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Kategorie: Georg Büchner (Seite 46 von 48)
Kurt Drawerts Darmstädter Lesebühne hatte gestern Abend zu einem Büchner-Abend eingeladen, und an die fünfzig höchst interessierte und aufmerksame Gäste kamen.
Im Vordergrund stand Christian Wirmers Interpretation von Büchners Lenz. Ganz frei, wie erzählt, wie gerade erlebt trug er den großartigen Text vor. Das bewies erneut, wie aus der Zeit Büchners Texte, die ja eigentlich inhaltlich ganz konkret angesiedelt und zuordenbar sind, dennoch wirken. In allen Wendungen der Novelle verzichtet Wirmer darauf, dem Affen Zucker zu geben. Weder er als Interpret noch der Text selbst haben es nötig, dass wir mit der Nase auf die richtige Stelle gestoßen werden. Lenz´ Sprung in den Brunnen, die Beschwörung am Bett des toten Kindes, der erste und der letzte Satz, alles bleibt im Duktus der Erzählung, und Wirmer füllt den Begriff Erzählung auf, wie es dem Publikum noch nie begegnet war. Da steht ein Mann und spricht, e r z ä h l t , und wir hören einen altbekannten Text plötzlich wie zum ersten Mal.

(Christian Wirmer)
Büchners Lenz ist wirklich zum Erzählen geschrieben (neben dem Landboten ist es ja auch sein einziger Prosatext), und das führt Christian Wirmer unpathetisch vor. Es gibt ja in der Büchner-Familie die belegte Tradition des Erzählens, Luise Büchner schildert das im Dichter, Georg spielt gerne mit erzählenden Figuren, Luise Büchner selbst hat ihre Märchen zuerst Ludwig Büchners Kindern vorgelesen. Vielleicht müssen wir uns ab jetzt den Lenz als eine (wörtlich) E r z ä h l u n g Georg Büchners denken, als einen Text, von einem Dramatiker als Sprechtext geschrieben.
Der Verdienst, diesen wichtigen Gedanken angeregt zu haben, gehört Christian Wirmer. Nach über einer Stunde konzentriertester Aufmerksamkeit lobte das Publikum mit anhaltendem Beifall.

(Drawert, Breckner, Apelt, Benz)
Drawert hatte den ehemaligen Darmstädter OB Peter Benz, den Darmstädter Schauspieldirektor Martin Apelt und den Feuilletonchef des Darmstädter ECHO, Johannes Breckner, gebeten, im zweiten Teil der überlangen Veranstaltung Anmerkungen zur Aktualität Büchners zu machen. Dies geschah in der erwartbaren Art und Weise. Am bemerkenswertesten daraus vielleicht Breckners Bemerkung, vor den bevorstehenden Büchneriana der beiden Jubiläumsjahre müsse man keine Bange haben – Büchner hält das aus.

Die Darmstädter theatermacher e.V.
laden zum Auftakt ihres Projektes
Ganz im Sinne Büchners öffnen wir das Theater für die vielfältigen Geschichten der Menschen vor Ort und tragen es hinaus auf die Straßen und Plätze der Stadt.
Im Mai/Juni und im August/September 2012 werden die Arbeitsergebnisse im öffentlichen Raum aufgeführt.
theatermacher e.V. lädt Jugendliche und Erwachsene aus allgemeinbildenden und beruflichen Schulen, Musikschulen und Vereinen ein, sich mit Dantons Tod zu beschäftigen. Die Teilnehmer entwickeln ihre eigene inhaltliche und künstlerische Perspektive zu den Themen des Stücks: theatral, tänzerisch, musikalisch, grafisch etc.. In diesem Prozess werden sie durch professionelle Künstler begleitet.
Illustration von Paul Hübner aus der obigen Ausgabe
Zum Auftakt und zur Diskussion über das Projekt sollen regelmässige politische Salons stattfinden, die so angekündigt werden:
Der Politische Salon
Reden. Zuhören. Streiten. Diskutieren.
Philosophieren. Phantasieren. Visionieren.
Versteht Ihr die Welt?
Was passiert gerade mit uns ?
Sind wir Gestalter unserer Welt, oder machen das andere für uns?
Was können wir tun?
Wo können wir uns einmischen?
Wie können wir unsere Gedanken sortieren und unsere Ideen bündeln?
Wir wollen wissen wie ihr denkt, was Euch bewegt und wohin uns unsere Gedanken tragen …
Redet mit uns
einmal im Monat, jeweils Freitags um drei nach neun,
26. August
23. September
28. Oktober
25. November
Wo?
