Neues aus Buechnerland Peter Brunners Buechnerblog

7.5.2015

Seh’n wir uns in Köln?

Die fabelhafte Büchnerbande stellt ihr Geschwisterprogramm auf Einladung des Bildungsbüro Köln im „Udmurtischen Blockhaus” des Georg-Simon-Ohm Berufskolleg vor:

 

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Samstag, 9. Mai, 18:30 Uhr
Udmurtisches Blockhaus im Georg-Simon-Ohm Berufskolleg
Westerwaldstr. 92

51105 Köln

Eintritt 15 €

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von Peter Brunner

19.7.2014

UtopiAmerika – Die Fabelhafte Büchnerbande goes west

Unser UtopiAmerika-Programm ist noch nicht fertig. Zum  Sommerfest der Luise Büchner-Gesellschaft am 27.7. präsentieren wir ein paar Ausschnitte aus unseren bisherigen Recherchen. Die musikalischen Leckerlis der großartigen Papa Legbas Blues Lounge bleiben vorerst den Gästen vorbehalten – kommen Sie doch vorbei!

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Die Fabelhafte Büchnerbande in Klein-Umstadt

Hier die ersten Sätze aus unserer neuen Revue: 

 

Das Sommerfest heute wollen wir nutzen, zu erklären, wie wir auf die Schnapsidee gekommen sind, die Büchners in Amerika zu suchen.

Von der Debatte über die Ziele der aufrührerischen Demokraten berichtet August Becker, der engste Vertraute Georg Büchners, nach dem Tod von Büchner und Weidig, in einem Verhör:

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August Becker im „Deutschen Pionier“, 1871 

 

Büchner meinte, in einer gerechten Republik, wie in den meisten nordamerikanischen Staaten, müsse jeder ohne Rücksicht auf Vermögensverhältnisse eine Stimme haben, … .

Am 3. März 1835, Georg Büchner hat seinen Danton beendet und bereitet seine Flucht vor, schreibt ihm Gutzkow aus Frankfurt:

„Nun scheint es aber, als hätten Sie große Eile. Wo wollen Sie hin? brennt es Ihnen wirklich an den Sohlen? Ich kann Alles hören, nur nicht, daß Sie nach Amerika gehen. Sie müssen sich in der Nähe halten, (Schweiz, Frankr.) wo Sie Ihre herrlichen Gaben in die deutsche Literatur hineinflechten können; denn Ihr Danton verräth einen tiefen Fond, in den viel hineingeht, u viel heraus, u das sollten Sie ernstlich bedenken.“

Amerika war ein Thema im Europa des 19. Jahrhunderts. August Becker, der uns weiter begleiten wird, ist 1853 ausgewandert. Schon 1830 hatte er darüber nachgedacht. Im „Deutschen Pionier“ einer in Amerika erscheinenden deutschsprachigen Zeitung, hat er 1869 berichtet, warum er zunächst blieb. …

 

 

Und ein Ausblick:

 

Was noch zu erzählen bleibt:
Das Schicksal der Gießener um Follen und Münch. Münchs Leben als Farmer, sein Kontakt mit dem Badener Revolutionär Hecker, ja, dem aus dem Hecker-Lied. Beide hatten mit Wein experimentiert, und als die Reblausplage den gesamten europäischen Weinbau in den Abgrund zu reißen droht, sind es diese zwei, die herausfinden, dass es amerikanische Reben gibt, die reblausresistent sind. Und bis heute sind alle europäischen Weinreben auf amerikanische Grundstöcke gepfropft und wir verdanken unseren Weingenuss den alten Kämpen!

Die Geschichte der Darmstädter Kolonisten in Texas, die als Kommunarden und als Landwirte scheiterten. Man nannte sie die Lateiner, weil sie in der Kartoffelkiste in der Küche zur Hälfte – Bücher lagerten. Und die Geschichte der Verträge, die dort mit den Indianern abgeschlossen wurden – die einzigen, die von beiden Seiten nie gebrochen wurden und bis heute mit einem alljährlichen „Pow-Wow gefeiert werden.

