören, man muss fort! „Man muss nicht müssen“, sagt Nathan, wir haben es schon in der Literaturstunde gelernt; aber was nützt alle Weisheit der Welt vor dem Machgebot „des Damenkaffee“? Wenn die Mutter nachhause kommt, liegen die Kinder im Bett oder werden hineingelegt, der Gatte hat sich in seinen Club, oder man verzeihe uns den süddeutschen Ausdruck, „ins Wirtshaus“ verfügt, sie sitzt allein und hat nun volle Muße über die Gemütlichkeit des „Damenkaffee“ nachzudenken.

 

Jedoch nicht allein für die Frau und Mutter, auch für die Unverheiratete ist diese Art der Geselligkeit eine Zeitverschwendung zu unrechten Stunde, zu einer Stunde, die noch irgend einer wirklichen, einer sie selbst fördernden oder für andere nützlichen Tätigkeit gewidmet sein sollte. – Man ist gegenwärtig fast überall darauf bedacht, Institutionen zu schaffen, durch welche den Frauen auf verschiedene Weise Belehrung oder geistiger Genuss zugeführt wird, aber wir fürchten, die „Konkurrenz“ der Kaffeevisite wird diese Gelegenheiten öfter nicht zur vollen Geltung kommen lassen. Indessen sind wir gewiss die letzten, die gesellige Befriedigung, welche darin liegt, leugnen zu wollen, wir wünschen nur, man möchte sie in eine bessere Zeit, von dem Nachmittag auf den Abend, verlegen und die Männer dazu heranzuziehen suchen. Wenn die Frauen damit den Anfang machen, wenn sie sich ernstlich daran gewöhnen, die Nachmittags-und ersten Abendstunden, einen kurzen Spaziergang oder Ausgang abgerechnet, zuhause zu sein, so wäre damit den Männern ein großer Vorwand genommen, ihre Abende auch fern vom Hause zuzubringen.

 

Es ist eine durchaus unerfreuliche Tatsache, dass an vielen Orten der gesellige Verkehr zwischen Männern und Frauen immer mehr abnimmt, was für beide Teile gewiss kein Vorteil ist. Man sucht es durch das erhöhte politische Leben in Deutschland zu erklären, aber dies ist nicht stichhaltig, denn in Ländern, wo weit mehr politisches Leben herrscht und seit länger herrschte als bei uns, ist dies nicht der Fall. In Frankreich, England, Belgien, Holland, teilweise auch in der Schweiz, bringen die Männer ihren Abende in der Familie oder in Gesellschaft der Frau im Freundeskreise zu. Diesem Ziele müssen auch wir zusteuern.

 

Von der siebenten Abendstunde an kann und sollte jeder Mutter und Hausfrau, ohne besondere Abhaltung, im Stande sein, ihr Haus ruhig auf einige Stunden zu verlassen, wenn sie nicht selbst Freunde bei sich sieht. Von dieser Stunde an ist jedem Menschen, Mann oder Frau, wenn er den Tag über fleißig gearbeitet, ein geselliges Ausruhen nicht allein erlaubt, sondern auch wirklicher und nachhaltiger Genuss. – Man rühmt so gerne im Gegensatz zu anderen Ländern den häuslichen Sinn der deutschen Frauen, aber mit einigem Unrecht. Keine Frau geht so viel und so zu jeder Tageszeit aus, wie die deutsche. Es ist bei uns nicht seltenes, schon des morgens um neun Uhr Besuch zu bekommen, und dies geht den ganzen Tag so fort. In den oben genannten Ländern hat man dafür seine bestimmten, fest eingehaltenen Stunden, ja Tage. Die Französin empfängt an einem bestimmten Tag in der Woche und ist in schöner Toilette in den üblichen Stunden für jeden Besuch bereit. An den sechs übrigen Tagen ist sie mehr oder weniger unsichtbar, und wenn sie keine Salon-oder Modedame ist, was doch selbstverständlich nicht alle sind, arbeitete sie recht tüchtig und ungestört, vom Morgen bis zum Abend, an welchem dann wieder die Geselligkeit mehr oder weniger in ihr Recht tritt. Während der Faschingszeit erreicht diese ihren Höhepunkt, im übrigen aber und abgesehen von einem vier bis sechs wöchentlichen Landaufenthalt im Sommer verläuft das Leben der französischen Frau ungleich einförmiger und weniger abwechselnd, als das der Deutschen, und vor allen Dingen hat sie keine Ahnung von den Zauber eines „Damenkaffee“. Das englische Frauenleben hat sehr viel ähnliches, nur widmet man der Bewegung in freier Luft mehr Zeit, im übrigen jedoch kümmert sich die Engländerin sehr eingehend um Haus und Kinder, und wenn sie auch gerade in der Küche und bei den sonstigen häuslichen Geschäfte nicht so viel mitarbeitet, wie die deutsche Frau, so leist sie dagegen sehr viel mit der Nadel, verfertigt, wenn sie nicht gerade zu den Reichen gehört, ihre Kleider, sowie die der Kinder selbst und hält ihre Zeit wohl zu Rate. Ebenso wenig dürfen wir uns verhehlen, dass die englischen Frauen, wenn sie sich ernsten Beschäftigungen und Studien hingeben, darin durchschnittlich eine höhere Stufe erreichen, als die deutsche Frau, da sich ihr Leben weniger durch eine ungeeignete Einteilung der Arbeits-und der Mußestunden zersplittert.

