„ … Was können uns jene jungen Wesen nutzen, die aus der Schule heraus nicht eilig genug ins Leben treten können, ohne Ahnung eines höheren Berufes, eines ernsteren Strebens? Aus ihren Reihen wird nur selten die tüchtige Mutter, das ächte Weib hervorgehen. Trunken vom Glanze der Ball- und Gesellschftssäle, schweben sie, wie im Traume, durch ihre Jugend; aber wohl selten birgt sich unter dem flatternden Gewand das starke Herz, die hochbeschwingte Seele, deren die Frau doch so sehr, so nothwendig bedarf. Wie lieblich rauschen einige Jahre dahin, leichtbeschuht und voller Glanz; aber die Scene muß sich ändern, das wirkliche Leben klopft an die Pforten. Wie Viele wird es dann zum Kampfe bereit finden? Wie viele sind dann seinen gerechten Ansprüchen gewachsen?
„Athéna portant l’égide. Camée en sardonyx, fin du Ier siècle av. J.-C. ;
monture en or émaillé de Josias Belle, fin du XVIIe siècle.”
Ob die Ehe oder das Loos der Unverheirateten diese heiteren Gestalten erwartet, nur diejenige Frau kann ihren höheren Lebenszweck erfüllen, welcher die Erziehung die Mittel dazu an die Hand gegeben. Aber diejenige Erziehung kann weder Ernst noch Tüchtigkeit verleihen, der es selber daran fehlt, und wer den Lebensweg der meisten weiblichen Naturen verfolgt, wird finden, daß ihnen mit richtiger Bildung Alles gegeben wäre, während ihnen ohne dieselbe Alles genommen ist.
O, ihr rosigen Kinder, euren Frohsinn und eure Heiterkeit möchten wir um keinen Preis der Welt euch rauben, ihr sollt Rosen in´s Haar flechten und das weiße Gewand tragen, aber darunter die Rüstung der Pallas Athene.“
Luise Büchner: Die Frauen und ihr Beruf. Leipzig: Thomas. 5. Aufl. 1884, S. 9/10
Veranstaltung zum Internationalen Frauentag
Wann
09.03.2014
von 16:00 bis 18:00
Wo
Literaturhaus (Kennedy-Haus), Kasinostr. 3
Teilnehmer
Eintritt: 6 Euro, die Veranstaltung ist für die Mitglieder der Luise Büchner-Gesellschaft frei
Brot und Rosen – Literarisch-musikalischer Nachmittag für Frauen und Männer
Musik: Petra Bassus (Gesang) und Marcella Hagenauer (Gitarre)
Literatur: Katja Behrens, Ursula Teicher-Maier, Iris Welcker-Sturm, Barbara Höhfeld, Jutta Schütz.
Gemeinsame Veranstaltung mit dem Frauenbüro Darmstadt anlässlich des Internationalen Frauentages
AMERUTOPIA oder UTOPIAMERIKA wird das neue Programm der fabelhaften Büchnerbande heißen.
Seit einem kulinarisch unterstützen brainstorming steht fest, dass es auch nach den Büchner-Jubiläumsjahren 2012/13 mit Auftritten der Fabelhaften Büchnerbande weitergehen wird.
AMERIKA als Land des Exils, der Zukunft und der in Europa versperrten Möglichkeiten ist im 19. Jahrhundert ein ständig präsentes Thema. Das hat auch die Familie Büchner nicht unberührt gelassen. Die Exilanten der Demokratenverfolgung in Europa haben wichtigen Anteil an der Staatswerdung der USA genommen, als die „fourty-eigthers” werden sie (in Anspielung auf die Vielzahl der seit der gescheiterten Revolution von 1848 geflohenen Demokraten) dort dokumentiert und geschätzt.
Vorab schon mal so viel: wir werden natürlich die unmittelbaren Verbindungen der Büchners ins gelobte Land jenseits des Ozeanes schildern. Becker, Minnigerode und Möser sind persönliche Freunde Georg Büchners gewesen, die alle auf der Flucht nach Amerika kamen. Luise Büchners Novelle über den Zwingenberger Fotografen, der in New York sein Glück macht („Der kleine Vagabund”) wird vorkommen und auch Ludwig Büchners große Vortragsreise 1872. Ein kleines Geheimnis sollen vorerst weitere persönliche, familiäre Verbindungen bleiben, zu denen wir Unbekanntes und Unveröffentlichtes beitragen werden.
