Wenige Tage vor Georg Büchners 200. Geburtstag, der jetzt seit fast zwei Jahren vorbereitet wird, heute ein Hinweis auf gleich vier Veranstaltungen.
Für Offenbach und Zwingenberg empfehle ich dringend baldige Reservierung bei den angegebenen Adressen! :
am Donnerstag, dem 10. Oktober, präsentiert der traditionsreiche Offenbacher Oratorienchor seine Revue „Tun wir was dazu!“, zu der Peter Kühn und ich beitragen.
Am Tag darauf ein weiterer Auftritt der „Fabelhaften Büchner-Bande“, diesmal im wunderschönen Zwingenberger „Theater mobile“:
und ab Sonntag, dem 13. 10. ist dann die Ausstellung nach einer Vernissage im Darmstädter Staatstheater (Samstag, 12.10., 18:30, nach der aktuellen Meldung vom Staatstheater ist diese Veranstaltung bereits ausgebucht!) offen:
und ebenfalls am 13.10. gibt es dann im Staatstheater Darmstadt noch die einmalige Gelegenheit, Georg Büchners dramatisches Werk in den Inszenierungen von Malte Kreutzfeld vollständig aufgeführt an einem Tag zu sehen; sozusagen ein Büchner-Ring.
Titel der ersten Werkausgabe Georg Büchners von 1850, ohne den Woyzeck
In Kürze dann mehr von der Pressekonferenz zur Ausstellungseröffnung und über die Termine der kommenden Woche zum Geburtstag am 17.10.
Reinhard Pabst hat in den letzten Wochen bereits mehrfach mitgeteilt, dass eine Nachricht über bedeutende Büchneriana anstünde. Wer ihn kennt, war davon nicht überrascht – das macht er gern und oft.
Am vergangenen Samstag hat dann Hubert Spiegel im FAZ-Feuilleton mitgeteilt, worum es ging: die nur als Fotografie der siebziger Jahre bekannten Skizzen Alexis Mustons von Georg Büchner sind im Original aufgetaucht, werden in Darmstadt bei der Georg-Büchner-Ausstellung gezeigt und auf Dauer im Freien Deutschen Hochstift verwahrt werden.
EDIT:Hier findet sich jetzt auch der Bericht von Johannes Breckner im DARMSTÄDTER ECHO.
Am Montag früh stellten die stolzen Finder der Presse ihre Schätze vor. Die Umstände der Wiederentdeckung, die Recherche nach Alexis Mustons Nachfahren und der Zugang zu ihnen ist im oben verlinkten Artikel gut geschildert,
Präsentation der Muston-Zimelien im „Italien-Saal“ des Goethehauses; vlnr Bettina Zimmermann (Handschriftenabteilung Hochstift/Goethehaus), Reinhard Pabst, Prof. Dr. Anne Bohnenkamp-Renken (Direktorin des Freien Deutschen Hochstifts und Chefin des Goethe-Museums), J. Breckner (Darmstädter Echo), Prof. Dr. H. Kurzke, ein Pressekollege und Nicole Schlabach (Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen)
Zu dem höchst umstrittenen Bildfund des „Korsaren“ kommt jetzt also eine Sensation, die erst auf den zweiten Blick als solche zu erkennen ist. Denn die Bilder waren ja bekannt, ihr Entstehungsumstand hundertfach beschrieben und ihre Originalität immer wieder gelobt. Dennoch hat die Büchnerforschung und die interessierte Öffentlichkeit lange kein solches Geschenk bekommen.
