Eine ganze Woche lang sendet hr 2 kultur täglich ein Feature zu Georg Büchner – nicht verpassen!
| Wissenswert
Georg Büchner und seine Familie
Montag, 13. Februar, 8:40 Uhr
Man nennt sie auch die Manns des 19. Jahrhunderts denn die Familie Büchner hat die Geistesgeschichte ihrer Epoche entscheidend mit geprägt. [mehr]
Georg Büchner, der Revolutionär
Dienstag, 14. Februar, 8:40 Uhr
Friede den Hütten, Krieg den Palästen! Büchners Aufruf aus dem Hessischen Landboten liest man auch heute, fast zweihundert Jahre später, immer wieder auf Hauswände gesprüht, auf Flugblättern, auf Internetseiten. [mehr]
Georg Büchner, der Naturforscher
Mittwoch, 15. Februar, 8:40 Uhr
Es gibt Wissenschaftler, von denen hält Georg Büchner nicht viel. Denn sie betrachten Lebewesen, also auch Menschen, im Grunde nur als verwickelte Maschinen. [mehr]
Georg Büchner als Forschungsobjekt
Donnerstag, 16. Februar, 8:40 Uhr
Als Georg Büchner 1837 starb, gab es weder eine Literaturwissenschaft noch ein abgeschlossenes Werk. Nur Dantons Tod erschien zu seinen Lebzeiten. [mehr]
Georg Büchner, der Dichter
Freitag, 17. Februar, 8:40 Uhr
Mit Büchner beginnt die moderne deutsche Literatur. Seine Werke führen zum ( ) epischen Theater, zum Theater der Surrealisten und zum Dokumentartheater.[mehr]
Hier sind jetzt die ausführlichen Besprechungen zum Darmstädter Woyzeck im ECHO, in der FAZ und in der Giessener Allgemeinen.
NACHTRAG vom 4.2.:
Nach den beiden Premieren hat sich Johannes Breckner ausführlich und abschließend zur szenischen Lesung von Gaston Salvatores Büchners Tod (hier) und (zunächst?) knapp zum Woyzeck geäussert (hier).
Leider ist dem Verriss der szenischen Lesung nichts hinzuzufügen. Mit dem Woyzeck allerdings bietet Darmstadt eine spannende, sehens- und hörenswerte Interpretation.
Wie so oft, wenn sich die Darstellung auf der Bühne von Text des Autors entfernt, stellt sich mir die zugegeben laienhafte Frage, ob das die Aufführung ist, die man einem Besucher wünscht, der noch nie einen Woyzeck auf der Bühne gesehen hat.
Interessant, dass Regisseur Malte Kreuztfeldt Simon Köslich als Woyzeck besonders die Gehetztheit betonen lässt, die auch Bernhard&Meyer als Grundthema seiner Denkmalinszenierung in den Vordergrund stellt. Das wurde bereits hier erwähnt.
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Das Darmstädter Staatstheater beginnt am 3. Februar mit der angekündigte Aufführung sämtlicher Stücke Georg Büchners, die alle von Malte Kreuztfeldt inszeniert werden sollen, mit dem Woyzeck in einer Fassung nach Robert Wilson(der link führt zum englischsprachigen, besseren und ausführlicheren Eintrag) und Tom Waits. Ich konnte eine öffentliche Probe besuchen (im fast ausverkauften kleinen Haus!) und bin sehr gespannt auf die Darmstädter Umsetzung.
Titelblatt der Erstveröffentlichung des Woyzeck durch K. E. Franzos (1879)
Die Oberhausener Inszenierung konnte ich beim Gastspiel in Ludwigshafen sehen, wo mich die Musik beeindruckte, aber für meinen Laiengeschmack ein bisschen wenig Büchner übrig geblieben war. Tom Waits Musik gibt dem Ganzen auf den ersten Ton etwas Brecht´sches, und ich konnte bei den Gesangsstücken eine heftige Assoziation zur Dreigroschenoper nicht unterdrücken. Hoffentlich stellt man dem Darmstädter Publikum im Programmheft eine Übersetzung oder wenigstens den Abdruck der Songtexte zur Verfügung. Hier sind sie auf Tom Wait´s Homepage. Das schlichte Bühnenbild von Nikolaus Porz, das mich an ein Shakespeare-Theater erinnert, soll modifiziert in allen Inszenierungen eingesetzt werden.