Bei Menschenskinder e.V.
Landwehrstr. 31 64293 Darmstadt
im Hinterhof
Luise Büchner-Gesellschaft e.V.
&
Luise Büchner-Bibliothek
des Deutschen Frauenrings e.V.
Kasinostr. 3, 64293 Darmstadt
Tel.: 06151/599 788 (Mo. + Do. 16-18 Uhr)
Email: LuiseBuechner@aol.com
Sonntag, 21. August, 17 Uhr
Pretlacksches Gartenhaus,
Prinz Georg-Garten, Darmstadt
Lesung mit Musik zum 250. Geburtstag
von Charlotte von Kalb
Bin ich denn ein Chamäleon, den (sic!) jeden in einer anderen Gestalt sieht.
Vortrag: Annette Seemann (Weimar)
Harfe: Gabriele Emde-Hauffe (Darmstadt)
Selten gab es eine Frau der klassischen Epoche, die diese Fallhöhe besaß: Von der reichen, schönen Erbin eines alten Namens und großen Vermögens wurde sie früh zur Waisen, abhängig von der Gunst Verwandter. Auf dem Heiratsmarkt an den Bruder eines Spekulanten des 18. Jahrhunderts verschachert, lebte die Idealistin ab sofort nur noch Seelenfreundschaften aus, gemäß ihrer geistigen Potenzen nur mit den Größten der damaligen Zeit: Schiller, Goethe, Hölderlin, Jean Paul und Sophie von LaRoche. Ihre Versuche, diese meist im Brief enthusiastisch vollzogenen Beziehungen ins Leben zu führen, scheiterten, ihr Vermögen verspielte ihr Schwager. Blind und verarmt überlebte sie jedoch alle ihre Lieben und diktierte, weise geworden, ihre Lebensgeschichte(n).
Eintritt: 8 Euro, für Mitglieder der Luise Büchner-Gesellschaft frei
Mittwoch, 7. September, 17 Uhr
In der Reihe Alternative Stadtrundgänge
(zusammen mit der VHS Darmstadt):
Unterwegs auf Frauenspuren –
Vom Marktbrunnen zum Großen Woog
Treffpunkt: Marktbrunnen
Vor dem industriellen Zeitalter war die Wasserversorgung im Haushalt Frauenarbeit. Frauen mussten mehrmals täglich Wasser zum Waschen und Kochen, zum Entbinden und zur Pflege von Kranken und Verwundeten besorgen. Wo haben sie das Wasser geholt und wie haben sie ihre Wäsche gewaschen? Wie wurde früher gebadet und gekocht?
Nicht nur bei der Arbeit gab es eine strenge Geschlechtertrennung, sondern in modernen Zeiten auch in den öffentlichen Badeanstalten. Wie badeten Frauen und Männer im 19. und frühen 20. Jahrhundert im alten Hallenbad auf dem Merckplatz und im Großen Woog? Solche und ähnliche Fragen werden während des Spaziergangs beantwortet.
Teilnahmegebühr 5 Euro, ermäßigt 3 Euro
Donnerstag, 6. Oktober, 19:30 Uhr
Literaturhaus Kasinostr. 3
Darmstadt zur Zeit der Büchners
Vortrag von Peter Engels
Leiter des Stadtarchivs Darmstadt
Die Familie Büchner war mit Darmstadt eng verbunden: Hier praktizierte der Arzt Ernst Büchner, hier erzog Karoline Büchner ihre begabten Kinder, hier besuchten die Söhne das Gymnasium und von hier aus flüchtete Georg Büchner nach Frankreich. In Darmstadt schrieb Luise Büchner ihre Bücher über Mädchen- und Frauenbildung und wirkte Mathilde Büchner im Hausfrauenverein mit.
Peter Engels schildert in seinem Vortrag das politische und gesellschaftliche Leben in Darmstadt zur Zeit der Familie Büchner.
Eintritt frei
Freitag, 21. Oktober 19:30 Uhr
Literaturhaus, Kasinostr. 3
Ludwig van Beethoven und die
ungarische Gräfin, Therese Brunszvik
Ein literarisch-musikalischer Abend
mit Carmen Piazzini (Klavier)
Rezitation: Sigrid Schütrumpf
Moderation: Agnes Schmidt
Die vielfach begabte Therese Brunszvik (1775-1861) galt für lange Zeit als Adressatin des berühmten Briefes An die unsterblichen Geliebte von Beethoven. Der Brief galt jedoch nicht ihr, sondern vermutlich ihrer jüngeren verheirateten Schwester Josephine. Beethoven war mit der Familie Brunszvik eng befreundet und widmete den Familienmitgliedern mehrere Kompositionen.
