Neues aus Buechnerland Peter Brunners Buechnerblog

30.9.2013

Reliquie – lat. „Überbleibsel“

Filed under: Georg Büchner — peter brunner @ 17:22

Reinhard Pabst hat in den letzten Wochen bereits mehrfach mitgeteilt, dass eine Nachricht über bedeutende Büchneriana anstünde. Wer ihn kennt, war davon nicht überrascht – das macht er gern und oft.

Am vergangenen Samstag hat dann Hubert Spiegel im FAZ-Feuilleton mitgeteilt, worum es ging: die nur als Fotografie der siebziger Jahre bekannten Skizzen Alexis Mustons von Georg Büchner sind im Original aufgetaucht, werden in Darmstadt bei der Georg-Büchner-Ausstellung gezeigt und auf Dauer im Freien Deutschen Hochstift verwahrt werden.

EDIT: Hier findet sich jetzt auch der Bericht von Johannes Breckner im DARMSTÄDTER ECHO. 

Am Montag früh stellten die stolzen Finder der Presse ihre Schätze vor. Die Umstände der Wiederentdeckung, die Recherche nach Alexis Mustons Nachfahren und der Zugang zu ihnen ist im oben verlinkten Artikel gut geschildert,

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Präsentation der Muston-Zimelien im „Italien-Saal“ des Goethehauses;
vlnr Bettina Zimmermann (Handschriftenabteilung Hochstift/Goethehaus), Reinhard Pabst, Prof. Dr. Anne Bohnenkamp-Renken (Direktorin des Freien Deutschen Hochstifts und Chefin des Goethe-Museums), J. Breckner (Darmstädter Echo), Prof. Dr. H. Kurzke, ein Pressekollege und Nicole Schlabach (Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen)

Zu dem höchst umstrittenen Bildfund des „Korsaren“ kommt jetzt also eine Sensation, die erst auf den zweiten Blick als solche zu erkennen ist. Denn die Bilder waren ja bekannt, ihr Entstehungsumstand hundertfach beschrieben und ihre Originalität immer wieder gelobt. Dennoch hat die Büchnerforschung und die interessierte Öffentlichkeit lange kein solches Geschenk bekommen.