 

Nirgendwo außer in Deutschland hat die Frau Jahr aus Jahr ein soviel Zerstreuung und Vergnügung; jeder Deutsche, die im Ausland in mittleren Verhältnissen gelebt hat, wird uns beistimmen. Landpartien und Damenkaffees, sowohl in, als außer dem Hause, gibt es nur bei uns; Theater und Konzerte nirgends sonst in solch reicher Fülle und durch die niedrigen Preise jedermann zugänglich.

 

Im Anbetracht alles dessen wäre es gewiss kein allzu großes Opfer, wenn auch die deutsche Frau gleich dem Mann ihre Mußestunden auf den Abend verlegte und den Tag der Arbeit widmete, damit dann nach vollbrachten Tagewerk beide sich in gleichem geselligen Bedürfnis begegnen könnten. Würde diese Geselligkeit dann auch so einfach eingerichtet, wie bei den romanischen Völkern, wo die Bewirtung eine höchst untergeordnete Rolle spielt, so müsste dem geistigen Leben Deutschlands aus solch ungezwungener Vereinigung ein unendlicher Gewinn erwachsen, jedenfalls aber wäre es kein geringes Verdienst der deutschen Frauen, wenn sie, der „Kaffeevisite“ entsagend, wenigstens den Versuch machten, eine andere Art der Geselligkeit hervorzurufen, dabei Goethes weisen Spruch bedenken:

 

Tages Arbeit, Abends Gäste,

saure Wochen, frohe Feste

sei dein künftig Zauberwort!

 

 

Speis und Trank mit Kraft und Stoff für den September

 „ … Indem man mehr und mehr einsieht, wie sehr die Erziehung der Frau, im Gegensatz zu der des Mannes, seit Jahrhunderten vernachlässigt ist, lässt man ihren natürlichen Anlagen mehr Gerechtigkeit widerfahren.

Was uns von frühester Kindheit am meisten mangelt, das ist die Gewöhnung an folgerichtiges Denken und folgerichtiges Handeln. Unter tausend Mädchen lernen neunhundert das, was sie später leisten sollen, nur zufällig, im Absehen, im Hin-und Her-Rennen, unter Gescholten werden, und indem man ihnen gleichzeitig den Sinn durch eine Menge anderer Dinge zerstreut. Aber systematisch, nach Plan und Regeln werden nur wenige Glückskinder unter uns, ebenso wohl im Praktischen wie Geistigen, ausgebildet. Da gibt es gescheite Leute, welche, wenn sie sehen, wie sich ein Mädchen recht skeptisch und linkisch in praktischen Dingen benimmt, voll heißer Ungeduld ausgerufen: wie kann man sich für ein Mädchen so einfältig anstellen! Als ob ein Mädchen als praktisches Genie vom Himmel fiele, als ob es nicht erst durch verständige Anleitung und Übung praktisch gemacht werden müsse.

Das Universalmittel, welches für das Kochen, das Scheuern, das Waschen ebenso notwendig ist, wie für das Dichten, Französisch-Sprechen und Klavier-Spielen, ganz unerlässlich aber diejenige, welche den kleinen, höchst komplizierten Start, genannt Haushaltung, regieren soll – heißt: denken! Wer nicht denkt, macht alles verkehrt, und wenn man’s auch nicht besonders gelernt hat, so kann man es sich doch mit gutem Willen immer noch aneignen, sobald man einmal die Kinderschule ausgetreten hat. …”

 

Luise Büchner: die Frau.

Hinterlassenen Aufsätze, Abhandlungen und Berichte zur Frauenfrage

Halle. Hermann Gesenius. 1878.

Eine häusliche Betrachtung (S. 353 – 357, Auszug)

 

 

 

Hier wie versprochen (und nicht nur für die Frau….) aus Charlotte Böttchers

„Kraft und Stoff. Deutsches Universalkochbuch … ” von 1882

die Einkaufsempfehlungen und Rezeptvorschläge

 

Monat September

 

Kraut-und grüne Gemüse.

 

Spinat. Schnittbohnen. Rosenkohl (noch teuer). Blumenkohl. Savoyer Kohl. Roter Kohl. Magdeburger Sauerkohl. Kopfsalat.

 

 

Wurzelarten.

 

Neue Kartoffeln. Mairüben. Steckrüben. Junge Wurzeln. Karotten. Petersilienwurzeln. Sellerie. Rote Beete. Frische Gurken. Radieschen. Rettig. Junge Zwiebeln (noch teuer). Perlzwiebeln. Champignons.

 

 

Hülsenfrüchte.

