Peter Brunners Buechnerblog

Kategorie: Georg Büchner (Seite 42 von 48)

Sandor Petöfi – der Georg Büchner Ungarns?!

Noch einmal zurück zur Weimar-Exkursion der Luise Büchner-Gesellschaft :

Beim Spaziergang durch den Park an der Ilm kamen wir am Petöfi-Denkmal vorbei,

und Agnes Schmidt, die Vorsitzende, hatte sich darauf mit einem Gedicht vorbereitet.  Mit einiger Berechtigung hat sie Petöfi den Büchner Ungarns genannt,

und sie hat mir erlaubt, das kleine Video von ihrem schönen Vortrag zu veröffentlichen.

Hier habe ich eine andere Übersetzung des Gedichtes „Ende September“ online gefunden.

29. 6. 2012 – Christian Wirmer erzählt Georg Büchners „Lenz” als einen neuen Text

Glücklicherweise ist es gelungen, Christian Wirmer für eine Veranstaltung des Kultursommer Südhessen 2012 zu gewinnen. Seine Interpretation von Georg Büchners Lenz ist unbedingt sehens- und hörenswert.

Es steht noch eine Anzahl von Karten zur Verfügung, ab dem 21. 6. im Vorverkauf beim Ticketservice Pfungstadt und – vor Ort – im Restaurant Strud´l Stub´n in der Villa Büchner.

Ich zitiere mich ungern selbst, aber meiner Besprechung von Christian Wirmers unvergesslichem Auftritts im Darmstädter Literaturhaus habe ich nichts hinzuzufügen:

 Ganz frei, wie erzählt, wie gerade erlebt trug er den großartigen Text vor. Das bewies erneut, wie „aus der Zeit” Büchners Texte, die ja eigentlich inhaltlich ganz konkret angesiedelt und zuordenbar sind, dennoch wirken. In allen Wendungen der „Novelle” verzichtet Wirmer darauf, „dem Affen Zucker zu geben”. Weder er als Interpret noch der Text selbst haben es nötig, dass wir mit der Nase auf die richtige „Stelle” gestoßen werden. Lenz´ Sprung in den Brunnen, die Beschwörung am Bett des toten Kindes, der erste und der letzte Satz, alles bleibt im Duktus der Erzählung, und Wirmer füllt den Begriff Erzählung auf, wie es dem Publikum noch nie begegnet war. Da steht ein Mann und spricht, e r z ä h l t , und wir hören einen altbekannten Text plötzlich wie zum ersten Mal.

 

 (Christian Wirmer)

 

Büchners Lenz ist wirklich zum Erzählen geschrieben (neben dem „Landboten” ist es ja auch sein einziger Prosatext), und das führt Christian Wirmer unpathetisch vor. Es gibt ja in der Büchner-Familie die belegte Tradition des Erzählens, Luise Büchner schildert das im „Dichter”, Georg spielt gerne mit erzählenden Figuren, Luise Büchner selbst hat ihre Märchen zuerst Ludwig Büchners Kindern vorgelesen. Vielleicht müssen wir uns ab jetzt den Lenz als eine (wörtlich) E r z ä h l u n g Georg Büchners denken, als einen Text, von einem Dramatiker als Sprechtext geschrieben.

 Der Verdienst, diesen wichtigen Gedanken angeregt zu haben, gehört Christian Wirmer. Nach über einer Stunde konzentriertester Aufmerksamkeit lobte das Publikum mit anhaltendem Beifall.