Freundlicherweise hat das freie Deutsche Hochstift gut aufgelöste Scans der drei entscheidenden Bilder bereitgestellt, die ich hier (in webgerechter Auflösung) zeigen kann. Sie zeigen Frische, Tiefe und darstellerische Qualität, von der bisher niemand eine Ahnung hatte. Der erste Finder des Muston-Nachlasses, der Münchner Professor Fischer, hat nach Schilderungen von Reinhard Pabst überhaupt nur unter striktester Kontrolle der damaligen Besitzerin, der „Meeresbiologin mit dem märchenhaften Namen Yseult LeDanois“ (H. Spiegel in der FAZ) im Muston-Nachlass lesen und daraus fotografieren dürfen. Wahrscheinlich hatte er selbst nicht die geringste Vorstellung vom Ausmaß der Hinterlassenschaft, die nach den Berichten von Hermann Kurzke und seines Freundes Reinhard Bender unter vielem Anderen „mindestens 20.000 Briefe“ (!) an Muston umfasst. Es ist kaum vorstellbar, welche Funde und Erkenntnisse in diesem märchenhaften Konvolut stecken könnten. Selbst wenn keine einzige weitere Büchner-Zimelie mehr dabei wäre, enthält es doch ganz sicher bemerkenswerte Materialien zur Geschichte der Waldenser, des Protestantismus in Frankreich und damit der europäischen Geschichte des 19. Jahrhunderts. Der allergrößte Teil dieses Schatzes wird in Frankreich bleiben; Bender und Kurzke hatten etwa zwei Tage zur Sichtung (während derer sie sich allerdings nach eigenem Bericht südfranzösischer Lebensart und entsprechend ausgedehnten Unterbrechungen durch Pastis, Menü und Pause déjeuner unterwarfen). Diese erste flüchtige Durchsicht hat kein Büchner-Material aufgetan. Nicht nur Reinhard Pabst hält das allerdings nicht für eine abschließende Bewertung. Der jetzige Eigentümer, dem offenbar erst durch die euphorisierten Deutschen die Bedeutung seines Besitzes für die Büchner-Forschung klar wurde, hat sich vorgenommen, das Material fotografisch zu erfassen und erste Systematisierungen vorzunehmen. Neben den in der FAZ erwähnten Handeinbänden von tausenden von Handschriften gibt es dort eine Vielzahl von Tagebuchbänden Mustons, das Manuskript seines Revolutionsdramas, auf das auch schon Heinz Fischer aufmerksam gemacht hatte, mit handschriftlichen Anmerkungen von Alexandre Dumas, eine Vielzahl von Skizzen, Aquarellen und Zeichnungen u.v.a.m. Der Tagebuchtext, den Fischer zitiert, ist die Wiedergabe von Mustons viel später erfolgter Rein- und Zusammenschrift; offenbar liegt aber auch das frühe Original vor. Kurzke vermutet, dass Muston bei seiner Reinschrift die erhaltenswert gefundenen Skizzen und Zeichnungen ausschnitt und in einem begleitenden Album bewahrte. So entstand wohl auch der kaum briefmarkengroße „Schnipsel“ mit dem Büchner-Kopf. Möglicherweise kann auf die Dauer das zerschnittene Original wieder hergestellt werden, so dass wir hoffentlich eines Tages die noch immer rätselhaft Eintragung „Balzac“ unter dem Büchner-Bild im Zusammenhang lesen und verstehen können. Leider war es heute früh nicht möglich, auch die Rückseite dieses kleinen Bildes zu sehen; das Hochstift hat mir aber einen Scan davon zugesagt, so dass immerhin als nächstes dieses kleine Stück Text veröfentlicht wird. Ich werde ihn natürlich unverzüglich hier zugänglich machen. Prof. Kurzke hat ihn gesehen und meint sich zu erinnern, dass „Paris“ erwähnt werde: Büchner und Muston hatten sich in Straßburg – leider vergeblich – auf bessere Zeiten in der französischen Hauptstadt verabredet.
Prof. Dr. Kurzke vor der Vitrine mit einem vergößerten Ausdruck einer Skizzenheft-Seite
Neben dem kleinen Bild haben Bender und Kurzke aus Frankreich die Tagebuch-Reinschrift, die wir von Fischers Fotografien, Transkriptionen und Übersetzungen kennen, und das Skizzenheft mitgebracht, aus dem die schöne Zeichnung Büchners auf dem Felsenmeer, sein skizzierter Kopf und die Mohnblüte, die neuerdings als Augapfel herhalten muss (?!), mitgebracht. In diesem Skizzenheft, das wohl weitere Schätze birgt, gibt es eine weitere Seite, die Fischer nur in einem Ausschnitt wiedergibt und die jetzt vollständig veröffentlicht werden kann.