Teresia Brunszvik ist nicht nur im Zusammenhang mit Beethoven eine bedeutende Persönlichkeit: Sie zählt zu den Wegbereiterinnen der Kleinkinderziehung und der Mädchenbildung. Begeistert von Pestalozzis Ideen, den sie persönlich kannte, gründete sie zahlreiche Kindergärten in Ungarn, Österreich und Deutschland.
Gemeinsame Veranstaltung mit der
Deutsch-Ungarischen-Gesellschaft
Eintritt: 10 Euro, für die Mitglieder der Veranstalterinnen frei
Sonntag, 6. November 18 Uhr
Büchner-Haus Riedstadt-Goddelau
Büchner-Haus Riedstadt-Goddelau
Luise Büchners Erzählung
Der kleine Vagabund
Die Geschichte eines Fotografen aus Zwingenberg ist das Thema von Luise Büchners letzter Veröffentlichung zu Lebzeiten. Sigrid Schütrumpf und Agnes Schmidt stellen die Erzählung vor.
Benefizveranstaltung zugunsten des Büchnerhauses.
Eintritt: 7 Euro
Mittwoch, 9. November 19:30 Uhr
Literaturhaus, Kasinostr. 3
Die Frauen und ihr Beruf:
Von der Gastwirtin zur Politikerin
Buchvorstellung mit Powerpoint-Präsentation
1872 veröffentlichte Luise Büchner einen Berufsratgeber für Mädchen. Während ihr berühmtes Buch Die Frauen und ihr Beruf aus dem Jahre 1855 vor allem ein Plädoyer für eine bessere Mädchenerziehung war, gab die Darmstädter Frauenrechtlerin in diesem Ratgeber praktische Tipps für die Berufswahl. Welche Berufe haben Frauen im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts erlernt und ausgeübt?
Im vierten Band der Reihe Darmstadt aus Frauensicht stellen die Autorinnen Agnes Schmidt und Elke Hausberg die ersten Kindergärtnerinnen, Krankenschwestern, Politikerinnen und andere berufstätigen Frauen in Darmstadt vor.
Eintritt frei
Freitag 18. November, 19:30 Uhr
Literaturhaus, Kasinostr. 3
Solveig zu Erbach-Schönberg liest
Marie zu Erbach-Schönbergs
Reisebericht über Bulgarien
1884 besuchte Marie zu Erbach-Schönberg, geborene Prinzessin von Battenberg in Bulgarien ihren jüngeren Bruder, Alexander von Battenberg (1857-1893), der von 1879 bis 1886 Fürst von Bulgarien war. Über ihre Reise führte sie Tagebuch, das sie mehrmals veröffentlichte. Die lebendige Darstellung ihrer Reiseeindrücke, gelesen von ihrer Ur- Urschwiegertochter, macht diesen Bericht heute noch zu einer spannenden Lektüre.
Eintritt 6 Euro, für Mitglieder
der Luise Büchner-Gesellschaft frei
Sonntag, 4. Dezember, 16 Uhr
Villa Büchner, Pfungstadt
Adventskaffee
Die Büchners und der liebe Gott
und dann legen wir uns in den Schatten und bitten Gott um Makkaroni, Melonen und Feigen, musikalische Kehlen, klassische Leiber und eine kommode Religion! (Valerio in Leonce und Lena).
Zu einem Erzähl- und Vortragsnachmittag über die Büchnerschen Bestrebungen, Kirche und Staat zu trennen und Religion alleine als Privatsache zu dulden, laden wir herzlich zu einem etwas anderen Adventsnachmittag in Wilhelm Büchners Pfungstädter Villa ein.
Kostenbeitrag: 7,50 Euro
Hier ein Veranstaltungsprogarmm-Flyer als pdf für alle, die´s getrost nach Hause tragen wollen
Für die Volkshochschule Darmstadt-Dieburg biete ich in diesem Herbst einen Kurs über die berühmten südhessischen Geschwister an. Besonders schön finde ich dabei, dass das in den Räumen der Villa Büchner stattfinden kann, so dass sich die Teilnehmer/innen auch atmosphärisch am richtigen Ort fühlen können.
