Neues aus Buechnerland Peter Brunners Buechnerblog

18.8.2017

„Zuweilen flüchtet die Freiheit in den unterhöhlten Palast, und aus der Hütte tritt der neue Zwingherr“*

 

Fast 200 Jahre nach dem Erscheinen des Hessischen Landboten 1834 unter seiner berühmten Parole „Friede den Hütten, Krieg den Palästen“ bietet das Motto des Denkmalstages 2017 Gelegenheit, über Macht und Pracht, also über Herrschaft und ihre Repräsentation, nachzudenken.

Ist es wirklich so einfach, dass die Paläste für Unterdrückung und Beharrung und die Mietwohnungen im Hinterhof für Freiheit und Aufbruch stehen?

Wolfgang Koeppen hat schon 1962 zu bedenken gegeben, dass es eine gefährliche Vereinfachung ist, Freiheit und Recht stets auf der Seite der Armen, Ausbeutung und Terror stets auf der der „Vornehmen“ zu verorten.

„Zuweilen flüchtet die Freiheit in den unterhöhlten Palast,
und aus der Hütte tritt der neue Zwingherr“
(W. Koeppen in seiner Büchnerpreisrede 1962)

 

Das Büchnerhaus hat persönliche und politische Nachfahren der Protagonisten von 1834 eingeladen.

Britta Flinner, Magda Pillawa, Peter Soeder und Ludwig Steinmetz sind Ur- bzw. Ur-Ur-Enkel Ludwig Büchners, Friedgard Wyporek und Manfred Büchner Ur-Ur-Enkel Wilhelm Büchners, alle sind Großnichten und -neffen Georg Büchners. Diese Verwandtschaft hat sie alle begleitet und geprägt.

Reiner Christoph Friedrich von Hessen ist ein Cousin des 2013 verstorbenen Moritz Landgraf von Hessen aus dem Hause Hessen-Kassel, der 1960 durch Adoption auch Erbe des Darmstädter Fürstenhauses wurde. Durch seine Mutter ist Rainer von Hessen zudem ein Nachkomme Großherzog Ludwigs II., unter dessen Regentschaft Georg Büchner seine revolutionäre Flugschrift „Der Hessische Landbote“ verfasste und verbreiten ließ.

Reiner von Hessen beim Besuch im Büchnerhaus mit einem Faksimile des Hessischen Landboten

Thomas Will, Landrat des Landkreises Groß-Gerau und Aufsichtsratsvorsitzender der „KulturRegion FrankfurtRheinMain“ vertritt die die politische Verantwortung, die „Macht“ von heute.

Wir wollen mit ihnen über ihre Erfahrungen sprechen:

–          Steckt in ihnen noch der alte Widerspruch zwischen Palast und Hütte?

–          Spielt in ihrem Leben die Herkunft eine Rolle – und war das Fluch oder Segen?

–          Auf welcher Seite hätten sie 1834 gestanden?

–          Ist der Kampf um die Meinungsfreiheit gewonnen?Braucht sie heute Verteidigung oder Beschränkung?

Tatsächlich waren schon die Aktivisten des Hessischen Landboten um Friedrich Weidig keine „arme Leut“. Die Gegnerschaft zu den „Reichen“ strichen sie Georg Büchner aus dem Manuskript und ersetzten das Wort durch „die Vornehmen“. Über die Gegnerschaft zur herrschenden Aristokratie bestand Einigkeit, nicht aber über Georg Büchners Vorstellungen von Gleichheit und Gerechtigkeit. Der Hessische Landbote gehört in das Programm der Kämpfe für Presse- und Meinungsfreiheit: das Treffen auf der Badenburg, wo der Druck beschlossen wurde, diente der Koordination des „Oberhessischen Pressvereins“.

Das Museum ist am Tag des offenen Denkmals 2017, Sonntag, dem 10. September 2017, ab 11 Uhr vormittags bei freiem Eintritt geöffnet.

Das Gespräch findet nach Schließung des Museums um 18 Uhr in der Galerie am Büchnerhaus statt.

Falls Sie teilnehmen möchten, melden Sie sich bitte
per E-Mail (buechnerhaus@riedstadt.de) oder telefonisch (06158/4621) an!