 

Pahl-Erbsen. Junge Erbsen.

 

 

Fruchtsorten.

 

Johannisbeeren. Himbeeren. Bickbeeren. Kronsbeeren. Weintrauben. Pfirsiche (teuer). Aprikosen. Frische Pflaumen. Zwetschgen. Kochäpfel. Kochbirnen. Melonen (sehr teuer). Zitronen (teuer). Senf-, Pfeffer-und Salzgurken.

 

 

Zahmes Geflügel.

 

Küken. Suppen-Hühner. Tauben. Junge Gänze. Junge Kalkuten. Junge Poularden.

 

 

Wild-Geflügel.

 

Krammetsvögel. Junge Rebhühner. Alte Rebhühner. Küken. Junge Krick-Enten. Junge wilde Enten.

 

 

Wild.

 

Hasen. Rehkeule. Rehrücken.

 

 

Süßwasser-und See-Fische.

 

Schleie. Karpfen. Hechte. Lachsforellen. Frische Aale. Geräucherte Aale. Frischer Rheinlachs (teuer). Südschollen. Elbbutt. Schellfisch. Krebse. Hummer.

 

 

 

Speisezettel für alle Tage im Jahre.

 

Monat September.

 

 

  1. Suppe mit gerösteten Schwarzbrot. Leipziger Allerlei von jungem Huhn, Blumenkohl, Erbsen, Klösschen und Krebsschwänzen.

  2. Reissuppe. Weiße Rüben mit Bratwurst.

  3. Graupensuppe. Grüne Bohnen mit Schöpsenfleisch.

  4. Suppe mit Sago und Blumenkohl. Gedämpfte Ente mit Pastetchen. Rebhühnerbraten mit Krautsalat.

  5. Eiernudelsuppe. Möhren mit Bratwurst.

  6. Semmelsuppe mit abgequirltem Ei. Rindfleisch mit Senf und Kohlrabi.

  7. Hirsensuppe. Ragout von Enten und Rebhühner mit Salzkartoffeln.

  8. Suppe mit Sagogries und Morcheln. Grüne Bohnen mit Schöpsenkarbonade. Kalbsnierenbraten mit Gurkensalat.

  9. Braune Suppe. Gefülltes Weißkraut.

  10. Grimpelsuppe. Gänseklein mit Kartoffelklößen.Suppe mit Nudeln. Hühnermagen und Leber.

  11. Blumenkohl mit gebackenen Hühnern. Gänsebraten mit Birnen-Kompott.

  12. Grießsuppe mit klein geschnittenem Sellerie. Wirsing mit Bratwurst.

  13. Durchgerührte grüne Suppe mit geröstetem Weißbrot. Rindfleisch mit Morcheln und Klösschen.

  14. Gebrannte Mehlsuppe. Weiße Rüben mit Rindspökelfleisch.

  15. Reissuppe. Taubenfricassee. Schöpsenbraten mit Bohnensalat.

  16. Grimpoelsuppe. Möhren mit kaltem Rindspökelfleisch.

  17. Hasensuppe. Hasenklein mit Schmorkraut.

  18. Suppe mit Sago und Kräutern. Gefüllter Wirsing mit Schinken. Hasenbraten mit Krautsalat.

  19. Eiernudelsuppe. Rindfleisch mit Kartoffeln und Sellerie.

  20. Suppe mit ausgestochenem Ei und Petersilie. Rebhuhnfricassee mit Schmorkraut.

  21. Graupen Suppe. Ragout von Schöpsenbraten mit Salzkartoffeln.

  22. Suppe mit geschnittenem Eierkuchen und Kräutern. Frischer Hecht mit Weinsauce. Rinds-Schmorbraten mit geschmorten Heidelberen.

  23. Hirsensuppe. Fricassee von Huhn.

  24. Gebrannte Mehlsuppe. Weiße Rüben mit Schöpsenfleisch.

  25. Braune Fleischbrühesuppe mit Sago und Hühnermagen und Lebern. Blumenkohl mit geräucherter Rindzunge. Gänsebraten mit Kompott.

  26. Graupensuppe mit Zitrone. Möhren mit frischem oder gesalzenem Schweinefleisch.

  27. Eiergraupensuppe. Rindfleisch mit Senf und Kapernsauce.

  28. Biersuppe mit geröstetem Brot. Gänse lein mit Ragoutsauce und Kartoffelklößen.

  29. Reissuppe mit klein geschnittenem Sellerie. Wirsing mit Schöpsenkoteletts. Gebratene Rebhühner mit Krautsalat.

  30. Hasensuppe. Kalbfleischfricassee.

Es gibt noch viel zu erfahren – Herzliche Einladungen für das zweite Halbjahr

 

Veranstaltungskalender 2/2011

 

 

Luise Büchner-Gesellschaft e.V.

 

&

 

Luise Büchner-Bibliothek

des Deut­schen Frauenrings e.V.

