Neues aus Buechnerland Peter Brunners Buechnerblog

10.11.2018

Europa heißt Menschen zu einen

Hunderte von Theatern und Kultureinrichtungen beteiligen sich am 10. November 2018 an der virtuellen Ausrufung der Europäischen Republik.

Das darf wer will träumerisch, phantastisch oder unrealistisch finden. Das ist nicht die schlechteste Voraussetzung für den Weg zum Besseren.

 

 

2018 haben zwei Themen Büchnerhaus und BüchnerBühne beschäftigt: die republikanische Idee und der Nationalismus.

Mit Vorträgen und Diskussionen hat das Büchnerhaus nach den „langen Linien republikanischer Tradition“ gefragt, und mit Inszenierungen wie Büchners Danton, zusammen mit aus Syrien Geflüchteten, einer aktualisierten Fassung des „Jedermann“ und der Nibelungen-Parodie „Niegelungen“ stellt sich die BüchnerBühne dem Diskurs.

Der 9. November mit seinen zahlreichen welterschütternden Ereignissen ist auch der Tag der deutschen Niederlage am Ende des ersten Weltkriegs, auf dessen Trümmern die Deutsche Republik ausgerufen wurde. Am 10. November begann damit für Deutschland der Weg in eine Demokratie, die eine bessere Zukunft verdient hätte als das bittere Ende im Nationalsozialismus 1933.

Für den 10. November 2018, einhundert Jahre und einen Tag später, hat ein internationales Projekt dazu aufgerufen, Europa nicht den Bürokraten und Ökonomen alleine zu überlassen. Stattdessen sollen Aktivist*innen in ganz Europa ein neues Europa ausrufen:


„Europäer ist, wer es sein will.

Die Europäische Republik ist der erste Schritt auf dem Weg zur globalen Demokratie

 

In Hessen hat Ministerpräsiden August Zinn 1961 zur Eröffnung des ersten Hessentages einen programmatischen Satz gesprochen, dem sich der regierende Ministerpräsident Volker Bouffier kürzlich angeschlossen hat:

 

„Hesse ist, wer Hesse sein will!“

 

Das soll und muss auch für das zukünftige Europa gelten, und dass ein erfolgreiches Europa ein Europa der Regionen sein muss, steht für uns außer Frage.

 

Daher haben der Leiter der Riedstädter BüchnerBühne, Christian Suhr, und der Leiter des Museums Bücherhaus, Peter Brunner, zeitgleich mit tausenden von Aktivisten auf hunderten von Balkonen in ganz Europa

 

am Samstag, dem 10. November 2018 um 16 Uhr

 

aus dem Geburtshaus von Georg Büchner heraus das Manifest des European Balcony Projects verlesen und damit symbolisch die Europäische Republik auf dem Grundsatz der allgemeinen politischen Gleichheit jenseits von Nationalität und Herkunft ausgerufen. 

Ab 16 Uhr am 10. November 2016 findet sich eine Aufzeichnung der Proklamation hier im youtube-Kanal der Büchnerbühne.

 

von Peter Brunner

 

Peter Brunner Peter Brunner

16.10.2018

Am 205. Geburtstag in Goddelau unvergessen

Filed under: Georg Büchner,Goddelau,Riedstadt — Schlagwörter: , , — peter brunner @ 22:22

Georg Büchners Geburtshaus steht in Goddelau, auch wenn auf seinem Züricher Grabstein Darmstadt als Geburtsort steht. Im Haus des großherzoglichen Schultheißen wurde das erste Kind des Amtschirurgen Ernst Büchner und seiner Frau Caroline geb. Reuß am 17. Oktober 1813 geboren.

Schon lange informiert mich ein Darmstädter Mitglied der Luise-Büchner-Gesellschaft freundlich und regelmäßig über die Verhältnisse, die sein Zürcher Freund am dortigen „Rigiblick” vorfindet, dort, wo Georg Büchner heute begraben liegt.

Immer wieder war dabei Thema, wer eigentlich Grund und Verpflichtung habe,  dort mit Blumenschmuck Verbundenheit zu dem viel zu früh im Exil gestorbenen zu zeigen.

Es hat in der Vergangenheit verschiedene Ansätze dazu gegeben, dass die Stadt Riedstadt, die sich stolz „die Büchnerstadt“ nennt, oder der Trägerverein des Museums an Büchners Geburts- oder Todestag einen Blumengruß niederlegen.

Meine Recherchen ergaben, dass das Protokoll der Stadt Darmstadt jährlich Blumen schickt. Ganz freundlich,  entgegenkommend und unkompliziert konnte ich verabreden, dass dies künftig regelmäßig am 19. Februar, dem Todestag, geschieht.

Der Darmstädter Blumengruß im Februar 2018

Zum 205. Geburtstag am 17. Oktober 2018 grüßt also der Förderverein Büchnerhaus. Ich bin sehr froh, dass ich beim ambitionierten Zürcher Theater Rigiblick, das direkter Nachbar des Grabes ist, ganz offene Ohren für die Bitte fand, das Büchnerhaus dabei mit Rat und Tat zu unterstützen.