 

von Peter Brunner

Peter Brunner

Peter Brunner

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21.6.2017

Die Gouda-Exkursion der Luise Büchner-Gesellschaft

Im Frühjahr war unter Anderem hier zur Sommerexkursion 2017 eingeladen worden, und am 14. 6. starteten 21 Teilnehmerinnen im komfortablen Bus, der planmäßig gegen 21 Uhr in Gouda eintraf.

Gouda erwies sich als ausnehmend hübsches, fast pittoreskes Städtchen, und die Lage des Hotels am Rand der Altstadt machte den Weg entlang von Grachten zum quirligen Marktplatz mit seinen Kneipen und Restaurants komfortabel kurz.

Gouda

Am nächsten Morgen trafen wir Paul Abels und besichtigten unter seiner fachkundigen Führung die Goudaer Hauptkirche Sint Jan, die im Wettbewerb der niederländischen Städte wegen des feuchten Baugrundes nicht die höchste des Landes werden konnte, dafür wurde sie aber die längste …

Bedeutend ist sie besonders wegen ihres wunderbaren, vollständig erhaltenen Fensterzyklus.

Sint Jan, Gouda. Jonas im Wal

Gouda, Sint Jan. Eingang zur ehemaligen Bibliothek

Nachmittags trafen wir Jan Gielkens, dessen kompetente und liebenswürdige Unterstützung bereits im Vorfeld ein Großteil des Programms angeregt und möglich gemacht hat. Gielkens ist Autor, Publizist, Übersetzer und Verleger, nebenbei betreibt er auch einen Buchversand. Auch den Kontakt zum Erasmus-Kenner Hans Trapman hat er hergestellt, der im Goudaer Museum eine großartige Einführung im Leben und Werk von Erasmus von Rotterdam gab. Beeindruckend schon deshalb, weil sein Vortrag vor der Bücherwand seiner eigenen „Handbibliothek“ mit hunderten von Titeln von und über Erasmus stattfand. Anhand der Einteilung der großen Werkausgabe erläuterte er Erasmus‘ universale Kenntnis und bedeutende Korrespondenz. (Zufällig fand ich gerade einen spannenden Beitrag zu Erasmus, der zwar mit unserer Reise nichts zu tun hat, aber sicher im Sinne von Hans Trapman auf den großen Humanisten – und sein Verhältnis zu Martin Luther – neugierig macht).

Hans Trapman, Jan Gielkens vor dem Erasmus-Portrait im Museum Gouda

Eigentlicher Anlass für Gouda als Reiseziel war ja Leben und Werk von Luise (und Georg) Büchners Verwandtschaft, besonders das dort sehr geschätzte Wirken von Wilhelm Büchner, dem Onkel der Geschwister Büchner (geb. in Reinheim 1780, gest. Gouda 1855).

Die Chirurgy Camer im Goudaer Museum

Büste für Wilhelm Büchner, „von seinen dankbaren Kindern und Freunden“

 

Unbek Künstler: Wilhelm Büchner. Museum Gouda

Büchner hat sich in Gouda mit Beiträgen zur Seuchenprävention und Stadthygiene bedeutende Verdienste erworben, wahrscheinlich ist es seiner Vorsorge zu verdanken, dass eine Cholera-Epidemie glimpflich verlief. Er hat tausende von Goudaer Kindern gegen die Pocken geimpft und das regelmäßige Spülen der Grachten veranlasst. Tatsächlich ist sein Andenken auch außerhalb des Museums präsent: unsere Stadtführerin, die erst beim Treffen von unseren besonderen Interessen erfuhr, beschrieb sich selbst als ehemalige Krankenschwester als glühende Verehrerin Wilhelm Büchners. Er hatte auch eine andere Büchnersche Eigenschaft, nämlich eine konsequente, gelegentlich starrsinnig wirkende Haltung in Fragen, die er für bedeutend hielt. So verließ er im Streit um seine Nachfolge den Goudaer Stadtrat.

