Peter Brunners Buechnerblog

Kategorie: Geschichte (Seite 14 von 30)

„Haben wir dich, Spitzbuben, Hallunken, jetzt muß das Geld heraus!“

1825 erschien in Giessen eine kleine Schrift des Criminalgerichtssekretärs Carl Franz, in der dieser mit Auszügen aus den Gerichtsakten und in freier Erzählung Hergang, Aufklärung und Ende eines Raubes im ärmsten und rückständigsten Teil des Großherzogtums berichtet: eine Gruppe von Bauern überfiel am 19. Mai 1822 das sogenannte „Geldkärrnchen” und machte große Beute. Bis auf einen Beteiligten, der  – wohl nach Amerika – fliehen konnte, wurden alle verhaftet, vor Gericht gestellt und verurteilt.

Sodann mit der drückendsten Armuth und Dürftigkeit kämpfend, nimmt er (der Wilddieb – pb), schon gewöhnt an Verbrechen und vertraut mit den Gefahren, die sie begleiten, zu den verzweifelten Mitteln, zu Diebstahl und Raub, seine Zuflucht, die ihn immer tiefer in den Pfuhl alles Verderbens ziehen und endlich an einen entsetzlichen Abgrund führen. (aus der Einleitung)

Das kleine Heft hat Karriere gemacht – hundert Jahre später, 1933, erschien ein Reprint in Marburg,  1971 machten es Margarethe von Trotta und Volker Schlöndorff zur Grundlage ihres Films „Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach“, 1978 wurde es, illustriert von Johannes Nawrath, zum ersten Titel des aufstrebenden Marburger Jonas Verlags, der den Text 1986, jetzt illustriert von Wilhelm M. Busch, ein erstes Mal und, gerade eben, als schlichte Textedition ein zweites Mal wieder auflegte.

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Carl Franz: Der Postraub in der Subach Begangen von acht Strassenräubern von denen fünf am siebenten October 1824 zu Giessen durch das Schwert vom Leben zum Tode gebracht worden sind. Marburg (Jonas) 2015. ISBN 978-3-89445-510-1. 64 S., Klappenbroschur. 8 €

Für den Herbst 2015 schließlich wurde der Text die Grundlage eines Freilicht-Musicals bei den diesjährigen Schlossfestspielen in Biedenkopf, dem kleinen Residenzstädtchen, das bei wikipedia unter wenig Anderem eine ausführliche Erwähnung des Kartoffelbratens verdient hat. Für das Musical, das am 21.8. vor bereits ausverkauftem „Haus” uraufgeführt werden soll,  schrieb Birgit Simmler das Libretto, die Musik ist von Paul Graham Brown ( „Eine Hetzjagd aus Verrat, Bestechung und Bedrohung bringt Liebe und Freundschaft ins Wanken. Wer gefasst wird, dem droht der Tod.” Quelle: website ).

Was soll das im Büchner-Blog?

Spätestens seit Trotta/Schlöndorffs Verfilmung ist klar, dass der schlichte Text des Gerichtssekretärs eine ganz hervorragende Schilderung der Verhältnisse unter den armen Bauern des hessischen „Hinterlandes“ bietet. Lebensverhältnisse, wie sie Friedrich Weidig und seinen Genossen tagtäglich  als das geplagte Leben der potentiellen Leser des Hessischen Landboten (und damit auch der Protagonisten des ersehnten Aufstandes) vor Augen standen. Der oben verlinkte wikipedia-Artikel erwähnt den Postraub leider ebensowenig wie den Mann, der später jahrelang Landtagsvertreter der Bauern in Darmstadt war: kein geringerer als der Büchner-Freund August Becker vertrat in der Hessen-Darmstädtischen Hauptstadt das Hinterland von 1849 bis zu seiner Auswanderung in die USA 1853 (12. – 14. Wahlperiode). Anders als Wilhelm Büchner, dessen Polit-Engagement mit der widerrechtlichen Auflösung des zweiten „Revolutions-Landtages“ von 1849 vorläufig endete, ist Becker auch für die beiden folgenden Landtage von „seinen” Bauern gewählt worden.

