Neues aus Buechnerland Peter Brunners Buechnerblog

9.2.2017

… und ein groß Publikum mit so wenig Geschmack, als möglich.

… und bitte den lieben Gott um einen einfältigen Buchhändler und ein groß Publikum mit so wenig Geschmack, als möglich. Man braucht einmal zu vielerlei Dingen unter der Sonne Muth …..

Mit diesem – zugegeben nicht besonders werbekompatiblen – Büchnerzitat stellt sich eine neue Edition vor: mit der Edition Büchnerland haben sich Peter Brunner, Heiner Dieckman und Christian Suhr vorgenommen, neue oder vergriffene Texte verfügbar zu machen.
Als erster Band erscheint zu Georg Büchers 180. Todestag am 19. Februar die Wiederauflage von Kasimir Edschmids Büchner-Roman „Wenn es Rosen sind, werden sie blühen“.
Noch 2009 hat der verdienstvolle Büchner-Beobachter Dietmar Goltschnigg im ‚Büchner Handbuch‘ Edschmids Roman als ‚bedeutendstes belletristisches Werk der Nachkriegsjahre‘ zum Thema Büchner bezeichnet. Die gleichnamige Inszenierung der BüchnerBühne bringt den Text auf die Bühne, Helmut Herbst hat ihn unter dem Titel „eine deutsche revolution“ 1982 verfilmt.
Edschmid ist es gelungen, einen biographischen Roman über zwei Revolutionäre des 19. Jahrhunderts, Georg Büchner und Friedrich Weidig, als Lehrstück von Widerstand und Verfolgung, Flucht und politischem Terror zu schreiben, der bis heute lesenswert geblieben ist.
Hermann Schlösser, Edschmids Biograf, schreibt: „Wer diesen kunstvoll gestalteten, politisch verantwortungsvollen Roman heute liest, begibt sich also auf eine doppelte Zeitreise: Die erste führt in die dreißiger Jahre des 19., die zweite in die fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Denkt man diese beiden Zeitschichten ineinander, gewinnt man eine Vorstellung von der besonderen Qualität des Romans, der lange vergriffen war und nun erfreulicherweise wieder zugänglich gemacht wird.“


Am Sonntag, dem 19. Februar 2017, Georg Büchners 180. Todestag, stellen die drei Verleger das neue Buch bei einer Veranstaltung der Luise Büchner-Gesellschaft vor. Neben einem Editionsbericht „über die Herausgabe von Texten als book on demand“ und Informationen über künftige Verlagspläne wird Christian Suhr Passagen aus dem Theaterstück präsentieren.

Zur Neuherausgabe von Kasimir Edschmids Büchner/Weidig-Roman

„Wenn es Rosen sind, werden sie blühen“

Literaturhaus Darmstadt, Kasinostraße 3,

Sonntag, 19. Februar, 16 Uhr

Eintritt frei

von Peter Brunner

Peter Brunner

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5.2.2017

I’ll be there!

Filed under: Büchnerhaus,Georg Büchner,in eigener Sache — Schlagwörter: , , , , — peter brunner @ 17:22

Ab dem 15. Februar werde ich für das Büchnerhaus, das kleine Museum in Georg Büchners Geburtshaus mitten im Ried, als neuer Leiter arbeiten. Die höchst verdienstvolle Rotraud Pöllmann, die diese Aufgabe jahrzehntelang ehrenamtlich versehen hat, möchte sich – ich hoffe peu a peu und während sie ihre wertvolle Erfahrung teilt – ins Private zurückziehen.

Leiter im Garten

Mit der Moderation einer Matinee zum geplanten biographischen Roman über Georgs Büchners Schwester Luise, an dem die Darmstädter Künstlerin Iris Welker-Sturm arbeitet, durfte ich heute sozusagen mit einem soft opening antreten.

Ob und welche Folgen meine neue Beschäftigung für dieses Blog, meine Überlegungen zum Büchnerland und die Präsenz Georg Büchners in der Öffentlichkeit haben wird, bitte ich ganz besonders die treuen Besucherinnen des Geschwisterblog aufmerksam, kritisch und hilfreich zu begleiten.

Bei Gelegenheit mehr.

von Peter Brunner

Peter Brunner

Peter Brunner

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13.12.2016

Zum Landboten bitte hier entlang

Ausnahmsweise gibt es hier statt des Beitrages nur einen link – für ihr Blogevent #MeinKlassiker habe ich Birgit Böllinger für Sätze und Schätze einen Beitrag über den Hessischen Landboten geschrieben. Zu ihrem Blog schreibt sie:

 „ … seit 2013 finden sich unter dem Titel „Sätze&Schätze“ die literarischen Sätze und Schätze, die sich in einem Leserleben ansammeln: Schwerpunkte liegen auf der Literatur der Weimarer Republik, nordamerikanischen Autoren sowie zeitgenössischer deutschsprachiger Literatur. Ab und an werden literarische Orte vorgestellt und Kunst geschaut, weil Lesen eben doch nicht alles ist…
Der Blog ist ein reines Freizeitvergnügen von Birgit Böllinger, Jahrgang 1966, im Hauptberuf Pressesprecherin einer Gebietskörperschaft in Bayern. Regelmäßig bringen auch Gastautoren frischen Wind und neue Ansätze auf die Seite, die sich mit Lust&Leidenschaft Sätzen&Schätzen der Literatur verschrieben hat.”