Der Darmstädter Dramaturg Rainer Ortmann bietet für die Volkshochschule Darmstadt-Dieburg an, den Woyzeck-Besuch vor- und nachzubereiten.
Bereits einen Tag vor dem Woyzeck wird Gaston Salvatores Büchners Tod als szenische Lesung aufgeführt werden – irgendwo habe ich von urheberrechtlichen Problemen, die eine Aufführung verhinderten, gelesen. Am 7. Oktober 1972 wurde das neue Gebäude der Darmstädter Theater mit der Uraufführung von Salvatores Stück eröffnet. Wikipedia berichtet:
Neben dem Studium engagierte sich Salvatore politisch und entwarf zusammen mit Rudi Dutschke und anderen die Strukturen, die schließlich zur Studentenbewegung in der Bundesrepublik führten. 1969 wurden Salvatore und Dutschke aus diesem Grund wegen schweren Landfriedensbruchs angeklagt, wobei der Prozess gegen Dutschke aufgrund des Attentats ausgesetzt wurde. Man verurteilte lediglich Gaston Salvatore zu neun Monaten Gefängnis ohne Bewährung. Am Tag dieser Verurteilung flüchtete Gaston Salvatore nach Italien, später nach London und nach Chile. Bei der Schlüsselübergabe zur Eröffnung des Hessischen Staatstheaters in Darmstadt am 7. Oktober 1972 wurde Gaston Salvatore in den neuen Räumen der Dramaturgie verhaftet, weil die Amnestie, die der damalige Bundeskanzler Willy Brandt für die verurteilten Mitglieder der Studentenbewegung erlassen hatte, nur für deutsche Staatsbürger galt. Salvatore schlug den Polizisten vor, den Bundespräsidenten Gustav Heinemann, der den Feierlichkeiten beiwohnte, persönlich zu diesem Zwischenfall zu befragen. Daraufhin erhielt Salvatore umgehend eine unbefristete Arbeitserlaubnis in Deutschland.
Die Büchners oder Der Wunsch, die Welt zu verändern
Herzliche Einladung zu einem sechsteiligen Kurs der Volkshochschule Darmstadt-Dieburg in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Dekanat Darmstadt-Land.
Peter Brunner: Die Familie Büchner in Südhessen (29. 2. – 23. 5. 2012)
2012 jährt sich Georg Büchners Todestag zum 175., 2013 sein Geburtstag zum 200. Mal. Anlass genug, einen ausführlichen Blick auf seine Biografie und die seiner berühmten Familie zu werfen: alle Büchner-Geschwister hatten eine aufklärerische Geisteshaltung, ihr großes gemeinsames Anliegen war die Veränderung der Gesellschaft, Gleichberechtigung ohne Ansehen von Geschlecht oder Herkunft, und ihr Weg dorthin war die Volksbildung. An sechs Abenden werden sie auf kurzweilige Art vorgestellt. Auf Wunsch der Teilnehmer/innen sind ergänzende Besuche in Darmstadt, Goddelau und Pfungstadt möglich.
Hier ist eine detailliertere Beschreibung des Kurses zum Download
Das Finanzministerium hat auf seiner Website die Liste der für 2013 geplanten Briefmarken-Motive veröffentlicht. Darunter ist auch eine Marke zur Erinnerung an Georg Büchners 200. Geburtstag am 17. Oktober.