Stadtführung in Gouda

Höhepunkt der Reise war der Besuch des Goudaer Büchnerhauses, tatsächlich an der Stelle des ehemaligen Wohnhauses von Wilhelm Büchner. Meine erfolgreiche Suche nach dem Haus habe ich hier im Blog ja ausführlich beschrieben. Durch die Vermittlung von Paul Abels wurden wir zu Vorträgen zur Familiengeschichte von ihm und Jan Gielkens sowie zur Enthüllung einer Erinnerungstafel eingeladen. Der großzügige, liebenswürdige und beeindruckend polyglotte Besitzer, Khalid Boutachekourt, hat uns mit überwältigender Gastfreundschaft als Freunde in seinem wunderschönen Haus begrüßt. Dies ist auch der Geburts- und Lebensort der beiden Pfungstädter Büchner-Frauen, Wilhelm Büchners Ehefrau Elisabeth Wilhelmine Friedrika Büchner (geb. in Gouda 1821, gest. in Pfungstadt 1908) und Mathilda Büchner (geb. 1852, allerdings in Amsterdam, gestorben ebenfalls 1908 in Darmstadt), verheiratet mit Wilhelms Sohn Ernst zwischen 1876 und 1884. Die Ehe wurde geschieden.

Alexander Büchner berichtet von den opulenten holländischen Frühstücken, die Elisabeth in Pfungstadt servierte, und auch wenn unser Hotelfrühstück eher mitteleuropäischer Standard war, zweifeln wir doch nicht daran, dass niederländische Gastfreundschaft überbordend sein kann.

Das Goudaer Büchnerhaus heute

Die neue Plakette am Büchnerhaus in Gouda. Foto von Paul Abels

Khalid Boutachekourt, der Eigentümer

Khalid Boutachekourt mit seiner Frau Linda Emmelkamp vor der neuen Plakette

Paul Abels, der in unmittelbarer Nähe des Büchnerhauses lebt, hatte die – offenbar sehr niederländische – Liebenswürdigkeit, uns in sein eigenes Wohnhaus einzuladen, wo wir vor Begeisterung für seine Bibliothek kaum wieder heraus zu bringen waren …

 

Gouda. Privatbibliothek von Paul Abels

Donnerstags besichtigten wir Rotterdam, die beeindruckend lebendige, dynamische Hafen- und Handelsstadt.

Markthalle Rotterdam

Niederländische Kolonialreminiszenz: ein paar Sambals in der Markthalle …

Erasmus von Rotterdam in Rotterdam

Rem Kohlhaas‘ Museum Rotterdam

Im Museum Boymans van Beuningen hatten wir eine sehr kompetente Führung zu den Hauptwerken dieses hervorragenden Kunstmuseums.

Jan van Eyck, Die drei Marien am Grab. Rotterdam, Museum Boymans van Beuningen

Zum Abend hatten wir auf Empfehlung von Jan Gielkens Britta Böhler eingeladen, die eigentlich ihr Buch über Thomas Manns Entscheidung vorstellen sollte, in dem es um die wenigen Tage geht, in denen Thomas Mann 1936 seinen berühmten Brief gegen den Nationalsozialismus schrieb. Widrige Umstände um den Versammlungsraum machten aber leider die nötige Intimität für eine Lesung unmöglich, und so bot sie souverän und als offensichtlich erfahrene Politikerin stattdessen eine höchst lebendige, anschauliche und illustrierende Einführung in Politik und Leben in den Niederlanden. Jan Gielkens moderierte und begleitete den Vortrag. Alle Beteiligten hoffen sehr, dass es gelingt, Britta Böhler jetzt auch zur Buchpräsentation nach Darmstadt und Jan Gielkens zu seinen Büchnerforschungen und Übersetzungen nach Goddelau einzuladen.

 

Britta Böhler

Samstags sahen wir mit Den Haag die dritte Variante einer niederländischen Stadt für uns, den Regierungssitz. Neben dem beschaulich-hübschen Gouda und dem brausend-schnellen Rotterdam hat mich Den Haag ein bisschen an Darmstadt erinnert, auch wenn es unvergleichlich mehr und besser erhaltene Bausubstanz gibt. Als Verwaltungszentrale hat es etwas von der Ruhe und Selbstsicherheit einer traditionsreichen Beamtenstadt.