Hessisches_Hinterland_„Hessisches Hinterland“ von Ziegelbrenner - Eigenes Werk. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons - httpscommons.wikimedia.orgwikiFileHessisches_Hinterland.png#me

„Hessisches-Hinterland“ von-Ziegelbrenner. Eigenes-Werk. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia-Commons httpscommons.wikimedia.org wikiFileHessisches_Hinterland.pngme

Wer also aus erster Hand wissen will, wie elend und unterdrückt die Hinterländer Bauern in den 1820er Jahren leben mussten, der schaffe sich dieses Büchlein an. Und besorge sich dann den Film. Und gehe schließlich, ausreichend vorbereitet, zu den Festspielen nach Biedenkopf.

SPeterBrunner

von Peter Brunner

Wer wollte noch Freiheitslieder singen, wo die Gegenwart nichts empfinden ließ als die hoffnungslose Erinnerung an eine große Enttäuschung

Die UN-Vollversammlung hat den 20. Juni zum zentralen internationalen Gedenktag für Flüchtlinge ausgerufen. Dazu Informationen hier vom UNHCR und hier von der UNO-Flüchtlingshilfe.  Dieser Tag wird in vielen Ländern von Aktivitäten und Aktionen begleitet, um auf die besondere Situation und die Not von Millionen Menschen auf der Flucht aufmerksam zu machen.

Der „Neue Landbote”, die Internet-Zeitung für Rhein-Main und Mittelhessen, hat daran hier mit einer Zusammenstellung von Zitaten Georg Büchners erinnert.

Der löbliche und angemessene Hinweis ist an dieser Stelle noch um Informationen auf weitere Büchner-Flüchtlingsschicksale zu ergänzen.

Weniger dramatisch und nur kurzfristig war Alexander Büchners Flucht vor Verfolgung ins Versteck bei seinem Pfungstädter Bruder Wilhelm. Ich schrieb dazu 2009:

„Komischerweise hat noch nie jemand darauf hingewiesen, wie aberwitzig dieser „Ausflug” am  Pfingstmontag, dem 28. Mai 1849, tatsächlich war. Alexander hatte sich nämlich in Pfungstadt in den weitläufigen Örtlichkeiten der Blaufabrik vor Verfolgung versteckt, und ausgerechnet in den durchaus absehbaren Geplänkeln der Revolutions-Niederschlagung  „spazierenzugehen”, darf man schon waghalsig nennen. Das „Gefecht bei Heppenheim” zwischen den badischen Revolutionstruppen und den Soldaten der hessischen Konterrevolution fand nur zwei Tage später, am 30. Mai, statt. Alexander riskierte im wörtlichen Sinn sein Leben, und vielleicht sollten wir ihm zugestehen, dass er sich vom Stand der Bedrohung überzeugen wollte und den „Spaziergang” in Zukunft besser „Erkundung” nennen.”

Später blieb ihm nichts anderes übrig, als Deutschland zu verlassen. Nachdem ihm der „Access ”, die Zulassung als Anwalt vor Gericht, entzogen worden war, hat er ein weiteres Studium absolviert. Auch als Sprachwissenschaftler gelang es ihm aber nicht, in Deutschland (und auch nicht in der Schweiz) angestellt zu werden. Seine bescheidene Karriere in Frankreich zum Professor für Deutsch an der Universätät von Caen entsprach durchaus nicht dem, was in einem liberalen Deutschland aus ihm hätte werden können. Er selbst schreibt in seinem Lebensbericht „Das tolle Jahr“

„Nun waren meine Aussichten als deutscher Schriftsteller zwar recht gut, andererseits aber reizte mich die Gelegenheit, das Französische grundmäßig kennen zu lernen sowie Land und Leute in nächster Nähe zu studieren, so daß ich mich schnell entschloss, das Angebotene zu ergreifen.” (a.a.O., S. 212)

Dies ist nun in mehr als einer Beziehung ein Alexander’scher Euphemismus: tatsächlich stand er trotz zweier Studien, doppelter Promotion und nachdem er ein durchaus vorzeigbares Werk vorgelegt hatte („Geschichte der englischen Poesie“, Darmstadt 1855), dem er 1858 „Französische Literaturbilder” (Frankfurt a.M., Herrmmann’scher Vlg.) folgen ließ, vor dem beruflichen Nichts. Seine Auswanderung nach Frankreich darf sehr wohl als Exil verstanden werden.