Ich freue mich über Ihre Anmeldung (begrenzte Teilnehmerzahl…) direkt bei der VHS;
Fragen dazu beantworte ich gerne (Post@EntwicklungUndKultur.De)

Der VHS-Flyer Aussenseite (hier als pdf)
Ankündigungsflyer Innenseite als pdf
Der geplante Ablauf
(Ankündigungstext der VHS):
Die Büchners oder Der Wunsch, die Welt zu verändern“*)
Die Familie Büchner in Südhessen
Alle Büchner-Geschwister hatten eine aufklärerische Geisteshaltung, ihr großes gemeinsames Anliegen war die Veränderung der Gesellschaft, Gleichberechtigung ohne Ansehen von Geschlecht oder Herkunft, und ihr Weg dorthin war die Volksbildung. An sechs Abenden werden sie in passendem Ambiente auf kurzweilige Art vorgestellt.
Der große Georg
Von den sechs Kindern von Ernst und Caroline Büchner ist uns vor allem der Dichter Georg Büchner (1812 – 1837) bekannt. Die Überlieferung seines Werkes ist auch dem unermüdlichen Einsatz seiner Geschwister zu verdanken.
Arzt, Philosoph, Volksaufklärer – der Rangar Yogeshwar des 19. Jahrhunderts: Ludwig
Vor 100 Jahren aber war ein anderer Büchner weltberühmt: der Bruder Ludwig Büchner, 1848er“, Arzt, Philosoph, Publizist, Verfasser des ersten erfolgreichen Sachbuches in deutscher Sprache. Ludwig Büchner war der wichtigste Verbreiter der Thesen von Charles Darwin in Deutschland. In der Frühzeit der Deutschen Arbeiterbewegung war er 1866 Ehrenkorrespondent“ beim Kongress der Internationalen Arbeiterassoziation in Genf.
Zwei Frauen im Umbruch des 19. Jahrhunderts: Luise und Mathilde.
Luise Büchner, der der Zugang zu höherer Schulbildung verwehrt wurde und die sich mit äußerster Kraft erarbeitete, was ihre Brüder lernen durften, veröffentlicht 1855 eines der ersten Sachbücher einer weiblichen Autorin in deutscher Sprache: sie fordert ein eigenes, weibliches Berufsleben und damit wirtschaftliche Unabhängigkeit.
Mathilde Büchner schien bis vor kurzem ein vergleichsweise bescheidenes Leben gelebt zu haben, erst 2008 fand sich ein Bild von ihr. Inzwischen wissen wir, dass sie sich in Darmstadt auch aktiv an der öffentlichen Diskussion beteiligte, den Hausfrauenverein“, eine Art Konsumgesellschaft, hat sie mitgegründet.
Le pont sur le rhin: Alexander, Jurist und Sprachwissenschaftler
Der jüngste Bruder Alexander wurde Doktor beider Rechte“, erhielt Berufsverbot, machte eine zweite Karriere als Sprachwissenschaftler, wanderte nach Frankreich aus und erarbeitete wesentliche Grundlagen der vergleichenden Sprachwissenschaft. Wegen seiner Verdienste um die Kenntnis Deutscher und Franzosen voneinander nannte man ihn die Brücke über den Rhein“.
Unternehmer, Politiker, Erfinder: Wilhelm Büchner, der Blaufabrikant aus Pfungstadt.
Wilhelm Büchner scheiterte an der Schule, nach der sich seine Schwester Luise so sehnte, wurde Apotheker, studierte Chemie in Heidelberg und Gießen und erfand in seiner ersten kleinen Fabrik in Darmstadt eine Methode, künstlich blaue Farbe herzustellen (Ultramarin). Er wurde mit dieser Erfindung in Pfungstadt ein reicher und einflussreicher Unternehmer. Er war Gemeindevertreter und hat wesentlich zum Werden Pfungstadts beigetragen, im hessischen Landtag und im Berliner Reichstag arbeitete er als linksliberaler Abgeordneter. Seine Pfungstädter Villa Büchner“ ist eines der ganz wenigen erhaltenen baulichen Denkmäler der Familie Büchner.
*) Heiner Boehncke, Peter Brunner, Hans Sarkowicz: Die Büchners oder der Wunsch, die Welt zu verändern“. Societäts Verlag, Frankfurt am Main 2008. EAN 978-3-7973-1045-3. 168 Seiten, 24,90
Mi 19:00-21:00 Uhr, ab 21.09.2011
VILLA BÜCHNER
Pfungstadt, Uhlandstraße
immer mittwochs um 19 Uhr, und zwar:
21.9., 5.10., 2.11., 16.11., 30.11., 14.12. 2011
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