Neues aus Buechnerland Peter Brunners Buechnerblog

25.9.2017

„Ich bekomme halb das Heimweh, wenn ich mir eine Melodie summe…. ”*

Filed under: Büchner,Büchnerhaus,Georg Büchner,in eigener Sache,Regionales,Uncategorized — Schlagwörter: , , — peter brunner @ 08:59

„Der Büchnerschorsch, der Büchnerschorsch,

war nie in Golle Kerweborsch”

1607 wurde die Goddelauer Kirche geweiht, und das wird seit 410 Jahren als Kerb – Kirchweih – im Dorf gefeiert. Am 28. Oktober 1813 wurde hier Georg Büchner über dem bis heute erhaltenen Taufstein in der ebenfalls erhaltenen Taufschale getauft. Fremde, die sich auf den Weg machen, Büchners Geburtshaus zu besuchen, sind oft irritiert, weil sie entweder „Goddelau” auf der Landkarte nicht finden oder weil sie „Riedstadt“ angezeigt bekommen, wenn sie „Büchnerhaus” suchen. Das hat durchaus seine Ordnung und ist der hessischen Gebietsreform geschuldet, die aus fünf kleinen Riedgemeinden einen neuen Ort gemacht hat, der es seit einigen Jahren zum Attribut „Stadt” gebracht hat. Crumstadt, Erfelden, Leeheim, Goddelau, Wolfskehlen bilden seit 1977 die Gemeinde Riedstadt.

Regionalkundige wird es nicht wundern, dass das die traditionelle Eifersüchtelei zwischen nah beisamen gelegenen Ortschaften, insbesondere unter der jugendlich-männlichen Bevölkerung, durchaus nicht befriedet hat – die Stadtteile sind eifrig um die Wahrung ihrer je ganz eigenen Traditionen bemüht, während sich jahrhundertalte Uznamen, Kabbeleien und Eifersüchteleien erhalten.

Der oben zitierte Satz fiel während der Kerb in Erfelden, und wenn ich das richtig recherchiert habe, ist es eine Parodie auf einen Satz von Walter Renneisen, der in seinem Programm „Deutschland, Deine Hessen“ eben gerade behauptet hatte: „Der Büchnerschorsch, der Büchnerschorsch, der war in Golle Kerweborsch” (s.u.!) . Die Erfelder haben Recht: der Heranwachsende Georg Büchner, Gymnasiast des Pädagog zu Darmstadt, ist ganz bestimmt nicht mit den Goddelauer Bauernbuben zur Kerb um die Häuser gezogen. Allerdings sollten wir auch nicht ganz ausschließen, dass die Kirchweih für die Büchners Grund war, den Onkel, der als Arzt in Goddelau lebte, zu besuchen. Immerhin ist das das Datum, zu dem auch damals schon der traditionelle Quetschekuche  gegessen wurde, und der ist allemal ein guter Grund, zur Kerb ins hessische Ried zu kommen.

 

Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:77.Geburtstag_2016_(4).jpg#

 

Schön und bemerkenswert an dem witzigen Spruch scheint mir, dass es Georg Büchner in seiner Heimat ins Volkstümliche geschafft hat: auch wenn er nur kurz hier gelebt hat, so ist er doch für immer mit seinem Heimatort verbunden, sei es auch mit einer Persiflage, mit der im Nachbarort davor gewarnt wird, sich darauf allzu viel einzubilden.

Zur Goddelauer Kerb am Sonntag, dem 8. Oktober 2017,  bleibt das Museum traditionell geschlossen.

* Georg Büchner am 20. Januar 1837, kurz vor seinem Tod, an die Geliebte Minna

Nachtrag am 26.9.:

Gerade schreibt mir Klaus Lohr vom legendären Mundart-Duo „Bees denäwe”:

„ … das Zitat ist auf meinem geistigen Misthaufen gewachsen. Das hat auch nix mit der Eweller Kerb zu tun.

 Ich hatte früher bei meinen Auftritten erzählt, dass ich im Büchnerhaus in Golle einen Job als Fremdenführer machen wollte und dass die Herren und Damen vom Förderverein Zweifel an meinem Wissensstand gehabt hätten.

Da ich aber schon in der Schule Büchners gesamten Lebenslauf in Gedichtform niedergeschrieben hätte, habe ich versucht sie mit diesem Gedicht zu überzeugen. 

 Das Gedicht fing mit diesem Reim an ….. und es geht aber dann auch nicht weiter ….. weil mich der Förderverein schon nach diesen Zeilen entrüstet des Hauses verwiesen hätte.