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Viele Freunde der Büchners mussten Deutschland zwischen 1837 und 1860 verlassen: zum Beispiel der arme Minnigerode, als Bote mit Exemplaren des Hessischen Landboten in Gießen verhaftet und im Gefängnis fast verückt geworden, und nur entlassen wurde, weil seine Familie zusagte, dass er nach Amerika auswandern werde (wo er ein neues Leben als Prediger begann); oder August Becker, der treueste Freund Georg Büchners, der nach jahrelangem Gefängnisaufenthalt in die Schweiz gegangen war, von wo er zurück in die 48er Revolution kam und danach Landtagsabgeordneter wurde, bis ihm wegen angeblicher Gotteslästerung erneut Gefängnis drohte. Er könne nie wieder in ein deutsches Gefängnis gehen ohne zu sterben, soll er gesagt haben, bevor er 1853 in die USA floh. Oder Gustav Buß, der ebenfalls als 48er mit seiner Frau aus Karlsruhe in die USA floh und in den siebziger Jahren mit seinen Kindern zurück kam. Er hatte in Texas erleben müssen, dass die Südstaatler die Deutschen Exilanten mit Gewalt in die Armee pressen wollten und hatte sich dem, wie viele weitere Deutsche, widersetzt. Es kam zu Menschenjagden und Erschiessungen; Buss entkam nach Mexiko. In Darmstadt heiratete sein Sohn Karl („Don Carlos”) 1888 Ludwig Büchners Tochter Mathilde.

Luise Büchner schreibt über die Folgen der Niederlage von 1849:

„Strenge musste man sich hüten, das, was man dachte, nicht über die Lippen treten zu lassen, denn strafte das Gesetz schon jeden, den es erreichen durfte und konnte, mit voller Härte, so suchte man auch die bloße Gesinnung zu bestrafen, wo es im Bereiche der Möglichkeit lag. Diese Mißliebigen wurden dann zu keinem Amte mehr zugelassen, von den Staatsprüfungen zurückgewiesen, nicht befördert und sonst noch auf jede Weise bedrückt. So sahen sich auch noch in den folgenden Jahren viel strebsame, junge Männer genötigt, den Staatsdienst zu quittieren oder das Vaterland zu verlassen um ihre Kenntnisse um Auslande zu verwerten. Ein neuer Aufschwung der Literatur, welcher einigermaßen zu trösten vermocht hätte, war unter diesen Verhältnissen ebenso wenig zu erwarten: wer wollte noch Freiheitslieder singen und an die Herzen seiner Nation anpochen, wo die Gegenwart nichts empfinden ließ als die hoffnungslose Erinnerung an eine große Enttäuschung. Wo das Große nicht gedeihen konnte und nicht nehr ausgesprochen werden durfte, da kam das Kleine und Süßliche an die Reihe.” (Luise Büchner. Deutsche Geschichte, Lpzg. 1875, S. 570)

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Es ist bitter, das bis heute Menschen die schreckliche Erfahrung machen müssen zu fliehen. Und es ist unerträglich, das ausgerechnet in Deutschland, das so lange, so oft und so viele zu Flucht gezwungen hat, das Recht auf Asyl mit Worten und Taten in Frage gestellt wird.

SPeterBrunner

von Peter Brunner

Das erste Mal, dass sich eine literarische Quelle als Geldquelle erweist

Dass das hessische Ried erhebliche Vorräte an Erdöl und Erdgas birgt, ist lange bekannt. Dass Büchner einen Hinweis auf diesen Schatz in seinem Werk versteckte, konnte erst jetzt nachgewiesen werden.