Georg Büchners Genossen, die Deutschland nach Amerika verließen – Minnigerode, der nur aus der Haft entkam, weil er versprach, auszuwandern. August Beckers Leben – vom Theologiestudenten zum Revolutionär zum Publizisten zum Landtagsabgeordneten zum Zirkusakrobaten zum Feldprediger zum Herausgeber deutscher Zeitungen, zuletzt in Cincinatti. Der Offenbacher Landbotendrucker Preller, der zwar nie nach Amerika ging, aber in Mainz ein Auswandererbüro betrieb.

Die beiden Söhne Johann Karl Büchners, Wilhelm und Herrmann, Cousins „unserer“ Geschwister, die als Arzt und Apotheker nach Amerika gingen. Mehrfach sind die beiden zu Besuch in Deutschland gewesen, und ständig wechselten Briefe den Atlantik. Hermanns Tochter Luise, „Lulu“ Büchner, kommt zurück nach Darmstadt und heiratet in die Familie Welcker ein.

Friedrich Büchner, ein andere Cousin, Pfarrer in Zwingenberg, der einen Märchenband mit amerikanischen Grenzergeschichten veröffentlicht.

Karl „Don Carlos“ Buss, badischer Revolutionär, gebürtig aus Friedberg, der 1849 Hals über Kopf aus Deutschland flieht, im texanischen Neu-Braunfels kaum genug zu Essen hat, Bettelbriefe nach Hause schreibt, schließlich knapp den Südstaatlern entkommt, die ihn auf Seite der Sklavenhalter zur Armee pressen wollen. In Mexiko wird er mit einem Sägewerk schwer reich, seine Kinder schickt er nach Darmstadt zur Schule. Dort heiratet sein Sohn Ludwig Büchners Tochter Mathilde, und den heute hochbetagten Enkel hat der Großvater als Cowboy mit dem Lasso eingefangen. Er hat es uns selbst erzählt.

Luise Büchners aufmerksamer Blick ins Land der Zukunft: ihr „Kleiner Vagabund“ wandert als Fotograf aus Zwingenberg nach New York aus, wird reich und berühmt und holt sich schließlich seine Jugendliebe von der Bergstraße. Luise Büchner hat auch aufmerksam die Berufschancen und die gesellschaftliche Stellung der Amerikanerinnen verfolgt.

Alexander Büchner, der 1851 in London mit Deutschen Exilanten, unter ihnen der spätere amerikanische Innenminister Carl Schurz, konferiert: das künftige, einige, republikanische Deutschland solle sich schleunigst mit den Vereinigten Staaten zusammenschließen. So dachte man sich mal die Weltrevolution.

Ludwig Büchner, der 1872 eine sensationelle Vortragsreise durch die USA macht: vor Hunderten von Zuhörern sprach er jeweils mehrere Stunden lang über den „Gottesbegriff“; natürlich in deutscher Sprache. In der „Gartenlaube“ hat er einen vierteiligen Reisebericht veröffentlicht, der alleine ein abendfüllendes Programm bietet.

Sie hören, es gibt noch viel zu erzählen aus dem Büchner’schen UtopiAmerika. Wir bleiben dran!

 

5.7.2014

„Du kennst meine Vorliebe für schöne Säle, Lichter und Menschen um mich …”

Die Luise Büchner-Gesellschaft freut sich,

zu ihrem Sommerfest am 27.7. in Pfungstadt einzuladen:

 

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Unter Verwendung eines Fotos aus dem Besitz der Familie Büchner. Es zeigt den Eingang zur Villa Büchner. Im Vordergrund Wilhelm Büchners Schwiegertochter Mary Büchner geb. von Ferber (1850 – 1925), die Mutter von Anton Büchner, der das Foto wahrscheinlich gemacht hat.  

 

Am 27.7. ab 17 Uhr wollen wir in der Tradition der Familie Büchner, die die „Sommerfrische in Pfungstadt”  oft und gern genossen hat, einen gemeinsamen Sommerabend verbringen.

Die Fabelhafte Büchnerbande spielt auf

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und Sabine Gündisch und ihre Belegschaft kümmern sich und Essen und Trinken.