 Dabei hatte ich doch recht: Denn der Büchner-Schorsch konnte nie in Golle Kerweborsch sein  — weil er (nach meinem Wissensstand) schon mit 3 Jahren nach Darmstadt gezogen ist …. da war er für einen Kerweborsch viel zu Jung. Viel zu jung zum Autoscooterfahren und zum Saufen.

Ich weiß nicht, wer dem Renneisen den Vers hat zukommen lassen. 

Bees denäwe ist immer noch das Kokolores-Dichtkunst-Original.“

Freut mich, dass so zur historisch-kritischen Quellensicherung beigetragen werden kann. An meiner Bemerkung zum Übergang ins Volkstümliche ändert das ja nichts, denn der Spruch fiel tatsächlich auf der Erfelder Kerb.

Und: Im Büchnerhaus wird niemand wegen kritischer Bemerkungen „des Hauses verwiesen”!

 

von Peter Brunner

 

Peter Brunner

Peter Brunner

13.6.2017

Barbara Beuys erhält den Luise Büchner-Preis für Publizistik 2017

Bei der Jahreshauptversammlung der Luise Büchner-Gesellschaft e.V. in Darmstadt am 12. Juni 2017 (Luise Büchners 196. Geburtstag),
hat die Vorsitzende, Frau Agnes Schmidt, die diesjährige Trägerin des Luise Büchner-Preises für Publizistik, Frau Dr. Barbara Beuys, vorgestellt.

Die Begründung der Preisvergabe an Frau Dr. Barbara Beuys durch die Jury lautet:

Barbara Beuys setzt sich seit vielen Jahren mit den ungewöhnlichen Lebenswegen von Frauen auseinander.

Die in Köln geborene Autorin studierte in ihrer Heimatstadt Geschichte, Philosophie und Soziologie und schloss ihr Studium mit der Promotion zum Dr. phil. ab. Sie begann ihre journalistische Tätigkeit beim Kölner Stadtanzeiger und ab 1971 war sie mehrere Jahre Redakteurin beim Stern. Ihre umfangreiche Studie über die Geschichte der Familie in Deutschland, erschienen 1980, wurde zu einem großen Erfolg. Die Autorin rechnet  in diesem Buch mit dem Klischee der heilen Familie ab und wirft einen damals gänzlich ungewohnten Blick auf das Verhältnis der Geschlechter im Lauf der Geschichte. Das Buch gilt auch heute noch als Grundlagenwerk der Familiensoziologie und wird immer wieder neu herausgegeben. Nach einigen weiteren Büchern, u. a. über den Widerstand im Dritten Reich und die Geschichte der Juden in Europa, veröffentlicht Barbara Beuys regelmäßig Biografien  außergewöhnlicher Frauen wie z. B. die von Hildegard von Bingen oder der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. Ihre Bücher über Sophie Scholl, Paula Modersohn-Becker oder ihre jüngsten Veröffentlichungen über die finnische Malerin Helene Schjerfbeck  und Maria Sibylla Merian gehören nicht nur zu den Glanzstücken biografischer Forschung, sondern sind auch so spannend geschrieben, dass sie stets ein breites Publikum erreichen.

Mit ihren fundierten historischen Arbeiten in journalistisch lebendiger Darstellung leistet Barbara Beuys einen wichtigen Beitrag zur Frauengeschichtsschreibung. Damit steht sie in der Tradition Luise Büchners, für die Schreiben und Reden über Geschichte ein wichtiger Teil ihrer publizistischen Arbeit war. Dies dient weiblicher Selbstvergewisserung ebenso wie dem Wissen darüber, dass Frauen einen unersetzlichen Anteil daran haben, Türen zum besseren Verständnis der Welt zu öffnen.

Der Luise-Büchner-Preis wird Frau Dr. Beuys am 26. November 2017 im Darmstädter Literaturhaus feierlich überreicht.

 

von Peter Brunner

Peter Brunner

Peter Brunner

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4.3.2017

Was ist neu im Büchnerhaus, Peter Brunner?

Filed under: Ausstellungen,Büchnerhaus,Georg Büchner,in eigener Sache,Publizistik — Schlagwörter: , , , — peter brunner @ 12:57

ist der Titel, den sich der Hessische Rundfunk für ein Gespräch mit mir im „Kulturfrühstück“ von hr 2 ausgedacht hat.

Ria Raphael erzähle ich am Sonntag, dem 5. März, frühmorgens um 9:05 Uhr, auch, warum es mir gar nicht um „Neues” geht und was es in Georg Büchners Geburtshaus zu besichtigen und zu erfahren gibt.

