Peter Brunners Buechnerblog

Autor: peter brunner (Seite 1 von 84)

Verbindung der Kunst mit dem republikanischen Volksstaat

Im neuesten „Gelurt“, Odenwälder Jahrbuch , hat Ludwig Fertig einen Aufsatz zum ersten Büchnerpreisträger Adam Karillon veröffentlicht.

Es ist fast in Vergessenheit geraten, dass der Büchnerpreis bereits seit 1923 vergeben wird, nicht zuletzt, weil er nach dem Faschismus eine andere Form und Trägerschaft bekam. Bis vor einigen Jahren hat die heute federführende Akademie für Deutsche Sprache und Dichtung auf jeden Hinweis darauf verzichtet, heute schreibt sie immerhin „Der Georg-Büchner-Preis wurde zum ersten Mal am 11. August 1923 verliehen. Er war vom damaligen Volksstaat Hessen gestiftet und in der Landeshauptstadt Darmstadt übergeben worden. Er wurde an Dichter, Künstler, Schauspieler und Sänger verliehen.“

Fertig schildert in „Politisierung der Erzählprosa“ die Geschichte der Einsetzung des Preises und des ersten Preisträgers als Kompromiss – war Karillon selbst zunächst sogar als Namensgeber des Preises vorgeschlagen, wurde er schließlich als eher konservativer Autor ein Preisträger, dem selbst der stramme Antisemit Ferdinand Werner, der für die Deutschnationalen im Hessischen Landtag saß, zustimmte.

Was die Familie Büchner angeht, so erwähnt Fertig, dass Ludwig Büchner einigen Anteil am literarische Erfolg Karillons hatte – er veröffentlichte 1897 eine Besprechung von Karillons Erstling „Eine moderne Kreuzfahrt“ und „verhalf ihm zum Durchbruch auf dem Literaturmarkt“ (Fertig).

Auch Anton Büchners Auftritt vor der ersten Aufführung des Woyzeck in Darmstadt am 24.9.1919 erwähnt er.

Ein dritter Büchnerverwandter, Sohn Ludwig Büchners und Cousin von Anton, hieß Georg wie sein bedeutender Onkel. Ihn erwähnt Fertig nicht, obwohl er zum Zeitpunkt der Einsetzung des Preises nicht nur „geschäftsführender Direktor“ in der Darmstädter Maschinenbaufabrik seines Schwiegervaters Schenk und „Vorsitzender des Verbandes der Metallindustriellen und des Bundes der Arbeitgeberverbände in Hessen und Hessen-Nassau. Auf Reichsebene war er Vorstandsmitglied des Gesamtverbandes Deutscher Metallindustrieller und des Deutschen Fördermittel- und Großwaagenverbandes“ war, sondern auch Abgeordneter der DDP im Hessischen Landtag, also der Partei, die den Antrag auf Einsetzung des Büchnerpreises stellte.

Grabstein Georg Büchners, seiner Frau und Tochter auf dem Grab seines Vaters Ludwig.
Die drei starben bei der Zerstörung Darmstadts

Die Rede im Landtag zur Einsetzung des Preises hielt am 8. August 1922 der DDP-Abgeordnete Julius Reiber. Er schloß „Die Bezeichnung des Preises als Georg-Büchner-Preis bedarf keiner weiteren Begründung“. Für Reiber ging es um „eine Verbindung der Kunst mit dem republikanischen Volksstaat“ .

Karillons Kunst und Bedeutung sind von den Zeiten überholt – dass ihn der Nazi Werner zum achtzigsten Geburtstag ehrte und Gratulationen einiger weiterer NS-Größen eingingen, stellt Fertig zu Recht in den Zusammenhang seiner geschwundenen literarischen Anerkennung: „Das Lesepublikum war andere Literatur als Heimatkunst gewohnt: … 1929 erschien z. B. Brechts Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny und Döblins Berlin Alexanderplatz. Karillon war Geschichte“. Karillon starb 1938 in Wiesbaden.

Bedeutendere als er erhielten den hessischen Kulturpreis – so 1929 Carl Zuckmayer oder, nach der Befreiung noch einmal als Landespreis, 1947 Anna Seghers und 1950 Elisabeth Langgässer.

In Kürze wird die Bekanntgabe der diesjährigen Preisträgerin des Büchnerpreises erfolgen – die Verbindung der Kunst mit dem Republikanischen ist auch dem neuen Büchnerpreis nach 1950 mit einigen Verleihungen gelungen. Ich wünsche mir das auch für 2020.