Georg Büchner wurde bekanntlich 1813 in Goddelau geboren. Dass die Familie anschließend 1815/16 bis zum Umzug nach Darmstadt in Stockstadt wohnte, ist dagegen kaum bekannt. Dorthin zurück führen wohl Georg Büchners früheste Kindheitserinnerungen, und auch in späteren Jahren hat es sicher Besuche der Büchners am Rhein gegeben. Der Bau des Rheindurchbruchs am Kühkopf zwischen 1826 und 1828 war sicher Thema bei den Büchners, und wahrscheinlich ist der Vater Ernst Büchner mit den Kindern dort gewesen, um die Arbeiten für den Durchstich, der die Rheinfahrt verkürzte und Stockstadt seinen Hafen verlieren ließ, zu besichtigen.

Im Werk Büchners versteckt sich ein Hinweis, der jetzt durch die intensive Zusammenarbeit von örtlichen Geologen und Literaturwissenschaftlern fruchtbar gemacht werden konnte.

In der „Handschrift 2” von Büchners Fragment Woyzeck findet sich gleich zu Beginn eine Szene, die nach intensivem Quellenstudium einem konkreten Ort, dem Schwarzbach zwischen Goddelau und Stockstadt,  („Freies Feld. Die Stadt in der Ferne”) zugeschrieben werden konnte:

Woyzeck. Ja Andres, das ist er der Platz ist verflucht. Siehst du den leichten Streif, da über das Gras hin, wo die Schwämme so nachwachsen da rollt Abends der Kopf, es h[o]b ihn einmal einer auf, er meint es sey ein Igel, 3 Tage und 2 Nächte nur das Zeichen, und er war todt. (Leise) Das waren die Freimaurer, ich hab’ es haus.

Andres. Es wird finster, fast macht Ihr einem Angst. (er singt)

Woyzeck (Faßt ihn an). Hörst du’s Andres? Hörst du’s es geht! neben uns, unter uns, Fort, die Erde schwankt unter unsern Sohlen. Die Freimaurer! Wie sie wühlen!

(Er reißt ihn mit sich)

Andres. Laßt mich! Seyd Ihr toll! Teufel.

Woyzeck. [B]ist du ein Maulwurf, sind deine Ohren voller Staub? Hörst du das fürchterliche Getös am Himmel, Ueber der Stadt, Alles Gluth! Sieh nicht hinter dich. Wie es herauffliegt, und Alles daunter

Louise. Was hast du Franz, du siehst so verstört?

Woyzeck. pst! still! Ich hab’s aus! Die Freimaurer! Es war ein fürchterliches Getös am Himmel und Alles in Gluth! Ich bin viel auf der Spur! sehr viel!

Der Bezug auf die Freimaurer wurde bisher stets als Symbol für die heimlichen, verschwörerischen Kräfte gedeutet, von denen sich der verwirrte Woyzeck verfolgt sieht. In der Tat aber hat Büchner einen ganz handfesten Hinweis in seinem Werk versteckt, der jetzt entschlüsselt werden konnte.

Büchner bedient sich eines zu seiner Zeit weitverbreiteten Verschlüsselungscodes, bei dem jeder zweite Buchstabe eines Wortes ersetzt wird. Aus den ersten drei Buchstaben von „Freimaurer“ ergibt die Entschlüsselung – E r d ! (erster Buchstabe F -1=E, zweiter Buchstabe unverändert R, dritter Buchstabe E-1=D). Das elektrisierte die Forscher, die auf der Spur nach ausbeutbaren Schätzen jeder Art seit Jahren Handschriften und Bodenfunde analysieren.

