Neues aus Buechnerland

Peter Brunners Buechnerblog

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„ … wer bei Gesundheit und Kraft nicht arbeiten wollte, würde das volle Recht erwerben, ohne Bemitleidung oder Hülfe von Seiten der Gesellschaft zu verhungern oder zu Grunde zu gehen.” (Ludwig Büchner)

Unter der Signatur LA A 7416 liegt im Coburger Staatsarchiv ein Konvolut von Akten mit Korrespondenz zwischen dem hier bereits erwähnten Coburger Fürsten Ernst II. und Ludwig Büchner.

Das Coburger Staatsarchiv

 

Darin findet sich der Entwurf eines Schreibens von Ernst II. an Bismarck vom 13. November 1880, in dem er dem Reichskanzler eine „kleine Abhandlung“ Ludwig Büchners empfiehlt. Am 28. Dezember 1880 bedankt sich in einem dort ebenfalls vorliegenden Schreiben Büchner für die Übermittlung an Bismarck und übersendet ein Manuskript mit dem Titel „Übernahme des Lebens-Versicherungs-Wesens durch den Staat“. Diesem Schreiben liegt ein zweiunddreißigseitiges handschriftliches Manuskript in drei Bögen mit diesem Titel bei. Im zweiten Band von Ludwig Büchners „Aus Natur und Wissenschaft“ von 1884 ist ein Text mit diesem Titel auf neun Seiten abgedruckt. Ich habe diesen bisher nur im Frakturdruck vorliegenden Text transkribiert (übrigens indem ich den Text meinem Computer und der Software Dragon Naturally Speaking mit überraschend gutem Ergebnis vorgelesen habe) und stelle ihn hier im Rahmen der gelegentlichen Veröffentlichung von Originaltexten der Büchners gerne zum allgemeinen Gebrauch zur Verfügung.

 Leider haben die unsäglichen Nutzungs- und Kopiervorschriften der bayerischen Archive unmöglich gemacht, dass ich das Manuskript mit meiner eigenen Kamera, selbstverständlich berührungslos und ohne Blitz, kopieren konnte. Auch die durchaus interessanten weiteren Briefe im Konvolut konnte ich nur oberflächlich lesen. Auf den erheblichen organisatorischen und finanziellen Aufwand, mir von den Fachkräften des Archivs die Kopiearbeit als Dienstleistung zu erbitten und zu bezahlen, habe ich zunächst verzichtet.

 Völlig zu Recht verweist der verdiente Klaus Graf auf archivalia immer wieder auf diese unzeitgemäßen, alleine durch Selbstherrlichkeit und Ignoranz zu begründende Nutzungseinschränkungen hin. Archivalien müssen selbstverständlich auf das sorgfältigste vor jeder Beschädigung bewahrt werden, schränkt man ihre Nutzung aber über diese Bedingungen hinaus ein, so wird damit der Zweck des Archivierens ad absurdum geführt: auch das besterhaltendste Archivgut dient ja immer nur dem Sinn, genutzt zu werden und möglicherweise neue Erkenntnisse zu verschaffen.

 

 

SCHELLACK IN MAINZ UND WILHELM BÜCHNER

Über Wilhelm Büchners Verbindungen nach Mainz und die Bedeutung seiner Erfindung, Schellack zu bleichen, habe ich hier bereits vor einiger Zeit geschrieben.

Reklamebild Marx-Lacke

Letzte Woche war ich zur Eröffnung der großen Schellack-Ausstellung auf der Mainzer Zitadelle eingeladen, und ich kann nur allen Leser/inn/en empfehlen, sich diese gut gemachte Präsentation anzusehen.