Die entstandene Reihe (sie schreibt ganz zu Recht, dass das ein Adventskalender hätte werden können …) ist auf charmante Art illuster und individuell – sowohl was die vorgestellten Texte wie was die Persönlichkeiten der Beitragenden angeht. Ich freue mich also sehr, wenn Sie jetzt erst meinen Beitrag

#MeinKlassiker (22): Für Peter Brunner ist das #MeinBüchner

und dann auch alle anderen lesen!

Übrigens ist es ganz einfach, diesen Blog, Birgits „Sätze und Schätze“ und auch fast alle anderen, für die sich das lohnt, nicht aus den Augen zu verlieren: Blogs lassen sich (sehr gerne) abonnieren; meist mittels Anmeldung, die hier bspw. rechts unter „Registrieren“. Dann kommt nach jedem neuen Beitrag eine Erinnerungs-Mail. Das kostet und verpflichtet zu nichts!

 

von Peter Brunner

Peter Brunner

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8.11.2016

„Ich bin der Hund, dem Woyzeck auf den Hut geholfen hat”

Filed under: Darmstadt,Georg Büchner — Schlagwörter: — peter brunner @ 18:23

Die Dankrede Marcel Beyers zum Büchnerpreis von 2016 steht auf der website der Akademie für Sprache und Dichtung zur Verfügung.

Zum Einstieg nutzt Beyer, der Büchner und sein Umfeld offenbar gründlich studiert hat, den Bericht von Ernst Büchner über einen Fall von Tollwut, der ihm 1808 in Holland begegnet war und über den er 1826 berichtete: „Ein decidirter Fall von Wasserscheu als Folge des Bisses eines tollen Hundes, nebst beigefügtem Fall einer zweifelhaft gebliebenen Rabies ohne darauffolgende Wasserscheu“* (. Dass bei Dr. Büchner dabei aus dem holländischen Örtchen Honselersdijk**  in Büchners Erinnerung Hondshollerdyk wird, hält Beyer nicht für Zufall:

Ein Arzt erinnert sich an einen Hundevorfall im holländischen Hondshollerdyk. Eine krude, alle Vorstellungskraft sprengende Mischbildung aus Hund und Holunder und ausgehöhltem Deich, nach der man auf der Landkarte vergeblich suchen würde. Tatsächlich existiert sie, ein Schreib-, ein Hör-, ein Erinnerungsfehler, allein in Büchners Bericht.

Für Beyer gibt es einen direkten Weg von den Erfahrungen des Vaters zum Schreiben des Sohnes: den vielleicht ersten literarisch zu nennende Versuch des jungen Georg Büchner, die Verhohnepiepelung von Schillers in hohem Ton gedichteten „Graf Eberhard der Greiner“ in Darmstädter Gassenton (den auf meine Anregung hin der Walter Renneisen einst in Pfungstadt „uraufführte“***), nennt er – Pathologie.

Die Rede lohnt das gründliche Lesen, auch die Büchnerforschung mit ihren Disputen ist Beyer präsent:

Noch in den achtziger Jahren streiten sich Büchnerforscher, aus der sexuellen Revolution gestählt hervorgegangen, was da genau passiert sein soll, wenn Woyzeck erzählt, er habe einem Hund auf einen Hut geholfen. Mit stoischem Ernst zieht man Auskünfte über die maximale Größe zeitgenössischer Zylinderhüte heran. Am Ende lautet der bündigste Vorschlag: Selbst wenn im Manuskript ohne jeden Zweifel das Wort »Hut« zu entziffern sei, habe der Autor ohne jeden Zweifel das Wort »Hund« hinschreiben wollen. Woyzeck könne nur einem sehr kleinen Hund auf einen sehr großen Hund geholfen haben. … Vielleicht wird sich eines Tages ein in Ferkeldeutsch beschlagener Philologe über die gestrichenen Woyzecksätze beugen und im Manuskript statt einem »Hundele« doch noch ein »Hunderl« entdecken – die im Rotwelschen geläufige, liebevolle Bezeichnung für das weibliche Geschlecht.” 

In Marcel Beyer hat nicht nur der Büchnerpreis einen würdigen Träger, sondern auch der Büchner-Diskurs einen klugen Beiträger gefunden.