Den Ort „wo die Schwämme so nachwachsen”, gibt es zwischen Riedstadt und Goddelau, und da kam Ortskenntnis der detektivischen Suche zu Hilfe. „Am Schwarzbach haben wir immer die besten Steinpilze gefunden” kommentiert Margarete M., erfahrene Kräutersammlerin und die beste Kennerin der sumpfigen Umgebung ihres Heimatortes Stockstadt. Dass „Am Schwarzbach” auch als mittelalterlicher Hinrichtungsort bekannt ist, konnte Markus Zwittmaier, ortskundiger Forscher aus Trebur und verdienstvoller Blogger von „Tribur. Geschichte und so Zeugs”, sicher bestätigen: „da rollt abends der Kopf” heißt es bei Büchner, und die Treburer Ortschronik berichtet für die Jahre 1214, 1338 und 1467 von Urteilsvollstreckungen mittels Handbeil „an dem swarzen Bace uff Stochstett”. Damit war die Indiziensuche vollständig, und „wir wagen es” entschied Dr. Michael Suana, Geschäftsführer der Rhein Petroleum GmbH (Heidelberg) „wir sind ja geradezu verpflichtet, dem Hinweis des berühmtesten Bürgers der Gegend zu folgen”. Traditionsbewusst wurde die erste Bohrung an Büchners Geburtstag, dem 17. Oktober 2014, am Riedstädter Schwarzbach niedergebracht. Und tatsächlich stießen die mutigen Probebohrungen der Prospektoren jetzt auf einen reichen Vorrat hochwertigen Erdöls, über den nicht nur die lokale Presse, sonder auch überregionale Medien berichten. „Nach einem Namen für de Quelle mussten wir nicht mehr suchen” so Suana weiter, ”die wird natürlich Georg Büchner heißen”. Burghard Dedner, Doyen der Büchnerforschung, kommentierte „dies ist das erste Mal, dass sich eine literarische Quelle auch als Geldquelle erweist“. 

Eine Arbeitsgruppe, zu der jetzt auch die Mitglieder der Georg Büchner-Gesellschaft hinzugezogen werden soll, wird sich unter diesem ganz neuem Aspekt noch einmal gründlich des Werkes des großen Goddelauers annehmen „Mit diesen Kennern, die in der Vergangenheit ja schon mutig genug waren, bei einer Bildzuschreibung herkömmliche Methoden der Wissenschaft über Bord zu werfen und frei zu spekulieren, erhoffen wir uns noch weitere geldwerte Hinweise aus dem Werk unseres Landsmannes Büchner, der uns bisher ja immer nur Geld gekostet hat”, so Werner Amendt, der Bürgermeister Riedstadts. „Auch den nächsten Fund erhoffe ich mir auf unserer Gemarkung; vielleicht kannte Büchner ja den Ort, wo Hagen den Nibelungenschatz versenkte”. Seit den Stockstädter Funden ist jedenfalls unwiderlegbar, wie wertvoll eine historisch-kritische Werkausgabe für praktische Anwendungen werden kann.

„Der Künstler und die Macht – vom Biß in die fütternde Hand“

 

„Büchners Aretino – Eine Fiktion“ am 21. 2. auf der BüchnerBühne

22. 2. Podiumsdiskussion mit dem Autor

 

Jan-Christoph Hauschildt hat über ein angeblich verschollenes Manuskript Georg Büchners geforscht und ein Theaterstück verfasst. Er geht der Frage nach, was Büchner an dem Renaissance-Dichter Pietro Aretino interessiert haben könnte. Hier wurde schon mit einigen Beiträgen über das Aretino-Gerücht berichtet.
Das Stück wurde am 17. Oktober 2014 auf der BüchnerBühne in Riedstadt-Leeheim uraufgeführt und erzielte bei Publikum und Kritik starke Beachtung. Nun kommt es am Samstag, 21. Februar um 19:30 Uhr zum vorläufig letzten Mal auf den Spielplan.

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Tizian: Aretino

Die Handlung führt ins Rom des Jahres 1522 und behandelt Aretinos Ringen um künstlerische Unabhängigkeit und geistige Freiheit in einer unfreien Welt. Der tägliche Kampf um die Grundbedürfnisse gebiert ein allgemeines Sündenbewusstsein. Die Menschen leben in Furcht und Schrecken vor den Strafen, die sie im Jenseits erwarten. Geschäftstüchtige Politiker und religiöse Fanatiker wissen dies in einträgliche Bahnen zu lenken, das Ablasswesen blüht. Die spitze Feder des Satirikers macht Aretino beim Volk und bis in die höchsten Kreise berühmt. Doch ein System, das davon lebt, den einzelnen in wirtschaftlicher, politischer und geistiger Abhängigkeit zu halten, kann dies nicht lange dulden.