 

 

 

Kasinostr. 3, 64293 Darmstadt

Tel.: 06151/599 788 (Mo. + Do. 16-18 Uhr)

Email: LuiseBuechner@aol.com

 

Sonntag, 21. August, 17 Uhr

Pretlacksches Gartenhaus,

Prinz Georg-Garten, Darmstadt

Lesung mit Musik zum 250. Geburtstag

von Charlot­te von Kalb

„Bin ich denn ein Chamäleon, den (sic!) jeden in einer ande­ren Gestalt sieht.“

Vortrag: Annette Seemann (Weimar)

Harfe: Gabriele Emde-Hauffe (Darmstadt)

 

Selten gab es eine Frau der klassischen Epoche, die diese Fall­höhe besaß: Von der reichen, schönen Erbin eines al­ten Na­mens und großen Vermögens wurde sie früh zur Waisen, ab­hängig von der Gunst Verwandter. Auf dem Heiratsmarkt an den Bru­der eines Spekulanten des 18. Jahrhunderts „verscha­chert“, lebte die Idealistin ab so­fort nur noch Seelenfreund­schaften aus, ge­mäß ihrer geistigen Potenzen nur mit den Größten der damali­gen Zeit: Schiller, Goethe, Hölderlin, Jean Paul und Sophie von LaRoche. Ihre Versuche, diese meist im Brief enthu­siastisch vollzogenen Beziehungen ins Leben zu führen, scheiterten, ihr Vermögen verspielte ihr Schwager. Blind und verarmt überlebte sie jedoch alle ihre „Lieben“ und diktierte, weise geworden, ihre Lebensgeschichte(n).

 

Eintritt: 8 Euro, für Mitglieder der Luise Büchner-Gesell­schaft frei

 

 

 

Mittwoch, 7. September, 17 Uhr

In der Reihe Alternative Stadtrundgänge

(zusam­men mit der VHS Darmstadt):

Unterwegs auf Frauenspuren –

Vom Markt­brunnen zum Großen Woog

Treffpunkt: Marktbrunnen

 

Vor dem industriellen Zeitalter war die Wasserversor­gung im Haushalt Frauenarbeit. Frauen mussten mehr­mals täglich Was­ser zum Waschen und Kochen, zum Entbinden und zur Pflege von Kranken und Ver­wundeten besorgen. Wo haben sie das Wasser geholt und wie haben sie ihre Wäsche gewa­schen? Wie wurde früher gebadet und gekocht?

Nicht nur bei der Arbeit gab es eine strenge Geschlechtertren­nung, sondern in modernen Zeiten auch in den öffentlichen Ba­deanstalten. Wie badeten Frauen und Männer im 19. und frühen 20. Jahrhundert im alten Hal­lenbad auf dem Merck­platz und im Großen Woog? Sol­che und ähnliche Fragen wer­den während des Spazier­gangs beantwortet.

 

Teilnahmegebühr 5 Euro, ermäßigt 3 Euro

 

 

 

Donnerstag, 6. Oktober, 19:30 Uhr

Literaturhaus Kasinostr. 3

Darmstadt zur Zeit der Büchners

Vortrag von Peter Engels

Leiter des Stadtar­chivs Darmstadt

 

Die Familie Büchner war mit Darmstadt eng verbunden: Hier praktizierte der Arzt Ernst Büchner, hier erzog Ka­roline Büch­ner ihre begabten Kinder, hier besuchten die Söhne das Gymna­sium und von hier aus flüchtete Georg Büchner nach Frank­reich. In Darmstadt schrieb Luise Büchner ihre Bücher über Mädchen- und Frauenbildung und wirkte Mathilde Büch­ner im Hausfrauenverein mit.

Peter Engels schildert in seinem Vortrag das politische und ge­sellschaftliche Leben in Darmstadt zur Zeit der Familie Büch­ner.

 

Eintritt frei

 

 

Freitag, 21. Oktober 19:30 Uhr

Literaturhaus, Kasinostr. 3

Ludwig van Beethoven und die

ungarische Grä­fin, Therese Brunszvik

Ein literarisch-musikalischer Abend

mit Car­men Pi­azzini (Klavier)

Rezitation: Sigrid Schütrumpf

Moderation: Agnes Schmidt

 

Die vielfach begabte Therese Brunszvik (1775-1861) galt für lan­ge Zeit als Adressatin des berühmten Briefes „An die uns­terblichen Geliebte“ von Beethoven. Der Brief galt jedoch nicht ihr, sondern vermutlich ihrer jüngeren verheirateten Schwester Jose­phine. Beethoven war mit der Familie Brunsz­vik eng befreundet und widmete den Familienmitgliedern mehrere Kompositionen.

Teresia Brunszvik ist nicht nur im Zusammenhang mit Beetho­ven eine bedeutende Persönlichkeit: Sie zählt zu den Wegberei­terinnen der Kleinkinderziehung und der Mädchen­bildung. Be­geistert von Pestalozzis Ideen, den sie persönlich kannte, grün­dete sie zahlreiche Kindergär­ten in Ungarn, Ös­terreich und Deutschland.

