Heute vor 150 Jahren, am 24. November 1859, erschien Charles Darwins On the origin of species by means of natural selection, or the preservation of favoured races in the struggle for life.
Bereits im Januar 1838 zeichnete er die inzwischen berühmt gewordene Skizze I think in sein Notizbuch.
Ludwig Büchner veröffentlichte 1864 seine Übersetzung von Charles Lyells Das Alter des Menschengeschlechts auf der Erde und der Ursprung der Arten durch Abänderung, 1868 folgt Die Darwin´sche Theorie von der Entstehung und Umwandlung der Lebe=Welt. Ihre Anwendung auf den Menschen, ihr Verhältnis zur Lehre vom Fortschritt und ihr Zusammenhang mit der Erfahrungs- oder Wirklichkeits-Philosophie der Vergangenheit und der Gegenwart. Laut Büchners Vorwort zur ersten Auflage hatte er zwischen 1866 und 1868 seine Ansichten zur Unterstützung von Darwins Theorie in Vorträgen in Offenbach, Mannheim und Darmstadt öffentlich vorgetragen. Als Publizist und Vortragsredner war Ludwig Büchner sicher einer der wichtigsten Wegbereiter für Charles Darwin in Deutschland.
Büchner stellt seiner Veröffentlichung ein Zitat aus den Erkenntnissen der Epikuräer voraus:
Somit ist es bestimmt, dass Nichts dem Nicht kann entspringen, Alles vielmehr erwächst, und zwar besonderem Samen, Und im Wachsen erhält´s die Art.
Lukrez, De rerum natura (ca. 70 v. Chr.)
Im September 1881 kam es zu dem bereits erwähnten Treffen in Downe House, an dem auch Edward Aveling teilnahm.
Am Sonntag, dem 15.11., war Mathilde Büchner zu Gast in der Pfungstädter ehemaligen Synagoge.
Ute Meißner-Ohl als Mathilde Büchner
Ganz angemessen in moderatem Darmstädterisch (Dialekt schpreche mir ja eischentlisch kein…) begleitete Ute Meißner-Ohl in der Rolle der nicht-schreibenden Büchner-Schwester die szenische Inszenierung mit berichtenden und kommentierenden Beiträgen zur Revolutionszeit. Petra Gehring als Verleger Leßke war ebenso überzeugend wie Udo Steinbeck als der revolutionär Franz Zitz, Jens Kertscher und Ludger Fittkau als die liberalen Demokraten Eigenbrodt und von Gagern mussten aushalten, dass die Theatergruppe – das Einladungsplakat zeichnete verantwortlich das Institut für Philosophie der TU Darmstadt – im Rückblick lieber mehr Revolution und weniger Verfassungsverhandlung gesehen hätte und ihre Rolle so das Zaudern und Zögern betonen musste.
Das südhessische Volk und seine 48er-Forderungen
Während Ludwig und Alexander Büchner die 48er Revolution in Gießen miterlebten und dort für den Einzug von Carl Vogt in die Paulskirche agitierten, war Wilhelm Büchner bereits Unternehmer (und Mitbegründer des Darmstädter Gewerbevereins). In seinen „Familiennotizen“ schreibt er:
Mit Herrn Wilkens associierte ich mich unter der Firma Büchner + Wilkens, mietheten die ehem. Stearinfabrik in Darmstadt und kauften den 1. April 1845 die ehem. Zuckerfabrik in Pfungstadt zu f 9000. Im July 1846 zog ich nach Pfungstadt und <von / an > 9. October 1848 übernahm ich das Geschäft <?> unter die Firma Wilhelm Büchner, und zog im November 48 auf die Fabrik über.
(Unv. Manuskript aus dem Depositum Manfred Büchner)
Die berühmte Geschichte von Mathilde Büchners Heldentum, als sie bei einem Spaziergang an der Bergstraße in letzter Minute Alexander von einem Aufruhr-Plan für die Odenwälder Bauern und einem Dolchmesser befreite, bevor dieser als Aufrührer verhaftet wurde, war natürlich Thema. Auch das schöne Foto, das Agnes Schmidt gefunden hat, und Mathildes Hausfrauenbund-Aktivitäten wurden erwähnt.
Komischerweise hat noch nie jemand darauf hingewiesen, wie aberwitzig dieser Ausflug am Pfingstmontag, dem 28. Mai 1849, tatsächlich war. Alexander hatte sich nämlich in Pfungstadt in den weitläufigen Örtlichkeiten der Blaufabrik vor Verfolgung versteckt, und ausgerechnet in den durchaus absehbaren Geplänkeln der Revolutions-Niederschlagung spazierenzugehen, darf man schon waghalsig nennen. Das Gefecht bei Heppenheim zwischen den badischen Revolutionstruppen und den Soldaten der hessischen Konterrevolution fand nur zwei Tage später, am 30. Mai, statt. Alexander riskierte im wörtlichen Sinn sein Leben, und vielleicht sollten wir ihm zugestehen, dass er sich vom Stand der Bedrohung überzeugen wollte und den Spaziergang in Zukunft besser Erkundung nennen.