Wir wollen uns aber nicht auf die direkte, persönliche Büchner-Beziehung beschränken. Deshalb wird auch das historische Vorbild für Karl Mays „weißen Indianer“ Klekih Petra vorkommen, Friedrich Hecker, Carl Schurz und vielleicht auch Friedrich Wilhelm von Steuben. Und dass nicht alle Frauen als Begleiterin und Haushälterinnen ihrer Männer nach Westen aufbrachen, werden wir auch berichten können.
Konzeptionell bleibt es bei der gefundenen Form. Die Fabelhafte Büchnerbande ist keine Volksliedertruppe mit Anspruch auf exakteste Authentizität von Kostüm und Instrument, auch kein reisender Geschichtsunterricht mit erhobenem Zeigefinger, sondern eine Gruppe von Freunden um die Luise Büchner-Gesellschaft und die Bluesband Papa Legbas Blueslounge mit Spaß am Zitat und am Geschichtenerzählen und ohne jede Berührungsangst gegenüber Musik verschiedenster Zeit und Herkunft.
Zur Zeit tragen wir Biographien, Texte, Briefe, Bilder und Berichte der Deutsch-Amerikaner zusammen, dazu natürlich zeitgenössische und moderne Musik. Vorschläge, Wünsche und Hinweise dazu sind uns willkommen.
Ab dem Sommer kann es dann also neue Begegnungen mit der
… das hofften die Demokraten der 1848-Revolution im September 1848 – es hat dann noch bis 1918 gedauert, bis endlich der Monarchismus beseitigt und freie, gleiche und geheime Wahlen in Deutschland durchgesetzt waren.
Wenige Tage nach Georg Büchner starb in Darmstädter Haft am 23. Februar 1837 der Butzbacher Pfarrrer Friedrich Ludwig Weidig, den seine Freunde Fritz nannten.
Weidigs Grab auf dem Darmstädter Alten Friedhof (Februar 2013)
Weidig gehört zu den wichtigsten frühen Demokraten Hessens, die Bedeutung seines unermüdlichen, tapferen und konsequenten Einsatzes für Gleichheit und Gerechtigkeit kann kaum überschätzt werden. Lange vor der Verschwörung zum Hessischen Landboten hat Weidig schon 1814 einen Turnplatz eingerichtet und dort Turn- und Exerzierübungen organisiert – im Butzbacher Museum zeigt man bis heute hölzerne Gewehr und Säbel der ersten hessischen Turner. Die „Weidig-Stadt” Butzbach hat auf ihrer Homepage hier Weidigs „Predigt vom gemeinen Nutzen” von 1819 veröffentlicht. Er gehörte zu den Vorbereitern des Hambacher Festes von 1832, nahm aber selbst aus Angst vor Verfolgung nicht an dem Treffen teil. Auch in die Planungen des Frankfurter Wachensturms vom 3. April 1833 war Weidig eng eingebunden. Sein „Leuchter und Beleuchter für Hessen”, der als illegales Flugblatt 1834 in insgesamt vier Ausgaben erschien, ist ein wichtiges Dokument der Überlegungen und Planungen der frühen Demokraten. Ihre Unzufriedenheit kulminiert im Wunsch nach der Wiederherstellung alter, vorgeblich besserer Verhältnisse. Wahlkönigtum, Einheit der Nation und Gerechtigkeit sind die zentralen Stichworte. Georg Büchners dagegen aufsässige Forderungen nach radikaler Veränderung und Umsturz hat Weidig sicher nicht gänzlich geteilt, aber geduldet – der Hessische Landbote und das bis heute andauernde Rätsel, welche Textteile von welchem Autor sind und welchen gesellschaftlichen Intentionen entstammen, sind ein beredtes Zeugnis für die strategische Uneinheitlichkeit der Aufrührer.
