Peter Brunners Buechnerblog

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An allen Stellen auf Augenhöhe beharren!

 Erstmals vergibt die Luise-Büchner-Gesellschaft e. V. in diesem Jahr ihren

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Luise-Büchner-Preis für Publizistik.

 

Luise Büchner (12. Juni 1821 – 28. November 1877) war eine bedeutende Schriftstellerin, Publizistin und Frauenrechtlerin des neunzehnten Jahrhunderts. In ihren Veröffentlichungen zur Frauenfrage forderte sie eine gleichwertige Schulbildung für Mädchen und Jungen sowie die Zulassung von Frauen zu qualifizierten Berufen. Die Luise Büchner-Gesellschaft e.V., die sich zur Bewahrung und Fortsetzung ihrer Arbeit verpflichtet hat, verleiht zum ersten Mal 2012 den

Luise-Büchner-Preis für Publizistik

Mit dem Preis sollen Autorinnen und Autoren ausgezeichnet werden, die in Artikeln oder Büchern die Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern in der Gegenwart aufdecken und Wege zu einer geschlechtsgerechten Gesellschaft aufzeigen. Durch die Unterstützung des DARMSTÄDTER ECHO, der Stadt Darmstadt, der Sparkasse Darmstadt und weiterer Unterstützer ist der Preis dotiert mit der Gestaltung

einer ganze Zeitungsseite des DARMSTÄDTER ECHO

in Abstimmung mit dessen Redaktion sowie

mit einer Geldsumme von 2.500 Euro

Damit soll der Preisträgerin oder dem Preisträger die Möglichkeit eröffnet werden, sich der Öffentlichkeit unabhängig von einem redaktionellen Auftrag vorzustellen.

Über die Vergabe des Preises entscheidet eine mindestens siebenköpfige Jury, die der Vorstand der Gesellschaft beruft. Neben drei Beauftragten des Vorstandes gehören ihr eine Vertreterin des DE und der Stadt Darmstadt an, daneben mindestens eine weitere publizistisch tätige Person. Die PreisträgerInnen vergangener Jahre werden eingeladen, die Jury mit Hinweisen und Vorschlägen zu unterstützen.

Der Preis wird in Darmstadt vergeben.

 2012 ist die Preisträgerin die Publizistin Bascha Mika, sie nimmt den Preis am Sonntag, dem 2. Dezember in Darmstadt entgegen.

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Hier die Würdigung der Jury:

Frau Mika beobachtet mit präzisem und scharfem Blick die Widersprüche der Geschlechterverhältnisse unserer Zeit. In ihren Artikeln, Büchern und Vorträgen weist sie nicht nur auf die strukturelle Hindernisse der Gleichstellung zwischen Frauen und Männern hin, sondern macht auch auf die unbequeme Wahrheit aufmerksam, dass Frauen oft selbst der Faszination traditioneller Rollen erliegen und ihrer eigenen Selbstbestimmung im Wege stehen.

Mit kritischem, nicht zuletzt selbstkritischem, Blick auf die Stellung der Frau in der Gesellschaft steht sie in der Tradition gesellschaftlich relevanter Publizistik, wie sie in ihrer Zeit vorbildlich von Luise Büchner verkörpert wurde.

 

Bei der Pressekonferenz am Freitag, dem 16. November, im Darmstädter Literaturhaus stellte die Gesellschaft ihre Preisträgerin vor.

Bascha Mika war erst durch die Preisverleihung auf Luise Büchner und ihr Werk aufmerksam geworden, aber inzwischen hat sie sie als geistesverwandt entdeckt: „Über allem steht die Selbstbestimmung von Frauen, es geht neben ökonomischer Unabhängigkeit im Beruf auch um Selbstfindung, Verankerung in der Welt und selbstbestimmt organisiertes Privatleben“ sagte sie. Ihr Werk „Die Feigheit der Frauen“ nannte sie eine Streitschrift, die sich der Tatsache stelle, dass die öffentliche Debatte jahrzehntelang die Strukturen diskutierte, in denen sich das Geschlechterverhältnis bewegt. Ihr sei es um die Haltung der Frauen, den subjektiven Faktor, gegangen; nicht um die Bedeutung der Strukturen zu relativieren, sondern um die Betrachtung um diesen wichtigen Aspekt zu ergänzen. Gerade darin sehe sie ein wichtige Parallele zu Luise Büchner, die ja auch immer wieder an die Frauen selbst appellierte. Ihr Rat an junge Frauen von heute:

 

„An allen Stellen auf Augenhöhe beharren!“

 

Bascha Mika hat sich schon jetzt als hervorragende Wahl zur ersten Preisträgerin  erwiesen, und frau darf gespannt auf ihren Beitrag zur Verleihung am 2. Dezember warten.