Das erfreulich zahlreiche Publikum in der Pfungstädter Synagoge dankte mit lautem Beifall für den schönen Abend.
(Die beiden Fotos hat freundlicherweise Renate Dreesen zur Verfügung gestellt – der Pfungstädter Verein ehemalige Synagoge ist zu erreichen unter http://www.synagoge-pfungstadt.de/ )Weiterlesen
In Ein Besuch bei Darwin von 1882 schildert Luwig Büchner sein Treffen mt dem großen Naturwissenschaftler in dessen Haus in Downe südlich von London. Downe House ist heute ein von English Heritage betriebenes Ausstellungs- und Museumszentrum.
Letzte Woche hatte ich die Gelegenheit zu einem Abstecher dorthin – das Foto zeigt den gedeckten Tisch, wie er vielleicht auch Büchner und den Schwiegersohn von Karl Marx, den unsäglichen Eward Aveling, der als Übersetzer anwesend war, erwartete.
Ein paar Marginalien aus der gut präsentierten Ausstellung zu Darwins 200. Geburtstag:
Als Student in Cambridge war er Mitglied in der Vielfraß-Gesellschaft (Glutton Club), die sich zur Aufgabe machte, aussergewöhnliche Lebewesen zu verzehren – unter anderem aß er einen Falken und eine Rohrdommel (a bittern and a hawk).
Auf der Beagle hatte er ein Neues Testament in deutscher Sprache bei sich, mit dessen vertrautem Text er versuchte, sich deutsch beizubringen. Offenbar war ihm das sehr mühsam, manchmal beendete er seine Arbeit schon nach nur 54 Worten.
Im kinderreichen Haus der Darwins gab es eine Stair Slide, eine Holzrutschbahn, auf der die Kinder – je braver je steiler – das Treppenhaus hinunterrutschen durften.
Der Arbeitskreis ländliche Kleidung aus Rotenburg an der Fulda war auf Initiative von Heiner Boehnke unterwegs auf den Spuren der Büchners.
Am Sonntag, dem 4. Oktober, hat die etwa 40-köpfige Gruppe mit dem Bus das Goddelauer Büchnerhaus, die Pfungstädter Villa Büchner und die historische Apotheke in Zwingenberg besucht.
Auf dem Foto aus Zwingenberg ganz rechts die Leiterin und Organisatorin der Fahrt, Frau Krauß-Neumann, ganz links Heiner Boehncke.
Bei Kaffe und Kuchen konnten Heiner und ich noch ein paar Ergänzungen vortragen. Heiner sprach natürlich wieder so lange über Alexander, dass mir gerade noch die Gelegenheit blieb, Wilhelms schönen Brief an Georg zu zitieren.
Wilhelm Büchner schreibt an seinen Bruder Georg Büchner. Darmstadt. 13. November 1831. S. 1 von 5.
Ein Verzeichnis meiner Dateien heißt „SchoeneToechterAndrerVaeter“, und seit gestern sind da wieder einmal ein paar Fotos mehr hinein gekommen.
Der Tag des offenen Denkmals am 13. 9. war 2009 seit langem ein Termin, an dem ich ohne eigene Verpflichtungen unterwegs sein konnte. Die Pfungstädter Villa ist so sehr im „Umbau-Streß“, daß wir sie nicht vorzeigen wollten, und außerdem fanden wir keinen rechten Zugang zum Motto Historische Orte des Genusses. Darauf hatten allerdings viele andere zugängliche Objekte einfach verzichtet.
Jedenfalls konnten wir am Ende unserer Reise durch Rheinhessen und das Ried schließlich Schloß Braunshardt bei Weiterstadt ansehen. Erst kürzlich war auch der Pfungstädter Heimatverein dort gewesen. Hier finden sich die nötigen Informationen:
Das entzückende Schlösschen mit großer Geschichte, das Queen Victoria eine Pralinenschachtel genannt haben soll, ist unbedingt einen Besuch, der rege Unterstützerverein jede Hilfe wert.
Uns hat vor allem der Blick an die Decke des grünen Salons und und in der Bibliothek an die Wände überrascht.
Es müsste doch mit dem Teufel zugehen, wenn unsere Stukkateure in der Villa diese Dekorationen nicht gekannt hätten – was meinen Sie?
Schloß Braunshardt:
Ein Detail aus der Wanddekoration der Bibliothek – versilbertes Holz mit aufgesetzten Blüten aus Bisquit-Porzellan.
Schloß Braunshardt:
Deckenstuck des grünen Salons.
Villa Büchner:
Deckenschmuck des Budoirs im ersten Stock.