Das

Daniel Rohr, der Impressario, hat wiederholt liebenswürdig und engagiert mit mir telefoniert. Ich erfuhr dabei, dass er sich schon heftig für das Grab engagierte, als vor einigen Jahren nach einem Sturmschaden die große Linde gefällt wurde – Rohr fand und findet, zu Unrecht. Immerhin ist es nicht zuletzt ihm zu verdanken, dass wenigstens ein neuer Baum gepflanzt wurde. Und es ist müßig zu erwähnen, dass er den Dichter, den Forscher und den Politiker Büchner schätzt, ja verehrt.

Offenbar hat sich in den letzten Tagen das halbe Ensemble darum bemüht, die richtigen Blumen, die richtigen Kranzschleifen, den richtigen Text und nicht zuletzt den richtigen Lieferanten für uns zu finden. Dafür den allerherzlichsten Dank – ich verspreche: bei Gelegenheit treffen wir uns persönlich (im Büchnerhaus habt Ihr eine Exklusivführung gut!)

Die Bilder verdanken wir Isabelle Kroetsch und Brigitta Stahel, die natürlich das Urheberrinnenrecht daran haben, aber bei Namensnennung die Veröffentlichung gestatten.

 

Zusammen mit dem Schauspieler Hans Kremer (rechts) hat Daniel Rohr  den Kranz niedergelegt, vielen Dank dafür! In der NZZ hat Kremer gesagt „Es ist, als ob sich in dem Moment ein Licht konzentriert, und ein Ganzheitsgefühl stellt sich ein. Man ist eins mit dem Text, und er kommt in seiner ganzen Dimension zum Klingen. Ich als Instrument hebe Büchners Poesie für die Menschen auf, die sie heute hören. Per-sonare heisst ja ‹klingen lassen›, ‹durchklingen›. Auch Büchners wegen liebe ich Zürich sehr.”

Und für die vielen Nachfragenden:

So sah es mit der leider gefällten Linde bei meinem letzten Besuch 2013 aus:

19. Oktober 2013

 

 

 

 

 

 

von Peter Brunner

 

Peter Brunner Peter Brunner

5.9.2018

„Was uns verbindet?“ „Meinungsfreiheit!“

Zum Tag des offenen Denkmals zeigt das Bücherhaus erstmals eine Ausstellung im Freien.

„Entdecken, was uns verbindet” heißt das diesjährige Motto, und es ist zwar keine erfreuliche, aber eine unübersehbare Verbindung, dass uns der Kampf um die Meinungsfreiheit mit den Republikanern des 19. Jahrhunderts verbindet. Bedauerlich, aber bedenkenswert.

Die Ausstellung vor der Paulskirche in Frankfurt am Main

 

Schulklassen aus Hessen haben auf Anregung von „Geist der Freiheit“, der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung und des Museums für Kommunikation Frankfurt  Plakate zum Thema gestaltet, die zur Bannerausstellung gestaltet wurde.

Am Sonntag, dem 9. September, öffnet das Büchnerhaus um 11 Uhr (bis 18 Uhr) wie immer am Denkmalstag bei freiem Eintritt; die Banner im Hof können ab dann auch außerhalb der Museums-Öffnungszeiten (Do. und So. 14 – 18 Uhr), mindestens zu den Öffnungszeiten des Kulturbüros Riedstadt (Mo-Do 8:30 – 12 Uhr) besichtigt werden.

 

Hier ist der kleine Flyer zur Ausstellung zum download.

 

 

 

 

 

von Peter Brunner

 

Peter Brunner Peter Brunner

1.8.2018

Veranstaltungen im Büchnerhaus II/2018

Zum Ende der hessischen Sommerferien legt der Förderverein Büchnerhaus sein zweites Halbjahresprogramm 2018 vor und beginnt im August gleich mit vier Veranstaltungen.

Bitte nutzen Sie die Gelegenheit und tragen sich jetzt gleich unsere Termine ein; gerne dürfen Sie dieses Informationsmaterial weitergeben, gerne auch per Mail oder in sozialen Medien auf diesen Eintrag hinweisen! 

 

 

Hier findet sich das Programm als pdf zum Download – es eignet sich in dieser zweiseitigen Form auch als kleines Plakat zum Aushang, worum alle mit dieser Möglichkeit herzlich gebeten sind. Gedruckte Exemplare versenden wir gerne.

Für das Benefizkonzert unserer Freunde von Le Cairde aus Darmstadt am 12. August gibt es auch ein eigenes kleines Plakat, auch das hier to whom it may concvern als pdf. 

Spätestens seit der Umbenennung der Bus-Verbindungslinie vom Darmstädter Hauptbahnhof nach Riedstadt in „Büchnerlinie“ (hier der direkte link zum Fahrplan: günstige Verbindung ins Ried) lässt sich der Busanschluss übrigens nicht nur gut nutzen, sondern auch leichter finden!

Natürlich sind Fahrräder herzlich willkommen, und ein paar Autoparkplätze gibt es sogar im Hof des Büchnerhauses.