Die DDR gab bereits 1963 eine Briefmarke zur Erinnerung an Georg Büchner heraus
Schon als im Jahr 1987 aus Anlass des 150. Todestages von Georg Büchner die Aufmerksamkeit der literarisch und historisch Interessierten auf den großen Dichter gelenkt wurde und die Darmstädter Mathildenhöhe eine opulente Ausstellung zu seinem Leben und Werk veranstaltete, war die Deutsche Bundespost gebeten worden, diesem Ereignis mit einer Briefmarke zu gedenken. An Georg Büchner und seine Familie erinnern im südhessischen Büchnerland neben der Pfungstädter Villa insbesondere sein Geburtshaus in Goddelau, die Wohn- und Schulorte in Darmstadt, die historische Apotheke in Zwingenberg und das Stammhaus der Familie in Reinheim. Im Laufe der geplanten und vom Hessischen Literaturrat koordinierten Veranstaltungen in den kommenden Monaten werden diese Orte mit Veranstaltungen und in Veröffentlichungen auf sich aufmerksam machen können. Geplant ist, in diesem Zusammenhang auch ausführlich auf die anderen Geschwister Büchner des 19. Jahrhunderts aufmerksam zu machen: den Unternehmer und Politiker Wilhelm, die Frauenrechtlerin Luise, den Arzt, Philosophen und Publizisten Ludwig und den Juristen und Sprachwissenschaftler Alexander.
2008 hat der Pfungstädter Bürgermeister Horst Baier, der zu den wichtigen Förderern der denkmalgerechten Sanierung der Pfungstädter Villa Büchner, dem großartigen Wohnhaus von Georg Büchners Bruder Wilhelm, gehört, mit einem Schreiben an einflussreiche Persönlichkeiten aus Südhessen angeregt, einen erneuten Vorstoß für eine Gedenkbriefmarke zu machen. Auf seine Anregung hin haben der Landrat des Landkreises Darmstadt-Dieburg, Peter Schellhaas, die Bundes- und Landtagsabgeordneten Zypries, Hofmann, Storm und Milde, die Bürgermeister Hoffmann (Darmstadt), Kummer (Riedstadt) und viele andere an das Finanzministerium geschrieben und um Berücksichtigung gebeten.
Im Jahr von Georg Büchners 175. Todestag, zu Beginn der hessenweiten Feierlichkeiten und Erinnerungsveranstaltungen ist es eine sehr erfreuliche Nachricht, dass dem jetzt entsprochen wird.
Friede den Hütten! Krieg den Palästen! ist die konsequente Fortsetzung unserer Beschäftigung mit dem Autor Georg Büchner. Woyzeck und Marie zeigte die entmenschlichten Verhältnisse, in denen Woyzeck und Marie zum Überleben verdammt sind. Aber hat Büchners politisches Pamphlet – sein Aufruf zur Revolution überhaupt noch Relevanz für Deutschland im Jahr 2012?
Unsere Darsteller aus Bulgarien, Iran, Libanon, Marokko, Türkei, Kurdistan entdecken in dem deutschen Text aus dem Jahre 1834 allerdings viele Parallelen zu den Verhältnissen in ihren Herkunftsländern. Könnte Büchners Aufruf: Erhebeteuch! dortAbhilfe schaffen? In Tunesien, Ägypten, Libyen haben sich die Menschen erhoben. Aber was geschah nach dem Sieg der Aufständischen? Sind sie heute Willens, die gesellschaftlichen Verhältnisse tatsächlich zu ändern? Oder entbrennt nicht in dem Machtvakuum der Kampf um Führungspositionen, um Macht und Einfluss? Und hat das nicht die Ausschaltung der ehemaligen revolutionären Weggefährten zur Folge? Dieser Frage geht die Inszenierung anhand der machtpolitischen Auseinandersetzung zwischen Danton und Robespierre in Büchners Drama: Dantons Tod nach. Was ist aus unserer Revolution geworden? Was bleibt, sind Fragen!
Ensemble: Alexander Brill, Hadi El–Harake, Evgeniya Genadieva, Cemil Günyasar, Stefan Illert, Adil Khadri, Mustafa Kutluay, Tanja Ronaghi
Team: Regie: Alexander Brill
Bühne/Kostüm: Jana Lünsmann–Messerschmidt, Verena Polkowski
Dramaturgie: Jan Deck
Termine von Friede den Hütten! Krieg den Palästen!:
JANUAR: 21.1., 27.1.
FEBRUAR: 1.2., 15.2.
MÄRZ: 1.3., 14.3., 22.3.
Beginn: jeweils um 19.30 Uhr
Doppelvorstellungen:
Woyzeck und Marie + Friede den Hütten! Krieg den Palästen!