Den Haag, Schloss

Und natürlich waren wir im Mauritshuis:

Mauritshuis, Den Haag: Vermeer mit Bewunderern

Für die Rückreise waren wir als Besuchergruppe in Haus Doorn, dem Exilort von Wilhelm II,  angemeldet, was die ausgewiesenen Republikanerinnen bereits im Vorfeld kritisch die Stirn runzeln ließ. Glücklicherweise war auch hier ein hochkompetenter Führer mit ausreichender Distanz zur Aristokratie eingesetzt, und wir waren uns einig darüber, dass die Niederlandes die Immobilie mit allem, was dazu gehörte, 1945 zu Recht als Reparation enteignet und in Staatsbesitz überführt haben. Allerdings darf die Überführung von 29 Waggons (!) mit „Privatbesitz“ des Ex-Kaisers unter der Ägide der Weimarer Republik durchaus kritisch gesehen werden.

Entgegen aller Überlegungen und „Theorien“ sogenannter „Reichsbürger“ ist der Kaiser übrigens nicht nur tot,

 

Doorn. Mausoleum Wilhelm II.

Haus Doorn. Sterbezimmer von Wilhelm II

er hat auch abgedankt

Abdankungsurkunde von Wilhelm II. Amerongen, 28.11.1918

 

Paul Abels hat in seinem Blog einen Bericht über unseren Besuch veröffentlicht, der findet sich hier.

Voraussichtlich wird die Luise Büchner-Gesellschaft auch 2018 eine Exkursion anbieten – Büchnerstätten gibt es noch zu Hauf, und wir waren gemeinsam bisher weder in Zürich noch in der Normandie …

 

von Peter Brunner

 

 

 

 

 

Peter Brunner

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16.5.2017

Der Zwingenberger Pfarrer Büchner träumt von Amerika

Als kleine Abschlussveranstaltung zum Museumstag am 21. Mai beim Büchnerhaus bin ich gebeten worden, meinen Vortrag über Georg Büchners Cousin Friedrich Büchner, den ich zum Tag der Literatur in Zwingenberg hielt, zu wiederholen. Dr. Eva Bambach hat hier im Mannheimer Morgen sehr freundlich darüber berichtet.

Das tue ich gerne, und ebenso gerne lade ich hier dazu ein:

„Der Zwingenberger Pfarrer Büchner träumt von Amerika”

Friedrich Büchner war ein Cousin des berühmten Georg Büchner

(1813 – 1837), Naturwissenschaftler, Schriftsteller und Revolutionär.

Friedrich Büchner (1826 – 1902) hatte sein vierjähriges evangelisches

Vikariat im benachbarten Bickenbach absolviert. Von 1858 bis 1869 wirkte

er als „Mitprediger und Lehrer“ in Zwingenberg. Drei seiner Kinder sind

auch in Zwingenberg geboren und wurden in der Bergkirche getauft.

Von 1869 – 1874 war Friedrich Büchner evangelischer Pfarrer im rheinhessischen

Horrweiler bei Bingen und danach Kreisschulinspektor und Schulrat in Gießen.

 

 

Peter Brunner wird die „Deutschen Märchen“ in der Lesung vorstellen:

Friedrich Büchner schildert die abenteuerlichen Erlebnisse einer Gruppe

deutscher Siedler im Wilden Westen Amerikas. Darin eingestreut sind die

von Friedrich Büchner verfassten Kunstmärchen, die sich die Gruppe in der

amerikanischen Wildnis erzählt.

 

Besuchen Sie am Sonntag, dem 21. Mai, bei freiem Eintritt zwischen 11 und 18 Uhr das Büchnerhaus in Riedstadt-Goddelau, Georg Büchners Geburtshaus, und kommen Sie um 18 Uhr in die dortige Kunstgalerie am Büchnerhaus zu dem kleinen Vortrag – auch dazu ist der Eintritt frei!

 

 

von Peter Brunner

Peter Brunner

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20.3.2017

Einladung zur Sommerexkursion

Filed under: Genealogie,Geschichte,Veranstaltung,Wilhelm Büchner,Zeitgenossen — Schlagwörter: , , — peter brunner @ 18:15

Immer mal wieder war hier schon die Rede vom holländischen Gouda, wo sich Verwandtschaft der Büchners niederließ, zuletzt hier über die Recherche nach dem Haus, in dem Wilhelm Büchner (*1780 in Reinheim, + 1855 in Gouda) mit seiner Familie wohnte und wo seine Tochter Elisabeth (*1821 in Gouda + 1908 in Pfungstadt), die später ihren Cousin Wilhelm heiratete und in Pfungstadt Hausherrin der Villa Büchner wurde, geboren wurde.

