Neues aus Buechnerland Peter Brunners Buechnerblog

31.8.2015

Ein Schmuckstück mehr in Reinheim

Filed under: Büchner,Genealogie,Geschichte — Schlagwörter: — peter brunner @ 13:42

Ich komme gerade von einer sehr spannenden Baustellenbesichtigung in Reinheim (hier habe ich schon über die Bauarbeiten berichtet), wo mich Bauherr und Bauleiter der Sanierung des „Doktorhäuschens” sehr freundlich begleitet und informiert haben.

Das Haus, das inzwischen von zahlreichen Schichten und Versch/a/i/ndelungen befreit wurde, stellt ein paar spannende Rätsel, während sich mir endlich eine alte Frage geklärt hat.

Ich habe ja kürzlich schon Ernst Büchners Foto des Hauses hier gezeigt, aber ich wusste nicht, wie diese Ansicht zu dem heutigen Bestand passt. Das ist jetzt geklärt; der Zimmermann Roger Tietz hat es natürlich gleich gesehen: das Foto zeigt die Hofseite des Hauses mit einem richtigen, eineinhalb-geschossigen Giebel, der inzwischen verloren ist.Hier der tatsächlich fast exakt gleiche Blick auf das Haus von der Hofseite aus:

 

Buchnerhaeuser_PBrunner_07                            Reinheim_Buchnerhaus_Hofansicht_2015

 

Das Haus ist wohl schon kurz nach seiner Erbauung deutlich verändert und vergrößert worden; die Entfernung der Schindeln an der Strassenseite hat einen Eingang enthüllt, der später verschlossen wurde, vor allem aber eine Anstückung als Erweiterung und Umbau. Vielleicht gab es zunächst eine Art offene Halle zu Straße hin; das passt aber weder zu dem eher kleinen Haus noch zu den Verwendungen eines Arztes im 18. Jahrhundert. Wenn der Zimmermann recht behält, und für mich spricht alles dafür, dann hat dieser Umbau ganz kurz nach der Errichtung des eigentlich kleineren Hauses, vielleicht nicht einmal zwanzig Jahre später, stattgefunden. Eine dendrochronolgische Untersuchung soll jetzt Klarheit über die Abfolge der Bauabschnitte bringen.

Schön, dass alle Beteiligten so aktiv an der Enthüllung der Geheimnisse und der Herstellung eines städtebaulichen Schmuckstückes beteiligt sind – und noch einmal ein besonderes Lob für den Bauherrn, der sich von dem alten hessischen Sinnspruch „Wer viel Geld hot un is dumm, kaaft e old Haus un baut’s um” nicht schrecken ließ!

SPeterBrunner

von Peter Brunner

27.8.2015

„ … ein richtiges warmes Nest”

Filed under: Büchner,Genealogie,Georg Büchner,Geschichte,Zeitgen — Schlagwörter: , , , , — peter brunner @ 16:01

Gute Nachrichten berichtet heute das Darmstädter Echo aus Reinheim: dort hat Karl-Dieter Hessel das „Doktorhaus“ gekauft und wird es denkmalgerecht sanieren. Hessel hat bereits das nahe gelegene Kalb’sche Haus saniert und betreibt dort im „ältesten Fachwerkhaus Reinheims” ein „gemütliches Restaurant mit deutsch-spanischer Küche”. Im Büchnerhaus plant er „eine kleine Pension“.

Das Haus, in dem Georg Büchners Großvater Georg Philipp Büchner (1726 – 1794) und später sein Onkel Johann Jakob (1753 – 1835) praktizierte, war in den letzten Jahrzehnten unter einer hässlichen Verschindelung verborgen. Auch das Hinweisschild auf die bedeutenden Bewohner war in die Jahre gekommen.

Buchnerhaeuser_PBrunner_02

Das Reinheimer Doktorhäuschen 2012

 

 

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Gedenktafel am Reinheimer Doktorhäuschen. 2012

In dem Haus praktizierte dann noch Johann Karl Büchner (1791 – 1858). Dessen Tochter Rosalie (1830 – 1904) heiratete Ferdinand Welcker, und deren Sohn Wilhelm Welcker hat in einer großen Genealogie der Welckers  eine schöne Erinnerung an das Häuschen hinterlassen:

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Das Reinheimer Doktorhaus. Foto von Ernst Büchner, Wilhelm Büchners Sohn. Ca. 1900

Das Reinheimer Dok­torhäuschen erschien uns Kindern nach meiner Mutter und Tante Minchens Erzählungen als ein richtiges warmes Nest, das auch warmherzige Menschen beherbergte. Wohnten die Großeltern Welcker auf Schloß Lich­tenberg in riesigen Zimmern hinter dicken Mauern, so war das Doktorhäuschen in Reinheim ein richtiges Bau­ernhaus, leicht in Fachwerk gebaut mit einem Erdgeschoß und einem Obergeschoß, beide niedrig mit kleinen Fenstern, die Dachtraufe nach der Straße zu gekehrt. Bei dem Wohnhaus ein kleiner Oekonomiehof und dahin­ter der Hausgarten. Zu dieser kleinen Bauernwirtschaft gehörte einiges Feld, das die Familie mit Knecht und Magd bebaute. Pferd und Wagen mußten wegen der Besuche in den umliegenden Ortschaften gehalten werden. In diesem bäuerlichen Rahmen spielte sich die Jugend meines Vaters ab.