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Freundlicherweise hat das freie Deutsche Hochstift gut aufgelöste Scans der drei entscheidenden Bilder bereitgestellt, die ich hier (in webgerechter Auflösung) zeigen kann. Sie zeigen Frische, Tiefe und darstellerische Qualität, von der bisher niemand eine Ahnung hatte. Der erste Finder des Muston-Nachlasses, der Münchner Professor Fischer, hat nach Schilderungen von Reinhard Pabst überhaupt nur unter striktester Kontrolle der damaligen Besitzerin, der „Meeresbiologin mit dem märchenhaften Namen Yseult LeDanois“ (H. Spiegel in der FAZ) im Muston-Nachlass lesen und daraus fotografieren dürfen. Wahrscheinlich hatte er selbst nicht die geringste Vorstellung vom Ausmaß der Hinterlassenschaft, die nach den Berichten von Hermann Kurzke und seines Freundes Reinhard Bender unter vielem Anderen „mindestens 20.000 Briefe“ (!) an Muston umfasst. Es ist kaum vorstellbar, welche Funde und Erkenntnisse in diesem märchenhaften Konvolut stecken könnten. Selbst wenn keine einzige weitere Büchner-Zimelie mehr dabei wäre, enthält es doch ganz sicher bemerkenswerte Materialien zur Geschichte der Waldenser, des Protestantismus in Frankreich und damit der europäischen Geschichte des 19. Jahrhunderts. Der allergrößte Teil dieses Schatzes wird in Frankreich bleiben; Bender und Kurzke hatten etwa zwei Tage zur Sichtung (während derer sie sich allerdings nach eigenem Bericht südfranzösischer Lebensart und entsprechend ausgedehnten Unterbrechungen durch Pastis, Menü und Pause déjeuner unterwarfen). Diese erste flüchtige Durchsicht hat kein Büchner-Material aufgetan. Nicht nur Reinhard Pabst hält das allerdings nicht für eine abschließende Bewertung. Der jetzige Eigentümer, dem offenbar erst durch die euphorisierten Deutschen die Bedeutung seines Besitzes für die Büchner-Forschung klar wurde, hat sich vorgenommen, das Material fotografisch zu erfassen und erste Systematisierungen vorzunehmen. Neben den in der FAZ erwähnten Handeinbänden von tausenden von Handschriften gibt es dort eine Vielzahl von Tagebuchbänden Mustons, das Manuskript seines Revolutionsdramas, auf das auch schon Heinz Fischer aufmerksam gemacht hatte, mit handschriftlichen Anmerkungen von Alexandre Dumas, eine Vielzahl von Skizzen, Aquarellen und Zeichnungen u.v.a.m. Der Tagebuchtext, den Fischer zitiert, ist die Wiedergabe von Mustons viel später erfolgter Rein- und Zusammenschrift; offenbar liegt aber auch das frühe Original vor. Kurzke vermutet, dass Muston bei seiner Reinschrift die erhaltenswert gefundenen Skizzen und Zeichnungen ausschnitt und in einem begleitenden Album bewahrte. So entstand wohl auch der kaum briefmarkengroße „Schnipsel“ mit dem Büchner-Kopf. Möglicherweise kann auf die Dauer das zerschnittene Original wieder hergestellt werden, so dass wir hoffentlich eines Tages die noch immer rätselhaft Eintragung „Balzac“ unter dem Büchner-Bild im Zusammenhang lesen und verstehen können. Leider war es heute früh nicht möglich, auch die Rückseite dieses kleinen Bildes zu sehen; das Hochstift hat mir aber einen Scan davon zugesagt, so dass immerhin als nächstes dieses kleine Stück Text veröfentlicht wird. Ich werde ihn natürlich unverzüglich hier zugänglich machen. Prof. Kurzke hat ihn gesehen und meint sich zu erinnern, dass „Paris“ erwähnt werde: Büchner und Muston hatten sich in Straßburg – leider vergeblich – auf bessere Zeiten in der französischen Hauptstadt verabredet.

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Prof. Dr. Kurzke vor der Vitrine mit einem vergößerten Ausdruck einer Skizzenheft-Seite

Neben dem kleinen Bild haben Bender und Kurzke aus Frankreich die Tagebuch-Reinschrift, die wir von Fischers Fotografien, Transkriptionen und Übersetzungen kennen, und das Skizzenheft mitgebracht, aus dem die schöne Zeichnung Büchners auf dem Felsenmeer, sein skizzierter Kopf und die Mohnblüte, die neuerdings als Augapfel herhalten muss (?!), mitgebracht. In diesem Skizzenheft, das wohl weitere Schätze birgt, gibt es eine weitere Seite, die Fischer nur in einem Ausschnitt wiedergibt und die jetzt vollständig veröffentlicht werden kann.

 

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Links von den Köpfen, darunter vielleicht noch einmal Georg Büchner, vielleicht sein Bruder Wilhelm, vielleicht Mustons Darmstädter Logisgeber und wer weiß wer noch, hat Muston eine kleine Frankenstein-Skizze untergebracht, die natürlich besonders uns Regionalisten freut.

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Die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen hat zugesagt, den Ankauf der Schätze, die bereits ab heute in Frankfurt gezeigt werden, möglich zu machen und das Material auf Dauer beim Hochstift zu belassen. Reinhard Pabst nutzte die Gelegenheit, auf die Planungen und Wünsche für ein Romantik-Museum bei Hochstift und Goethehaus hinzuweisen und dort als dringende Verpflichtung die Einrichtung einer „Büchner-Insel“ anzuregen.

Dem ist herzlich bester Erfolg zu wünschen!

20.9.2013

Geredet wird zwar in diesen Parlamenten unendlich viel, aber gethan oder erreicht um so weniger.

Filed under: Büchner,Geschichte,Ludwig Büchner,Zeitgen — peter brunner @ 16:23

Ludwig Büchners letzte Veröffentlichung ist eine Art politisches Testament. „Am Sterbelager des Jahrhunderts. Blicke eines freien Denkers aus der Zeit in die Zeit” hat er 1898, ein Jahr vor seinem Tod, bei Emil Roth in Gießen veröffentlicht.