* in: Jahrb. der teutsch. Medic. und Chir. oder Rheinisch. Jahrb., 1826

** der link führt zum niederländischen Eintrag in wikipedia, einen deutschen Eintrag dazu gibt es nicht. Den Hinweis darauf verdanke ich Jan Gielkens 

*** den einzigen verbliebenen Belag dafür fand ich bei Henry Poschmanns „Mitteilungen“ vom September 2005

von Peter Brunner

Peter Brunner

Peter Brunner

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16.10.2016

Eine Geburtstagstorte für Georg Büchner

Filed under: Büchner,Darmstadt,Essen und Trinken,Georg Büchner — Schlagwörter: , , — peter brunner @ 15:20

Am Vorabend des 17. Oktober wird es im Büchnerschen Haushalt stets ein wenig turbulenter als ohnehin schon zugegangen sein: der Geburtstag des Ältesten stand bevor. Leider wissen wir weder von Geschenk- noch von anderen Sitten der Familie zu Geburtstagsfesten; Luise und Alexander Büchner lassen allerdings in ihren Erinnerungen die Vermutung zu, dass gerne und fröhlich gefeiert wurde.

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Die Büchner-Zeichnung Alexis Muston’s . Heute im Freien Deutschen Hochstift, Frankfurt a.M.

Zu Georg Büchners 203. Geburtstag hier also ein Tortenrezept aus dem Darmstädter Kochbuch „Supp, Gemüs und Fleisch“, das mit seinen zahlreichen Ausgaben seit 1854 (hier zitiert aus der 18. unveränderten Ausgabe von 1872; digitalisiert von der Sächsischen Landesbibliothek) über die Zeit ein guter Indikator für die hiesigen Ernährungsgewohnheiten der besseren Leute bietet:

titel_suppgemuesunfleisch_1872

Baumtorte

Man nimmt ein Pfund Butter, läßt sie schmelzen und kalt werden, reibt sie dann beständig nach einer Seite, bis sie wie Pomade geworden, rührt dann 16 Eigelb dazu und fährt mit dem Rühren wohl ¾ Stunden fort, weil diese Arbeit hauptsächlich zum Gelingen beiträgt. Nach dem Eigelb folgt 1 Pfund fein geriebener Zucker, dann die abgeriebene Schale von 1 Citrone, etwas Muskatblume oder Nuß. 8 Eiweiß werden zu recht steifem Schnee geschlagen, die andere Hälfte läßt man weg. Dann wird von einem Pfund Kraftmehl abwechselnd ein Löffel voll Mehl, ein Löffel voll Schnee eingerührt, bis alles wohl untereinander vermischt ist; man kann auch den Schnee zuletzt darunter rühren. Dann streicht man schnelle eine glatte runde Form mit Butter aus, schöpft mit einem Vorlagelöffel von der Masse 2 Messerrücken dick hinein, setzt die Form in eine zuvor geheizte Tortenpfanne, legt unten wenig, oben aber mehr Kohlen darauf und läßt es gelblich backen. Hieruaf nimmt man in Zucker eingemachte Kirschen, legt solche dünne ein, dann wieder soviel Teig, wie das erstemal, läßt ihn ebenso gelb werden. Legt dann eine andere Sorte Eingemachtes, als Himbeeren u.s.w. darauf und so abwechselnd mit dem Teige und dem Eingemachten fortgefahren, bis die Form ganz gefüllt ist. Oben darauf muß Teig sein. Man muß sich bemühen, die Schichten recht gleich zu liefern, damit nicht eine stärker als die andere ist. Zum Belegen kann man sich alles mit Zucker Eingemachten bedienen, saurer Eingemachtes passt nicht hierzu. Nach Belieben kann man nachher einen Guß darüber anfertigen, wenn sie etwas verkühlt ist. Auch muß bei dem Feuer eine gehörige Vorsicht angewendet werden.

Mit Backen halbwegs Vertrauten werden neben den Mengen (16 Eier ..) auch die Schwierigkeit der Zubereitung und die jahreszeitliche Einordnung auffallen: eine Torte mit Obst in Schichten im Kohleherd zuzubereiten, ohne dass die unteren Lagen verbrennen, hat eine höchst erfahrene Küchenkraft zur Voraussetzung; und wann wenn nicht im Oktober sollten verschiedene eingemachte Früchte verarbeitet werden – es musste ja Platz für das neu Eingemachte geschaffen werden.

Freuen wir uns also über immerhin den Fortschritt der Küchentechnologie und vergessen wir auch an Georg Büchners Geburtstag nicht die zahlreichen anderen Umstände, deren Fortschritt noch weniger erfreuliche Zustände erreicht hat.

von

Peter Brunner

Peter Brunner

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