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„Büchnerhaus in Reinheim“ Fotograf und Quelle unbekannt

Es ist ziemlich sicher, dass die Darmstädter Büchnergeschwister zu Gast in diesem Haus bei ihrem Onkel gewesen sind und dort auch einen Einblick in die Odenwälder Bauernwirtschaft hatten. Wenn es auch keinen definitiven Beleg gibt, so ist doch nahezu sicher, dass jetzt nach dem Geburtshaus Georg Büchners in Goddelau-Riedstadt und der Hofapotheke in Zwingenberg ein weiterer Ort saniert und erhalten bleibt, an dem sich Georg Büchner aufgehalten hat. Mit einer Inflation von Hinweisschildern à la „Hier lebte/schrieb/malte/traf … Goethe … ” ist dennoch nicht zu rechnen.

SPeterBrunner

von Peter Brunner

2.8.2015

2. August 1816 – Wilhelm Büchner wird in Stockstadt geboren

Am 2. August 1816 wurde in Stockstadt am Rhein das dritte Kind von Caroline und Ernst Büchner geboren – der Sohn Wilhelm Ludwig.

Aus Familienbesitz hier eine spätere Abschrift seiner Geburtsurkunde, 1844, vielleicht anlässlich seiner Hochzeit (am 27.2.1845 in Gouda), erstellt.

 

Wilhelm_Geburtsurkunde_1816_1844

 

Auszug

aus dem Geburtsprotokoll der Pfarrey Stockstadt
vom Jahr 1816

Im Jahre Christi achtzehnhundertundsechzehn den zweyten
August Morgens um Vier Uhr wurde nach glaubhafter An-
zeige dem Herrn Ernst Büchner Doctor allhier und seiner
Ehefrau Caroline, einer geborenen Reuß, das dritte Kind geboren,
ein Sohn, der zweyte und den achtzehnten getauft, wo er die
Namen Wilhelm Ludwig erhielt.

Gevatter waren:
Herr Wilhelm Büchner Dr. Medicinae und Herr Ludwig Büchner,
Militair-Chirurg, welche gegenwärtiges Protokoll nebst dem Vater
und mir dem Pfarrer, der die Taufe verrichtet, unterschrieben haben.

In Abwesenheit des Hrn. (?) Dr. Buechner zu Gouda in Holland
Reuß Lieutn. Louis Büchner, Militair-Chir, – Dr. E. Büchner
Grandhomme.

Für die Richtigkeit des

Auszugs
?Unterschrift? z.Zt. Pfr.

Siegel

Stockstadt den 5ten July
1844

Als Paten wurden zwei Brüder des Vaters eingesetzt, Wilhelm Friedrich (12.9.1780) und Johann Karl (7.6.1791). Wilhelm, der als Arzt in Gouda lebte, wurde später auch der Schwiegervater seines Patenkindes, als Wilhelm Büchner dessen Tochter Elisabeth Wilhelmine Frederika heiratete. Der als Zeuge unterschreibende L(i)eutnant Reuß war Bruder der Mutter Caroline; Pfarrer war Friedrich Peter Grandhomme.

Stockstadt_GeburtshausWilhelm

Stockstadt, Ort des Wohnhauses der Familie Büchner 1816, heute Vorderstraße 13 (Foto 2008)

Aller Wahrscheinlichkeit nach steht dieses Haus auf den Grundmauern dessen, in dem die Büchners zwischen 1815 und 1816 wohnten – im April 1815 war Mathilde noch in Goddelau geboren worden, im Oktober 1816 wohnt die Familie bereits in Darmstadt in der Hospitalstraße, der Vater Ernst Büchner ist „Amts- und Stadtchirurg“.

 

SPeterBrunner
von Peter Brunner

27.7.2015

Mathilde Büchner bekommt einen Grabstein!

Filed under: Büchner,Darmstadt,Genealogie,Mathilde Büchner — Schlagwörter: , , , — peter brunner @ 16:55

Kürzlich habe ich hier über den Plan, Mathilde Büchner einen Grabstein zu setzen, informiert. Mittlerweile konnten wir das Vorhaben in der Luise Büchner-Gesellschaft verwirklichen.

Im September werden wir nach Abstimmung mit der Steinmetzin, dem Friedhofsamt und nicht zuletzt den Spenderinnen festlegen, wann wir zu einem Treffen am sanierten Grab zur öffentlichen Übergabe des neuen Steins einladen – voraussichtlich Anfang Oktober.