Links von den Köpfen, darunter vielleicht noch einmal Georg Büchner, vielleicht sein Bruder Wilhelm, vielleicht Mustons Darmstädter Logisgeber und wer weiß wer noch, hat Muston eine kleine Frankenstein-Skizze untergebracht, die natürlich besonders uns Regionalisten freut.
Die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen hat zugesagt, den Ankauf der Schätze, die bereits ab heute in Frankfurt gezeigt werden, möglich zu machen und das Material auf Dauer beim Hochstift zu belassen. Reinhard Pabst nutzte die Gelegenheit, auf die Planungen und Wünsche für ein Romantik-Museum bei Hochstift und Goethehaus hinzuweisen und dort als dringende Verpflichtung die Einrichtung einer „Büchner-Insel“ anzuregen.
Ja, ganz zur Recht wurde mehrfach gefragt, ob es denn noch nie eine deutsche Briefmarke für Georg Büchner gegeben habe. Bereits vor 50 Jahren erschien zum 150. Todestag Geburtstag (Danke, R.P.!) eine Marke in der DDR. Nicht dass sie besonders schön gewesen wäre – aber besonders hässlich war sie immerhin auch nicht:
Mit einem stilisierten Woyzeck-Motiv im Hintergrund und einem Portrait nach dem bekannten Hoffmann-Bild aller Ehren wert.
Der Präsident des Bundes Deutscher Philatelisten, Dieter Hartig, schrieb mir auf die Frage, ob und welcher inhaltlichen Kompetenz man sich bei der Entscheidung für das Marken-Motiv bedient habe:
Abstimmungen und Entscheidungen des Kunstbeirates (sollen? pb) unter Ausschluß der Öffentlichkeit erfolgen. Bitte wenden Sie sich direkt an das Postwertzeichenreferat im BMF in Berlin.
Außerdem ist der Kommentar von Stefan Benz aus dem Darmstädter Echo („Georg Büchner ist ein gesuchter Mann …“) inzwischen online zugänglich. Auf mein Kompliment dazu schrieb er mir:
Für Anregungen zur Satire bin ich ja immer dankbar. Wenns so weiter geht, kann ich noch eine Anthologie mit Büchner-Glossen herausbringen. Die Idee hinter der Steckbrief-Marke kann ich im Übrigen ja auch verstehen – frei nach dem Motto einer Roman-Polanksi-Filmbiografie: „Georg Büchner – wanted and desired“. Aber die Vorlage ist eben auch zu schön, um daraus nicht einige Pointen abzuleiten.
Nachtrag vom 7.9.:
Zahlreiche Reaktionen und Kommentare haben mich hierzu erreicht; Forschung, Publizistik und Büchner-Familie sind unisono konsterniert. Im DARMSTÄDTER ECHO hat Stefan Benz analog kommentiert (leider noch nicht online).
Ich habe die Grafikerin gebeten, ihre Überlegungen zur Gestaltung zu äußern und werde das Bundesfinanzministerium fragen, mit welcher inhaltlichen Kompetenz bzw. Beratung die Entscheidung für das Motiv gefallen ist.
Später mehr.
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Man hätte es wissen müssen: für den Staat ist das wichtigste Büchner-Jubiläum offenbar der 13. Juni 1835.
Die Querelen um die Herausgabe einer Georg-Büchner-Marke sind hier ja mehrfach erörtert worden; dass 1987 noch keine erscheinen durfte, ist allgemein als typisch beschrieben worden für die Distanz auch zu solchen Rechtsbrechern, die den heutigen Verhältnissen den Weg gewiesen haben. Ich selbst habe mich mehrfach mit Initiativen für eine Gedenkmarke eingesetzt; schon vor Jahren schrieben auf meine Anregung hin Bürgermeister und Abgeordnete an das Finanzministerium.
Die jetzt vorliegende Briefmarke, die zum 200. Geburtstag tatsächlich erscheint, schlägt allerdings dem Fass den Boden aus: die Deutsche Post nutzt die Gelegenheit, noch einmal an die offenbar immer noch gültige Festnahme -und Auslieferungsverfügung zu erinnern.