Die Ausstellung im Büchnerhaus ist regelmäßig Donnerstags und Sonntags geöffnet, außerdem öffnen wir das Museum eine Stunde vor den Veranstaltungen in der Galerie.

Also auf bald!

 

 

Peter Brunner Peter Brunner

11.7.2018

„Für das Land ist Georg Büchner ein sehr wichtiger Mann“

Am 9. Juli hat der hessische Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Patrick Burghardt, das Büchnerhaus besucht.

 

Männer vor Museumstür

vlnr: Museumsleiter Brunner, Bürgermeister Kretschmann, Staatssekretär Burghardt und Kulturamtsleiter Hardy

In der Reihe der Lobbygespräche, die der Riedstädter Bürgermeister Marcus Kretschmann, seit April auch Vorsitzender des Fördervereins Büchnerhaus, mit mir zusammen seit einem Jahr geführt hat, folgte er damit den Parlamentarier*innen, die wir als kulturpolitische Sprecher ihrer Fraktionen eingeladen hatten: Martina Feldmayer für die Grünen, Karin Wolff für die CDU und Gernot Grumbach für die SPD.

Seit über zwanzig Jahren betreibt der Förderverein Büchnerhaus die Ausstellung „Von Goddelau zur Weltbühne“, die im Geburtshaus des Dichters, Forschers und Revolutionärs Georg Büchner sein Leben und sein Werk schildert. In der angegliederten Galerie im ehemaligen Kuhstall des Anwesens finden Vorträge, Konzerte, Vernissagen und Diskussionsrunden statt, der Raum dient auch als Vortragsraum für Besuchergruppen und kann für Eheschließungen im sehr besonderen Umfeld des schönen Anwesens gemietet werden.

 

 

Bis auf Zuschüsse und Spenden zu einzelnen Aktivitäten sind Unterhalt und Betrieb des Museums stets alleine durch intensive Ehrenamtsarbeit und wirtschaftliche Unterstützung durch die Stadt Riedstadt (Büchners Geburtsort Goddelau ist ein Stadtteil Riedstadts) geleistet worden.

Die Gespräche hatten alle ein gemeinsames Ergebnis, das der Staatssekretär mit

 

„Für das Land ist Georg Büchner ein sehr wichtiger Mann“

 

knapp und prägnant zusammenfasste – Büchners Bedeutung ist heute auch in der Landespolitik völlig unumstritten, die Museumsarbeit wird geschätzt und anerkannt.

Schon um die aktuelle Arbeit fortzusetzen, muss diese Anerkennung Ausdruck in angemessener finanzieller Form finden, auch das war Tenor aller Gespräche. Dies gilt um so mehr, wenn die Wünsche und Pläne des Vereins realisiert werden sollen: mehr und angemessen honorierte Arbeit, weitere Öffnungszeiten (regelmäßig ist das Museum zur Zeit Donnerstags und Sonntags zwischen 14 und 18 Uhr geöffnet), mehr Besuche von Schulklassen, Reisegruppen und Individualtourismus, Intensivierung digitaler Aktivitäten, Ergänzung und Aktualisierung der Dauerausstellung, Ausbau der „Scheune“, des begonnenen Ergänzungsbaus auf dem Gelände, kontinuierliche Finanzierung der Veranstaltungen und Intensivierung der Kontakte mit Büchner-Aktivitäten in Deutschland und darüber hinaus, Katalogisierung, Ausbau und Ergänzung der Bibliothek, Arbeitsmöglichkeit für Forschende und Studierende, Betreuung und Edition von neuen und vergessenen Texten, zusätzliche Wechselausstellungen, Intensivierung der Marketingaktivitäten und so weiter und so fort.

Staatssekretär Burghardt hat die außergewöhnliche Ehrenamtsarbeit ausdrücklich gelobt – sie soll und wird ein wichtiger Baustein für das Museum bleiben.  Zur Förderung einzelner Aktivitäten sieht er zahlreiche Fördermöglichkeiten, die in den nächsten Monaten im Gespräch mit dem Verein aufgezeigt und genutzt werden können. Darüber hinaus hat er Bereitschaft gezeigt, auf Dauer eine regelmäßige, „institutionelle“ Förderung des Büchnerhauses durch das Land Hessen freundlich zu prüfen.

Es scheint, als wären die Zeiten vorbei, in denen der einzige authentische Erinnerungsort an Georg Büchner alleine zu Lasten des kleinen Vereins und der „Büchnerstadt” Riedstadt gehen. Dafür spricht nicht zuletzt das außergewöhnliche Presseecho, das der Besuch hatte. Neben der stets sehr hilfreichen  befreundeten Presse vor Ort hatten wir Berichte in der Frankfurt Rundschau und der Frankfurt Neuen Presse  sowie eine Meldung von bei dpa, und die wurde bundesweit zitiert. Vielen Dank an den Landesdienst Hessen von dpa und an alle aufmerksamen Feuilletonredakteur*innen, die das übernommen haben!

von Peter Brunner

Fotos: Anja Stark (Stadt Riedstadt)

 

Peter Brunner Peter Brunner

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