Manfred Penning bei der Ausstellungseröffnung auf der Mainzer Zitadelle

Der Iniator der Ausstellung, Manfed Penning,  hat für die Sypathisanten von BÜCHNERLAND eine Sonderführung mit besonderem Schwerpunkt auf Büchners Anteil an der Entwicklung der Mainzer Lackindustrie angeboten  – wann und wie das stattfinden kann, veröffentliche ich in Kürze hier; Interessent/inn/en dürfen sich gerne schon jetzt via Kommentar oder Mail melden.

Mehr über Balthasar Harres

Am vergangenen Wochenende (4. / 5. Juni 2011) war ich, wie schon seit einiger Zeit angekündigt, in Coburg auf den Spuren von Balthasar Harres und konnte durch liebenswürdiges Entgegenkommen der Immobilienbesitzer gute Einblicke in das Werk von Harres bekommen. Bei Gelegenheit hier mehr dazu, voraussichtlich zeigen wir auch am Tag des offenen Denkmals am 18. September weitere Informationen zu Balthasar Harres in der Villa Büchner.

Außerdem fand ich zu Ludwig Büchners Verbindung zum „Helden der Seeschlacht zu Pferde”, dem Coburger Fürsten Ernst II., interessante Informationen. Auch dazu demnächst mehr.

Hier nur mal ein erster Eindruck von den Bauten – mir scheint, dass Harres Schloss Hohenfels als Vorbild für die deutlich kleinere Pfungstädter Villa nahm. Jedenfalls muss jeder, der die Coburger Bauten kennt, den Architekten in Pfungstadt wiedererkennen.

Harresbauten

„Kraft und Stoff” in seiner natürlichen Bedeutung betrachtet

Schon lange weiß ich, dass vor 1863 ein Kochbuch mit diesem Titel erschienen ist* – heute habe ich endlich eines in die Hände bekommen:

 

Wider Erwarten gibt es nicht den geringsten Bezug auf Ludwig Büchners Kraft und Stoff, obwohl völlig außer Frage steht, dass der Titel dieses seit 1855 höchst erfolgreichen Buches mindestens dem Verlag bekannt war.

Ich habe meine Spaß an dem Buch, und wenn´s hier keine heftigen Widersprüche gibt, will ich versuchen, in den nächsten Monaten jeweils zu Beginn die saisonalen Lebensmittelempfehlungen zu veröffentlichen, die Frau Böttcher der staunenden Leserin damals machte.

Hier also die Einkaufs- und Essensliste für den Juni 1882:

Essensliste fuer Juni

* Die früheste Auflage, die ich nachweisen kann ist:
Böttcher, Charlotte:Kraft und Stoff oder Deutsches Universal – Kochbuch, umfassend die ganze Praxis der Küche sowohl für die feinste Tafel, wie den einfachsten bürgerlichen Hausstand in den sorgfältigsten Unterweisungen, mehreren Tausenden ausgeprüfter Recepte. Ein gründliches Lehr-, vollständiges Hand- und unentbehrliches Hülfsbuch für die werdende und schon ausgebildete Köchin oder Hausfrau.Berlin, Schneider/ Wien, Prandel & Ewald/ Hamburg, Richter, 1863.  2. Auflage, XXXII, 1214 S.)

Tage der Commune

Keine Angst, das Fass „Machtergreifung durch das Proletariat“ mache ich hier nicht auf…

Mir fiel nur gerade auf, dass sich in diesen Tagen das Ende der Commune jährt – am 28. Mai 1871 endete die „blutige Maiwoche” in Paris.

 August Bebel sagte dazu am 25. Mai im Reichstag:

 „Meine Herren, und wenn auch im Augenblick Paris unterdrückt ist, dann erinnere ich Sie daran, daß der Kampf in Paris nur ein kleines Vorpostengefecht ist, daß die Hauptsache in Europa uns noch bevorsteht und daß, ehe wenige Jahrzehnte vergehen, der Schlachtruf des Pariser Proletariats ›Krieg den Palästen, Friede den Hütten, Tod der Not und dem Müßiggange!‹ der Schlachtruf des gesamten europäischen Proletariats werden wird.”

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