Gemeinsame Veranstaltung mit der

Deutsch-Ungarischen-Ges­ellschaft

 

Eintritt: 10 Euro, für die Mitglieder der Veran­stalterinnen frei

 

 

 

Sonntag, 6. November 18 Uhr

Büchner-Haus Riedstadt-Goddelau

 

Büchner-Haus Riedstadt-Goddelau

Luise Büchners Erzählung

„Der kleine Va­gabund“

 Die Geschichte eines Fotografen aus Zwingenberg ist das The­ma von Luise Büchners letzter Veröffentlichung zu Leb­zeiten. Sigrid Schütrumpf und Agnes Schmidt stellen die Er­zählung vor.

Benefizveranstaltung zugunsten des Büchnerhauses.

Eintritt: 7 Euro

 

 

 

Mittwoch, 9. November 19:30 Uhr

Literaturhaus, Kasinostr. 3

Die Frauen und ihr Beruf:

Von der Gastwir­tin zur Politikerin

Buchvorstellung mit Powerpoint-Präsentation

 1872 veröffentlichte Luise Büchner einen Berufsratgeber für Mädchen. Während ihr berühmtes Buch „Die Frauen und ihr Beruf“ aus dem Jahre 1855 vor allem ein Plädoy­er für eine bes­sere Mädchenerziehung war, gab die Darmstädter Frauen­rechtlerin in diesem Ratgeber prakti­sche Tipps für die Berufs­wahl. Welche Berufe haben Frauen im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts erlernt und ausgeübt?

Im vierten Band der Reihe „Darmstadt aus Frauensicht“ stel­len die Autorinnen Agnes Schmidt und Elke Hausberg die ersten Kindergärtnerinnen, Kranken­schwestern, Politikerinnen und andere berufstä­tigen Frauen in Darm­stadt vor.

 Eintritt frei

 

 

Freitag 18. November, 19:30 Uhr

Literaturhaus, Kasinostr. 3

Solveig zu Erbach-Schönberg liest

Marie zu Erbach-Schönbergs

Reisebericht über Bulgarien

 1884 besuchte Marie zu Erbach-Schönberg, geborene Prinzes­sin von Battenberg in Bulgarien ihren jüngeren Bruder, Alex­ander von Battenberg (1857-1893), der von 1879 bis 1886 Fürst von Bulgarien war. Über ihre Reise führte sie Tagebuch, das sie mehrmals veröffentlichte. Die lebendige Darstellung ihrer Reise­eindrücke, gelesen von ihrer Ur- Urschwiegertoch­ter, macht diesen Bericht heute noch zu einer spannenden Lektüre.

 Eintritt 6 Euro, für Mitglieder

der Luise Büch­ner-Gesellschaft frei

 

 

 Sonntag, 4. Dezember, 16 Uhr

Villa Büchner, Pfungstadt

Adventskaffee

Die Büchners und der liebe Gott

 „… und dann legen wir uns in den Schatten und bitten Gott um Mak­karoni, Melonen und Feigen, mu­sikalische Kehlen, klassi­sche Leiber und eine kommode Religion!“ (Valerio in Leonce und Lena).

Zu einem Erzähl- und Vortragsnachmittag über die Büchner­schen Bestrebungen, Kirche und Staat zu tren­nen und Religi­on alleine als Privatsache zu dulden, laden wir herzlich zu ei­nem et­was anderen Adventsnachmittag in Wilhelm Büchners Pfungs­tädter Villa ein.

 

Kostenbeitrag: 7,50 Euro

 

Hier ein Veranstaltungsprogarmm-Flyer als pdf für alle, die´s getrost nach Hause tragen wollen

Die Büchners zum Mitschreiben …

Für die Volkshochschule Darmstadt-Dieburg biete ich in diesem Herbst einen Kurs über die berühmten südhessischen Geschwister an. Besonders schön finde ich dabei, dass das in den Räumen der Villa Büchner stattfinden kann, so dass sich die Teilnehmer/innen auch atmosphärisch am richtigen Ort fühlen können.

Ich freue mich über Ihre Anmeldung (begrenzte Teilnehmerzahl…) direkt bei der VHS;

Fragen dazu beantworte ich gerne (Post@EntwicklungUndKultur.De)

VHS Flyer S. 2

Der VHS-Flyer Aussenseite (hier als pdf)

Ankündigungsflyer Innenseite als pdf

Der geplante Ablauf

(Ankündigungstext der VHS):

„Die Büchners oder Der Wunsch, die Welt zu verändern“*)
Die Familie Büchner in Südhessen

Alle Büchner-Geschwister hatten eine aufklärerische Geisteshaltung, ihr großes gemeinsames Anliegen war die Veränderung der Gesellschaft, Gleichberechtigung ohne Ansehen von Geschlecht oder Herkunft, und ihr Weg dorthin war die Volksbildung. An sechs Abenden werden sie in passendem Ambiente auf kurzweilige Art vorgestellt.