Das Menü der Strud’l Stub’n:

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  • Mini- Mozzarella mit Kirschtomaten und frischem Basilikum
  • Kidney-Bohnensalat mit Mais Erdäpfel-Gurkensalat
  • Mediterraner Penne Rigatesalat
  • Blattsalate der Saison mit unserem „Strud‘l Stub‘n“ Balsamico-Honig-Senf Dressing
  • Franz. Weißbrot und Butter
  • Marinierte Schweinesteaks
  • Mini-Haxn
  • Hausmacher Bauern Bratwürstln
  • Folienkartoffeln mit Joghurt-Sauerrahm-Schnittlauch-Sauce
  • Gegrillter Kukuruz (Maiskolben) mit Butter
  • Versch. hausgemachte Grillsaucen
  • Strud‘l Variationen

 

Zum Sommerfest am 27. Juli bei der Villa Büchner, Pfungstadt, Uhlandstraße, 17 Uhr, können Sie sich telefonisch oder per E-mail anmelden: 06151 / 599 788 (Mo. + Do. 16 – 18 Uhr) oder per E-Mail an Ilse.Kuchemueller@t-online.de
Den Betrag von 20 € pro Person zahlen Sie bitte per Überweisung auf unser Konto IBAN DE45 5089 0000 0005 6730 20 BIC GENODEF1VB.

 

von Peter Brunner

11.4.2014

„… davon verstehen Frauenzimmer nichts!”

Am 11. April 1825 wurde Ferdinand Lassalle in Breslau geboren.

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Lassalle 1860. Foto von Philipp Graff (wikipedia)

 

Im Programm der „Fabelhaften Büchnerbande“ zitieren wir:

Ludwig Büchner spielte eine wichtige Rolle bei der Auseinandersetzung um die Ausrichtung der deutschen Arbeiterbewegung. Er wollte mit einem breiten Volksbündnis die Gesellschaft verändern, die Sozialdemokraten wollten alleine die Arbeiter organisieren. In seiner Broschüre „Meine Begegnung mit Ferdinand Lasssalle” schreibt Ludwig 1894 im Rückblick:

„Nichts könne der Reaktion erwünschter sein und uns mehr schaden, als eine Entzweiung von Bürgertum und Arbeiterstand im gegenwärtigen Augenblick. … Auch solle man sich nicht durch die Schlagworte „Sozialismus“ oder „Kommunismus“ ins Bockshorn jagen lassen, da diese Worte an und für sich gar keinen gefährlichen Sinn haben. Jeder Staat oder jede staatliche Gemeinschaft sei mehr oder weniger sozialistisch und kommunistisch, und es komme dabei nur auf das mehr oder weniger an. … In meinem Tagebuch vom fünfzehnten Mai 1863 finde ich folgende Aufzeichnung: „ … In der Unterhaltung selbst fiel es auf, dass Lassalle, der doch ein Apostel des „Volks“ sein wollte, sich sehr verächtlich über den „Mob“ äußerte und seinem Widerwillen darüber, dass er auf seinen Agitationsreisen mit jedem Arbeiter die schmutzige oder Schweißhand drücken müsse, sehr energischen Ausdruck gab. … Obgleich vollkommener Weltmann, ließ er sich doch hinreißen, die Regeln der Höflichkeit gegen Damen außer acht zu setzen, indem er meiner Schwester Luise, der Verfasserin von „Die Frauen und ihr Beruf“ , welche sich einmal in die Diskussion gemischt hatte, zurief: „davon verstehen Frauenzimmer nichts – ” und die vollständig eingeschüchterte Rednerin damit für den übrigen Teil des Tages mundtot machte. … ”

Lassalles Werke sind online hier zugänglich, sein „ehernes Lohngesetz“ ist längst wiederlegt. Und mindestens ein Fußnote ist es wert, dass es ein „Netzwerk der Korporierten in der SPD“  unter seinem Namen gibt, das sich u.a. so äußert: „Lassalles Herkunft ist bürgerliches Milieu, ein klares Bekenntnis dazu täte unserer Partei gut.“  Gemessen an Ludwig Büchners Erfahrungen bei der Bemühung um die Einheit der Opposition gegen Lassalle eine späte Einsicht.

 

von Peter Brunner

29.3.2014

„God’s word on horse’s back“- vor 143 Jahren starb August Becker

Am 26. März 1871, vor 143 Jahren, starb in Cincinnati, Ohio, der deutsche Revolutionär August Becker.

