Peter Brunners Buechnerblog

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Villa Büchner vorübergehend Berliner Kaffeehaus

Zwischenbericht:

Freitag Abend ausverkauft – Restkarten für Sonntag Nachmittag  (21.8.) gibts ab 15:30 an der Tageskasse

(Beginn 16 Uhr; Kuchen ist gebacken, Berliner Weiße kalt gestellt)

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Die Wetten standen etwa 50:50, ob es mir gelingen würde, ohne allzu große Klimmzüge beim Thema „Berliner Kaffeehaus” einen Büchnerbezug hinzukriegen. Das war gar kein Problem – Kurt Tucholsky hat 1920 Max Reinhardts Woyzeck-Inszenierung gesehen und kommentiert:  

Dantons Tod

 

Bei Reinhardt wogte der dritte Akt.

Es rasten sechshundert Statisten.

Sieh an – wie das die Berliner packt!

Es jubeln die Journalisten,

Mir aber erschien das Ganze

wie eine kleine Allegorie.

 

Es tost ein Volk: »Die Revolution!

Wir wollen die Freiheit gewinnen!«

Wir wollten es seit Jahrhunderten schon –

laßt Herzblut strömen und rinnen!

Es dröhnt die Szene, Es dröhnt das Haus.

Um neune ist alles aus.

 

Und ernüchtert seh ich den grauen Tag.

Wo ist der November geblieben?

Wo ist das Volk, das einst unten lag,

von Sehnsucht nach oben getrieben?

Stille. Vorbei. Es war nicht viel.

Ein Spiel. Ein Spiel.

 

 

Kaspar Hauser

Die Weltbühne (Nr. 10, 4.03.1920, S. 311.)


F(riedrich) C(Christian) Delius ist Büchnerpreisträger 2011

Soeben gibt die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung über ihren diesjährigen Preisträger bekannt:

„Als kritischer, findiger und erfinderischer Beobachter hat er in seinen Romanen und Erzählungen die Geschichte der deutschen Bewusstseinslagen im 20. Jahrhundert erzählt – von der Vorgeschichte der NS-Zeit über die Zeit der Teilung bis in die unmittelbare Gegenwart. Seine politisch hellwachen, ideologieresistenten und menschenfreundlichen Texte loten die historischen Tiefendimensionen der Gegenwart aus. Seiner souveränen Erzählkunst gelingt es, eine manchmal satirische Beobachtungsschärfe zu verbinden mit einer humanen Sensibilität, die seine Figuren oft decouvriert, aber nie denunziert. … ”

Hier F C Delius sebst.

So erfreulich die Nachricht über diesen verdienten Preisträger auch ist, so verblüffend die gleichzeitige Nachricht, man feiere in diesem Jahr 60 Jahre Georg-Büchner-Preis.

Das ist nun ärgerlicherweise gleich doppelt falsch.

Zunächst wurde der Büchnerpreis 1923, vor nunmehr also 88 Jahren, vom Volksstaat Hessen eingerichtet und bis 1932 an Künstler vergeben, die aus Hessen stammten oder „mit Hessen geistig verbunden waren“. Die Nazis verzichteten dann auf die Verleihung, 1945 (also vor 66  Jahren) kam es zu einer Neubelebung. Preisträger waren neben den Literaten Schiebelhuth, Usinger, Seghers und Langgässer auch der Maler Carl Gunschmann und der Komponist Hermann Heiß. Seit 1951 (und das war dann in der Tat vor 60 Jahren) verleiht die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung den Büchnerpreis als Literaturpreis.

Eine knappe Geschichte und eine Liste der Preisträger bietet wikipedia hier.

Schade, dass die wichtige und außergewöhnliche Geschichte des Preises so verkürzt dargestellt wird – wollen wir hoffen, dass sich 2023 Berufene finden, das echte Hundertjährige zu begehen!