Nach der Ausstrahlung gibt es das Gespräch auch unter dem o.a. link zum Anhören.

Auf bald im Büchnerhaus! 

von Peter Brunner

Peter Brunner

Peter Brunner

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9.2.2017

… und ein groß Publikum mit so wenig Geschmack, als möglich.

… und bitte den lieben Gott um einen einfältigen Buchhändler und ein groß Publikum mit so wenig Geschmack, als möglich. Man braucht einmal zu vielerlei Dingen unter der Sonne Muth …..

Mit diesem – zugegeben nicht besonders werbekompatiblen – Büchnerzitat stellt sich eine neue Edition vor: mit der Edition Büchnerland haben sich Peter Brunner, Heiner Dieckman und Christian Suhr vorgenommen, neue oder vergriffene Texte verfügbar zu machen.
Als erster Band erscheint zu Georg Büchers 180. Todestag am 19. Februar die Wiederauflage von Kasimir Edschmids Büchner-Roman „Wenn es Rosen sind, werden sie blühen“.
Noch 2009 hat der verdienstvolle Büchner-Beobachter Dietmar Goltschnigg im ‚Büchner Handbuch‘ Edschmids Roman als ‚bedeutendstes belletristisches Werk der Nachkriegsjahre‘ zum Thema Büchner bezeichnet. Die gleichnamige Inszenierung der BüchnerBühne bringt den Text auf die Bühne, Helmut Herbst hat ihn unter dem Titel „eine deutsche revolution“ 1982 verfilmt.
Edschmid ist es gelungen, einen biographischen Roman über zwei Revolutionäre des 19. Jahrhunderts, Georg Büchner und Friedrich Weidig, als Lehrstück von Widerstand und Verfolgung, Flucht und politischem Terror zu schreiben, der bis heute lesenswert geblieben ist.
Hermann Schlösser, Edschmids Biograf, schreibt: „Wer diesen kunstvoll gestalteten, politisch verantwortungsvollen Roman heute liest, begibt sich also auf eine doppelte Zeitreise: Die erste führt in die dreißiger Jahre des 19., die zweite in die fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Denkt man diese beiden Zeitschichten ineinander, gewinnt man eine Vorstellung von der besonderen Qualität des Romans, der lange vergriffen war und nun erfreulicherweise wieder zugänglich gemacht wird.“


Am Sonntag, dem 19. Februar 2017, Georg Büchners 180. Todestag, stellen die drei Verleger das neue Buch bei einer Veranstaltung der Luise Büchner-Gesellschaft vor. Neben einem Editionsbericht „über die Herausgabe von Texten als book on demand“ und Informationen über künftige Verlagspläne wird Christian Suhr Passagen aus dem Theaterstück präsentieren.

Zur Neuherausgabe von Kasimir Edschmids Büchner/Weidig-Roman

„Wenn es Rosen sind, werden sie blühen“

Literaturhaus Darmstadt, Kasinostraße 3,

Sonntag, 19. Februar, 16 Uhr

Eintritt frei

von Peter Brunner

Peter Brunner

Peter Brunner

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5.2.2017

I’ll be there!

Filed under: Büchnerhaus,Georg Büchner,in eigener Sache — Schlagwörter: , , , , — peter brunner @ 17:22

Ab dem 15. Februar werde ich für das Büchnerhaus, das kleine Museum in Georg Büchners Geburtshaus mitten im Ried, als neuer Leiter arbeiten. Die höchst verdienstvolle Rotraud Pöllmann, die diese Aufgabe jahrzehntelang ehrenamtlich versehen hat, möchte sich – ich hoffe peu a peu und während sie ihre wertvolle Erfahrung teilt – ins Private zurückziehen.

Leiter im Garten

Mit der Moderation einer Matinee zum geplanten biographischen Roman über Georgs Büchners Schwester Luise, an dem die Darmstädter Künstlerin Iris Welker-Sturm arbeitet, durfte ich heute sozusagen mit einem soft opening antreten.

Ob und welche Folgen meine neue Beschäftigung für dieses Blog, meine Überlegungen zum Büchnerland und die Präsenz Georg Büchners in der Öffentlichkeit haben wird, bitte ich ganz besonders die treuen Besucherinnen des Geschwisterblog aufmerksam, kritisch und hilfreich zu begleiten.

Bei Gelegenheit mehr.

von Peter Brunner

Peter Brunner

Peter Brunner

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