 

Der große Georg
Von den sechs Kindern von Ernst und Caroline Büchner ist uns vor allem der Dichter Georg Büchner (1812 – 1837) bekannt.  Die Überlieferung seines Werkes ist auch dem unermüdlichen Einsatz seiner Geschwister zu verdanken.

 

Arzt, Philosoph, Volksaufklärer – „der Rangar Yogeshwar des 19. Jahrhunderts”: Ludwig
Vor 100 Jahren aber war ein anderer Büchner weltberühmt: der Bruder Ludwig Büchner, „1848er“, Arzt, Philosoph, Publizist, Verfasser des ersten erfolgreichen Sachbuches in deutscher Sprache. Ludwig Büchner war der wichtigste Verbreiter der Thesen von Charles Darwin in Deutschland. In der Frühzeit der Deutschen Arbeiterbewegung war er 1866 „Ehrenkorrespondent“ beim Kongress der Internationalen Arbeiterassoziation in Genf.

 

Zwei Frauen im Umbruch des 19. Jahrhunderts: Luise und Mathilde.
Luise Büchner, der der Zugang zu höherer Schulbildung verwehrt wurde und die sich mit äußerster Kraft erarbeitete, was ihre Brüder lernen durften, veröffentlicht 1855 eines der ersten Sachbücher einer weiblichen Autorin in deutscher Sprache: sie fordert ein eigenes, weibliches Berufsleben und damit wirtschaftliche Unabhängigkeit.
Mathilde Büchner schien bis vor kurzem ein vergleichsweise bescheidenes Leben gelebt zu haben, erst 2008 fand sich ein Bild von ihr. Inzwischen wissen wir, dass sie sich in Darmstadt auch aktiv an der öffentlichen Diskussion beteiligte, den „Hausfrauenverein“, eine Art Konsumgesellschaft, hat sie mitgegründet.

 

Le pont sur le rhin: Alexander, Jurist und Sprachwissenschaftler
Der jüngste Bruder Alexander wurde „Doktor beider Rechte“, erhielt Berufsverbot, machte eine zweite Karriere als Sprachwissenschaftler, wanderte nach Frankreich aus und erarbeitete wesentliche Grundlagen der vergleichenden Sprachwissenschaft. Wegen seiner Verdienste um die Kenntnis Deutscher und Franzosen voneinander nannte man ihn „die Brücke über den Rhein“.

 

Unternehmer, Politiker, Erfinder: Wilhelm Büchner, der Blaufabrikant aus Pfungstadt.
Wilhelm Büchner scheiterte an der Schule, nach der sich seine Schwester Luise so sehnte, wurde Apotheker, studierte Chemie in Heidelberg und Gießen und erfand in seiner ersten kleinen Fabrik in Darmstadt eine Methode, künstlich blaue Farbe herzustellen (Ultramarin). Er wurde mit dieser Erfindung in Pfungstadt ein reicher und einflussreicher Unternehmer. Er war Gemeindevertreter und hat wesentlich zum Werden Pfungstadts beigetragen, im hessischen Landtag und im Berliner Reichstag arbeitete er als linksliberaler Abgeordneter. Seine Pfungstädter „Villa Büchner“ ist eines der ganz wenigen erhaltenen baulichen Denkmäler der Familie Büchner.

*) Heiner Boehncke, Peter Brunner, Hans Sarkowicz: „Die Büchners oder der Wunsch, die Welt zu verändern“. Societäts Verlag, Frankfurt am Main 2008. EAN 978-3-7973-1045-3. 168 Seiten, 24,90 €

 

Mi 19:00-21:00 Uhr, ab 21.09.2011

 

VILLA BÜCHNER

Pfungstadt, Uhlandstraße 

 

immer mittwochs um 19 Uhr, und zwar: 

21.9., 5.10., 2.11., 16.11., 30.11., 14.12. 2011

32 €

 

 

Robert Burns (25.1.1759 – 21.7.1796) bei Büchners

In seinem verdienstvollen Facebook-Service „Der Beobachter“ macht Herwig Bitsche von Wittwer in Stuttgart darauf aufmerksam, dass sich am 21. Juli Robert Burns´ Todestag zum 215. Mal jährt. Der große Schotte, den sich nicht nur viele bedeutende englische Autoren, sondern zum Beispiel auch unser Ferdinand Freiligrath zum Vorbild nahmen, wird gleich an zwei Stellen bei den Büchners erwähnt.

Alexander Büchner hat nach seinem kleinen Gedichtband 1850 in dem Jahr der großen Büchner-Veröffentlichungen 1855 (auch Ludwigs „Kraft und Stoff“ und Luises „Die Frauen und ihr Beruf“ erschienen in diesem Jahr) seine erste „sprachwissenschaftliche“ Veröffentlichung vorgelegt: die „Geschichte der englischen Poesie. Von der Mitte des vierzehnten bis zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts.“ Zwei Teile. Darmstadt, 1855, Verlag von Johann Philipp Diehl. Dieses umfangreiche Werk, von dem er in seiner Autobiografie „Das tolle Jahr“ so lakonisch schreibt, dass man fast glauben kann, dass das Buch nur erschienen ist, weil ihm der Darmstädter Buchhändler Diehl ein kleines Einkommen ermöglichen wollte, ist, soviel ich weiß, nie wieder neu aufgelegt worden. Das Erscheinungsjahr „1858“ jedenfalls, das die British Library für ihr einziges Exemplar nennt, ist wohl ein Erfassungsfehler.