Wie Georg Büchner macht sich auch Weidig nach dem Verrat der Landboten-Aktion auf den Weg ins Exil, entscheidet sich aber zur Umkehr und verzichtet auf die prekäre Sicherheit in Frankreich oder der Schweiz. Gut möglich, dass er auf die Wirksamkeit eines öffentlichen Prozesses und die Möglichkeit, dort offen für seine Überzeugungen einzutreten, gesetzt hat. Das unmenschliche und autokratische System gab ihm diese Chance nicht – stattdessen wurde er in Darmstadt mit skandalösen Verhörmethoden ohne Rechtsbeistand und unter Folter gequält. Am 23. Februar 1837 wurde er in seiner Zelle schwer verletzt aufgefunden; der verbrecherische Richter Georgi ließ Stunden verstreichen, bis endlich ärztliche Hilfe gerufen wurde. In Deutschland und im Ausland kam es zu zahlreichen Veröffentlichungen, in denen der Darmstädter Justiz die alleinige Verantwortung für Weidigs Tod zugeschrieben wurde. Georgs Bruder Alexander Büchner hat 1848 eine Novelle veröffentlicht, in der er Georgi als Mörder Weidigs bezeichnet, im darauf folgenden Verleumdungsprozeß wurde er in einem der ersten hessischen Geschworenenprozesse freigesprochen.
An der Zellenwand fand sich mit Weidigs Blut geschrieben der Satz:
Da mir der Feind jede Vertheidigung versagt, so wähle ich einen schimpfl. Tod aus freien Stücken
Im September 1848 wurde in Darmstadt „Zur Inauguration seines Denkmals”, nachdem endlich auch der vorgesehene Text gezeigt werden durfte, der folgende Text vorgetragen:
Die beiden Plaketten auf der Vorder- und Rückseite des Grabkreuzes
An Dr. Friedrich Weidig,
am Tage
der Inauguration seines Denkmals.
Darmstadt, 17. Sept. 1848.
Verklärter Geist! Blick‘ Du aus Himmelshallen
Herab zu uns ins laute Erdenthal,
Sieh, wie hier freie deutsche Männer wallen
In Eintracht, in der Freiheit goldnem Strahl,
Vernimm der Freiheit Worte, die wir spenden,
die wir hinauf zu deinem Strahlensitze senden.
Dein Blut zu sühnen sind wir heut gekommen
Zu deines Grabes blutig düst’rem Rand;
Der Fluch ist nun vom Vaterland genommen,
Uns all‘ umschlingt der Einheit starkes Band.
Drum, hoher Geist, blick‘ segnend auf uns nieder,
Erkenne Deutschlands freie Söhne in uns wieder.
Du wolltest brechen Deutschlands Sklavenketten,
Du wolltest brechen Deutschlands tiefster Schmach,
Du wolltest uns von schwerem Druck erretten,
der, einem Alb gleich, rings auf Deutschland lag;
doch für der Freiheit heiligste Verfechtung
Traf dich des Polizeistaats allertiefste Knechtung.
Im Kerkernacht als argen Hochverräter
hat dich der Dunkelmänner Brut geführt,
und Dich verdammt als Mietern Missetäter,
weil Du der Wahrheit heiliges Schwert geführt,
weil du gekämpft für unsere höchsten Güter
D’rum würgte dich des Polizeistaats gift’ge Hyder
Aus dunkler Kerkernacht, von martervollen Qualen,
Hob sich dein Geist empor zum ew’gen Licht,
um dort in reiner Glorie zu strahlen,
bis einst ein neuer Morgen Bahn sich bricht.
Doch wie Dein heil’ger Streiter Leib gefallen?
Ist noch ein dunkel unauflösbar Räthsel Allen.
Dein Blut zu sühnen, sind wir heut gekommen,
die Eulenbrut ist nun durch’s Licht verjagt;
die Schmach ist nun vom Vaterland genommen,
der Freiheit sonnenheller Morgen tagt.
Und überall sieht man in deutschen Gauen
das Volk auf seine eigne Kraft vertrauen.
Der Freiheitshauch um schwebt die heil’ge Stätte,
wo deiner Seele ird’sche Hülle ruht;
so schlummre sanft im kühlen Erdenbette,
gesühnt ist jetzt dein heilig Märtyr’blut:
was du gewollt, wofür du hast gelitten,
hat Deutschlands Volk sich muthig jetzt erstritten.
Heute vor 176 Jahren starb Georg Büchner, noch nicht 24 Jahre alt, in Zürich in den Armen seiner Geliebten Minna Jaeglè.
2012 und 2013 wurden als Büchner-Biennale zur Erinnerung an die„runden” Jahrestage seines Todes und seiner Geburt begangen. Das Ende der Darmstädter Ausstellung markiert das Ende des institutionalisierten und gelegentlich auch ziemlich ritualisierten Gedenkens.