 

Anlässlich der Tagesereignisse hier ein kleiner Auszug aus dem Kapitel „Politik”

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„Man bedenke ferner, dass der Parlamentarismus keine wirkliche Volksherrschaft bedeutet (namentlich dort nicht, wo er, wie in Deutschland seine Herrschaft mit derjenigen der Krone teilen muss), sondern eine Tyrannei zufälliger Majoritäten in den parlamentarischen Körperschaften. Ja diese Tyrannei kann unter Umständen zu derjenigen eines Einzelnen oder weniger werden, wenn die Stimmenzahl auf beiden Seiten sich so sehr ausgleicht, das eine oder einige Stimmen den Ausschlag geben.

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Oder die parlamentarische Mehrheit kann in Wirklichkeit die Minderheit des Volkes, die parlamentarische Minderheit die Mehrheit desselben ausdrücken. … Selbst die allgemeine Hebung der Bildung, welche man als Korrektiv des allgemeinen Stimmrechtes anzusehen oder anzupreisen pflegt, würde schwerlich etwas nützen. Wären z. B. alle französischen Wähler so intelligent, wie die Mitglieder des Senats und der Deputiertenkammer, so würde das allgemeine Stimmrecht nichtsdestoweniger die Herrschaft der Gewalt durch die Zahl sein. Nicht selten hat, wenn sich die Regierungspartei und die Opposition in einigermaßen gleicher Stärke gegenüberstehen, eine verhältnismäßig kleine Fraktion es in der Hand, den Ausschlag nach dieser oder jener Seite zu geben, und beherrscht somit trotz ihrer Minderzahl das Land und seine Interessen. Dazu kommt der erbärmliche, unwürdige Schacher, der zwischen den einzelnen Fraktionen um die heiligsten Volksinteressen nach dem Prinzip „Eine Hand wäscht die andere“ getrieben zu werden pflegt. Überhaupt ist die ehedem nicht gekannte Zerspaltung der gesetzgebenden Körperschaften in eine Anzahl politischer Fraktionen und Fraktiönchen ein Krebsschaden des modernen Parlamentarismus. Früher kannte man das nicht, und der Gegensatz zwischen rechts und links, zwischen Regierungspartei und Opposition war in der Regel der einzige, welcher diese Körperschaften spaltete, während die Zentrumspartei das ausgleichende und vermittelnde Moment darstellte. Heutzutage aber geht jede Fraktion ihre eigenen, mit den Wegen anderer Parteien in der Regel unvereinbaren Wege. Ein ewiges Gezänke oder gegenseitiges unwürdiges Feilschen ist die notwendige Folge, und man muss von Glück sagen, wenn diese Gezänke nicht, wie leider so oft, in gemeine und die Würde der Volksvertretung auf das Schwerste kompromittierende Handgreiflichkeiten ausartet. Fragt man nach der Ursache dieser wenig erfreulichen Erscheinung, so wird sie wohl hauptsächlich darin zu suchen sein, dass nach und nach infolge der großartigen Entwickelung aller materiellen Verhältnisse an die Stelle der ehemaligen Ideal-Politik die jetzt herrschende Interessen-Politik getreten ist, vermittelst welcher jeder Einzelne oder jede einzelne Gesellschaftsklasse bei der allgemeinen Güterteilung soviel Vorteile wie möglich für sich selbst herauszuschlagen sucht. Diese Interessenpolitik ist aber die geschworene Feindin derjenigen Politik, welche Vernunft und Wissenschaft vorschreiben. Wenn z.B. Schutzzölle im Interesse gewisser Gesellschaftsklassen liegen, so werden ihre Vertreter dafür stimmen, einerlei was Wissenschaft und Gerechtigkeit dazu sagen. Oder wenn die Verfechter dieser letzteren im Interesse einer vernünftigen Sozialpolitik Maßregeln zu größeren Ausgleichung des Besitzes vorschlagen, so werden sich die Vertreter der besitzenden Klassen dadurch schwerlich ihre Zustimmung abnötigen lassen. Zwei der hervorragendsten und wohlbegründetsten Forderungen, welch der vernünftige und wissenschaftliche Sozialismus aufstellt, sind bekanntlich einmal die Zurückführung des Grundes und Bodens in den Besitz der Allgemeinheit und zum zweiten die Einschränkung der Erbrechte. Aber wie gering ist die Zahl derjenigen, welche diesen Forderungen zustimmen oder welche überhaupt nur Kenntnis davon genommen haben; und wie noch weit geringer würde die Zahl der Volksvertreter sein, welche es den persönlichen Interessen der Wähler und ihrer selbst gegenüber wagen würden, solchen Vorschlägen auch nur ein Ohr zu leihen! Auch unser, an anderer Stelle dieser Schrift genauer begründeter Vorschlag einer Umwandlung der menschlichen Gesellschaft und des Staates in eine große, auf Gegenseitigkeit beruhende Versicherungsgesellschaft gegen Krankheit, Unfall, Alter, Invalidität und Tod, dessen Ausführung allein schon den größten und drückendsten Teil des sozialen Elends aus der Welt schaffen würde, dürfte in unseren gegenwärtigen Parlamenten schwerlich auf Unterstützung zu rechnen haben, so sehr auch Vernunft und Wissenschaft dafür sprechen. Geredet wird zwar in diesen Parlamenten unendlich viel, aber gethan oder erreicht um so weniger.