 

Auf Seite 189 des zweiten Bandes schreibt er:

 

„Ein durchaus originelles und vereinzelt stehendes Talent ist Robert Burns. Im Jahr 1759 in Alloway bei Ayr in Schottland als der Sohn eines unbemittelten Pächters geboren, erhielt er eine nur sehr dürftige Erziehung, war jedoch durch den Besitz von Pope´s Werken, des Spektator und einer altenglischen Liedersammlung in den Stand gesetzt, seiner früh erwachten, politische Neigung Nahrung und Bildung zu geben. Seine Jugend verfloß unter den drückenden Arbeiten des Landbaus, inmitten deren er seine ersten Lieder dichtete, welche sich schnell in dem kleinen Lebenskreise, in dem er sich bewegte, verbreiteten. Entschlossen, nach Westindien auszuwandern, wollte er vorher noch seine Dichtungen veröffentlichen, allein der große Erfolg, welchen diese Veröffentlichung fand, 1786, hielt ihn zurück und führte ihn nach Edinburgh, wo er einige Zeit lang der Held des Tages war und, wie von den literarischen Größen, so von den Leithämmeln der schönen und eleganten Welt aufs höchste gefeiert wurde. Freilich lag dieser Feier weniger Einverständnis seiner tiefen und sinnigen Naturdichtung unter, als ein vorübergehender Geschmack an der außerordentlichen Neuheit eines dichterisch begabten Bauern, und diese Neuheit erschöpfte sich binnen Jahresfrist. „Er wurde,“ sagt Allan Cunningham, in seiner Geschichte der brittischen Litteratur in den letzten 50 Jahren, „gelobt, geliebkost und gefeiert, bis der Geschmack für Ländliches abgestumpft war und man etwas Neues zu sehen wünschte; Lords und Ladies hörten auf ihn einzuladen, und, wenn sie ihm zufällig begegneten, grüßten sie kaum oder gingen mit abgewandtem Gesicht vorüber.“

Die gerechten Hoffnungen, welche man ihm auf eine anständige Versorgung durch den Staat gemacht, erfüllten sich nicht, und so kehrte er enttäuscht nach Haus zurück, um eine Pachtung anzutreten. Da es jedoch mit derselben nicht vorangehen wollte, so trat er in Dumfries einen kleinen Posten als Steuerbeamter an, welchen ihm Freunde ausgemacht hatten. Allein zum Teil seine freisinnige politische, mit der französischen Revolution sympathisirende Tendenz, zum Teil aber auch ein gewisser, ihm von jeher eigner Hang zu Zerstreuungen und Ausschweifungen, welche ihn, wie zum Bauern so zum Beamten und Richter, ungeschickt machten, benahm ihm jede Aussicht auf eine Verbesserung seiner Lage. Er starb, von Armuth, Krankheit und Weltverachtung bedrängt, erst 37 Jahre alt im Jahre 1796.

Wie Cowper, so ist auch Burns von seinen Zeitgenossen und Späteren weit überschätzt worden. Man erklärte ihn für ein höchst bedeutendes Genie, welches, unter besseren Verhältnissen und bei geeigneter Anleitung den ersten Dichtern gleichgekommen wäre, während doch ein unbefangenes Auge in seinen Dichtungen sogleich bemerkt, dass nur die Natur und die Beschäftigung des Landmanns mit derselben das Gebiet war, für welches er ein, allerdings tiefes und inniges Verständniß, und einen hochpoetischen Ausdruck hatte. Wo er dagegen dasselbe verläßt, wo er der politischen Tendenz huldigt oder von dem gesellschaftlichen Leben angeregt wird, da bewegt er sich steif und unbeholfen, seine Originalität verschwindet und mit der Anschauungsweise der Kunstschule nimmt er auch deren conventionelle, bei ihm doppelt unwahre Ausdrucksweise an vom beißenden Boreus, von dem Phoebus, welcher den krystallen Strom ergötzt und den azurnen Himmel erfreut, und dergl. Innerhalb seiner Spähre aber – und er hat Takt genug, sie nur selten zu verlassen – ist er ein so vortrefflicher lyrischer Dichter, wie nur je einer gefunden werden dürfte, die volle Kraft und Naivität des alten Volkslied atmet in seinen Liedern, ein tiefes Verständnis für die Natur in ihrem Verhältnis zu der Unmittelbarkeit des ländlichen Lebens entfaltet sich dort, die wohlthuendste Liebe für den heimischen Boden erwärmt sie, und wo er sich von der bloßen Darstellung seiner Empfindungen zur Erzählung wendet, da tönt uns die ganze edle Einfachheit der alten Ballade entgegen, vermischt mit einem köstlichen Humor, wie wir ihn namentlich in den trefflichen Gedichten von Hans Gerstenkorn, John Barlycorn, und dem nächtlichen, von Gespenstern geplagten Effekt des ehrlichen Tom O´Shanter, finden. Wie in der Inspiration, so folgte Burns auch in der Form jenen alten, trefflichen Mustern, er wendet sich ganz von dem versteiften, heroischen Vers der Kunstschule ab und kehrt zu dem alten, vierfüssigen Jambus zurück, welchen er bald zweizeilig reimt, bald mit noch kürzeren Zeiten, in einfache Strophen zusammenstellt, oder er nimmt ganz die klangreiche Form der alten Ballade an.