Villa Büchner ist Ziel im neu erschienenen Radwanderführer LiteRadTouren

Nach den erfolgreichen literarischen Kultur- und Freizeitführern Hessen (Süd/Mitte/Nord), herausgegeben vom Hessischen Rundfunk, dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, dem ADAC und dem Hessischen Literaturrat (hier gibt es Informationen und Bezugsmöglichkeiten) erschien soeben der neue Führer LiteRadTouren – Radwandern im Literaturland Hessen. Hier der Pressetext:

„Der romantische Rheingau, das malerische Lahntal, der nordhessische Märchenwald – Hessens reizvolle Landschaften lassen sich bestens mit dem Fahrrad erkunden. Jetzt verbindet ein neuer Radreiseführer den Spaß am Radfahren mit kulturellem Genuss. Unter dem Stichwort „LiteRadTouren – Radwandern im Literaturland Hessen“ laden fünf 

Themenrouten zum Erkunden hessischer Regionen ein. Den literarischen Radreiseführer gibt hr2-kultur in Kooperation mit dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und der Hessen Agentur gemeinsam mit dem ADAC Hessen-Thüringen heraus. Er ist kostenlos bei den ADAC Geschäftsstellen & Reisebüros in Hessen und beim „Literaturland Hessen“-Büro von hr2-kultur, Telefon: (069) 155-4960, erhältlich. 

Die „LiteRadTouren“ führen zu Wirkungsstätten, Dichterhäusern und literarischen Schauplätzen und folgen den Lebenswegen berühmter Autoren. Stationen sind unter anderem das Brentanohaus in Oestrich-Winkel, das Büchnerhaus in Riedstadt-Goddelau, das Lottehaus in Wetzlar und die Brüder-Grimm-Städte Hanau, Steinau an der Straße und Kassel. 

Ob Genussradler oder sportlich unterwegs: Auf den gut beschilderten hessischen Radfernwegen und regionalen Routen ist für jeden etwas dabei. Ausführliche Streckenbeschreibungen, Karten und Höhenprofile erleichtern die Planung. 

Die „LiteRadTouren“ sind die Fortsetzung eines erfolgreichen Gemeinschaftsprojekts: Mit dem ADAC Hessen-Thüringen und in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst hat hr2-kultur bereits Kultur- und Freizeitführer für Nord-, Mittel- und Südhessen herausgegeben. 

Das „Literaturland Hessen“ wurde 2004 von hr2-kultur gemeinsam mit dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und dem Hessischen Literaturrat e.V. mit dem Ziel gegründet, die Literaturgeschichte(n) des Bundeslandes erlebbar zu machen. 

Hier gibt es weitere Informationen.


Nach der Pressekonferenz im Goddelauer Büchnerhaus radelten die Journalisten von einem „literarischen Ort“ zum andern, teil bequem von Elektromotoren in den Fahrrädern unterstützt, zur Pfungstädter Villa Büchner. An dem neu restaurierten authentischen Ort der Büchners, für den zahlreiche Besuche aller Familienmitglieder dokumentiert sind, mündete eine Führung schließlich „zur Belohnung“ am ausgedehnten Strudlbuffet.

Alexander Büchner schrieb von der Villa als dem „petit chateau“ und lobte die Pfungstädter Sommerfrische, die er und sein Sohn häufig genossen. Alexander war schon 1849 Gast in Pfungstadt, lange bevor die Villa 1864 errichtet wurde. Er versteckte sich hier vor polizeilicher Verfolgung, bis er es am Pfingstmontag 1849 nicht mehr aushielt und sich ins Getümmel der sogenannten „Reichsverfassungskampagne“ begab, wo er prompt verhaftet wurde.

Bei strahlender Sonne und mit gut gelaunten Gästen entstand eine ferne Ahnung von den wunderbaren Familienfesten, die die Büchners hier gefeiert haben.

Angelika Bierbaum (hr) und Florian Balke (FAZ) mit Sabine Gündisch (Mitte)

vom Restaurant Strud´l Stub´n vor dem „Strud´l -Buffet“ 

Felicitas Hoppe erhält den Georg-Büchner-Preis 2012

Die Begründung der Jury:

„Mit dem Band Picknick der Friseure (1986) brach die Schriftstellerin Felicitas Hoppe in ihr vielstimmiges Werk auf. Seither hat sie in Romanen, Erzählungen und Essays die Welt der Abenteurer und der Hochstapler, der Entdecker und der Taugenichtse erkundet. In einer lakonischen und lyrischen, eigensinnigen und uneitlen Prosa hat sie ein erzählerisches Universum erfunden, in dem Grundfragen eines ‚postmodernen’ Daseins mit freier und befreiender Phantasie durchgespielt werden.