Begleitet von knappstmöglichen Lebensdaten wird – der Steckbrief zitiert, verfasst vom schrecklichen Richter Georgi, den schon Alexander Büchner 1849 ungestraft den Mörder Weidigs nennen durfte! Die erneute Veröffentlichung dieses Steckbriefes vom 13. Juni 1835, der Georg Büchner für den Rest seines Lebens und bis ins Grab verfolgte, ist ein wirklich außerordentliches Denkmal für die Form staatlichen Gedenkens an ihn.
Das hätte sich selbst ein scharfer Kritiker der heutigen Verhältnisse nicht schlechter ausdenken können!
es ist zur Zeit unter Meteorologen noch umstritten, ob wir den schönen Sommer dem Erfolg der BüchnerBox oder ob die BüchnerBox ihren Erfolg dem guten Wetter zu verdanken hat – weit über Meteorologenkreise hinaus ist jedenfalls unbestritten, dass Darmstadt mit der BüchnerBox und dem Königreich Popo einen wichtigen und erfolgreichen Baustein zu den Büchnerjubiläen beigetragen hat.
Ich selbst möchte keinen der Abende, keines der Gespräche, keinen einzigen Eindruck missen, den ich selbst dort erlebt habe, und ich bin sicher, dass das annähernd alle Gäste bestätigen werden. Ein paar Bilder und erste Eindrücke habe ich im Blog veröffentlicht
Am Samstag, dem 31. 8., müssen wir uns von dem schönen Ort verabschieden, das Festival ist zu Ende. Die wenigen unter Ihnen, die immer noch nicht dagewesen sind, sollten diese letzte Gelegenheit unbedingt nutzen, und bei den vielen, die schon einmal da gewesen sind, bin ich sowieso überzeugt, dass sie sich den letzten Eindruck nicht entgehen lassen wollen.
Abendstimmung im Königreich Popo
(*J.-C. Hauschild: „Das schönste Büchner-Denkmal, das ich kenne!“)
Bitte kommen Sie also zahlreich und gut gelaunt.
Eines der Anliegen der Aktivitäten vor dem Hauptbahnhof war, wissbegierig auf die bevorstehende Jubiläumsausstellung zu Georg Büchners 200. Geburtstag im Darmstadtium zu machen, und da ist es nicht mehr als angemessen, dass ihr Kurator, Dr. Ralf Beil, selbst den Bogen schlägt, indem er ab 16 Uhr zum Abschluss Konzept und Stand der Dinge erläutert – niemand weiß zur Zeit genauer als er, wie uns der Jubilar in seiner Ausstellung begegnen wird.
Dr. Ralf Beil in der BüchnerBox
Um 19:30 gibt es die Gelegenheit, „La Baguette“, die musikalische Interpretation von Motiven aus Büchners „Dantons Tod“, die die Akademie für Tonkunst im Danton-Projekt der Theatermacher erarbeitet hat, (noch einmal) zu sehen.
„La Baguette“ im Juni 2012 im Hof der Georg-Büchner-Schule
Und ab 21 Uhr feiern wir dann zusammen mit den Studentinnen und Studenten der Hochschule Darmstadt, die mit ihren Arbeiten so vielfältig, phantasievoll und intelligent zur Gestaltung beigetragen haben. Dazu wird Petra Bassus singen, die sowohl als moderierende wie singende Stütze der Büchnerbande wirkt und auch Ariane Martins Vortrag zu Büchners Liedern wunderbar begleitet hat.
Petra Bassus mit meiner Wenigkeit
Aus gut informierten Kreisen weiß ich, dass Papa Legba’s Blues Lounge, der „musikalische Teil“ der BüchnerBande, mit einiger Wahrscheinlichkeit am späten Abend eintreffen wird –
„ … und dann legen wir uns in den Schatten und bitten Gott um Makkaroni, Melonen und Feigen, um musikalische Kehlen, klassische Leiber und eine kommode Religion!