W. F. Büchner

Es hat sich nun ergeben, dass die Luise Büchner-Gesellschaft entschieden hat, ihre diesjährige Exkursion nach Gouda zu machen, und dafür ist ein spannendes Programm entstanden, das zu wichtigen Teilen zwei Niederländern zu verdanken ist. Paul Abels und Jan Gielkens  haben wunderbare Hinweise gegeben und Unterstützung angeboten, beide werden sich mit der Reisegruppe treffen und ihr Wissen weitergeben.

Hier ein Einblick in den vorläufiger Reiseplan (Änderungen vorbehalten)
für die Exkursion der Luise Büchner-Gesellschaft nach Gouda vom 14. bis 18. Juni 2017

Fahrt mit einem komfortablen Reisebus der Firma Brückmann, Darmstadt,
Unterbringung in Einzel- oder Doppelzimmern (incl. Frühstück) im Hotel Best Western Plus City Hotel Gouda. Stadtführungen, Moderation und Begleitung.

Mittwoch, 14. 6.
Anreise

Donnerstag, 15. 6.
vormittags Gouda. Besuch des Käsemarktes und Bummel durch die Innenstadt
mittags Altstadtführung in Gouda
anschl. Besuch des Hauses, in dem Dr. Wilhelm Büchner lebte
Jan Gielkens und Paul Abels über die Büchners in Gouda
Besuch des Museums Gouda
Vortrag von Hans Trapman über Erasmus von Rotterdam

Freitag, 16. 6.
Fahrt nach Rotterdam
Führung durch die Innenstadt
nachmittags Besuch des Museums Boymans van Beuningen
Begegnung mit der deutsch-niederländischen Autorin Britta Böhler

Samstag, 17. 6.
Fahrt nach Den Haag
Führung durch die Innenstadt
nachmittags Besuch des Museums Mauritshuis
Über Anna Barbara van Meerten-Schilperoort, Goudaer Frauenrechtlerin (1778 – 1853). Aktivistin für Bildung, Armenfürsorge und Gefangenenbetreuung

Sonntag, 18. 6.
Fahrt nach Doorn, Besichtigung von Schloss Doorn, dem Aufenthaltsort des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II
Heimreise
Ankunft in Darmstadt gegen 20 Uhr

 

Den Vereinsmitgliedern ist das vorläufige Reiseprogramm inzwischen zugegangen, die meisten der maximal 30 Plätze sind auch schon vergeben. Auf die wenigen Restplätze können sich Interessentinnen zum Preis von 754 € (Nicht-Mitglieder im im Einzelzimmer) bis 490 € (Mitglieder im Doppelzimmer) unter ilse.kuchemueller@t-online.de bewerben.
von Peter Brunner

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30.12.2016

Ein neues Bild Luise Büchners

Was würde sich in einem Blog, das sich meist dem Vergangenen widmet, zum Jahresende als Beitrag besser eignen als die Nachricht über ein verloren geglaubtes und wieder aufgefundenes Dokument? Schließlich ist keine Nachricht mehr Ansporn zu Forschung und Dokumentation als ein neuer Fund.

Jan-Christoph Hauschild hat mich kürzlich darauf aufmerksam gemacht, dass die Österreichische Nationalbibliothek einen ganzen Batzen neuer Digitalisate online gestellt hat, und dass er da gleich drei Büchner-Bilder gefunden hat.