 

 

 

 

 

Aus gegebenem Anlaß ein paar Gedanken zur Monarchie

Gg. Büchner am 9. 12. 1833 an seinen Freund August Stoeber: „Ich bete jeden Abend zum Hanf und den Laternen.”

und:

PETER (den Finger an die Nase legend.) In effigie? in effigie? Präsident, wenn man einen Menschen in effigie hängen läßt, ist das nicht ebensogut, als wenn er ordentlich gehängt würde?
PRÄSIDENT. Verzeihen, Eure Majestät, es ist noch viel besser, denn es geschieht ihm kein Leid dabei, und er wird dennoch gehängt.
[Büchner: Leonce und Lena.]

und:

Robespierre: „ … Erbarmen mit den Royalisten! rufen gewisse Leute. Erbarmen mit Bösewichtern? Nein! Erbarmen für die Unschuld, Erbarmen für die Schwäche, Erbarmen für die Unglücklichen, Erbarmen für die Menschheit! Nur dem friedlichen Bürger gebührt von seiten der Gesellschaft Schutz. In einer Republik sind nur Republikaner Bürger, Royalisten und Fremde sind Feinde. Die Unterdrücker der Menschheit bestrafen, ist Gnade; ihnen verzeihen, ist Barbarei. Alle Zeichen einer falschen Empfindsamkeit scheinen mir Seufzer, welche nach England oder nach Östreich fliegen. … ”
[Büchner: Dantons Tod. ]

Luise Büchner-Gesellschaft gegründet

Dem Aufruf zur Gründung der Luise Büchner-Gesellschaft folgten zahlreiche interessierte Bürgerinnen und Bürger aus Darmstadt und Umgebung. Zur Gründungsversammlung im Literaturhaus am 20. Juni wurden die erforderlichen Formalia diskutiert und beschlossen. Den ersten Vorstand bilden als Vorsitzende Agnes Schmidt, als Stellvertreter Heiner Dieckmann, Schriftführern wurde Heide Hildebrandt, für Finanzen zeichnet Ilse Kuchemüller verantwortlich und der Unterzeichner Peter Brunner nimmt ein Amt als Beisitzer wahr.

Der neue Vorstand. V l:. n. r.: Ilse Kuchemüller, Heiner Dieckmann, Agnes Schmidt, Heide Hildebrandt und Peter Brunner

Nach Abwicklung der Eintragungsformalitäten wird der Vorstand im Herbst die Arbeit aufnehmen und mit Mitgliederwerbung beginnen. Interessenten können ab sofort Informationen zur Gesellschaft, ihren Aufgaben und zur Mitgliedschaft über die Luise Büchner-Bibliothek im Darmstadt (http://www.luise-buechner-bibliothek.de ,Kasinostr. 3, 64293 Darmstadt, Tel. 0 61 51 – 599 788) erhalten.

Die sechs Büchners und ihre Familien

29. April, 19 Uhr, Heimatmuseum Riedstadt-Leeheim, Backhausgasse 8Seit Beginn meiner Beschäftigung mit den Büchners hat immer auch die Genealogie eine Rolle gespielt. Das „Deutsche Geschlechterbuch“ hat 1955 in seinem Band 121, gleichzeitig dem Band 14 des hessischen Geschlechterbuches, eine Genealogie der Büchners seit Hans Büchner (* um 1550 in Neustadt im Odenwald) veröffentlicht.Anton Büchner, der Enkel Wilhelm Büchners und der erste Biograf der Familie,  hat einige ergänzende Notizen dazu hinterlassen, auch das Handexemplar des Geschlechterbuches aus der Familie von Fritz Büchner, dem Darmstädter Maler und Stiefbruder Antons, konnte ich einsehen.Bereits ganz früh machte mir Hans Rothmann in Pfungstadt  die Kirchenbucheinträge zugänglich, die die Familie Büchner betrafen.Details aus Ernsts Geburtseintrag Dort fanden sich Unterschriften von Ernst Karl Büchner (3. 8. 1786 – 19. 5. 1861), dem Vater der Geschwisterreihe,und von Mathilde, der am wenigsten öffentlich wirkenden unter den sechsen.Aus Darmstadt erhielt ich Unterlagen über Nachfahren von Ludwig Büchner. Seine Tochter Mathilde war verheiratet mit Gustav Buß, dessen Vater als Flüchtling 1848 nach Amerika gegangen war.Wilhelms Sohn Ernst (1850 – 1925), der hier schon öfter erwähnt wurde,  schloss nach Scheidung von seiner ersten Frau und Kusine Mathilde, mit der er zwei Söhne hatte, 1885 in Berlin seine zweite Ehe mit Marie Ludovike Karoline von Ferber. Ihr Vater war Karl Hans Hermann Wilhelm von Ferber, die Mutter Auguste Beate Ulrike eine geborene von Angern.Am 29. April werde ich auf Einladung der Bezirksgruppe Hessisches Ried der Hessischen familiengeschichtlichen  Vereinigung einige dieser Verbindungen und Zusammenhänge, aber auch „lose Fäden“ meiner Recherchen, vorstellen.

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