 Das Darmstädter ECHO berichtet hier, Die FAZ Rhein Main ebenfalls am 19.11., der Artikel ist (noch?) nicht online. 

Die feierliche Preisverleihung erfolgt am Sonntag, dem 2. Dezember, um 11 Uhr im Literaturhaus Darmstadt vor geladenen Gästen. Interessentinnen können per E-Mail um Eintrittskarten bitten (Vorstand@Luise-Buechner-Gesellschaft.de). 

 

Die Büchners auf dem Argonautenschiff

Soeben sind die Belegexemplare des neuen „Argonautenschiff“, des Jahrbuchs der Anna-Seghers-Gesellschaft, bei mir angekommen. Laut Verlag ist es ab Montag lieferbar.

Auf Vermittlung von Hans-Willi Ohl konnte ich dort mit ihm zusammen auf eine historische Marginalie aufmerksam machen, die „unsere Büchners“ mit der Büchnerpreisträgerin verbindet.

Anton Büchners Sohn Georg Alexander Wilhelm Ludwig (!)  Büchner (dem vielleicht nur das deutsche Namensrecht die Vornamen Mathilde und Luise erspart hat …) lebte von 1920 bis 2008. Im Zweiten Weltkrieg war er Soldat an der Ostfront und geriet im „Kessel von Tscherkassy“ im Februar 1944 in sowjetische Kriegsgefangenschaft, wo er sich am 20. Juli 1947, dem Tag der Büchnerpreisverleihung in Darmstadt (zu der Anna Seghers nicht nach Darmstadt kam!), noch befand. Am 19. November schrieb Anton Büchner an Anna Seghers (der Brief ist leider nicht erhalten) und bat um Vermittlung zur Freilassung seines Sohnes. Am 16.12. hat Anna Seghers darauf geantwortet, und am 7. Mai 1948 wurde Alexander Büchner aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft entlassen. Alexanders Sohn Manfred Büchner, dem ich diese Informationen verdanke, berichtet diese Geschichte so, dass sein Großvater die Büchnerpreisträgerin erfolgreich um „Rettung des letzten lebenden Büchnernachfahren“, tatsächlich eines Ur-Groß-Neffen Georg Büchners,  gebeten habe, eine Formulierung, die Anton Büchner durchaus zuzutrauen ist (er wusste sehr genau, dass weitere Verwandte lebten, aber in diesem Fall scheint mir die „Ungenauigkeit“ nur allzu verzeihlich).  Es muss bis zu einem glücklichen Fund in russischen Archiven ungewiss bleiben, ob die Freilassung tatsächlich Anna Seghers zu verdanken war (es ist gänzlich ungeklärt, ob sie überhaupt entsprechend weitreichenden Einfluss hatte). Hans-Will Ohl macht allerdings darauf aufmerksam, dass sich Anna Seghers im April 1948 als Vizepräsidentin der „Gesellschaft zum Studium der Sowjetkultur“ in der Sowjetunion aufhielt.

Alexander Büchner „nach Rückkehr aus russischer Gefangenschaft“
1948 mit seiner Stiefmutter Maria, geb. Hoesch 

(aus dem unveröffentlichten Tagebuch von Anton Büchner –
die Mythen der Technik machen es möglich, dass ich dieses schöne
Foto, aufgenommen von Anton Büchner, hier – mit einem weiteren herzlichen
Dank an Manfred Büchner für die freundliche Überlassung des Materials –
veröffentlichen kann, es den Graphikern beim Verlag aber zum Abdruck zu schlecht erschien)

Ausführlich erläutert und illustriert sowie mit dem erstmaligen Abruck von Anna Seghers Antwortbrief an Anton Büchner findet sich diese Geschichte im soeben erschienenen

 

Argonautenschiff 21/2012

Broschur, 296 Seiten
Aufbau Verlag
978-3-351-02757-5 

24,00 €  

Büchnerbande-Premiere erfolgreich

Sechs Biographien – sechs Akteure – 60 Zuschauer

Am letzten hessischen Ferientag fand die lange angekündigte Premiere der Revue „Die wunderbare Büchnerbande“ an einem der wenigen authentischen Büchnerorte überhaupt statt – in Wilhelm Büchners Pfungstädter Villa.