Übrigens wird die Politik der Zukunft und damit auch der künftige Parlamentarismus ganz anderen und schwierigeren Aufgaben gegenüberstehen, als den bloß politischen der Gegenwart; denn sie steht, wie in einem späteren Kapitel noch eingehender nachzuweisen werden wird, unter dem Zeichen des Sozialismus oder der Gesellschaftsverbesserung, im Vergleich mit welcher das Streben nach politischer Einheit und Freiheit, so berechtigt dasselbe an sich sein mag, doch nur eine untergeordnete oder zweite Rolle zu spielen vermag. Denn nur der gesellschaftlich und wirtschaftlich Freie kann in Wahrheit auch politisch frei sein!

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(Ludwig Büchner: Am Sterbelager des Jahrhunderts. Gießen, Roth, 2. Aufl., 1900, S. 249 ff)

14.9.2013

„… ruft im gesamten deutschen Sprachraum den empörten, kämpfenden, rasenden Büchner in Erinnerung“

Filed under: Uncategorized — peter brunner @ 14:09

Die Post hat in ihrer Publikation „postfrisch“ eine Ankündigung der Büchner-Briefmarke veröffentlicht und auch verworfene Entwürfe bekannt gemacht. Mit dem oben zitierten Satz endet der Beitrag, der nicht erläutern kann, warum dafür der Steckbrief als Beleg herhalten muss.

Die Zeitschrift ist hier online verfügbar, im neu geöffneten Browser-Fenster kann man durch klicken blättern. Der eigentliche Artikel steht auf Seite 8/9, die Entwürfe auf Seite 20. 

Inhaltlich ist dem vorhergehenden Beitrag nichts hinzuzufügen, formal bleibt es schade, dass der schöne Büchner-Kopf von Helmut Lorz nicht berücksichtigt wurde – er schlägt das hier Gezeigte jedenfalls um Längen!

 

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Die Darmstädter Philatelisten haben einen Sonderstempel genehmigen lassen und werden den im Rahmen der Ausstellung im Darmstadtium präsentieren. Auf den Veranstaltungsseiten von Buechner 12/13  finden sich weitere Informationen dazu. Ob es sich dabei um „ … ein außergewöhnliches Angebot der Erinnerungskultur und Wertschätzung“ (O-Zitat) handelt oder nur um die Verschlimmbesserung der mißlungenen Marke ist dem Urteil des Betrachters überlassen.