„Büchner hält das aus” sagte der Feuilleton-Chef des Darmstädter Echos, Johannes Breckner, zu Beginn der Feierlichkeiten.
Hoffen wir das Beste.
Der Sockel von Büchners Grabstein auf dem Friedhof Krautgarten in Zürich
Am 4. Juli 1875 wurden die sterblichen Überreste Georg Büchners umgebettet, weil der „Krautgarten-Friedhof” aufgelassen wurde. Heute liegt Georg Büchner am „Rigiblick” oberhalb Zürichs. Nach der Feier nahm Georgs Bruder Wilhelm den alten Grabstein mit nach Pfungstadt und stellte ihn im Park seiner Villa auf. Sein Enkel Anton schreibt in seinen unveröffentlichten Memoiren:
„ … Am Fuß eines anderen (Baumes – pb) lehnte ein hoher, von Efeu umwundener, halbverwitterter Stein. Er trug eine Inschrift, aber sie war fast unleserlich geworden. (Heute ist er ganz verschwunden). Es war der erste Grabstein des Dichters Georg Büchner (1813 – 1837), den sein Bruder Wilhelm, eben mein Großvater, in seinen Garten holte und dort aufstellte, als 1875 deutsche Studenten dem in Zürich verstorbenen Dichter und Forscher auf der „Germaniahöhe” ein Ehrengrab richteten. … ”
An anderer Stelle ergänzt er zu dem Stein „ .. bis er schließlich ganz verging”. Der Pfungstädter Lokalhistoriker Valentin Liebig entdeckte den übriggebliebenen Sockel auf dem Gelände des ehemaligen Parks und sicherte ihn für das Pfungstädter Heimatmuseum, das ihn als Leihgabe an das Goddelauer Büchner-Haus gegeben hat.
In den letzten Monaten sind mit unterschiedlich großem Echo mehrere Flugschriften veröffentlicht worden, die je nach Standpunkt der Beobachter als Fanal, Aufschrei, Hilfestellung, Erläuterung, manchmal aber auch als Zeichen der Hilflosigkeit angesichts gesellschaftlicher Umbrüche interpretiert werden.
Ich bin gebeten worden, die Vorstellung dieses Textes durch drei der sieben Autoren (6 Männer, eine Frau) zu moderieren.
(ISBN 978-3-944137-64-3, Peter-Grohmann-Verlag, Stuttgart)
Neben der Gesprächsführung werde ich auch auf die Frage eingehen, ob und wie die gesellschaftlichen Verhältnisse der 1830er Jahre mit unseren heutigen vergleichbar sind und ob und wie sich der Rückgriff auf das große Vorbild rechtfertigt.
Lesung und Diskussion am 13. Februar 2014
im Stadtmuseum Groß-Gerau
Am Marktplatz 3, 64521 Groß-Gerau, 19:30 Uhr, Eintritt frei
Den 200. Geburtstag von Georg Büchner am 17. Oktober 2013 hat eine Autorengruppe mit Gewerkschaftern aus dem Kreis Groß-Gerau zum Anlass genommen, eine Broschüre unter dem Titel „Der Hessische Landbote 2013“ zu veröffentlichen: als „Ermutigung zum Denken und Handeln“. Die Autoren beschreiben darin ihre Sicht auf aktuelle gesellschaftliche und soziale Missstände und deren Ursachen. Die Schrift macht auf kritikwürdige Zustände und Verhältnisse aufmerksam und ist damit, wie es im Untertitel heißt, „ein Aufruf, der anstiften will zur Auflehnung“. In acht Kapiteln behandelt die Autorengruppe unter anderem Themen wie Armut und Reichtum, Arbeit, Bildung, Migration, Krankheit und Gesundheit. Der Initiatiator des Projekts, Edgar Weick, und die Mitverfasser Bernd Heyl und Martin van de Rakt werden in der Lesung am 13. Februar, die Veranstaltung ist in das Stadtmuseum verlegt worden, Passagen lesen, erläutern und zur Diskussion stellen. Moderation: Peter Brunner, Betreiber des Blogs „Neues aus Büchnerland“.
Kooperationspartner der KVHS sind: DGB Ortsverband Groß-Gerau im Rahmen der AG „Arbeit und Leben“ (DGB/VHS) Südhessen. Der Eintritt ist frei.