Reinhard Pabst hat Reuss’sche Familienforschung betrieben. Die Mutter „unsrer“ Büchners, Caroline Luise, geb. Reuss, hatte Verwandtschaft in der Pfalz – eine Nichte, Tochter ihrer Schwester, Emilie Eberhard, lebte verheiratet mit Heinrich Augustin in Wachenheim. Mit seiner freundlichen Erlaubnis hier ein Beitrag, den die Ludwigshafener Zeitung „Die Rheinpfalz“ am 8. August 2013 veröffentlichte:
War Georg Büchner zu Besuch in Wachenheim?
Unbekannte Verwandtschaftsbeziehungen des Dichters in die Pfalz
Eine kleine „hübsch gelegene Stadt“ inmitten der „angenehmsten Umgebungen von der Welt“: So beschrieb der Dichter August von Platen 1815 Wachenheim an der Haardt auf der Durchreise in seinem Tagebuch. Einige Jahre später könnte auch ein anderer, noch bedeutenderer Literat dort zu Besuch gewesen sein. In Wachenheim wohnte nämlich eine Cousine Georg Büchners (1813-1837), dessen Geburtstag sich am 17. Oktober zum 200. Mal jährt.
„Ich habe Verwandte bei Landau, ihre Einladung und die Erlaubnis, sie zu besuchen“, heißt es in einem Brief Büchners vom Januar 1834 an seine Straßburger Verlobte Wilhelmine Jaeglé. Wer diese Verwandten waren und wo sie lebten, war bislang unbekannt. Recherchen des Literaturdetektivs Reinhard Pabst (Bad Camberg/Hessen) vor allem beim Standesamt Wachenheim förderten überraschende Einzelheiten zutage.
Emilie Eberhard (1807-1848), eine Nichte von Büchners Mutter Caroline, heiratete 1829 den Wachenheimer Kaufmann Heinrich Augustin, Sohn eines praktischen Arzts und Gutsbesitzers. Da ihre Eltern bereits verstorben waren, benötigte (und erhielt) sie dafür eine förmliche „Einwilligung“ ihrer Großmutter Louise Reuß, die im Haus der Büchners in Darmstadt wohnte. Doch nicht nur dieses aufschlussreiche Schriftstück hat sich in einem Archiv erhalten. Wie eng die Beziehungen zwischen den Büchners und ihrer pfälzischen Verwandtschaft waren, ist auch dadurch belegt, dass Familienmitglieder Büchners 1833 und 1836 als Paten und Taufzeugen für Kinder der Augustins fungierten: Ernst – der Vater des Dichters -, Luise und Wilhelm Büchner, zwei seiner Geschwister. Eine Vielzahl von Briefen dürften vor allem zu Georg Büchners Lebzeiten zwischen Darmstadt und Wachenheim gewechselt worden sein. Wenn diese nicht beim Bombardement vom 18. März 1945, bei dem 20 Prozent der Stadt zerstört wurden, oder bei anderer Gelegenheit abhanden kamen, könnten sie noch immer auf einem Dachboden in Wachenheim (oder der Umgebung) schlummern.
„Es wäre eine absolute Sensation“, so Reinhard Pabst, „sollten bei Nachfahren der Familie Augustin oder an anderem Ort tatsächlich Büchner-Dokumente zum Vorschein kommen“. Vor zwanzig Jahren gelang ihm auf einem Dachboden im hessischen Butzbach die Auffindung zweier unbekannter Briefe Georg Büchners, kurz darauf entdeckte er in südfranzösischem Privatbesitz ein eigenhändiges Albumblatt des Dichters. Durch Pabsts Vermittlung sind diese Raritäten heute Eigentum der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen in Frankfurt am Main.
„Vieles spricht dafür“, meint Pabst, „dass Georg Büchner mindestens einmal bei den Verwandten in Wachenheim zu Besuch gewesen ist“. Seine Spurensuche konzentriert sich gegenwärtig neben der Familie Augustin auf Angehörige des Leinenwebers Jacob Reinhardt, der 1851 Luise Büchners Patenkind gleichen Namens ehelichte. Jeder noch so kleine Hinweis, der zur Vervollständigung des Puzzles von Büchners Biographie beiträgt, ist ihm willkommen.