 

6.9.2013

Unbekanntes Büchner-Jubiläum versehentlich nicht begangen

Filed under: Georg Büchner,Geschichte — peter brunner @ 09:26

Nachtrag vom 9.9.:

Ja, ganz zur Recht wurde mehrfach gefragt, ob es denn noch nie eine deutsche Briefmarke für Georg Büchner gegeben habe. Bereits vor 50 Jahren erschien zum 150. Todestag Geburtstag (Danke, R.P.!) eine Marke in der DDR. Nicht dass sie besonders schön gewesen wäre – aber besonders hässlich war sie immerhin auch nicht:

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Mit einem stilisierten Woyzeck-Motiv im Hintergrund und einem Portrait nach dem bekannten Hoffmann-Bild aller Ehren wert. 

Der Präsident des Bundes Deutscher Philatelisten, Dieter Hartig, schrieb mir auf die Frage, ob und welcher inhaltlichen Kompetenz man sich bei der Entscheidung für das Marken-Motiv bedient habe:

Abstimmungen und Entscheidungen des Kunstbeirates (sollen? pb) unter Ausschluß der Öffentlichkeit erfolgen. Bitte wenden Sie sich direkt an das Postwertzeichenreferat im BMF in Berlin.

Außerdem ist der Kommentar von Stefan Benz aus dem Darmstädter Echo („Georg Büchner ist ein gesuchter Mann …“) inzwischen online zugänglich. Auf mein Kompliment dazu schrieb er mir:

Für Anregungen zur Satire bin ich ja immer dankbar. Wenns so weiter geht, kann ich noch eine Anthologie mit Büchner-Glossen herausbringen. Die Idee hinter der Steckbrief-Marke kann ich im Übrigen ja auch verstehen – frei nach dem Motto einer Roman-Polanksi-Filmbiografie: „Georg Büchner – wanted and desired“. Aber die Vorlage ist eben auch zu schön, um daraus nicht einige Pointen abzuleiten.

 

Nachtrag vom 7.9.:

Zahlreiche Reaktionen und Kommentare haben mich hierzu erreicht; Forschung, Publizistik und Büchner-Familie sind unisono konsterniert. Im DARMSTÄDTER ECHO hat Stefan Benz analog kommentiert (leider noch nicht online).

Ich habe die Grafikerin gebeten, ihre Überlegungen zur Gestaltung zu äußern und werde das Bundesfinanzministerium fragen, mit welcher inhaltlichen Kompetenz bzw. Beratung die Entscheidung für das Motiv gefallen ist.

Später mehr.

 

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Man hätte es wissen müssen: für  den Staat ist das wichtigste Büchner-Jubiläum offenbar der 13. Juni 1835.

 

Briefmarke_Georg

 

 

Die Querelen um die Herausgabe einer Georg-Büchner-Marke sind hier ja mehrfach erörtert worden; dass 1987 noch keine erscheinen durfte, ist allgemein als typisch beschrieben worden für die Distanz auch zu solchen Rechtsbrechern, die den heutigen Verhältnissen den Weg gewiesen haben. Ich selbst habe mich mehrfach mit Initiativen für eine Gedenkmarke eingesetzt; schon vor Jahren schrieben auf meine Anregung hin Bürgermeister und Abgeordnete an das Finanzministerium.

Die jetzt vorliegende Briefmarke, die zum 200. Geburtstag tatsächlich erscheint, schlägt allerdings dem Fass den Boden aus: die Deutsche Post nutzt die Gelegenheit, noch einmal an die offenbar immer noch gültige Festnahme -und Auslieferungsverfügung zu erinnern. 

Begleitet von knappstmöglichen Lebensdaten wird – der Steckbrief zitiert, verfasst vom schrecklichen Richter Georgi, den schon Alexander Büchner 1849 ungestraft den Mörder Weidigs nennen durfte! Die erneute Veröffentlichung dieses Steckbriefes vom 13. Juni 1835, der Georg Büchner für den Rest seines Lebens und bis ins Grab verfolgte, ist ein wirklich außerordentliches Denkmal für die Form staatlichen Gedenkens an ihn.

Das hätte sich selbst ein scharfer Kritiker der heutigen Verhältnisse nicht schlechter ausdenken können! 

 

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