 

Zwei davon sind bekannt und bereits an verschiedenen Stellen veröffentlicht:

Ludwig Büchner s/w Negativ Glasplatte des Portraits von Hermann Heid. Nach 1875. ÖNB NB 519649-B

 

 

Wilhelm Friedrich Büchner (1780 – 1855), der Goudaer Onkel der Geschwister Büchner und, als Vater von Elisabeth Büchner, der Schwiegervater Wilhelm Büchners Lithographie. Re. unten gez. H. J. Backer ÖNB PORT_00025595_01

 

Ein drittes allerdings ist ein regelrechtes Weihnachtsgeschenk gewesen und verschafft uns endlich ein weiteres gesichertes Portrait:

 

„Luise Büchner. Porträt in reiferen Jahren.“ Emilie Bieber. ÖNB Pf 16670:B (1)

 

 

Luise Büchner. Bekannte und vielfach veröffentlichte Grafik. Offenbar nach der jetzt aufgefundenen Fotografie. Hess. Staatsarchiv

 

Auf der Suche nach der Provenienz des Bildes hat die ÖNB höchst freundlich und sensationell schnell – noch am gleichen Tag – geantwortet. Mathias Böhm vom Bildarchiv schrieb mir: „Informationen zur Provenienz liegt uns nur folgende vor: 01.08.1947 von Graf Danholovsky (als Teil seiner Sammlung) übernommen.” und übermittelte einen Scan der Bildrückseite:

 

 

Rückseite der o.a. Fotografie mit versch. Vermerken. „16.670″ ist leider kein Datum, sondern die ÖNB-Signatur

 

Über Herrn von Danholovsky und seine Sammlung konnte ich nichts in Erfahrung bringen. Ein paar Details zum Foto allerdings konnte ich mit Hilfe von Klaus Niermann aus Hamburg, der den Nachlass der Fotografendynastie Bieber verwaltet, inzwischen klären. Leider widersprach er meiner Vermutung, dass das Foto von einer Glasplatte gefertigt wurde, die Luise Büchner ganz abbildete – offenbar war es üblich, solche Visitenkartenfotos mit einem Filter aufzunehmen, der nur die Mitte des Portraits abbildete. Auch meine Hoffnung, das Negativ könne sich finden, konnte er nicht bestärken.  Mit Staunen lernte ich die Fotografin kennen – Emilie Bieber war eine selbständige, ledige Unternehmerin, die ihr Atelier zunächst zusammen mit einer Freundin gründete und dann jahrzehntelang erfolgreich und prämiert führte. 1877, nach 25 Jahren Tätigkeit, beschäftigte sie 30 Angestellte.

Agnes Schmidt weiß von einem längeren Hamburg-Aufenthalt. In einem ausführlichen Brief vom 26. Oktober 1873 schreibt Luise Büchner an Karl Gutzkow, dass sie „auf dem Hammerdeich .. bei Frau Wüstenfeld“ wohnte.  Der bedeutenden Hamburgerin hat wikipedia nur einen bescheidenen Eintrag gewidmet, etwas ausführlicher finden sich Informationen über sie, die zahlreiche Parallelen zum Leben und zur Arbeit Luise Büchners aufweisen, auf der website der nach ihr benannten Schule. Während dieses monatelangen Aufenthaltes traf Luise Büchner im Juli 1873 an der Ostsee auch die Schwester der Darmstädter Prinzessin Alice, die spätere Kaiserin Friedrich, Victoria von Großbrittanien und Irland, und ihren Mann, den späteren unglücklichen 99-Tage Kaiser, und im August war sie für drei Wochen auf Föhr.

Es steht außer Frage, dass  das jetzt neu gefundene Bild während dieser Zeit angefertigt wurde; das Bieber’sche Atelier war seit 1868 in den Räumlichkeiten am Neuen Jungfernstieg, die auf dem Foto als Adresse angegeben sind.

Kleiner Nachtrag: 

Agnes Schmidt schickt mir noch ein Zitat aus Luise Büchners Ratgeber für heranwachsende Mädchen („Über weibliche Berufsarten“):

„Was die Photographie anbelangt, so ist schon bekannt, dass sie sehr wohl durch Frauen ausgeführt werden kann und gibt es, namentlich in Norddeutschland sehr tüchtige Photographinnen. Sehr gesucht sind überdies Damen, welche Geschicklichkeit im Retouchieren besitzen. Wir machen auf diesen Zweig ganz besonders aufmerksam, denn es ist Tatsache, dass viele Photographen oft in Verlegenheit sind, weibliche Hilfe dafür zu finden”

 

 

von Peter Brunner

Peter Brunner

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