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Der Markierungsstein des Friedhofsbereiches zu Beckers Grab
(Foto: M. Breidenbaugh)

Beckers unglaubliches Leben steht im Schatten Georg Büchners, dessen Freund und Mitverschworener er 1833 in Gießen war. Von 1835 bis 1839 saß er für die Mitarbeit am „Hessischen Landboten“ im Gefängnis. Seine Aussagen im Umfeld der Demagogenverfolgung zeigen ihn als klug. umsichtig und loyal. Erst nach deren Tod sagt er über die Genossen Weidig und Büchner aus, und die Aufzeichnungen dazu lesen sich wie Solidaritätserklärungen. Es ist Becker, auf dessen Aussagen sich bis heute die meisten Analysen über die Urheberschaft des Landboten beziehen; von ihm wissen wir, dass Weidig Büchners Begriff „die Reichen“ durch „die Vornehmen“ ersetzen ließ.

1839 wandert er nach Zürich aus, gründet einen deutschen Handwerkerbildungsverein und kommt in Verbindung mit einem „Propheten“ des Arbeiterkommunismus, Wilhelm Weitling.Der Glockenklang der Revolution ruft ihn zurück nach Deutschland, am Tag der Aufhebung der Pressezensur, am 6. März 1848, erscheint in Gießen sein „Jüngster Tag“ – Georgs Brüder Alexander und Ludwig sind eifrige Textlieferanten.

Nach dem Scheitern der Revolution ist er von 1849 bis 1853 gewählter Angeordneter im Darmstädter Landtag – im 50. und 51. Landtag 1849/50 sitzt er neben dem nächsten Büchner – Wilhelm Büchner ist ebenfalls Abgeordneter in den „Revolutionslandtagen“.

 

1853 droht ihm eine Anklage wegen Gotteslästerung; er soll gesagt haben, eine weitere Haft in Hessen könne er nicht ertragen. Er wandert in die USA aus, ist von 1861 – 65  unter Steuben Feldprediger (!) mit dem schönen Beinamen „God’s word on horses back“. Bis zu seinem Tod arbeitet er als Zeitungsmann; in Baltimore, New York, Washington und schließlich Cincinnati ist er Herausgeber deutschsprachiger Zeitschriften.

Nach langen Bemühungen ist es mir gelungen, Bilder von seinem Grab zu beschaffen, und ich bin Margaret Breidenbaugh aus Cincinnati sehr dankbar für ihre großartige Unterstützung dabei.

 

 

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Grabstein August Beckers (17. August 1812 – 26. März 1871)
(Foto: M. Breidenbaugh)

August Becker wird im neuen Programm der Büchnerbande eine Rolle spielen. Gerade eben las ich einen Brief von Fritz Hecker, einer anderen deutschen Revolutionsikone, an ihn, in dem die Gründung des Deutschen Reiches in Versailles am 18. Januar 1871 sehr viel kritischer beschrieben wird als in den meisten zeitgenössischen Quellen.

Eduard Leyh, selbst Amerika-Auswanderer und Publizist, nennt Becker in der Gartenlaube (12/1875) seinen „alten Freund und Mentor“ und zitiert ihn mit einer spannenden These zur amerikanischen Nationalhymne:

„ … er meinte, eine so herrliche Melodie könne gar kein Amerikaner erfinden, dieselbe sei entschieden deutsch. Als Beweis führte er den Endreim eines hessischen Soldatenliedes an, welcher lautet:

 

„Unser Landgraf, der soll leben, und die Landgräfin daneben!
Hesse-Darmstädter sein mir, ja Hesse-Darmstädter sein mir.“

Becker argumentirte nun, daß die damals von ihren sauberen Fürsten an die Engländer verschacherten Hessen dieses Lied auf amerikanischem Boden häufig gesungen hätten und die Melodie hier von den Amerikanern aufgegriffen worden sei. Thatsächlich herrscht zwischen dem Liede der Darmstädter Patrioten und dem Endreime unserer Nationalhymne große Aehnlichkeit und ich war immer geneigt, Herrn Becker in diesem Punkte Recht zu geben;

 

 

von Peter Brunner

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