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Auf dem Alten Friedhof in Darmstadt befindet sich die Grabstätten von Ernst Büchner und seiner Frau Caroline sowie ihrer Kinder Mathilde und Luise. Unmittelbar daneben liegt das große Familiengrab von Ludwig Büchner. Wilhelm Büchner ist in Pfungstadt begraben, Georg in Zürich. Alexander Büchners Grab in Hannover besteht leider nicht mehr.

Ein Grabstein für Mathilde Büchner, die „stille“, am wenigstens prominente aus der Geschwisterreihe, wurde entweder nie errichtet oder er ging verloren. Sie wurde nach ihrem Tod am 30. August 1888 auf dem Familiengrab bestattet. Damals lebten ihre drei Brüder Wilhelm, Ludwig und Alexander noch.

Im Frühjahr 2015, im 200. Geburtstagsjahr von Mathilde Büchner, hat die Darmstädter Luise Büchner-Gesellschaft die Initiative zur Errichtung eines Steins für die älteste Büchner-Schwester ergriffen und aus dem Vereinsetat einen Betrag von 500 Euro zur Verfügung gestellt. Mittlerweile war der Aufruf zur Zuspende so erfolgreich, dass der Auftrag für die Fertigung des Steins erfolgte (wenn auch weitere Zuspenden noch herzlich willkommen sind).

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Die Darmstädter Steinmetz-Meisterin Ruth Andres wird einen historischen Stein, den das Friedhofsamt zur Verfügung stellte, umarbeiten, so dass er zum Ensemble auf dem Grab passt. Dazu wird die Anordnung der Gedenksteine so verändert, dass künftig Mathildes Grabstein unter dem großen Denkmal für Luise und zwischen den Steinen für die Eltern gesetzt wird.

Die Gedenktafel für den Neffen Ernst Büchner und seine Frau Mary von Ferber, die 1925 in Darmstadt starben und deren Urnen hier beigesetzt sind, wird künftig weiter vorn platziert. Die erforderlichen Restaurierungs- und Sanierungsarbeiten für das Grab wird im Auftrag des Friedhofsamtes ebenfalls die Werkstatt Andres & Heimbrock übernehmen.

Spätestens im Oktober 2015 wird das renovierte Grabmal mit dem neuen Grabstein der Öffentlichkeit übergeben.

Die ehrenamtliche Tätigkeit der Luise Büchner-Gesellschaft können Sie mit einer Mitgliedschaft regelmäßig unterstützen. So erhalten Sie frühzeitig Informationen über das reichhaltige Veranstaltungsprogramm sowie häufig vergünstigten oder freien Eintritt dazu.

Für Zuspenden ist das Konto DE94 5089 0000 0005 6730 11 der Luise Büchner-Gesellschaft eingerichtet;
Überweisungen bitten wir mit dem Vermerk „Mathilde” zu versehen.

SPeterBrunner

von Peter Brunner

25.10.2014

Alexander Büchner zum 187.

Filed under: Alexander Büchner,Büchner,Darmstadt,Genealogie,Texte — Schlagwörter: , , , , — peter brunner @ 14:12

Am 25. Oktober 1827 wurde Alexander Büchner in der Darmstädter Grafenstraße geboren.

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Das einzig bekannte Foto des Büchner’schen Hauses in der Darmstädter Grafenstraße, wo Alexander Büchner 1827 geboren wurde

 

Ich habe hier schon einmal über seine Sympathie mit den Kämpfen der Polen um ihre Unabhängigkeit berichtet. Das hier folgende „5. Polenlied” aus seiner allerersten Buchveröffentlichung passt, finde ich, sehr gut auf die Verzweiflung und daraus folgende Allmachtsphantasie, die viele angesichts der Ungerechtigkeit auf der Welt gelegentlich packt. Dann ist es ein naheliegender Wunsch, das Ganze mal schnell zurechtzurücken – allerdings spricht das ein 19-jähriger halt leichter aus als ein älter und bedächtig Gewordener …

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Alexander Büchner (1827 – 1904) Ausschnitt aus einer Fotografie

Polenlieder aus dem Februar 1846

5.

Höret, horcht und lasst euch fragen,
Ist kein Teufel zu erjagen?
Ist die Hölle wirklich kalt?
Ist kein Satan aufzutreiben,
Gern möcht‘ ich mich ihm verschreiben
Für ein Stündchen Allgewalt

Für ein Stündchen Macht in Händen,
Da Gerechtigkeit zu spenden,
Wo das Unrecht Recht sein muß,
Hier vor Hungertod zu wahren,
Dort mit Blitzen d’rein zu fahren
In des Reichen Überfluß

Patrioten zu erretten
Von des Henkers Strang und Ketten
Und des Kerkers Einerlei,
Um Despotenmacht zu brechen,
Um zum Volke laut zu sprechen:
Stehe Volk!, sei frei, sei frei!

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