Neues aus Buechnerland

Peter Brunners Buechnerblog

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Ein Besuch bei Darwin

In „Ein Besuch bei Darwin” von 1882 schildert Luwig Büchner sein Treffen mt dem großen Naturwissenschaftler in dessen Haus in Downe südlich von London. Downe House ist heute ein von English Heritage betriebenes Ausstellungs- und Museumszentrum.

Letzte Woche hatte ich die Gelegenheit zu einem Abstecher dorthin – das Foto zeigt den gedeckten Tisch, wie er vielleicht auch Büchner und den Schwiegersohn von Karl Marx, den unsäglichen Eward Aveling, der als Übersetzer anwesend war, erwartete.

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Ein paar Marginalien aus der gut präsentierten Ausstellung zu Darwins 200. Geburtstag:

Als Student in Cambridge war er Mitglied in der „Vielfraß-Gesellschaft” („Glutton Club”), die sich zur Aufgabe machte, aussergewöhnliche Lebewesen zu verzehren – unter anderem aß er einen Falken und eine Rohrdommel („a bittern and a hawk”).

Auf der Beagle hatte er ein Neues Testament in deutscher Sprache bei sich, mit dessen vertrautem Text er versuchte, sich deutsch beizubringen. Offenbar war ihm das sehr mühsam, manchmal beendete er seine Arbeit schon nach nur 54 Worten.

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Im kinderreichen Haus der Darwins gab es eine „Stair Slide”, eine Holzrutschbahn, auf der die Kinder – je braver je steiler – das Treppenhaus hinunterrutschen durften.

Besuch

Der Arbeitskreis ländliche Kleidung aus Rotenburg an der Fulda war auf Initiative von Heiner Boehnke unterwegs auf den Spuren der Büchners.

Am Sonntag, dem 4. Oktober,  hat die etwa 40-köpfige Gruppe mit dem Bus das Goddelauer Büchnerhaus, die Pfungstädter Villa Büchner und die historische Apotheke in Zwingenberg besucht.

Auf dem Foto aus Zwingenberg ganz rechts die Leiterin und Organisatorin der Fahrt, Frau Krauß-Neumann, ganz links Heiner Boehncke.

Bei Kaffe und Kuchen konnten Heiner und ich noch ein paar Ergänzungen vortragen. Heiner sprach natürlich wieder so lange über Alexander, dass mir gerade noch die Gelegenheit blieb, Wilhelms schönen Brief an Georg zu zitieren.

Wilhelm Büchner schreibt an seinen Bruder Georg Büchner. Darmstadt. 13. November 1831. S. 1 von 5.

Schöne Töchter andrer Väter

Ein Verzeichnis meiner Dateien heißt „SchoeneToechterAndrerVaeter“, und seit gestern sind da wieder einmal ein paar Fotos mehr hinein gekommen.

Der Tag des offenen Denkmals am 13. 9. war 2009 seit langem ein Termin, an dem ich ohne eigene Verpflichtungen unterwegs sein konnte. Die Pfungstädter Villa ist so sehr im „Umbau-Streß“, daß wir sie nicht vorzeigen wollten, und außerdem fanden wir keinen rechten Zugang zum Motto „Historische Orte des Genusses”. Darauf hatten allerdings viele andere zugängliche Objekte einfach verzichtet.

Jedenfalls konnten wir am Ende unserer Reise durch Rheinhessen und das Ried schließlich Schloß Braunshardt bei Weiterstadt ansehen. Erst kürzlich war auch der Pfungstädter Heimatverein dort gewesen. Hier finden sich die nötigen Informationen:

http://www.weiterstadt.de/deutsch/schloss-braunshardt/index.php?edit_document=1

Das entzückende Schlösschen mit großer Geschichte, das Queen Victoria eine „Pralinenschachtel” genannt haben soll, ist unbedingt einen Besuch, der rege Unterstützerverein jede Hilfe wert.

Uns hat vor allem der Blick an die Decke des grünen Salons und und in der „Bibliothek” an die Wände überrascht.

Es müsste doch mit dem Teufel zugehen, wenn unsere Stukkateure in der Villa diese Dekorationen nicht gekannt hätten – was meinen Sie?

SchlossBraunshardt Wanddetail

Schloß Braunshardt:
Ein Detail aus der Wanddekoration der „Bibliothek” – versilbertes Holz mit aufgesetzten Blüten aus Bisquit-Porzellan.

Schloß Braunshardt:
Deckenstuck des „grünen Salons”.

Villa Büchner:
Deckenschmuck des Budoirs im ersten Stock.

Villa Büchner – Details der Renovierung

Anfang September finden die letzten Arbeiten im ersten Stock statt, den später die Deutsche-Weiterbildungs-Gesellschaft (DWG) des Klett-Konzerns nutzen wird.


Im „Budoir“, dem kleinen Raum östlich des Wohnzimmers, ist die herrliche Stuckdecke wiederhergestellt, und auch im Wohnzimmer hat die Stuckrosette wieder ihre alte Fassung erhalten.

Der Maler Fritz Büchner

Wilhelm Büchners Enkel Fritz wuchs zunächst in Pfungstadt, nach der Scheidung seiner Eltern in Darmstadt auf. Seine Nachfahren schildern ihn als liebenswert, aber wenig lebenstüchtig. „Der Fritz war halt für den Salon erzogen” heißt es da.

In der Inflation der zwanziger Jahre verlor er sein gesamtes Vermögen; die Familie musste danach unter einfachsten Verhältnissen leben.

Fritz Büchner: Die evangelische Kirche von Eschollbrücken. Stadtarchiv Pfungstadt. Aquarell, 25 x 17 cm

Sein Werk wurde nie aufgearbeitet, seit kurzem (s.u.) besitzt die Stadt Pfungstadt eines der größeren Konvolute seiner Bilder. Auch die Nachfahren besitzen einige Bilder, ebenso die Stadt Darmstadt.

Zur Vernissage seiner Bilder in der Pfungstädter ehemaligen Synagoge nannte Albrecht Drexler das Werk „handwerklich gekonnt, mit gutem Blick für Landschaft als Motiv, aber ohne den wirklich großen Wurf, der Malerei zur Kunst macht“.

Für Fritz Büchners Bilder spricht heute neben ihrer handwerklichen Qualität vor allem ihre Eigenschaft als Zeugen der vergangenen oder vergehenden Landschaft des hessischen Ried und des vorderen Odenwalds.

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