Seine Gedichte sind durch mehrere, treffliche Übersetzung bei uns so bekannt und verbreitet, daß Mitteilungen aus denselben hier umgangen werden können.

 

So weit also Alexander Büchner über den großen Schotten. 1859 veröffentlicht Alexanders Darmstädter Schwester Luise Büchner ihre Sammlung „Dichterstimmen aus Heimath und Fremde. Für Frauen und Jungfrauen ausgewählt von Luise Büchner“.

 

In der Titelei (und auch in den bibliografischen Daten aller Bibliotheken, die ich online geprüft habe) gänzlich unerwähnt bleibt der Herausgeber von immerhin annähernd fünzig Prozent dieser Texte. In meiner fünften Auflage auf Seite 307 (und bis zur letzten Seite 593) steht die Sammlung „französische und englische Poesie“ die der Bruder Alexander mit einem kleinen Vorwort einleitet und herausgibt. Alexander widmet Robert Burns Platz für die Gedichte „Wackre Armuth“, „Das Gänseblümchen“, „Am Ufer meines schönen Doon“, „Lauschend auf des Meeres Brausend“, „Lebewohl an Nancy“, und „Empfindsamkeit“. Seine Texte werden mit einer eigenen Illustrationen eingeleitet. Selbst der große Beronger, den Alexander sehr geschätzt hat, ist nur mit fünf Gedichten hier vertreten. Lord Byron, dessen „Child Harold“ Alexander übersetzt hat und über dessen Leben er die Erzählung „Lord Byrons letzte Liebe“ 1862 veröffentlichte, ist allerdings sogar mit neun Gedichten vertreten. Leider bleiben bei allen Gedichten die Übersetzer unerwähnt.Vielleicht hat Alexander einige selbst übersetzt.

 

 

Wegen der besonderen Betonung von Burns Begabung zur Naturschilderung hier also

 

Robert Burns:

Das Gänseblümchen.

 

Du roth gesprenkelt Blümchen schwach,

Zu schlimmer Stund´ erschien ich, ach,

Trat in den Staub dich, Pflanze schlicht,

Und wenn ich wollt´,

Könnt´ ich dich doch erretten nicht,

Du Kleinod hold!

 

Ach! Es ist nicht dein Schwesterlein

Die Lerche, die dich läßt allein,

die in den Tau dich niederbiegt

Mit weicher Brust,

wenn auf zum Morgengruß sie fliegt

in heil´ger Lust

 

Kalt blies der scharfe eis´ge Nord

Auf deinen stillen Heimatort,

Doch freundlich tratest du ans Licht,

Trotz Sturm und Wind,

Fest hing am Vaterboden dicht

Sein zartes Kind.

 

Die Gartenblumen stolz und fein

Schließt hoch Gebüsch und Mauer ein,

Doch du, nur einsam hingestellt

Am Heckenrand,

Du schmückt das öde Stoppelfeld

Allein und unbekannt!

 

So in dein einfach Kleid gehüllt,

die Brust der Sonne nur enthüllt,

hobst du dein Haupt bescheidentlich

in schlichter Zier,

die Pflugschar reist vom Boden dich,

So liegst du hier! –

 

Dies ist das Loos unschuldger Maid,

Der Blume stiller Ländlichkeit;

Der Liebe Einfalt sie betrügt

Und süßer Glaub´,

Bis ganz beschmutzt, gleich dir sie liegt

Tief in dem Staub.

 

Das ist des Schlichten Sängers Loos

Auf´s Lebens Meer geschleudert bloß,

Zu ungeschickt, um zu verstehen

Der Klugheit Wort,

Bis Wellen toben, Winde weh´n,

Sturm reißt ihn fort.

 

Dasselbe Loos der Gute litt

Der lang mit Not und Kummer stritt,

Getrennt von Stolz und List, bis wo

Das Elend winkt,

Und ird´schen Haltes baar, er so

Hin sterbend sinkt.

 

Selbst du, der klagt um´s Blümchen klein,

In kurzer Frist – dies Loos ist dein;

Des Todes Pflugschar naht, sie zückt

Nach deiner Pracht;

Bald, von des Eisens Wucht erdrückt,

Sinkst du in Nacht! –

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