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Hauschild und Suhr nach der Premiere

 

Der Autor wird sowohl an dem Theaterabend anwesend sein wie am darauffolgenden Sonntag, dem 22. Februar 2015, um 16 Uhr an gleicher Stelle zu einer Podiumsdiskussion:

 

 

 

 

 

Auf Einladung der Büchnerbühne und der Darmstädter Luise Büchner-Gesellschaft findet am Sonntag, dem 22. Februar, 16 Uhr im Theater eine Publikumsdiskussion statt unter der Überschrift:

„Der Künstler und die Macht – vom Biß in die fütternde Hand“

Jan-Christoph Hauschild wird die Arbeit an seinem Text und seine Überlegungen, sich Büchners Schreiben und Denken anzunähern, erläutern.

Im Gespräch mit Theaterchef und Regisseur Christian Suhr und meiner Wenigkeit (dem Publizisten und Berater Peter Brunner, Autor des weblogs geschwisterbuechner.de und Mitglied im Vorstand der Luise Büchner-Gesellschaft), soll eine der Fragen im Mittelpunkt stehen, die das Drama thematisiert:

 

wie der Konflikt zwischen Fressen und Moral Künstler und Publikum trennt.

 

Eintrittskarten gibt es entweder direkt im Theaterbüro (montags bis mittwochs von 12:00 bis 15:00 Uhr) oder im Online-Ticketshop auf der Internetseite . Neben der Buchhandlung Bornhofen in Gernsheim (Magdalenenstraße 55) sind Karten auch bei der Musikschule Tolkien in Riedstadt (Bahnhofsallee 6), Groß-Gerau (Darmstädter Straße 62) oder Weiterstadt (Kreisstraße 99) erhältlich. Außerdem hält der Darmstadt-Shop im Luisencenter Vorverkaufskarten bereit. Theaterkarten kosten einheitlich 18 Euro, ermäßigt 15 Euro. Der Eintritt zur Diskussion kostet an der Abendkasse sieben, im Vorverkauf fünf Euro. Ermäßigungen erhalten Mitglieder des Theatervereins, Schüler, Studenten, Sozialleistungsempfänger und Schwerbehinderte.

Das Theatercafé öffnet bereits ab 18:30 Uhr am Samstag und um 15:00 Uhr am Sonntag.

von Peter Brunner

 

SPeterBrunner

Nicht ganz uninteressant – die Zeitung von vorgestern

Über die Datenbank Europeana, ihre Geburtswehen und Schwächen wird und wurde an anderer Stelle kompetenter als mir das möglich ist geschrieben. Insbesondere Archivalia, in allen Fragen von Archiv- und Bibliothekswesen unverzichtbare Quelle, hat nach meiner oberflächlichen Suche 191 Einträge dazu, die das Nachlesen lohnen.

Man selbst lobt und preist sich :

„Begeben Sie sich auf eine virtuelle Reise durch die Objekte, die Sie über Europeana finden können..

Entdecken Sie Millionen von Objekten aus einer großen Zahl von Europas führenden Galerien, Bibliotheken, Archiven und Museen. Bücher und Handschriften, Fotografien und Gemälde, Film und Fernsehen, Bildhauerei und Kunsthandwerk, Tagebücher und Karten, Noten und Tonaufnahmen, all das finden Sie hier. Sie brauchen nicht über den Kontinent zu reisen, weder physisch noch virtuell!

Haben Sie etwas gefunden, das Sie interessiert? Laden Sie es herunter, drucken, nutzen, speichern, teilen Sie es, spielen Sie damit, lieben Sie es!

Europeana ist die verlässliche Quelle für Kulturerbe, die die Europeana Foundation und zahllose europäische Kultureinrichtungen, Projekte und Partner Ihnen bieten. Sie ist ein lebendiges Beispiel für Zusammenarbeit.”
(http://www.europeana.eu/portal/aboutus.html)

 

Seit kurzem ist bei eine neue Datenbanksuche hinzugekommen, die ein schönes Mosaikstück zur historischen Recherche werden kann – die Zeitungs- und Zeitschriftendatenbank Europeana Newspapers.