Das Reisebuch Pigafetta (1999), der pikareske Roman Paradiese, Übersee(2003), die Porträtgalerie Verbrecher und Versager (2004), die moderne Legende von der heiligen Johanna (2006), die Neuerzählung des Ritterromans von Iwein Löwenritter (2008) und jüngst die fiktive Biographie Hoppe (2012) unterlaufen virtuos die Grenzen von Wahrheit und Fiktion, Selbsterkenntnis und Rollenspiel. Felicitas Hoppe fragt nach Möglichkeiten der Ich-Werdung, nach den Wundern und Verstrickungen der Sehnsucht, und lässt unaufdringlich metaphysische Horizonte aufscheinen.

In einer Zeit, in der das Reden in eigener Sache die Literatur immer mehr dominiert, umkreist Felicitas Hoppes sensible und bei allem Sinn für Komik melancholische Erzählkunst das Geheimnis der Identität: „Denn auf welchen Namen wir wirklich getauft sind, wer kann das schon wissen.“

Bild, Biographie und Werkverzeichnis hier auf der website der Akademie. 

Der Staat also sind alle; die Ordner im Staate sind die Gesetze, durch welche das Wohl aller gesichert wird und die aus dem Wohl aller hervorgehen sollen.*

Es hat lange gedauert, bis wir vom Bundesfinanzministerium erfuhren, dass es 2013 eine Briefmarke zum Andenken an Georg Büchners 200 Todestag geben wird; offenbar erscheint am 10. Oktober 2013 auch eine 10 €-Gedenkmünze, wie wir den einschlägigen websites

 Muenzen.Eu

und

Muenzen-News.De  

entnehmen konnten.

DDR-Buechner 1963

Die 20-Pfennig-Briefmarke der DDR von 1963

Wir sind gespannt, ob man mutig genug ist, Alexis Mustons schöne Skizze zur Grundlage der Gestaltung zu nehmen!

Es entbehrt natürlich nicht einer gewissen Pikanterie, dass ausgerechnet so offenbar auf den Staat bezogene Stücke wie Briefmarken und Münzen Georg Büchner als Motiv tragen werden.

Es liegt an der Autorschaft, der Publizistik und den Veranstaltern, dafür zu sorgen, dass das als Anerkennung der revolutionären Qualität  von Georg Büchners Literatur und Politik wirkt und nicht als öffentliche Demonstration von erloschenen Wirkkraft und eingetretener Harmlosigkeit!

*aus dem Hessischen Landboten, hier im Zusammenhang:  

 Dies Geld ist der Blutzehnte, der vom Leib des Volkes genommen wird. An 700.000 Menschen schwitzen, stöhnen und hungern dafür. Im Namen des Staates wird es erpreßt, die Presser berufen sich auf die Regierung, und die Regierung sagt, das sei nötig, die Ordnung im Staat zu erhalten. Was ist denn nun das für gewaltiges Ding: der Staat? Wohnt eine Anzahl Menschen in einem Land und es sind Verordnungen oder Gesetze vorhanden, nach denen jeder sich richten muß, so sagt man, sie bilden einen Staat. Der Staat also sind alle; die Ordner im Staate sind die Gesetze, durch welche das Wohl aller gesichert wird und die aus dem Wohl aller hervorgehen sollen. – Seht nun, was man in dem Großherzogtum aus dem Staat gemacht hat; seht, was es heißt: die Ordnung im Staate erhalten! 700.000 Menschen bezahlen dafür 6 Millionen, d.h. sie werden zu Ackergäulen und Pflugstieren gemacht, damit sie in Ordnung leben. In Ordnung leben heißt hungern und geschunden werden.

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