Peter Brunner

von Peter Brunner

Die quote signs von Mahdi Ehsaei sind da!

2013 hat Mahdi Ehsaei als Student der Hochschule für Gestaltung in Darmstadt zwei eindrucksvolle und vielschichtige Beiträge zum Festival Büchner 200 erarbeitet:

„Quote signs“

und

„Listening station“

(die links führen zu seinem Webauftritt mit Bildern und Erläuterungen)

Ich habe hier in meinem kritischen Rückblick auf die Büchner 200-Aktivitäten davon berichtet.

Im Dezember 2018 konnte er dann mit der freundlichen Unterstützung des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst in einem Vortrag im Büchnerhaus über seine Arbeit berichten. Dabei hat er versprochen, uns seine beiden Werke zu überlassen, und heute brachte er die eigens für das Büchnerhaus angefertigten „quote signs“ vorbei

Meine Wenigkeit mit Büchnerscher Klarheit

In den nächsten Wochen werden wir die Schilder rund ums Büchnerhaus aufstellen – und bald auch die listening station!

Ich sage oft, Büchners Worte sind wie mit Hammer und Meissel geschrieben – hier sind sie eingebrannt!
Hof und Garten am Büchnerhaus

Peter Brunner

von Peter Brunner

Vater Büchner und der Weltgeist zu Pferde

Peter Brunner

von Peter Brunner

Im Videochannel der BüchnerBühne auf Youtube steht hier der zweite Teil meiner kleinen Videobeiträge aus dem BüchnerHaus online .

Weitere Beiträge (und ich habe eine Vormerkliste für ca 55 ….) werde ich hier nicht mehr einzeln ankündigen; sehen Sie gerne regelmäßig bei YouTube vorbei oder, besser, abonnieren Sie den Channel. In der Blogroll hier rechts steht jetzt auch ein dauerhafter Link dorthin. 

Wie immer freue ich mich über Kritik, Anregungen, Fragen usw hier, beim Video oder per Mail

Büchner findet statt!

Das Museum in Georg Büchners Geburtshaus im Riedstädter Stadtteil Goddelau muss vorläufig geschlossen bleiben – die Enge in den Ausstellungsräumen des historischen Fachwerkhauses lässt Besuche unter den vorgegebenen Sicherheitsabständen einfach nicht zu.

 

Museumsleiter Peter Brunner hat sich daher vorgenommen, in Videobeiträgen aus der Vielfalt des Museumsangebotes zu berichten. Er beginnt mit der Biographie von Georg Büchners Vater. Die Reihe soll fortgesetzt werden (und er wird dabei gerne auf Fragen und Hinweise reagieren).

Hier geht es zum ersten Beitrag – über Georg Büchners Vater Ernst Büchner.

Peter Brunner

von Peter Brunner

Luise Büchners Denkmal wurde zerstört

Das Darmstädter Luise Büchner-Denkmal am Döngesbornplatz ist zerstört worden, der Bronzekopf wurde entwendet. Ich war vor drei Jahren selbst bei der Errichtung Zeuge der sehr aufwändigen Verankerung – es war kein Kinderspiel, die Büste zu entwenden.

Ruth Andres bei der Montage der Büste

Mit der Enthüllung hat die Luise Büchner-Gesellschaft das Denkmal der Stadt Darmstadt übereignet, die nun auch Herr des Verfahrens der polizeilichen und juristischen Konsequenzen ist.
An dieser Stelle wahrscheinlich vergeblich bleibt der Appell, den Kopf, dessen Materialwert nur einen Bruchteil des künstlerischen Wertes darstellt, zurückzugeben.

Zur Zeit ist völlig offen, welche Konsequenz der Diebstahl hat. Wir werden abwarten müssen, ob und was die Ermittlungen ergeben.

Wir hatten die ernsthafte Überzeugung, dass das kleine Denkmal geschätzt, angenommen und eben auch – geschützt werde. Es graut mir vor den jetzt anstehenden Überlegungen, ob und welcher künftige Schutz es künftig besser sichern könne.

Schade, dass dieser Beitrag unmittelbar auf den folgen muss, in dem die Benennung des „Bildungs-Campus“ nach Luise Büchner berichtet wurde. Das immerhin wird sich nicht entwenden lassen. …

Peter Brunner

von Peter Brunner

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