Herbert Wender hat mich nun freundlicherweise auf einen bemerkenswerten Fund dort aufmerksam gemacht, der zur Rezeptionsgeschichte Georg Büchners gehört:

 

18511002_BuechnerDantonAuffuehren_AltonaerNachrichten

Altonaer Nachrichten – 2. Oktober 1851 via http://www.europeana-newspapers.eu/

 

Unter dem Datum vom 2.10. 1851 erschien dieser kleine Hinweis knapp nach der Bearbeitungszeit, die sich kürzlich verdienstvoll Ariane Martin mit
TitelMartinBuechnerRezeption_9783849810276

Georg Büchner 1835 bis 1845
Dokumente zur frühen Wirkungsgeschichte

Vormärz-Studien Band XXXIV

 

 

 

vorgenommen hat (dazu hier in Kürze mehr).

 

Ich habe einmal begonnen, die große Liste mit 6250 Fundstellen, die sich bei der Suche nach „Büchner” zwischen 1813 und 1904 auftut, durchzublättern, und schon für die frühen Jahre ein paar wirklich schöne und mir unbekannte Einträge gefunden. Leider ist es (hoffentlich noch?!) nicht möglich, die Suche auf „neu hinzugekommen” einzuschränken, so dass alle hier gemachten Zahlenangaben mit der Hinzunahme weiterer Titel natürlich nicht mehr zutreffen – und die Suche mühsam von vorne begonnen werden muss …

Mit allen Einschränkungen dieses Stocherns im Nebel fand ich zwischen 1837 und 1856:

Über den revolutionären Complott
Wiener Zeitung 08 November 1839
http://www.theeuropeanlibrary.org/tel4/newspapers/issue/3000051816058?hp=2&sortBy=dateasc&count=100&page=2&query=b%C3%BCchner

Geburtsanzeige E.W.F. Büchner in Darmstadt
Opregte Haarlemsche Courant 30 March 1846
http://www.theeuropeanlibrary.org/tel4/newspapers/issue/3000115636352?hp=3&sortBy=dateasc&count=100&page=3&query=b%C3%BCchner

Zur GB Werkausgabe
Wiener Zeitung 04 December 1850
http://www.theeuropeanlibrary.org/tel4/newspapers/issue/3000051790905?hp=18&sortBy=dateasc&count=100&page=18&query=b%C3%BCchner

Aexander Büchner verhaftet
Börsen-Halle 28 July 1851
http://www.theeuropeanlibrary.org/tel4/newspapers/issue/3000117698338?hp=4&sortBy=dateasc&count=100&page=4&query=b%C3%BCchner

Über GBs Danton
Wiener Zeitung 20 August 1851
http://www.theeuropeanlibrary.org/tel4/newspapers/issue/3000051832380?hp=14&sortBy=dateasc&count=100&page=14&query=b%C3%BCchner

GBs Danton aufführen!
Altonaer Nachrichten 02 October 1851
http://www.theeuropeanlibrary.org/tel4/newspapers/issue/3000096108922?hp=4&sortBy=dateasc&count=100&page=4&query=b%C3%BCchner

Alexander Büchner aus Staatsdienst gestrichen
Börsen-Halle 02 October 1851
http://www.theeuropeanlibrary.org/tel4/newspapers/issue/3000117698302?hp=3&sortBy=dateasc&count=100&page=3&query=b%C3%BCchner

GB auf der Brücke zum neuen Drama
Wiener Zeitung 20 February 1852
http://www.theeuropeanlibrary.org/tel4/newspapers/issue/3000051857174?hp=12&sortBy=dateasc&count=100&page=12&query=b%C3%BCchner

Beschwerde Alexander Büchners gegen Streichung zurückgewisen
Wiener Zeitung 11 March 1852
http://www.theeuropeanlibrary.org/tel4/newspapers/issue/3000051800333?hp=2&sortBy=dateasc&count=100&page=2&query=b%C3%BCchner