Petra Bassus, Heiner Dieckmann und Peter Brunner

Seit Wochen waren die knapp sechzig Plätze im großen Festsaal ausverkauft, und für die sechs Akteure auf der nicht vorhandenen Bühne blieb nur noch knapper Platz. So kam man sich schnell näher, und spätestens seit dem Lied über den Frankfurter Wachensturm („In dem Turme saßen, zu Frankfurt an dem Main….“)  war klar, dass Szenenapplaus und Mitsingen erlaubt, ja gewünscht war.

Jürgen Qeißner und Thomas Heldmann

Das zweimal 40 Minuten lange Programm mit Originaltexten der Büchnergeschwister bietet im ersten Teil Erinnerungen an den großen Bruder Georg, im zweiten höchst unterschiedliche Textpassagen aus ihren eigenen Werken.

Petra Bassus und Reiner Lenz

Noch am Abend konnten mehrere Anfragen für weitere Auftritte besprochen werden, und so wird das Büchnerland sicher noch einiges von der wunderbaren Büchner-Bande zu hören bekommen.

In Kürze mehr Informationen und Bilder an dieser Stelle!

Anfragen nach Auftrittsterminen und mit Veranstaltungsangeboten wie immer jederzeit gerne an Post@EntwicklungUndKultur.De

Fotos Frank Backes 

Zum Neuen Jahr

Vor genau einem Jahr habe ich hier über Nutzer und Zugriffszahlen berichtet, und heute kann ich im Rückblick auf 2011 sagen, dass nicht nur erheblich mehr Besuche, sondern noch viel mehr Seitenzugriffe zu verzeichnen sind. Vielen Dank dafür.

Insgesamt 80.000 Besucher waren auf über 160.000 Sites meines Blogs.

Bescheidene Zahlen, ich weiß, aber  dennoch eine Ermutigung.

Hier wird es jedenfalls auch 2012 die Informationen und Texte zu lesen geben, die mir im Zusammenhang mit Leben und Werk der Geschwister Bücher und ihrer Zeit begegnen, und die beiden großen Jubiläen Georg Büchners (sein 175. Todestag am 19. Februar 2012 und sein 200. Geburtstag am 17. Oktober 2013) werden zahlreiche Anlässe für Informationen und Nachrichten bieten.

www.buechnerland wird in den nächste Wochen aus dem Dornröschenschlaf erwachen und Informationen und links zu den Büchnerstätten und ihren Angeboten bringen.

Bleiben Sie mir gewogen und schauen Sie regelmäßig vorbei!

Villa Büchner vorübergehend Berliner Kaffeehaus

Zwischenbericht:

Freitag Abend ausverkauft – Restkarten für Sonntag Nachmittag  (21.8.) gibts ab 15:30 an der Tageskasse

(Beginn 16 Uhr; Kuchen ist gebacken, Berliner Weiße kalt gestellt)

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Die Wetten standen etwa 50:50, ob es mir gelingen würde, ohne allzu große Klimmzüge beim Thema „Berliner Kaffeehaus” einen Büchnerbezug hinzukriegen. Das war gar kein Problem – Kurt Tucholsky hat 1920 Max Reinhardts Woyzeck-Inszenierung gesehen und kommentiert:  

Dantons Tod

 

Bei Reinhardt wogte der dritte Akt.

Es rasten sechshundert Statisten.

Sieh an – wie das die Berliner packt!

Es jubeln die Journalisten,

Mir aber erschien das Ganze

wie eine kleine Allegorie.

 

Es tost ein Volk: »Die Revolution!

Wir wollen die Freiheit gewinnen!«

Wir wollten es seit Jahrhunderten schon –

laßt Herzblut strömen und rinnen!

Es dröhnt die Szene, Es dröhnt das Haus.

Um neune ist alles aus.

 

Und ernüchtert seh ich den grauen Tag.

Wo ist der November geblieben?

Wo ist das Volk, das einst unten lag,

von Sehnsucht nach oben getrieben?

Stille. Vorbei. Es war nicht viel.

Ein Spiel. Ein Spiel.

 

 

Kaspar Hauser

Die Weltbühne (Nr. 10, 4.03.1920, S. 311.)


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