Über Kleist GB erwähnt
Die Presse 16 December 1852
http://www.theeuropeanlibrary.org/tel4/newspapers/issue/3000051827526?hp=6&sortBy=dateasc&count=100&page=6&query=b%C3%BCchner

Wilhelm Büchenrs Blau auf der Ausstellung in New York
Börsen-Halle 17 October 1853
http://www.theeuropeanlibrary.org/tel4/newspapers/issue/3000117695916?hp=4&sortBy=dateasc&count=100&page=4&query=b%C3%BCchner

GB unter den früh verstorbenen Dichtern
Bote für Tirol 01 June 1855
http://www.theeuropeanlibrary.org/tel4/newspapers/issue/3000059020649?hp=2&sortBy=dateasc&count=100&page=2&query=b%C3%BCchner

Alexander Büchner:Das Eisenbahngespenst
Innsbrucker Nachrichten 28 June 1855 (30.6. , 2.7.)
http://www.theeuropeanlibrary.org/tel4/newspapers/issue/3000051846623?hp=3&sortBy=dateasc&count=100&page=3&query=b%C3%BCchner
Ludwig soll sich wegen K+S erkären:
Wiener Zeitung 18 July 1855
http://www.theeuropeanlibrary.org/tel4/newspapers/issue/3000051830914?hp=1&sortBy=dateasc&count=100&page=1&query=b%C3%BCchner#

Alexanders engl. Poesie erschienen
Hamburger Nachrichten 28 July 1855
http://www.theeuropeanlibrary.org/tel4/newspapers/issue/3000117651013?hp=6&sortBy=dateasc&count=100&page=6&query=b%C3%BCchner

Ausführlich über LB Kraft+Stoff
Hamburger Nachrichten 01 August 1855
http://www.theeuropeanlibrary.org/tel4/newspapers/issue/3000117651006?hp=1&sortBy=dateasc&count=100&page=1&query=b%C3%BCchner

Ludwig B nicht mehr in Tübingen
Hamburger Nachrichten 22 August 1855
http://www.theeuropeanlibrary.org/tel4/newspapers/issue/3000117651030?hp=1&sortBy=dateasc&count=100&page=1&query=b%C3%BCchner

LBs K+S i.d. Leihbibl.:
Altonaer Nachrichten 28 October 1855
http://www.theeuropeanlibrary.org/tel4/newspapers/issue/3000096106907?hp=3&sortBy=dateasc&count=100&page=3&query=b%C3%BCchner

ABs engl. Poesie lfb
Wiener Zeitung 09 November 1855
http://www.theeuropeanlibrary.org/tel4/newspapers/issue/3000051814123?hp=8&sortBy=dateasc&count=100&page=8&query=b%C3%BCchner

LBsK+S schon in zweiter Auflage:
Hamburger Nachrichten 23 November 1855
http://www.theeuropeanlibrary.org/tel4/newspapers/issue/3000117651092?hp=1&sortBy=dateasc&count=100&page=1&query=b%C3%BCchner

LBs K+S in dritter Auflage # Gutzkows Kritik:
Hamburger Nachrichten 01 December 1855
http://www.theeuropeanlibrary.org/tel4/newspapers/issue/3000117650974?hp=1&sortBy=dateasc&count=100&page=1&query=b%C3%BCchner

J Liebig gg LB:
Die Presse 24 January 1856
http://www.theeuropeanlibrary.org/tel4/newspapers/issue/3000051834470?hp=9&sortBy=dateasc&count=100&page=9&query=b%C3%BCchner

Besonders schön ist auch dieses frühe „Interview“ von Ella Mensch mit Ludwig Büchner

18940327_EllaMenschBei LudwigB_BerlinerTagblatt

ausf. Gespräch mit LB, u.a. über Schwester Luise
Berliner Tageblatt 27 March 1894
http://www.theeuropeanlibrary.org/tel4/newspapers/issue/3000097234846?hp=5&sortBy=dateasc&page=5&query=%22luise+b%C3%BCchner%22

 

Ich freue mich sehr, wenn dies zu weiteren Suchen (und Funden!) anregen kann, und biete gerne an, sie in dieser oder besserer Form zugänglich zu machen.

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